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»Spottet meiner nicht durch Eure Kniebeugung, Mylord, Während Ihr mir die väterlichen Beweise vorhaltet, die, verbunden mit andern Umständen –« sie hielt inne und seufzte tief – »meinem freien Willen vielleicht nur wenig Raum lassen.«

Kühn geworden durch diese Antwort, erhob sich de Lacy, der bisher in seiner Kniebeuge verharrt war, nahm seinen Sitz neben Eveline und fuhr fort, mit seiner Bitte in sie zu dringen – zwar nicht in der Sprache der Leidenschaft, sondern aus der eines offen sprechenden Mannes, der mit einem gewissen Eifer eine Sache durchsetzen will, von der sein Wohlergehen abhängt. Die Erscheinung des Wunderbildes, muß man sich denken, schwebte vor allem dem Geiste Evelinens vor, die, durch das feierliche Gelübde gebunden, das sie bei jener Gelegenheit getan, sich zu ausweichenden Antworten gezwungen sah, während sie, wenn ihre Wünsche allein in Betracht gekommen wären, lieber ein ehrliches Nein gesagt hätte.

»Ihr könnt,« sagte sie, »von mir nicht erwarten, Mylord, daß ich, kaum erst Waise, über eine Sache von so hoher Wichtigkeit so eilig einen Entschluß fassen soll. Euer edles Herz gebe mir Zeit, mich mit mir selbst zu beraten und meine Freunde zur Beratung zu ziehen.«

»Ach! schöne Eveline,« sagte der Baron, »zürnet über mein heftiges Drängen nicht! Ich kann es nicht lange aufschieben, zu einer fernen und gefahrvollen Unternehmung aufzubrechen; die kurze Zeit, die mir für meine Bewerbung um Eure Gunst übrig bleibt, muß eine Entschuldigung für meine Zudringlichkeit sein.«

»Und, edler Lacy, unter solchen Umständen wolltet Ihr Euch durch Familienbande fesseln?«

»Ich bin Gottes Kriegsmann,« sagte der Connetable, »und er, für dessen Sache ich in Palästina kämpfe, wird mein Weib in England beschützen.«

»Vernehmt denn meine gegenwärtige Antwort, Mylord,« sagte Eveline, von ihrem Sitz aufstehend, »morgen begebe ich mich in das Benediktinerinnenkloster zu Gloucester, wo meines verehrten Vaters Schwester als Aebtissin lebt. Ihrer Führung will ich mich in dieser Angelegenheit überlassen.«

»Ein schöner Entschluß, der Jungfrau geziemend,« antwortete de Lacy, seinerseits dem Anschein nach nicht unzufrieden damit, daß die Unterredung abgebrochen wurde, »und, wie ich glaube, keineswegs ungünstig den Wünschen Eures demütig bittenden Freiers, denn die edle Frau Aebtissin ist schon seit langer Zeit meine verehrte Freundin.« – Dann wandte er sich zu Rose, die im Begriff stand, ihrer Lady zu folgen ... »Mein hübsches Mädchen,« sprach er, ihr eine goldene Kette reichend, »gönne diesem Schmuck einen Platz an Deinem Halse, und mir vergönne Deinen guten Willen.«

»Mein guter Wille ist nicht verkäuflich, Mylord,« sagte Rose, das dargebotene Geschenk zurückweisend.

»Schöne Worte sind leicht erkauft,« sagte Rose, nach wie vor die Kette zurückweisend, »aber selten des Kaufgeldes wert.«

»Verachtet Ihr mein Geschenk, Jungfer?« sagte de Lach, »es hat den Nacken eines normannischen Grafen geschmückt.«

»So schenkt es lieber einer normannischen Gräfin, Mylord,« sagte das Mädchen, »ich bin ja bloß Rose Flammock, eines Webers schlichte Tochter. Ich halte es mit meinen guten Worten so, daß sie mit meinem guten Willen Hand in Hand gehen, und eine messingne Kette wird mir nicht minder gut stehen als eine aus geschlagenem Golde.«

»Still, Rose,« sagte ihre Gebieterin. »Du bist zu vorwitzig, solche Worte dem Lord Connetable zu bieten! Und Ihr, Mylord,« fuhr sie fort, »gestattet mir, mich zu entfernen, da Ihr jetzt meine Antwort auf Euren Antrag vernommen. Es tut mir leid, daß es sich um keine minder zarte Angelegenheit dabei handelt, denn ich hätte mich Euch gern dankbarer bewiesen.«

Der Connetable führte die Lady mit der gleichen Feierlichkeit zurück, wie sie empfangen worden war, und sie betrat wieder ihre Burg, trüben und sorgenvollen Gemüts über die Folgen, die diese wichtige Unterredung für sie zeitigen könnte. Tief hüllte sie sich in ihren langen Trauerschleier, um die Veränderung in ihrem Gesicht nicht sehen zu lassen, vermied es sogar, sich gegen Pater Aldrovand auszusprechen, und zog sich alsbald in die Einsamkeit ihres Gemaches zurück.

Zwölftes Kapitel

Dorthin folgte ihr Rose, ohne auf Weisung ihrer Herrin zu warten, um ihr beim Ablegen des langen Trauerschleiers, den sie draußen getragen, zu helfen; aber die Lady wies sie zurück und sagte: »Tu bist recht vorschnell mit Deinen Diensten, Mädchen; warte doch, bis man sie begehrt.«

»Ihr seid böse auf mich, Lady,« sagte Rose.

»Nicht ohne Ursache,« erwiderte Eveline .... »Du kennst meine schwierige Lage – weißt, was meine Pflicht fordert – und doch, statt mir solches Opfer zu erleichtern, erschwerst Du es mir.«

»Ach, wenn ich doch mehr Einfluß hätte, Euch auf einen gewissen Weg zu leiten,« sagte Rose; »Ihr solltet finden, daß es ein sanfter Weg ist – und ein ehrlicher und gerader überdies.«

»Wie meinst Du das, Mädchen!« fragte Eveline.

»Ich wollte,« antwortete Rose, »Ihr widerriefet die Aufmunterung – die Einwilligung, so möchte ich es fast nennen, die Ihr jenem stolzen Baron gegeben habt. Ihr steht zu hoch, um geliebt zu werden – er ist zu stolz, um Euch zu lieben, wie Ihr es verdient. Wenn Ihr ihn heiratet, so heiratet Ihr vergoldetes Elend, und es kann Euch ebensogut zur Schmach sein wie zur Unfreude.«

»Vergiß die Dienste nicht, Mädchen, die er uns erwiesen!«

»Seine Dienste?« wiederholte Rose, »Er wagte freilich sein Leben für uns, aber das tat auch jeder Soldat in seinem Heere. Und bin ich denn verpflichtet, jeden verschrumpften Gesellen unter ihnen zu heiraten, weil er sich schlug, sobald die Trompete schmetterte? Mich wundert nur, was eigentlich der Sinn von ihrem devoir ist, wie sie es nennen, wenn sie sich nicht schämen, auf den höchsten Lohn, den eine Frau gewähren kann, Anspruch zu machen, bloß weil sie ihrer Edelmannspflicht gegen ein bedrängtes Geschöpf genügten .... Edelmann sagte ich? – Der gröbste Bauer in Flandern würde kaum einen Dank erwarten.«

»Aber meines Vaters Wünsche?«

»Der würde sich ohne Zweifel nach der Neigung seiner Tochter richten! – Ich will meinem verewigten edlen Lord – Gott sei seiner Seele gnädig – nicht die Ungerechtigkeit antun, anzunehmen, daß er in dieser Sache hätte seinen Willen durchsetzen wollen, wenn er nicht mit Eurem freien Willen übereinstimmte.«

»Dann mein Gelübde! mein unseliges Gelübde, wie ich es beinahe genannt hätte,« sagte Eveline. »Verzeih mir der Himmel meine Undankbarkeit gegen meine Schutzheiligen!«

»Auch Euer Gelübde erschüttert mich nicht,« sagte Rose. »Ich kann es nun und nimmer glauben, daß unsere gnädige Gottesmutter als Buße für ihren Schutz von mir fordern könne, einen Mann zu heiraten, den ich nicht lieben kann ... Sie habe gelächelt, sagt Ihr – als Ihr zu ihr betetet? – Geht hin zu ihr, offenbart ihr, was Euch quält, und gebt acht, ob sie nicht wieder lächeln wird! Oder sucht Dispensation Eures Gelübdes, – sucht sie auf Kosten Eures halben Vermögens, – sucht sie auf Kosten Eures ganzen Eigentums. – Pilgert barfuß nach Rom – tut alles, alles – nur gebt nicht Eure Hand, wo Ihr nicht Euer Herz geben könnt.«

»Du redest Dich warm, Rose,« sagte Eveline, bei diesen Worten tief aufseufzend.

»Nicht ohne Grund, meine süße Lady! – Habe ich nicht einen Haushalt gesehen, in dem die Liebe fehlte? – in dem, bei allem Wert der Personen und allem guten Willen, der sie beseelte, trotz allem Ueberflusse, der dort herrschte, alles verbittert wurde durch ein Sehnen, das nicht allein unnütz, sondern gar strafbar war?«

»Aber, Rose, dennoch will mir scheinen, als ob Empfindung dafür, was wir uns und andern schuldig sind, wenn wir darauf achten, uns selbst bei jenen Empfindungen, die Du geschildert hast, leiten und trösten könne?«