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So war die Ebene bald von der Reiterei verlassen, und blieb nur bedeckt von den Leichnamen der erschlagenen Wälschen. Auch die Abteilungen, welche bis in einer größern Entfernung die Verfolgung fortgesetzt hatten, sah man nun zurückkehren, vor sich hertreibend oder nach sich schleppend die niedergeschlagenen unglücklichen Gefangenen, denen sie, nachdem ihr Blutdurst gelöscht worden war, Pardon gegeben hatten. Da geschah es, daß Wilkin Flammock, mit dem Wunsche, die Aufmerksamkeit der Befreier auf sich zu ziehen, befahl, alle Banner des Kastells wehen zu lassen, verbunden mit einem allgemeinen Beifallsruf derer, welche unter ihnen gefochten hatten. Er wurde mit einem allgemeinen Freudengeschrei von de Lacys Heer beantwortet, welches so weit umher klang, daß es selbst die von den wälschen Flüchtlingen aufgeschreckt haben möchte, die schon weit entfernt von dem unglücklichen Schlachtfelde für einen Augenblick etwas Rast gemacht hatten.

Sogleich nach dieser gewechselten Begrüßung näherte sich ein einzelner Reiter von dem Heer des Connetable dem Schlosse und zeigte schon aus der Ferne eine ungewöhnliche Gewandtheit in der Reitkunst und eine Anmut in der Haltung. Sobald er an der Zugbrücke anlangte, ward sie augenblicklich zu einem Empfange hinabgelassen, und Flammock und der Mönch (denn dieser drängte sich, so viel es sich nur tun ließ, zu den ersten bei allen Handlungen des Oberbefehls) eilten, den Abgesandten ihres Befreiers zu empfangen. Sie fanden ihn, als er eben von seinem rabenschwarzen Rosse abgestiegen war, welches, hin und wieder von Blut und Schaum befleckt, noch von den Anstrengungen der Nacht keuchte, obwohl zur Erwiderung der liebkosenden Hand seines jungen Reiters es seinen Hals wölbte, sein stählernes Netz schüttelte, und schnaubend seinen ungebeugten Mut und unermüdete Kampflust zeigte. Des jungen Mannes Adlerblick verriet eben diese Anzeichen unermüdeter Tapferkeit, vermischt mit den Zeichen einer eben gehabten Anstrengung. Da sein Helm am Sattelbogen hing, so stellte sich sein schönes Antlitz dar, hoch gerötet, aber nicht erhitzt, welches aus einer reichen Fülle kastanienbrauner Locken hervorblickte. Und wiewohl seine Rüstung einfach, obwohl massiv war, so bewegte er sich doch in derselben mit solcher Geschmeidigkeit und Leichtigkeit, daß sie ein anmutiger Schmuck, nicht eine Last und Beschwerde zu sein schien. Ein verbrämter Mantel würde ihm nicht anmutiger gestanden haben als die schwere Halsberge, die sich jeder Bewegung seiner edlen Gestalt anschmiegte. Doch so jugendlich war noch sein Angesicht, daß nur der Flaum an der Oberlippe seine Annäherung an das Mannesalter zeigte. – Die Frauen, welche sich in den Hof drängten, den ersten Abgesandten ihrer Befreier zu sehen, konnten es nicht unterlassen, in ihre Segnungen seiner Tapferkeit Lobpreisungen seiner Schönheit einzumischen; und eine recht artige Frau von mittlerem Alter, besonders sich auszeichnend durch die Straffheit, mit welcher ihre scharlachroten Strümpfe eine wohlgeformte Wade und Knöchel zeigten, und die blendende Weiße ihrer Haube, drängte sich ganz nahe zu dem jungen Mann, und vorlauter wie die andern, verdoppelte sie den Karmin seiner Wangen durch den lauten Ausruf, daß unsere Frau von Garde Douloureuse die Nachricht von ihrer Erlösung durch einen Engel aus dem Allerheiligsten gesendet habe – eine Rede, die, obwohl Pater Aldrovand dabei den Kopf schüttelte, von ihren Gefährtinnen mit allgemeinen Beifallsrufen aufgenommen wurde, daß des jungen Mannes Bescheidenheit dadurch in große Verlegenheit geriet.

»Ruhig, Ihr alle da!« sagte Wilkin Flammock, »kennt Ihr keinen Respekt, Ihr Weiber, oder habt Ihr noch nie einen jungen Mann gesehen, daß Ihr Euch um ihn hängt wie Fliegen um eine Honigwabe? Stellt Euch doch rückwärts, sage ich, – und laßt uns in Ruhe die Befehle unseres edlen Lords von Lacy anhören.«

»Diese,« sagte der junge Mann, »kann ich nur in Gegenwart des hochedlen Fräuleins Eveline von Berenger ausrichten, wenn ich einer solchen Ehre würdig geachtet werde.«

»Das weißt Du, edler Herr,« sagte dieselbe vorlaute Dame, welche vorher ihre Bewunderung so energisch ausgedrückt hatte. »Ich will es gegen jedermann behaupten, daß Du würdig ihrer Gegenwart und jeder andern Gunst bist, die eine Dame Dir erzeigen kann.«

»Halte Deine unverschämte Zunge!« sagte der Mönch, während zur gleichen Zeit der Flamländer ausrief: »Denk an den Tauschschemel [eine Strafe für Frauen einer gewissen Art] , Frau Unhold!« und dabei den edlen Jüngling über den Hof führte.

»Sorgt für mein braves Pferd,« sagte der junge Mann und gab die Zügel in die Hand eines Dieners, wodurch er einen Teil der weiblichen Umgebung los wurde, welche nun begann, das Pferd zu streicheln und zu loben wie zuvor den Reiter, und einige enthielten sich kaum im Ausbruch ihrer Freude, die Steigbügel und das Sattelzeug zu küssen.

Aber Dame Gillian war nicht so leicht von ihrem Satz abzubringen wie einige ihrer Gefährtinnen, Sie fuhr fort, das Wort Tauschschemel zu wiederholen, bis der Flamländer sie nicht mehr hören konnte, und wurde dann umständlicher in ihren Scheltworten. – »Und warum der Tauschschemel? sagt doch, Herr Wilkin Butterfaß? Ihr seid wohl der Mann, einen englischen Mund mit einer flämischen Damastserviette zu verstopfen! – Ei seh mir doch eins meinen Vetter, den Weber! – Und weswegen der Tauschschemel, ich bitte? – weil meine junge Lady recht artig ist, und der junge Herr ein Mann voll Mut, mit Respekt gegen seinen Bart, der doch bald kommen wird! – Haben wir nicht Augen zu sehen, haben wir nicht einen Mund und eine Zunge?«

»In der Tat, Dame Gillian, die tun euch unrecht, die daran zweifeln,« sagte Evelinens Amme, welche dabei stand, »aber ich bitte Dich, halte sie jetzt verschlossen, wäre es auch der weiblichen Sittlichkeit zu Ehren.«

»Wie denn, meine manierliche Jungfer Margery,« sagte die unverbesserliche Gillian, »ist Euch das Herz so hoch gewachsen, weil Ihr unsre junge Lady vor fünfzehn Jahren auf dem Knie geschaukelt habt? – Laßt mich Euch sagen, die Katze findet schon ihren Weg zur Sahne, und wäre sie auch in dem Schoß einer Aebtissin aufgepflegt.«

»Nach Hause, Frau! Nach Hause!« rief ihr Mann aus, der alte Jäger, welcher jetzt dieser öffentlichen Ausstellung seines häßlichen Zankteufels müde war, »nach Hause, oder ich will Dir meine Hundepeitsche zu kosten geben – da ist der Beichtvater und Wilkin Flammock, sie wundern sich über Deine Unverschämtheit.«

»Wahrlich,« antwortete Gillian, »und sind nicht zwei Narren genug zum Verwundern, daß Ihr noch mit Eurer groben Hirnschale dazu kommt, um die Zahl drei voll zu machen?«

Ein allgemeines Gelächter entstand auf Kosten des Jägers, während desselben er kläglich seine Frau abführte, ohne sich darauf einzulassen, den Zungenkampf fortzusetzen, in welchen sie eine so entschiedene Uebermacht bewiesen hatte.

Dieser Zwist, so leicht ist der Wechsel im menschlichen Gemüte, besonders in der niedern Klasse, erweckte Ausbrüche der tollsten Lust unter Geschöpfen, welche soeben noch im Rachen der Gefahr, ja der gänzlichen Verzweiflung sich befanden.

Zehntes Kapitel

Während all dieses im Schloßhofe vorging, erhielt der junge Squire Damian Lacy Zutritt zu Eveline Berenger, wie er erbeten hatte. Sie empfing ihn in der großen Halle des Schlosses, sitzend unter dem Thronhimmel oder Baldachin, von Rosa und andern weiblichen Dienerinnen umgeben, von welchen jedoch die erstere allein das Recht hatte, sich eines Taburetts oder eines kleinen Stuhls in ihrer Gegenwart zu bedienen; so genau behaupteten die normannischen Jungfrauen vom Stande ihre Rechte auf hohen Rang und gewisse Observanzen dabei.