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»Dabei kann ich weder ruhig noch vernünftig sein,« sagte Rose mit verdoppeltem Unwillen, »und es ist nicht recht von Euch, Lady, daß Ihr auf die falschen Anklagen dieses hochehrwürdigen Vermummten hört, der weder ein rechter Geistlicher noch ein rechter Soldat ist. Aber ich will einen holen, der ihm vors Auge treten soll, sei er im Helm oder in der Kutte!«

Mit diesen Worten verließ sie eilig die Kapelle, worauf der Mönch nach einigem pedantischen Hin- und Herreden die Lady Eveline mit dem bekannt machte, was er von der Verhandlung zwischen Jorworth und Wilkin angehört hatte. Er schlug vor, die wenigen Englischen, welche in der Burg waren, zusammenzuziehen und sich in dem innern viereckigen Turm festzusetzen: ein Werk, welches in den gotischen Festungen zur Zeit der Normannen so gelegen war, daß es noch einem bedeutenden Widerstand leisten konnte, wenn auch die äußern Werke der Burg, welche es beherrschte, schon in der Hand des Feindes waren.

»Vater,« sagte Eveline, noch immer der Vision vertrauend, wovon sie Zeuge gewesen, »Das wäre ein guter Rat für die äußere Not, aber sonst hieße es nur, das Uebel hervorbringen, welches wir fürchten, die Garnison unter sich selbst uneins zu machen. Ich setze ein festes und nicht unverbürgtes Vertrauen, Vater, in unsere gesegnete Frau von Garde Douloureuse, sie wird uns zugleich Rache gegen unsre barbarischen Feinde und Rettung aus unserer gegenwärtigen Fährlichkeit erteilen. Ich rufe Euch zum Zeugen des Gelübdes, welches ich getan habe, daß demjenigen, welchen unsere Frau gebrauchen wird, uns Hilfe zu leisten, ich nichts verweigern wolle, wäre es meines Vaters Erbe und die Hand seiner Tochter.«

»Ave Maria! Ave Regina Coeli!« rief der Priester aus, »auf keinen sichren Felsen konntet Ihr Euern Glauben bauen. Aber, Tochter,« fuhr er nach diesem geziemenden Stoßseufzer fort, »habt Ihr nie davon gehört, oder einen Wink erhalten, daß schon über Eure Hand zwischen unserm höchst verehrten Herrn, dessen wir so grausam beraubt worden sind, (Gott sei seiner Seele gnädig!) und dem großen Hause von Lacy eine Uebereinkunft abgeschlossen worden sei?«

»Etwas mag ich wohl davon gehört haben,« sagte Eveline, die Augen niederschlagend, indem eine leichte Röte ihre Wangen überzog, »doch ich überlasse mich ganz der Bestimmung unserer Frau der Rettung und des Trostes.«

Während sie sprach, trat Rose mit derselben Heftigkeit, mit welcher sie die Kapelle verlassen hatte, wieder ein, an der Hand ihren Vater führend, dessen schleppender, doch fester Schritt, nichtssagendes Gesicht und schwerfällige Haltung den strengsten Kontrast gegen die Schnelligkeit ihrer Bewegungen und die feurige Lebendigkeit ihres Eintrittes bildeten. Ihr Streben, ihn vorwärts zu ziehen, konnte den Zuschauer leicht an jene Monumente erinnern, auf welchen oft ein kleiner Cherub, seiner Aufgabe durchaus nicht gewachsen, dargestellt wird, wie er gleich zu dem Empyreon hinauf die fleischige Masse irgend eines gewichtigen Grabbewohners windet, deren unverhältnismäßige Schwere die wohlwollenden geistigen Anstrengungen des schwebenden Führers zu überwiegen droht.

»Röschen, mein Kind, was betrübt Dich?« sagte der Niederländer, indem er der Gewalt seiner Tochter mit einem Lächeln nachgab, welches auf seinem Gesichte als Vater mehr Ausdruck und Gefühl verriet, als sonst auf seinen Lippen zu verweilen pflegte.

»Hier steht mein Vater,« sagte das ungeduldige Mädchen, »jetzt beschuldige ihn des Verrates, wer es kann und wer es mag. Hier steht Wilkin Flammock, Sohn des Dieterick, des Kramers von Antwerpen. – Laß die ihn ins Angesicht anklagen, die ihn im Rücken beschimpften.«

»Sprecht, Vater Aldrovand,« sagte Eveline, »wir sind noch jung in unserer Herrschaft, und ach! in böser Stunde ward uns dieses Amt auferlegt. Doch wir wollen, so möge Gott und unsere Frau uns helfen, mit all unserer Macht Eure Anklage hören und Urteil sprechen.«

»Dieser Wilkin Flammock,« sagte der Mönch, »wie dreist er auch schon in der Bosheit geworden, wagt es nicht, zu leugnen, daß ich ihn mit meinen eigenen Ohren die Uebergabe des Schlosses habe verhandeln hören.«

»Schlagt ihn nieder, Vater!« rief die empörte Rose. »Schlagt den Vermummten da! die stählerne Halsberge darf der Streich treffen, nicht des Mönchs Kittel. – Schlag ihn, oder laß ihn sagen, daß er schändlich lügt.«

»Ruhig, Röschen, Du bist närrisch,« sagte ihr Vater ärgerlich, »in dem Mönch ist mehr Wahrheit als Vernunft, und ich wollte, seine Ohren wären weit weg gewesen, als er sie in Dinge steckte, die ihn nichts angingen.«

Rosens Haltung sank zusammen, als sie hörte, daß ihr Vater ohne Umschweife die verräterische Handlung gestand, deren sie ihn unfähig gehalten hatte. Sie ließ die Hand sinken, mit welcher sie ihn in die Kapelle gezerrt hatte, und starrte Lady Eveline an, mit Augen, die aus ihren Höhlen hervorzutreten schienen, und einem Gesicht, aus welchem alles Blut, welches dasselbe eben so hoch rötete, in das Innerste ihres Herzens sich zurückgezogen hatte.

Eveline sah auf den Angeklagten mit einem Gesichte, auf welchem Sanftmut und Würde sich mit Kummer mischte. »Wilkin,« sagte sie, »das hätte ich nicht geglaubt, wie? an dem Todestag des Dir vertrauenden Wohltäters selbst konntest Du Dich mit seinen Mördern einlassen, dieses Schloß zu übergeben und Deine Treue zu brechen? – Aber ich will Dir keine Vorwürfe machen. – Ich entsetze Dich des Amtes, welches einem so unwürdigen Manne anvertraut war, und weise Dich in Verwahrsam im westlichen Turm, bis Gott uns Erlösung sende. Alsdann kann es sein, daß Deiner Tochter Verdienste Dein Vergehen ausgleichen und Dich weiterer Strafe entziehen. – Laß unsere Befehle sogleich vollzogen sein!«

»Ja – ja – ja!« rief Rose aus, ein Wort nach dem andern so schnell und heftig hervorstoßend, als es nur die Zunge vermochte. – »Laß uns gehen – laß uns gehen in den tiefsten Kerker – Finsternis schickt sich für uns besser als Licht.«

Der Mönch dagegen, welcher bemerkte, daß der Flamländer keine Bewegung machte dem Verhaftungsbefehle zu folgen, trat vorwärts auf eine Art, die mehr seinem ehemaligen Stande und seiner jetzigen Verkleidung als seiner geistlichen Würde geziemte, und mit den Worten: »Ich verhafte Dich, Wilkin Flammock, wegen eingestandenen Verrats gegen Eure Lehnsherrin!« würde er Hand an ihn gelegt haben, wäre nicht der Flamländer zurückgetreten und hätte in einer drohenden und entschlossenen Stellung ihn zurückgewiesen mit den Worten: »Ihr seid toll – all Ihr Engländer seid toll, wenn es Vollmond ist, und mein albernes Mädchen da ist auch von der Krankheit angesteckt – Lady, Euer verehrter Vater trug mir das Amt auf, welches ich zum Besten aller Parteien auszuführen gesonnen bin, und Ihr als Unmündige könnt mich nicht nach bloßem Belieben davon absetzen. – Vater Aldrovand! ein Mönch kann nicht gesetzlich in Verhaft nehmen. – Tochter Röschen, sei Du stille und trockne Deine Augen; Du bist eine Närrin.«

»Ich bin's – ich bin's,« sagte Rose, schnell ihre Augen trocknend und ihre Schnellkraft wiedergewinnend, – »ich bin in der Tat eine Närrin und schlimmer als das, da ich einen Augenblick an meines Vaters Rechtlichkeit zweifeln konnte. – Traut ihm, teuerste Lady, er ist weise, obgleich etwas schwerfällig; er ist freundlich, wiewohl geradezu und ungebildet im Sprechen. Sollte er falsch sein, so wird er am schlimmsten dabei fahren, – dann stürze ich mich von der höchsten Spitze des Wachturmes in den Graben, und er soll seine eigene Tochter verlieren, wenn er die seines Herrn verrät.«

»Das ist alles Wahnsinn,« sagte der Mönch. »Wer traut überwiesenen Verrätern? – Hierher, Normann, Engländer, zum Beistand Eurer Lehnsherrin! – Bogen und Aexte – Bogen und Aexte!«