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Eine Pause folgte. – Die Krieger blickten einander, dann Eveline an, als schämten sie sich ihrer Meuterei, ohne daß es ihr Trotz zuließ, zur gewohnten Manneszucht zurückzukehren.

»Ich sehe, was es ist, meine braven Freunde! – Euch mangelt ein Anführer – doch darauf sollt Ihr nicht lange warten. – Ich selbst will Euch anführen, und wenn ich gleich nur ein Weib bin, kein Mann unter Euch darf einen Schimpf befürchten, wo eine Berenger befehligt. – Rüstet meinen Zelter mit einem Stahlsattel aus,« rief sie, »und das im Augenblick!« – Sie hob des Pagen leichten Helm auf und warf ihn über ihr Haar, sie ergriff sein weggeworfenes Schwert und trat vor. – »Hier gelobe ich Euch meine ganze Kraft und meine Führung. Dieser Biedermann,« sie zeigte auf Genvil, »soll meinen Mangel an Kriegskenntnis ersetzen. Er sieht wie ein Mann aus, der schon manche Schlacht gesehen hat und wohl die junge Anführerin in ihrer Pflicht unterweisen kann.«

»Gewiß,« sagte der alte Krieger, wider Willen zum Lächeln gezwungen und doch zugleich den Kopf schüttelnd, »viele Schlachten habe ich gesehen, aber nie focht ich unter einem solchen Befehlshaber.«

»Demungeachtet,« sagte Eveline, als sie sah, wie aller Augen sich auf Genvil wandten, »werdet Ihr nicht – könnt Ihr nicht– wollt Ihr Euch nicht weigern, mir zu folgen. Ihr dürft's auch nicht als Soldat, denn meine schwache Stimme gibt Euch nur Eures eigenen Hauptmanns Befehle wieder. – Ihr könnt es auch nicht als Mann, denn eine Frau, eine verlorene, hart bedrängte Frau fleht Euch um Hilfe an – Ihr dürft's auch nicht als Engländer, denn Euer Vaterland verlangt Euer Schwert, und Eure Kameraden sind in Gefahr. – Laßt also das Banner wehen, und nun vorwärts!«

»Bei meiner Seele, ich möchte es gerne tun, schöne Lady!« antwortete Genvil und tat, als wickle er schon das Banner auf, »auch Amelot könnte uns schon genug anführen, wenn er sich von mir unterweisen ließe; aber ich weiß nicht, ob Ihr uns da auf den rechten Weg schickt.«

»Gewiß! Gewiß!« rief Eveline zuversichtlich, »der rechte Weg ist der, der Euch zur Befreiung Wenlocks und der Seinigen führt, die von den rebellischen Bauern belagert werden.« »Das ist mir nicht ganz klar,« sagte Genvil, noch immer zögernd, »unser Anführer hier, Sir Damian de Lacy, beschützt das Volk, einige sagen, er begünstigt sie sogar. Auch weiß ich, daß er einmal mit Wild Wenlock in Streit geriet über eine kleine Beleidigung, die jener der Frau des Müllers von Twinford zufügte. Wir werden schön wegkommen, wenn unser feuriger junger Anführer wieder auf den Beinen ist und erfährt, daß wir gegen die Partei kämpften, die er in Schutz nahm.«

»Seid überzeugt,« sagte das besorgte Fräulein, »je mehr er den Bürgerstand gegen Unterdrückung beschützt, desto mehr würde er gegen ihn auftreten, wenn die Bürger wieder andere unterdrücken wollten. – Steig auf und reite – rette Wenlock und seine Mannen – jeder Augenblick entscheidet über Tod und Leben! – Ich will mit meinem Leben und Lande mich verbürgen, daß, was Ihr hier tut, de Lacy als guten Dienst aufnehmen wird. – Auf denn, folgt mir!«

»Niemand kann sicherlich Sir Damians Absichten besser kennen als Ihr, schönes Fräulein,« antwortete Genvil. »Ja, auch hierin könnt Ihr ihn umstimmen, wie Ihr Lust habt. – So will ich denn mit den Leuten aufbrechen und dem Wenlock helfen, wenn es noch Zeit ist, wie ich's wohl hoffe; denn er ist ein wilder Eber, und wenn er sich wehrt, wird es die Bauern Blut genug kosten, ehe sie ins Horn blasen. – Aber bleibt Ihr in der Burg, schöne Lady! und verlaßt Euch auf Amelot und mich. – Komm, Herr Page, übernimm das Kommando, da es sein muß; wiewohl es, meiner Treu! schade ist, den Helm von dem schönen Kopf und das Schwert aus der schönen Hand zu nehmen. Beim heiligen Georg! Die Waffen da zu erblicken, gibt dem Soldatenhandwerk ein wahres Ansehen.«

Die Lady übergab demnach dem Amelot die Waffen und ermahnte ihn mit wenigen Worten, die zugefügte Beleidigung zu vergessen und männlich seine Pflicht zu tun. Indessen rollte Genvil langsam seine Fahne auf, dann warf er sie aus, und ohne den Fuß in den Steigbügel zu setzen, half er sich nur ein wenig mit der Lanze und schwang sich in den Sattel, so schwer bewaffnet er war. »Wenn es Euer Jugendlichkeit gefällig ist,« sagte er zu Amelot, und während der Page den Haufen in Reih und Glied stellte, flüsterte er seinem nächsten Kameraden zu: »Ich meine, weit herrlicher wär's, wenn uns statt dieses Burschen im alten Kittel das hübsche Weib im gestickten Gewand anführte – es geht nichts über einen verbrämten Weiberrock. – Sieh einmal, Stephen Pontoys – ich kann es jetzt dem Damian vergeben, daß er seinen Oheim und seinen eigenen guten Ruf über dieser Dirne vergißt; denn bei meiner Treu, das ist so eine, in die ich bis auf den Tod vernarrt sein könnte, versteht sich, so par amours. – Mögen die Weiber zum Kuckuck fahren! – Sie beherrschen uns, Stephan, bei jeder Gelegenheit und in jedem Alter. Sind sie jung, dann locken sie uns mit freundlichen Blicken und gezuckerten Worten und süßen Küssen und Liebespfändern; sind sie in mittleren Jahren, so machen sie uns willfährig durch Geschenke und Artigkeiten, roten Wein und rotes Gold; und wenn sie alt sind, so besorgen wir ihnen nur zu gern alle Aufträge, um nur ihre alten ledernen Gesichter loszuwerden. – Wohl hätte der alte de Lacy zu Hause bleiben sollen, seinen Falken zu bewachen. Aber uns, Stephan, kann das alles gleich sein, und wir können heute vielleicht Beute machen, denn diese Bauern haben mehr wie ein Schloß geplündert.«

»Ja, ja,« erwiderte Pontoys, »der Bauer geht auf Beute, damit der Soldat sie ihm abnimmt, ein recht kräftiges Sprichwort. Aber, ich bitte Dich, kannst Du mir nicht sagen, warum der Herr Page uns noch nicht abführt?«

»Pah!« antwortete Genvil, »der Stoß, den ich ihm gab, hat sein Gehirn ausgeleert – oder vielleicht hat er noch nicht alle seine Tränen hinabgeschluckt – denn sonst ist es ein vorschnelles Hähnchen für seine Jahre, wo es gilt, Ehre zu gewinnen. – Sieh! jetzt setzen sie sich in Bewegung. – Es ist doch ein sonderbares Ding, Stephen, dieses edle Blut; ein Kind, das ich eben zurechtgesetzt habe wie einen Schulknaben, muß nun uns Graubärte hinführen, wo es uns den Kopf kosten kann, und das auf Befehl einer muntern Lady.«

»Ich wette, Sir Damian ist Geheimschreiber bei meiner feinen Lady,« antwortete Stephen Pontoys, »so wie der Springinsfeld Amelot es bei Sir Damian ist; und so müssen wir armen Leute gehorchen und den Mund halten.«

»Aber dabei die Augen aufmachen, Stephen Pontoys, vergiß das nicht.«

Jetzt war man außerhalb der Tore des Schlosses und hatte den Weg nach dem Dorfe eingeschlagen, in welchem, nach der am Morgen erhaltenen Nachricht, Wenlock von einer überwiegenden Zahl der Rebellen belagert wurde. Amelot ritt an der Spitze der Schar, noch immer verdrossen über die in Gegenwart der Krieger empfangene Beleidigung und in Gedanken verloren, von wem er sich in seiner Unkenntnis sollte raten und helfen lassen. Früher hatte der Fahnenträger dies getan, und nun schämte er sich, eine Versöhnung mit ihm zu suchen. Aber Genvil, wiewohl stets ein Murrkopf, war nicht von Natur tückisch. Er ritt zu dem Pagen heran, machte ihm eine Verbeugung und fragte ihn mit allem Respekt, ob es nicht gut getan wäre, wenn einige ihrer am besten berittenen Leute vorauszögen, um auszukundschaften, wie es mit Wenlock stünde und ob es noch Zeit wäre, ihm Beistand zu leisten.