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»Parabeln!« sagte der Mönch, rot vor Aerger über den ihm gespielten Streich. »Was hat ein Bauer, wie Du, mit Parabeln zu tun? – doch ich verzeih Dir – ich verzeih Dir.«

»So muß ich also dem Walliser das Schloß übergeben oder ihm sein Vieh zurückschicken?«

»Eher übergib Deine Seele dem Satan,« erwiderte der Mönch.

»Ich fürchte doch, eins von beiden wird sein müssen,« sagte der Flamländer. »Nach dem Beispiele Deines hochverehrten Herrn –«

»Das Beispiel eines hochverehrten Narren« – antwortete der Mönch, doch fügte er auf der Stelle hinzu: »Unsere Frau sei mit ihrem Knechte! Dieser Bauer mit dem holländischen Gehirn macht, daß ich alles vergesse, was ich sagen will.«

»Ja, und dann die heilige Schrift, welche Euer Hochwürden mir angeführt haben,« – fuhr der Flamländer fort.

»So geh doch,« sagte der Mönch, »was bildest Du Dir ein, über die heilige Schrift nachdenken zu können? – Weißt Du nicht, daß der Buchstabe der Schrift tötet, aber die Deutung macht lebendig. – Bist Du nicht dem gleich, der zu einem Arzte kommt, aber ihm die Hälfte der Symptome der Krankheit verschweigt? – Ich sage Dir, Du närrischer Flamländer, die Schrift redet nur von Versprechungen unter Christen, und in den Rubriken [Lat. rubrica heißen die Anweisungen, besonders in den liturgischen Büchern, die ursprünglich mit roter Tinte bezeichnet waren.] befindet sich eine ganz eigene Ausnahme für die Versprechungen, die den Wälschen geleistet werden.« Bei diesen Worten grinste der Flamländer mit so offenem Munde, daß er seinen ganzen Kasten voll breiter, starker, weißer Zähne zeigte. Auch Pater Aldrovand grinste aus Sympathie mit, und fuhr dann fort: »Kommt, kommt, ich sehe schon, wie es steht. Du hast Dir eine kleine Rache ersonnen, weil ich Deine Treue bezweifelte, und wahrlich! Du hast das witzig genug gemacht. Aber warum hast Du mich nicht gleich ins Geheimnis gezogen? Ich sag's Dir, ich hatte bösen Argwohn gegen Dich.«

»Wie?« sagte der Flamländer, »war es möglich, daß ich daran denken konnte, Ew. Hochwürden in ein kleines Stück von Betrug zu verwickeln? Dazu hat mir wahrlich der Himmel zu viel Sitten und Anstand gegeben, – Horch! ich höre Jorworths Horn am Tore!« –

»Er bläst wie ein städtischer Schweinhirt!« sagte Aldrovand verächtlich.

»Also Ew. Hochwürden befehlen nicht, daß ich ihm das Vieh zurückgebe?« sagte Flammock.

»Ja, so ungefähr. Ich bitte Dich, schicke ihm geradewegs über die Mauern einen solchen Zuber siedendes Wasser, daß es seinem Ziegenfellmann die Haare abbrüht. Und höre Du, versuche Du zuerst die Temperatur des Kessels mit Deinem Zeigefinger, und das soll Deine Buße für den Streich sein, den Du mir gespielt hast.«

Der Flamländer antwortete wieder mit einem breiten Grinsen, und sie begaben sich nach dem äußern Tore, dem sich Jorworth allein genähert hatte, Wilkin Flammock stellte sich an das Pförtchen, welches er jedoch sorgfältig verriegelt hielt, und durch eine kleine Oeffnung sprechend, welche zu solchem Behufe sich dort befand, fragte er den Walliser, was sein Begehren sei?

»Deinem Versprechen gemäß, die Uebergabe der Burg zu fordern,« sagte Jorworth.

»Ei, und zu solchem Geschäfte bist Du ganz allein gekommen?« sagte Wilkin.

»Nein, wahrlich nicht,« sagte Jorworth, »ich habe einige Dutzend Mann hinter jene Büsche versteckt.«

»Dann tust Du am besten, sie schnell abzuführen,« antwortete Wilkin, »ehe unsere Schützen ein Bündel Pfeile unter sie schicken.«

»Wie, Schurke, denkst Du nicht, Dein Versprechen zu halten?« sagte der Walliser.

»Ich gab Dir keines,« sagte der Flamländer, »ich versprach Dir bloß, das zu erwägen, was Du sagtest. Das habe ich getan, habe mich auch mit meinem Beichtvater beraten, und der will schlechterdings nichts davon hören, daß ich Deine Vorschläge eingehe.«

»Und Du willst,« sagte Jorworth, »das Vieh behalten, welches ich so ehrlich auf den Glauben an unsere Abmachung in die Burg schickte?« »Ich will ihn in den Bann tun und dem Satan übergeben,« sagte der Mönch, der die phlegmatische, zögernde Antwort des Flamländers nicht abwarten konnte, »wenn er nur ein Horn, Klaue oder Haar von ihnen einem solchen unbeschnittenen Philister überantwortet, als Du und Dein Herr es sind.«

»Schon gut, Du geschorener Pfaffe,« antwortete Jorworth im höchsten Zorn. »Aber versteh mich, hoffe nicht, daß Deine Kutte Dich auslösen soll. Wenn Gwenwyn diese Burg eingenommen hat, die nicht lange ein solches Paar treuloser Verräter beschützen wird, so will ich sehen, wie ein jeder von Euch, eingenäht in die Haut einer dieser Kühe, derentwillen Euer Beichtkind meineidig geworden ist, dahin geworfen wird, wo Wolf und Adler Eure einzige Gesellschaft sein werden,«

»Du magst Deinen Willen ins Werk setzen, wenn Deine Macht ihm gleich kommt,« erwiderte gelassen der Niederländer.

»Falscher Wälscher, wir trotzen Dir in Deine Zähne!« antwortete in einem Atem mit ihm der reizbare Mönch. »Ich hoffe, es noch zu sehen, daß die Hunde eher an Deinen Gliedern nagen, bevor der Tag kommt, von welchem Du prahlerisch sprichst.«

Beiden zugleich Antwort zu erteilen, zog Jorworth den Arm mit seinem eingelegten Wurfspieß zurück, und den Schaft schüttelnd, bis er eine schwingende Bewegung erhielt, schleuderte er ihn mit gleicher Kraft und Gewandtheit gegen die Oeffnung in dem Pförtchen. Er zischte durch die Oeffnung, auf welche er gezielt ward, und flog, wiewohl unschädlich, zwischen den Köpfen des Mönchs und des Flamländers hindurch. Der erste fuhr zurück, während der andere mit einem Blick auf den Wurfspieß, der in der Tür der Wachstube noch zitternd steckte, sagte: »Das war gut gezielt und glücklich gefehlt.«

Jorworth eilte, sobald er seinen Spieß geworfen hatte, zu seinem Hinterhalt, und gab seinen Mannen Zeichen und Beispiel zu einem schnellen Rückzug, den Hügel hinab. Pater Aldrovand wollte ihnen gern einen Pfeilregen nachschicken lassen, aber der Flamländer bemerkte, daß ihre Munition zu kostbar sei, um sie an wenige Flüchtlinge zu verschwenden. Vielleicht erinnerte er sich, daß sie einigermaßen auf sein Wort hin in die Gefahr einer solchen Begrüßung geraten waren.

Als das Geräusch des eiligen Rückzugs Jorworths und seiner Gefährten sich ganz verloren hatte, folgte eine Totenstille, wohl übereinstimmend mit der Kühle und Ruhe einer frühen Morgenstunde.

»Das wird nicht lange dauern,« sagte Wilkin in einem Tone ahnungsvollen Ernstes, welcher in des Paters Brust ein Echo fand.

»Es wird nicht und kann nicht,« antwortete Aldrovand, »wir müssen einen wilden Angriff erwarten, den ich weniger achten würde, wäre nicht ihre Zahl so groß und die unsrige klein, die Ausdehnung der Mauern so beträchtlich und die Hartnäckigkeit dieser wälschen Teufel fast ihrer Wut gleich. Aber wir wollen unser Bestes tun. Ich eile zur Lady Eveline – sie muß sich selbst auf den Zinnen zeigen. Sie ist schöner, als einem Manne meines Standes geziemt, davon zu sprechen, und sie hat daneben einen Anhauch von ihres Vaters stolzem Geist. Blick und Wort einer solchen Frau gibt einem Manne doppelte Kraft in der Stunde der Not.«

»Das kann wohl sein,« sagte der Flamländer, »aber ich will doch gehen und sehen, daß das gute Frühstück, welches ich bestellt habe, jetzt aufgetragen werde; meinen Flamländern wird das mehr Kraft geben als der Anblick der zehntausend Jungfrauen – möge ihre Hilfe um und bei uns sein! – wären sie alle auf freiem Felde aufgestellt.«

Achtes Kapitel

Die Morgensonne hatte kaum ihre Strahlen gänzlich verbreitet, als Eveline Berenger, den Rat ihres Beichtigers befolgend, ihre Runde auf den Mauern und Zinnen der belagerten Burg begann, um durch ihre persönlichen Aufmunterungen den Sinn der Tapfern zu stärken und die Furchtsamen zur Hoffnung und Anstrengung zu erheben. Sie trug einen reichen Halsschmuck und Armbänder, Zierden, welche ihren hohen Rang und ihre Abkunft anzeigten; ihre Tunika, nach der Sitte der Zeit, zog sich um ihren schlanken Leib durch einen Gürtel zusammen, der mit Edelsteinen besetzt und durch eine große goldene Schnalle befestigt war. Auf der einen Seite des Gürtels hing eine Tasche oder Beutel, prächtig geziert mit Stickerei; auf der andern Seite trug sie einen kleinen Dolch von auserlesener Arbeit. Ein Mantel von dunkler Farbe, als ein Sinnbild ihres umwölkten Geschickes gewählt, floß lose um sie her, und die Kappe, davon herübergezogen, beschattete zwar, aber verdeckte nicht ihr schönes Antlitz. Ihre Augen hatten zwar den hohen und begeisterten Ausdruck verloren, den die geglaubte Offenbarung ihnen gegeben hatte, aber sie hatten einen sorgenvollen und milden, doch entschlossenen Charakter. Und in ihren Anreden an die Krieger war eine Mischung von Drohungen und Befehl, jetzt sich in ihren Schutz werfend, jetzt ihre Hilfe als den gebührenden Tribut ihrer Lehnspflicht fordernd.