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An der Spitze eines glänzenden Gefolges, das auf seinen leisesten Wink lauschte, erwartete der Connetable von Chester die Ankunft der Lady Eveline von Berenger am Tore von Garde Douloureuse.

Trompeten von innen her kündigten ihr Nahen – die Brücke fiel – und geführt von Damian de Lacy in seiner glänzendsten Tracht, gefolgt von einem Zuge ihrer Frauen, ihren Vasallen und ihrem Hausgesinde, trat sie in all ihrer Liebenswürdigkeit aus dem massiven, antiken Portal ihrer väterlichen Behausung. Ohne allen Schmuck, in tiefe Trauer gekleidet, bildete sie einen strengen Gegensatz zu ihrem Führer, dessen kostbare Kleidung von Juwelen und Stickereien strahlte, dahingegen ihr Alter und ihre Schönheit in anderer Rücksicht eines zum lieblichsten Ebenbilde des andern machte. Dieser Umstand mochte es sein, der das frohe Beifalls-Gemurmel bei ihrer Erscheinung weckte, während die Rücksicht auf ihre tiefe Trauer laute Rufe hintanhielt.

In dem Augenblick, als Evelinens schöner Fuß den ersten Schritt aus den Palisaden, die die äußere Barriere des Schlosses bildeten, getan hatte, trat der Connetable de Lacy ihr entgegen, und sein rechtes Knie zur Erde beugend, erbat er sich Verzeihung für die Unhöflichkeit, die sein Gelübde ihm abgedrungen hätte, indem er es zugleich aussprach, wie tief er die Ehre fühle, deren sie ihn jetzt würdige.

Seine Stellung, wie die Rede, obwohl beide im Geiste der romantischen Galanterie jener Zeit, setzten Eveline in Verlegenheit, um so mehr, als diese Huldigung ihr in solcher Oeffentlichkeit widerfuhr. Sie bat den Connetable, aufzustehen und ihre Verwirrung nicht zu vermehren, da sie sich schon mehr als verlegen fühle, wie sie die schwere Schuld der Dankbarkeit abtragen solle, in der sie ihm gegenüber stehe. Der Connetable stand auf, nachdem er die ihm dargereichte Hand geküßt hatte, und ersuchte sie, in die ärmliche Hütte zu treten, die er zu ihrem Obdach bereitet habe, und ihm geneigtes Gehör zu gönnen. Ohne weitere Antwort, als eine Verbeugung, überließ ihm Eveline ihre Hand, und ihrem übrigen Gefolge gebietend, zurückzubleiben, winkte sie nur Rose Flammock, sie zu begleiten.

»Lady,« sagte der Connetable, »die Dinge, über die ich gezwungen bin, so eilig mit Euch zu sprechen, sind geheimster Natur.«

»Dieses Mädchen,« erwiderte Eveline, »ist meine Zofe und die Vertraute meiner verborgensten Gedanken. Ich ersuche Euch, ihre Gegenwart bei unserer Unterredung zu gestatten.«

»Anders wäre es besser,« entgegnete Hugo de Lacy mit einiger Verlegenheit, »doch Eurem Willen bin ich gehorsam.«

Er führte Eveline in das Gezelt und ersuchte sie, sich auf einen Polstersitz niederzulassen, der mit schwerer venetianischer Seide bedeckt war. Rose stellte sich hinter ihrer Gebieterin auf; alle Bewegungen des vollendeten Kriegs- und Staatsmannes, dessen Ruhm durch alle Lande ging, überwachend und sich seiner Verlegenheit freuend als eines Triumphs ihres Geschlechts, zumal sie eben nicht der Meinung war, daß sein gemsledernes Wams und seine viereckige Gestalt den Glanz des Auftritts erhöhen oder auch nur zu der fast engelhaften Schönheit Evelinens, seiner Partnerin, passen möchte.

»Lady,« sagte der Connetable nach einigem Zaudern, »ich möchte gern das, was ich noch zu sagen habe, in solche Form kleiden, wie sie die Frauen am liebsten haben und wie sie Eurer ausgezeichneten Schönheit noch besonders würdig ist; aber ich habe zu lange Zeit im Felde und im Staatsrate verlebt, um meine Meinung anders als einfach und geradezu auszudrücken.«

»Ich werde Euch um so leichter verstehen,« sagte Eveline zitternd, obwohl sie kaum wußte, weshalb.

»Mein Vortrag also wird schlichter Natur sein. Es ist etwas vorgefallen zwischen Eurem verehrten Vater und mir, das auf eine Vereinigung unserer Häuser abzielt.« Er hielt inne, als wünschte oder erwartete er, daß Eveline etwas sage; aber da sie schwieg, fuhr er fort: »Ich wünschte bei Gott, der Himmel hätte gewollt, daß Euer Vater, wie er diese Verhandlung begonnen, sie auch mit seiner gewohnten Klugheit hätte durchführen und vollenden können! Doch was ist dabei zu tun? Er ist den Weg gegangen, den wir alle einmal gehen müssen.«

»Eure Herrlichkeit hat den Tod Eures edlen Freundes edel gerächt.«

»Lady, ich habe nur meine Pflicht getan als Ritter, eine bedrängte Jungfrau zu verteidigen – als Lord der Marken, die Grenzen zu decken – als Freund, den Freund zu rächen. Doch zur Sache! – Unser altes edles Haus neigt sich zu Ende. Von meinem entfernten Verwandten Randal Lavy will ich nichts sprechen, in ihm ist nichts Gutes oder was Hoffnung erregen kann, auch sind wir schon viele Jahre nicht zusammengekommen. Mein Neffe Damian gibt die schönsten Hoffnungen, ein würdiger Zweig unsers alten Stammes zu sein – aber er ist kaum zwanzig Jahre alt und hat noch eine lange Laufbahn voll Abenteuer und Gefahren zurückzulegen, bevor er mit Ehren die Pflichten des Haus- und Ehestandes übernehmen kann. Auch ist seine Mutter eine geborene Engländerin, ein kleiner Riß vielleicht in seinem Wappenschilds doch wären nur noch zehn Jahre mehr unter den Ehren eines Ritters ihm verlaufen, so würde ich Namian de Lacy zu dem hohen Glücke vorgeschlagen haben, nach welchem ich jetzt strebe.«

»Ihr, Mylord, Ihr! Es ist unmöglich!« rief Eveline, bemühte sich aber zugleich, diesem Ausbruch ihrer Ueberraschung, den sie nicht unterdrücken konnte, alles, was sich wie Kränkung anhören könnte, zu nehmen.

»Ich wundere mich nicht,« sagte der Connetable gelassen, denn da das Eis nun einmal gebrochen war, kehrte er zu der natürlichen Festigkeit seines Charakters zurück, »daß Ihr über diesen gewagten Vorschlag Erstaunen äußert. Ich besitze vielleicht nicht die Gestalt, die der Frauen Auge gefällt, und habe, falls ich sie je kannte, jene Worte und Redensarten vergessen, die der Frauen Ohr gefallen; aber, edle Eveline, die Gemahlin Hugos de Lacy wird eine der Ersten unter den Frauen Britanniens sein.«

»Um so mehr wird es sich für diejenige, der eine so hohe Würde angeboten wird, schicken,« sagte Eveline, »es wohl zu überlegen, wie weit sie fähig ist, den Pflichten solch hohen Standes nachzukommen.«

»O, davor bangt mir nicht,« sagte de Lach, »ein Mädchen, das eine so treffliche Tochter war, kann sich in keiner andern Lebenslage anders bewähren.«

»Ich hege nicht das Vertrauen zu mir, Mylord,« entgegnete das Mädchen verlegen, »das Ihr so gütig in mir voraussetzt, drum muß ich mir – verzeiht mir – noch Zeit erbitten für andere Rücksichten als solche, die mich selbst betreffen.«

»Eurem Vater, edle Lady, lag solche Verbindung sehr am Herzen. Diese Schrift, von ihm selbst unterzeichnet, ist der Beweis dafür ...« Das Knie beugend, überreichte er ihr das Papier .. »Die Gemahlin de Lacys wird, wie es die Tochter von Raymond Berenger verdient, den Rang einer Prinzessin, seine Witwe das Leibgedinge einer Königin haben.«