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Ungeduldig schritt der Connetable auf und nieder, indem er vor sich hinmurmelte: »Das ist der luftige Lohn, für den Heere auf Heere aus Europa geschleppt wurden, den Sand von Palästina mit ihrem Blut zu tränken – das sind die eitlen Versprechungen, gegen die wir Vaterland, Güter und Leben austauschen sollen.«

»Ist das Hugo de Lacy, der so spricht?« sagte der Erzbischof und er stand dabei von seinem Sitze auf. »Ist er es, der so herabwürdigend spricht von dem Namen eines Ritters – von der Tugend eines Christen – von der Vergrößerung seiner irdischen Ehre – von dem unberechenbaren Vorteil seiner unsterblichen Seele? – Ist er es, der nach einem solchen groben körperlichen Lohn an Land und Schätzen trachtet, indes ritterliche Ehre, der Glaube seiner Religion, sein Gelübde als Ritter, seine Taufe als Christ ihn zu einem ruhmvollen und gefährlichen Kampfe auffordern? – Ist es möglich? Ist es in der Tat Hugo de Lacy, der Spiegel der anglo-normännischen Ritterschaft, der solche Gedanken hegt, ja der sie aussprechen kann?«

»Mit Schmeichelei und schönen Worten, schicklich gemischt mit Vorwürfen, Mylord,« antwortete der Connetable, wurde rot und biß sich auf die Lippen, »mögt Ihr bei andern etwas erreichen, aber ich bin zu festen Sinnes, um mich durch süße oder herbe Worte bestimmen zu lassen. Glaubt mir nur, der Charakter Hugo de Lacys, mag er nun den Kreuzzug mitmachen oder daheim bleiben, ist in Sachen des Muts nach wie vor ebenso untadelhaft, wie der des Erzbischofs Balbuin in Sachen der Heiligkeit.«

»Möge er noch viel höher stehen,« sagte der Erzbischof, »als der Ruf, mit welchem Ihr ihn zu vergleichen geruht; aber eine Flamme kann so gut gelöscht werden wie ein Funke. Und ich sage es dem Connetable von Chester, daß der Ruhm, welcher seine Fahnen so viele Jahre umschwebte, in einem Augenblick davonflattern kann, ohne sich je wieder zurücklocken zu lassen.«

»Wer wagt das zu sagen?« sagte der Connetable und zitterte für die Ehre, die er in so vielen Gefahren aufrecht erhalten hatte.

»Ein Freund,« sagte der Prälat, »dessen Schläge als Wohltaten aufgenommen werden sollten, Ihr denkt an Zahlung, Herr Connetable, und an Lohn, als ob Ihr noch am Markte stündet und über den Preis Eures Dienstes feilschen dürftet. Ich sage Euch, Ihr seid nicht mehr Euer eigener Herr – Ihr seid durch das heilige Zeichen, das Ihr freiwillig genommen habt, ein Söldner Gottes selbst: wollt Ihr von Eurer Fahne fliehen, so träfe Euch eine Schmach, die selbst Neulinge und Troßknechte scheuen.«

»Ihr verfahrt allzu hart mit uns, Mylord,« sagte Hugo de Lach und hielt in seinem unruhigen Umhergehen inne. »Ihr von der Geistlichkeit macht uns zu Packpferden in Euren eigenen Angelegenheiten und klettert zu Eurer ehrgeizigen Höhe auf unsern überladenen Schultern empor, – Aber alles hat seine Grenzen – Becket überschritt sie, und –«

Ein finsterer, vielsagender Blick stimmte mit dem Tone überein, in dem er diesen abgebrochenen Satz aussprach, aber der Prälat, der wohl wußte, was er hatte sagen wollen, erwiderte mit fester, entschiedener Stimme: »Und – er ward ermordet! – das ists, was Ihr mir andeuten wollt – eben mir, dem Nachfolger dieses verherrlichten Heiligen – damit ich Eurem leichtsinnigen, selbstsüchtigen Wunsche, die Hand vom Pfluge zu ziehen, gefügiger sei. Ihr kennt den Mann nicht, gegen den Ihr diese Drohung braucht. Becket, ein heiliger Streiter auf Erden, gelangte auf dem blutigen Pfade des Märtyrertums zu der Würde eines Heiligen im Himmel; aber nicht weniger gewiß ist es, daß, um auch nur einen tausend Stufen niedrigeren Sitz als sein gesegneter Vorfahr zu erlangen, der unwürdige Balduin bereit ist, unter dem Schütze Unserer Frau sich allem zu unterwerfen, was auch der ärgste Bösewicht unter den gottlosen Menschen hienieden seiner sterblichen Hülle zufügen möge.«

»Es bedarf nicht dieses Schaugepränges von Mut, hochwürdiger Vater,« sagte Lacy, sich sammelnd, »wo weder Gefahr ist, noch sein kann. Ich bitte, laßt uns über diese Sache gemäßigter sprechen. Nie habe ich den Vorschlag getan, meine Absichten auf das heilige Land aufzugeben, es ging mir darum, den Kreuzzug zu verschieben. Mich dünkt, mein Anerbieten war recht annehmbar, und ich sollte damit doch das erlangen, was andern in gleichen Fällen zugestanden wurde – einen kurzen Aufschub meiner Reise.«

»Eine kleine Verzögerung von seiten eines solchen Anführers, wie Ihr, edler de Lacy,« antwortete der Prälat, »wäre der Todesstoß für unser heiliges, herrliches Unternehmen. Geringern Leuten mögen wir die Erlaubnis gegeben haben, zu heiraten oder zu verheiraten, aber Ihr, Mylord, seid ein Hauptpfeiler unseres Unternehmens, und werdet Ihr weggezogen, so stürzt das ganze Gebäude ein. Wer in England wird sich verpflichtet halten, einen Fuß vorwärts zu setzen, wenn Hugo de Lucy zurückweicht. Denkt, Mylord, weniger an die Braut, und mehr an Euern Schwur, und glaubt nicht, daß eine Verbindung je zu etwas Gutem führen kann, die Euerem gesegneten Unternehmen zur Ehre des Christentums hindernd in den Weg tritt.«

Der Connetable geriet durch die Hartnäckigkeit des Prälaten in Verwirrung und begann, wenngleich widerstrebend, seinen Beweisen Raum zu geben, einzig, weil die Gewohnheiten und Meinungen der Zeit ihn keine wirksame Gegenrede finden ließen, er hätte sich denn aufs Bitten und Flehen legen mögen. »Ich erkenne an,« sagte er, »daß ich zum Kreuzzug verpflichtet bin, auch habe ich – ich wiederhole es – keinen weiteren Wunsch, als die kurze Frist zu erlangen, die nötig ist, meine wichtigen Geschäfte in Ordnung zu bringen, indessen meine Vasallen, angeführt von meinem Neffen –«

»Versprich das, was in Deiner Gewalt ist,« sagte der Prälat. »Wer weiß, ob Gott nicht im Zorn darüber, daß Du andere Dinge suchst als Seine heilige Sache, Deinen Neffen von hinnen rufen wird, in diesem Augenblick, wo wir miteinander reden.«

»Das verhüte Gott,« sagte der Baron und fuhr auf, als wollte er zu seinem Neffen fliegen, ihm zu helfen; dann plötzlich innehaltend, warf er auf den Prälaten einen scharfen, forschenden Blick. »Es ist nicht gut getan,« sagte er, »daß Ew. Hochwürden so mit den Gefahren tändeln, die mein Haus bedrohen. Damian ist mir seiner guten Eigenschaften wegen teuer – und dann auch als Sohn meines einzigen Bruders! – Gott verzeihe es uns beiden! Er starb, als wir miteinander entzweit waren. – Mylord! Sollen Eure Worte mir andeuten, daß mein Neffe leidet und in Gefahr schwebt um meiner Sünde willen?«

Der Erzbischof bemerkte, daß er endlich den Punkt berührt hatte, der seinem widerspenstigen Büßenden am meisten zu Herzen ging. Er erwiderte mit Behutsamkeit, wohl wissend, mit wem er zu tun hatte: »Fern sei es von mir, daß ich mich erkühnte, die Ratschläge des Himmels zu deuten! Aber wir lesen in der Schrift, daß, wenn die Väter saure Trauben essen, die Zähne der Kinder davon stumpf werden. Was geht vernünftigerweise daraus hervor, als daß wir für unsern Stolz und unsere Halsstarrigkeit durch ein Urteil gestraft werden sollen, das ganz besonders darauf berechnet ist, diesen Geist des Eigendünkels niederzuschlagen und zu besänftigen? Ihr selbst wißt am besten, ob die Krankheit Euren Neffen überfiel, ehe Ihr daran dachtet, die Fahne des Kreuzes zu verlassen?«

Hugo de Lacy rief sich schnell das Geschehene zurück und fand in der Tat, daß keine Veränderung in der Gesundheit seines Neffen bemerkbar gewesen war, bis er auf den Gedanken kam, Eveline zu heiraten. Sein Schweigen und seine Verwirrung entgingen dem schlauen Prälaten nicht. Er ergriff die Hand des Kriegers, als er so vor ihm stand, ganz in Zweifel vertieft, ob er denn wirklich dafür, daß er die Fortpflanzung seines Hauses der Befreiung des heiligen Grabes vorgezogen, durch die Krankheit, die das Leben seines Neffen bedrohte, gestraft werden sollte. – »Kommt,« sagte er, »edler de Lacy – die Strafe, die Ihr Euch durch einen Augenblick des Dünkels zugezogen habt, läßt sich ebenso durch Gebet und Buße wieder wenden. Nieder, nieder auf Deine Knie und zweifle nicht, Du kannst noch durch Beichte und Kasteiung Deinen Abfall von der Sache des Himmels wieder gut machen!«