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»Beim heiligen Hubert! ein seiner Reiter und ein Pferd für einen Grafen,« rief Raoul, »und Mylord Connetables Livree obendrein – doch kenn' ich den stattlichen Herrn nicht.« – »Aber ich kenne ihn,« sagte Gillian, »es ist Randal de Lach, des Connetables Verwandter, und ein so braver Herr, als je einer dieses Namens.« – »O, bei St. Hubert! von dem habe ich gehört. – Die Leute sagen, er ist ein lustiger Bruder, ein Raufbold und Verschwender.« – »Die Männer lügen dann und wann,« sagte Gillian trocken.

»Und die Weiber auch,« erwiderte Raoul – »aber mir kam es so vor, als winkte er Dir eben zu.« – »Dein rechtes Auge sah nie mehr richtig, seit unser guter Herr – die heilige Maria schenk ihm die ewige Ruhe! – Dir einen Becher Wein ins Gesicht warf, weil Du zu kühn in sein Nebenzimmer drangst.«

»Mich nimmt's doch Wunder,« sagte Raoul, als ob er sie nicht hörte, »daß jener Wüstling hierher kommt. Es ging einmal das Gerede, daß er dem Connetable nach dem Leben getrachtet habe, und sie sollen seit fünf Jahren sich nicht gesprochen haben.« – »Er kommt auf die Einladung der jungen Lady, das weiß ich am besten,« sagte Dame Gillian, »und weniger wahrscheinlich ist es, daß er dem Connetable ein Leid zufügt, als daß er welches von ihm empfängt, der arme Herr, wie es ihm schon zur Genüge widerfahren ist.«

»Und wer hat Dir das alles erzählt?« fragte Raoul bitter. – »Gleichviel, wer; es war jemand, der die Sache ganz genau kannte,« sagte die Dame, die zu fürchten begann, daß sie, um mit ihrem bessern Wissen zu prahlen, viel zu viel gesagt hätte. – »Es muß der Teufel oder Randal selbst gewesen sein,« sagte Raoul, »denn kein anderer Mund ist groß genug für eine solche Lüge. – Aber seht doch, Dame Gillian, wer ist das, der sich jetzt vorwärts drängt wie ein Mensch, der kaum sieht, wie er den Fuß setzt?« – »Es ist ja eben Euer Engel des Lichts, mein junger Herr Damian,« fügte Dame Gillian. – »Es ist unmöglich,« sagte Raoul. »Nenne mich blind, wenn Du willst, aber nie habe ich einen Menschen gesehen, der sich in wenigen Wochen so verändert. Und seine Kleidung, so wild um sich geworfen, als trüge er eine Pferdedecke statt eines Mantels! – Was mag dem jungen Mann fehlen? – Da steht er mit einemmale an der Türe still, als sähe er etwas auf der Schwelle, das ihm den Eingang verrammelt. – Heiliger Hubert! er sieht ja aus, als hätten ihm die Elfen was angetan!«

»Ihr hieltet ihn doch immer für einen so großen Schatz!« sagte Gillian, »und nun betrachtet ihn einmal, wie er dasteht zur Seite eines echten Edelmannes – wie er starrt und zittert, als ob er von Sinnen ist!« – »Ich will mit ihm sprechen,« sagte Raoul, und sein Hinken vergessend, sprang er von dem hohen Platz hinab – »ich will mit ihm sprechen – und, ist er unwohl, so habe ich Lanzette und Schnepper bei mir – und kann einem Menschen so gut wie einem Tier zur Ader lassen.« – »Ein recht passender Arzt für einen solchen Kranken,« murmelte Gillian. »Ein Hundearzt für einen träumerisch Verrückten, der weder seine Krankheit kennt noch das Mittel, sie zu heilen.«

Indessen ging der alte Jäger auf den Eingang zu, wo Damian in scheinbarer Ungewißheit, ob er hineingehen sollte oder nicht, noch stehen geblieben war, ohne auf die Menge um ihn her zu achten, deren Blicke er durch sein sonderbares Benehmen auf sich zog.

Raoul empfand ein ganz besonderes Wohlgefallen an Damian, wozu vielleicht der Hauptgrund darin lag, daß seine Frau seit kurzem sich gewöhnt hatte, von ihm in einem verächtlicheren Tone, als sonst von hübschen jungen Männern, zu sprechen. Ueberdies wußte er, daß der junge Mann ein zweiter Sir Tristram auf der Jagd in Wäldern und Flüssen war, und mehr war nicht nötig, Raouls Seele an ihn mit ehernen Fesseln zu ketten. Mit großem Unmut sah er deshalb, daß sein Benehmen, allgemein Aufsehen und Gelächter erregte.

»Er steht,« sagte der Stadtpossenreißer, der sich in den lustigen Haufen gemischt hatte, »vor dem Tore wie Bileams Esel in der Bibel, da er mehr sieht, als andere Leute sehen können.« – Ein Hieb von Raouls allezeit fertiger Peitsche vergalt diese sonst glückliche Anspielung und schickte den Narren heulend davon, sich für seine Späße ein günstigeres Auditorium zu suchen. Zugleich drängte sich Raoul zu Damian, und mit einem Eifer, sehr verschieden von seiner gewöhnlichen trockenen Scharfe, bat er ihn um Gottes willen, sich nicht zum allgemeinen Schauspiel zu machen, indem er hier stehe, als ob der Teufel auf der Schwelle säße, sondern entweder hineinzutreten oder, was noch besser sein würde, sich zurückzuziehen und erst ein wenig Toilette zu machen, ehe er der Feierlichkeit, die sein Haus so nahe betreffe, beiwohnte, »Und was fehlt meiner Kleidung, alter Mann?« sagte Damian, sich heftig zum Jäger kehrend, wie einer, der plötzlich und unhöflich aus seinen Träumereien aufgeschreckt wird. – »Nur das eine, mit Respekt gegen Euer Gnaden,« antwortete der Jäger, »Man pflegt nicht alte Mäntel über neuen Wämsern zu tragen, und bei aller Untertänigkeit will es mir scheinen, daß der Eure hier weder mit Eurer übrigen Tracht übereinstimmt, noch sich für diese edle Versammlung schickt.« – »Du bist ein Narr,« antwortete Damian, »und so grün an Verstand, als grau an Jahren. Wißt Ihr nicht, daß in diesen Tagen das Junge und Alte sich miteinander paart – miteinander verlobt – miteinander verheiratet? – Und sollen wir größere Sorge dafür tragen, unsern Anzug übereinstimmender zu machen als unsere Handlungen?« – »Um Gottes willen, Mylord!« sagte Raoul, »enthaltet Euch dieser wilden und gefährlichen Worte! Sie könnten von anderen Ohren, wie den meinigen gehört und von boshaften Auslegern gedeutet werden. Eure Wange ist bleich, Mylord, Euer Auge blutrot. – Um Himmels willen, zieht Euch zurück!«

»Ich will mich nicht zurückziehen,« sagte Damian, »bis ich Lady Eveline gesehen habe,« – »Um aller Heiligen willen!« rief Raoul aus. »Jetzt nicht, Ihr würdet meine Lady unglaublich beleidigen, wenn Ihr in diesem Zustande Euch in ihre Gegenwart drängen wolltet,« – »Meint Ihr das?« sagte Damian, auf den diese Bemerkung, wie ein beruhigendes Arzneimittel wirkte, das die verwirrten Sinne ordnet. »Meint Ihr das wirklich? – Ich wollte sie nur noch einmal sehen – doch nein! Ihr habt recht, alter Mann!«

Er trat von der Tür, als wollte er sich entfernen; aber bevor er seinen Vorsatz ausführen konnte, wurde er noch bleicher als zuvor, wankte und fiel auf das Pflaster nieder. Die, welche ihn aufhoben, erstaunten, als sie entdeckten, daß seine Kleider mit Blut beschmutzt waren und daß die Flecken auf seinem Mantel, die Raouls Tadel erregten, aus gleicher Ursache herrührten. Ein Mann von wichtiger Miene, in einem dunklen Mantel, trat aus der Menge hervor.

»Ich dachte wohl, daß es so kommen würde,« sagte er, »Ich ließ ihm diesen Morgen zur Ader und empfahl ihm Ruhe und Schlaf, nach den Aphorismen des Hippokrates; aber wenn junge Männer die Verordnung ihres Arztes vernachlässigen, so rächt sich die Kunst selbst. Es ist unmöglich, daß sonst die Bandagen und Ligaturen, die diese Finger anlegten, hätten aufgeben können.«

»Was soll das Gewäsch?« ertönte die Stimme des Connetable, vor Welcher alle andern verstummten. Eben als die Feierlichkeit des Verlöbnisses vollzogen worden war, hatte man ihn, wegen der Verwirrung, die Damians Unfall veranlaßte, herbeigerufen; und jetzt gebot er dem Arzte sehr ernstlich, die Binden, die von seines Neffen Arm losgegangen waren, wieder anzulegen. Er selbst legte Hand an, den Kranken zu unterstützen, und betrachtete mit Besorgnis und Mitleid den nahen, mit Recht geachteten Verwandten, der bis jetzt allein der Erbe seines Ruhmes und seines Hauses war.

»Was bedeutet das?« fragte er den Arzt sehr ernsthaft. »Ich schickte Euch diesen Morgen gleich auf die Nachricht von seiner Krankheit zu meinem Neffen und befahl ausdrücklich, daß er keinen Versuch machen sollte, bei der Feierlichkeit gegenwärtig zu sein, und doch finde ich ihn in diesem Zustande und auf dieser Stelle?«