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»Wohl ist sie das, Herr! und sie hat Ursache genug, niederzusinken. Ich bin gewiß, sie kann lange suchen, um einen solchen Vater wiederzufinden.«

»Ich sehe, Ihr seid eine sehr verständige Frau, Gevatterin Gillian,« antwortete der Kaufmann. »Und jener junge Mann, der sie unterstützt, ist Ihr Bräutigam?«

»Es tut Ihr wohl nötig, daß einer sie unterstützt,« sagte Gillian, »und so auch mir, denn was kann der arme alte rostige Raoul tun?«

»Aber wie ist es mit der Hochzeit der jungen Lady?« sagte der Kaufmann. »Niemand weiß mehr davon, als daß solch ein Ding unterhandelt wurde zwischen unserm verstorbenen Herrn und dem großen Connetable von Chester, der gerade noch heute zur rechten Zeit ankam, die Walliser abzuhalten, daß sie nicht uns allen die Gurgeln abschnitten und, der Herr weiß, noch viel anderes Unheil anrichteten. – Aber von einer Heirat ist die Rede, das ist gewiß – und viele Leute meinten, es geht auf den glattbäckigen Knaben Damian, wie sie ihn nennen; denn obgleich der Connetable schon zum Bart gekommen ist, so ist doch schon zuviel graues darunter für ein Bräutigamskinn, – Ueberdies zieht er in den heiligen Krieg – der beste Platz für alle alternden Soldaten, ich wollte, er nähme den Raoul mit sich! – Aber was hat das alles mit dem zu schaffen, was Ihr vorhin über Eure Trauerwaren sagtet? – Es ist doch recht traurig, daß mein armer Herr dahingeschieden ist – doch, was ist zu tun? – Ei, nun, Ihr kennt das gute alte Wort:

Kleider brauchen wir,

Braten auch und Bier –

Trägt man uns gleich tot von hier.

Was nun Euren Handel anbetrifft, bin ich imstande, Euch ebenso mit einem guten Worte zu helfen wie die manierliche Margery, wenn Ihr was Artiges dafür bietet. Denn stehe ich auch nicht so bei der Lady in Gunsten, so kann ich den Haushofmeister mir doch um den Finger wickeln.«

»Nehmt dies als einen Teil Eures Gewinns, meine hübsche Frau Gillian,« sagte der Kaufmann, »und wenn meine Waren ankommen, werde ich Euch reichlicher bedenken, falls ich durch Eure Empfehlung gute Geschäfte mache, – Aber wie soll ich wieder in die Burg hineinkommen? Denn, da Ihr eine so verständige Frau seid, so wünschte ich sehr, Euch zu Rate zu ziehen, ehe ich mein Gepäck hineinschleppe,«

»Ei nun,« antwortete die gefällige Dame, »wenn unsere Englischen auf der Wache sind, so dürft Ihr nur nach Gillian fragen, da werden sie gleich einem einzelnen Mann das Pförtchen öffnen; denn wir Engländer stecken immer zusammen, wäre es auch nur den Normännern zum Trotz; – aber wenn ein Norman auf der Wache ist, so müßt Ihr nach dem alten Raoul fragen und vorschützen, Ihr hättet Hunde und Falken zu verkaufen, und ich bin Euch gut dafür, auf dem Wege bekommt Ihr mich auch zu sprechen. Ist die Schildwache ein Flamländer, so dürft Ihr bloß sagen, Ihr seid ein Kaufmann, und er läßt Euch, aus Vorliebe zum Handel, herein.« Der Kaufmann wiederholte die Versicherung seiner Dankbarkeit, schlich sich von ihrer Seite weg und mischte sich unter die Zuschauer; sie wünschte sich Glück, ihrer natürlichen Gesprächigkeit gefolgt zu sein und durch ihr Plaudern, das ihr sonst bei andrer Gelegenheit sehr teuer zu stehen gekommen war, einige Gulden gewonnen zu haben.

Das Schweigen des dumpfen Geläutes von der Schloßglocke zeigte jetzt an, daß der edle Raymond Berenger in der Gruft seiner Väter aufgenommen worden sei. Der Teil der Leichenbegleiter, welche vom Heere de Lacys mitgekommen war, begab sich nun nach der Schloßkapelle, wo man mit Mäßigkeit die Erfrischungen genoß, welche als ein Leichenmahl ihnen dargeboten wurden. Unmittelbar darauf verließen sie, an ihrer Spitze der junge Damian, das Schloß auf dieselbe langsame und melancholische Weise, wie sie hineingezogen waren. Die Mönche blieben im Schlosse, um wiederholte Seelenmessen für den Verstorbenen und für die Treuen, welche um ihn her gefallen waren, zu lesen. Die letztern waren während und nach der Schlacht mit den Wallisern so verstümmelt worden, daß es fast unmöglich war, ein Individuum von dem andern zu unterscheiden, sonst würde gewiß der Körper von Dennis Morolt, wie seine Treue es wohl verdiente, die Ehre eines besonderen Begräbnisses erhalten haben.

Elftes Kapitel

Die religiösen Gebräuche, welche auf das Begräbnis Raymond Berengers folgten, währten ununterbrochen sechs Tage lang. In dieser Zeit wurden Almosen an die Armen ausgeteilt, und auf Kosten Lady Evelinens denen, welche durch den letzten Einfall gelitten hatten, Vergütungen dargereicht. Leichenmahle, wie man sie nannte, wurden ebenfalls zur Ehre des Verstorbenen gehalten. Aber die Lady selbst und die meisten von ihrer Aufwartung beobachteten strenge Fasten und Büßungen, welches den Normännern eine weit anständigere Art, ihre Achtung gegen die Toten zu beweisen, schien, als die sächsische und flämische Gewohnheit, bei solchen Gelegenheiten zu bankettieren und zechen. Indessen ließ der Connetable de Lacy ein starkes Korps seiner Truppen unter den Mauern von Garde Douloureuse ein Lager beziehen, um die Burg gegen irgend einen neuen Einfall der Walliser zu decken, während er mit den übrigen seinen Sieg benützte und Schrecken unter die Britischen durch viele wohlausgeführte Streifzüge verbreitete, die fast mit ebenso großen Verwüstungen begleitet waren, als die ihrigen. Unter den Feinden kam nun noch zu der Niederlage und den Einfällen das Unglück der Zwietracht hinzu; denn zwei entfernte Verwandte von Gwenwyn stritten um den Thron, den er besessen, und hierdurch, wie es auch manche andere Veranlassung dazu gab, litten die Briten ebensosehr bei ihrer innern Uneinigkeit vom Schwerte der Normannen. Auch ein schlechterer Politiker und ein weniger berühmter Kriegsheld als der scharfsichtige und siegreiche de Lacy war, hätte unter solchen Umständen nicht ermangelt, einen vorteilhaften Frieden zu unterhandeln, welcher, indem er Powys eines Teils seiner Grenzen und einiger wichtigen Engpässe beraubte, wo der Connetable sich vorgenommen hatte, Kastelle anzulegen, auch Garde Douloureuse mehr als vorher gegen einen plötzlichen Angriff ihrer stolzen, unruhigen Nachbarn sicherte. De Lacys Sorge ging auch dahin, die Ansiedler, welche aus ihren Besitzungen entflohen waren, wieder einzurichten und die ganze Herrschaft, welche nun einer unbeschützten Frau anheim gefallen war, in einen so vollkommenen Verteidigungszustand zu setzen, als ihre Lage an einer feindlichen Grenze nur möglich machte.

Obwohl so sorgfältig bedacht in der Sache der Waise von Garde Douloureuse, mochte doch de Lacy während dieser Zeit nicht ihren kindlichen Kummer durch seine Dazwischenkunft stören. Noch ward sein Neffe freilich jeden Morgen sehr zeitig abgesandt, seines Oheims »devoirs,« so genannt in der hochtrabenden Sprache jener Zeit, zu Füßen zu legen und sie von den in ihren Geschäften unternommenen Schritten zu benachrichtigen. Zum schuldigen Lohn für die Dienste seines Oheims ward Damian stets bei Evelinen vorgelassen, und kehrte immer mit ihren eigenen Danksagungen und ihrer unbeschränkten Genehmigung alles dessen, was der Connetable zu ihrem Besten vorschlug, zu diesem zurück.

Aber als die Tage der strengen Trauer vorüber waren, berichtete der junge de Lacy von seiten seines Verwandten, daß, da seine Verträge mit den Wallisern abgeschlossen und alles in dem ganzen Gebiete so eingerichtet wäre, als die Umstände es erlaubten, der Connetable von Chester sich jetzt vorgenommen hatte, in seine eigene Landschaft zurückzukehren, um seine dringenden Vorbereitungen für das heilige Land wieder vorzunehmen, welche die Pflicht, ihre Feinde zu züchtigen, auf einige Tage unterbrochen hätte.

»Und will nicht der edle Connetable, bevor er von diesem Platze abzieht,« sagte Eveline mit einem Ausbruch der Dankbarkeit, welche die Sache gar wohl verdiente, »den persönlichen Dank derjenigen empfangen, die fast umgekommen wäre, als er so mutig ihr zu Hilfe sprang?«

»Gerade über diesen Punkt habe ich Auftrag, zu sprechen,« erwiderte Damian. »Aber mein edler Verwandter fühlte eine gewisse Schüchternheit, das auszusprechen, was er doch so sehnlich wünscht – nämlich die Erlaubnis, mit Euch selbst sich über gewisse Dinge von der höchsten Wichtigkeit zu unterhalten, die er einem dritten anzuvertrauen nicht passend findet.«