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Jubelnd zollten die Reiter de Lacys diesem Vorschlag Beifall. Während die von der Partei Berengers mit lauten und scheltenden Worten noch darüber stritten, suchte Eveline, durch den Tumult herbeigerufen, sie zu besänftigen, doch vergebens; und Damians Vorwürfe oder Bitten waren bei seinen Streitgenossen ebenfalls fruchtlos. Beiden erteilte man die gleiche Antwort.

»Bekümmert Euch darum nicht! – Denkt Ihr, weil's Euch beliebt par amours, könnt Ihr Euer Leben und das unsrige nur so hinwerfen?« so rief Genvil de Lacy zu, und zwar sanfter, aber mit gleicher Halsstarrigkeit, weigerten sich die Geleitsmänner von Raymond Berenger, bei dieser Gelegenheit auf die Befehle oder Bitten seiner Tochter zu hören.

Wilkin Flamock hatte sich aus dem Tumult zurückgezogen, sobald er sah, welche Wendung die Sache genommen hatte. Er verließ die Burg durch eine Ausfallpforte, deren Schlüssel ihm anvertraut war, und kam unbemerkt und unbehelligt in das königliche Lager. Er begehrte den König zu sprechen. Dieser Wunsch wurde gewährt, und sehr bald stand Wilkin vor dem König Heinrich. Der Monarch befand sich in seinem königlichen Zelt, in Gesellschaft seiner beiden Söhne Richard und Johann, welche späterhin das Szepter Englands unter ganz anderen Verhältnissen führten.

»Was gibt es? – Wer bist Du?« war die königliche Frage.

»Ein ehrlicher Mann aus der Burg Garde Douloureuse.«

»Du magst ein ehrlicher Mann sein,« erwiderte der Souverän, »Du kommst aber aus einem Nest von Verrätern.«

»So wie sie da sind, will ich sie Eurer Königlichen Gnade überliefern; denn sie wissen nicht mehr aus noch ein. Sie verstehen sich nicht mehr zu verteidigen und wissen sich auch keinen Rat, wie sie kapitulieren sollen. Aber ich möchte gerne zuvorderst von Ew. Gnaden wissen, welche Bedingungen Ihr den Verteidigern jenes Schlosses zugestehen wollt?«

»Die, welche Könige den Verrätern zugestehen,« sagte Heinrich strenge. – »Scharfe Messer und starke Stricke.«

»Nein, gnädiger Herr, Ihr mußt milder sein, als worauf das ausgeht, wenn das Schloß durch meine Vermittlung übergeben weiden soll. Sonst werden Eure Stricke und Messer nur mit meinem armen Leichnam etwas zu schaffen haben, und von dem Innern von Garde Douloureuse werdet Ihr so entfernt bleiben wie jetzt.« Der König sah ihn scharf an, »Du kennst,« sagte er, »die Kriegsgesetze. – Hier, Oberprofoß, steht ein Verräter, und dort steht ein Baum.«

»Und hier steht eine Kehle,« sagte der hochherzige Flamländer und knöpfte den Kragen seines Wamses auf.

»Bei meiner Ehre,« sagte Prinz Richard, »ein kecker, treuer Bursche. Es wäre besser, man schickte solchen Kerlen was Ordentliches zu essen und schlüge sich dann vor der Burg wacker mit ihnen herum, statt sie auszuhungern, wie die bettelhaften Franzosen ihre Hunde hungern lassen.«

»Still, Richard!« sagte sein Vater, »Dein Witz ist zu grün und Dein Blut zu heiß, um hier mein Ratgeber zu sein. – Und Du, Bursche, schlage einige vernünftige Bedingungen vor, und wir wollen es nicht zu genau mit Dir nehmen.«

»Zuerst denn,« sagte der Flamländer, »dinge ich mir aus, vollen und freien Pardon an Leib, Leben und Gütern für mich, Wilkin Flamock, und meine Tochter Rose!«

»Ein echter Flamländer,« sagte Prinz John, »er sorgt für sich selbst im ersten Artikel.«

»Seine Forderung ist vernünftig,« sagte der König. – »Was zunächst?«

»Sicherheit für Ehre, Leben und Länder dem Fräulein Eveline Berenger.«

»Wie? Herr Schuft!« sagte der König erzürnt. »Ziemt es sich für Deinesgleichen, unserm Urteil oder unserer Gnade in Sachen der edlen normannischen Lady Vorschriften zu machen? – Beschränke Deine Fürsprache auf Leute Deiner Art; oder vielmehr gib uns das Schloß ohne längeren Aufschub, und sei versichert, daß dies das beste für die Verräter ist, jedenfalls weit besser, als ein wochenlanger Widerstand, der schließlich doch fruchtlos sein muß.«

Der Flamländer stand schweigend da; er hatte keine Lust, das Schloß, ohne ausdrücklich vereinbarte Bedingungen, zu übergeben, und war doch überzeugt, daß er bei der Lage, in welcher er die Besatzung von Garde Douloureuse verlassen hatte, Evelinen den besten Dienst leisten würde, wenn er die königlichen Truppen einließe.

»Mir gefällt Deine Treue, Bursche,« sagte der König, dessen scharfes Auge den Kampf in des Flamländers Brust bemerkte, »aber treibe Deine Hartnäckigkeit nicht zu weit. Haben wir nicht gesagt, wir wollen gnädig gegen jene Verbrecher verfahren, soweit unsere königliche Pflicht es erlaubt?« »Und, königlicher Vater,« sagte Prinz Johann, sich einmischend, »ich bitte Euch um die Gnade, laßt mich zuerst von Garde Douloureuse Besitz nehmen und zugleich die Strafe der verräterischen Lady bestimmen und vollziehen.«

»Auch ich bitte Euch, mein königlicher Vater, Johanns Gesuch zu genehmigen,« sagte sein Bruder Richard mit spöttischem Tone. »Bedenkt, königlicher Vater, es ist das erstemal, daß er den Wunsch äußert, sich den Barrieren der Burg zu nähern, obschon wir vierzigmal zum wenigsten Sturm liefen. – Ei ja doch! Da waren Armbrust und Steinschleuder tätig, und die werden jetzt wahrscheinlich ruhig sein.«

»Haltet Frieden, Richard!« sagte der König. »Eure Worte durchbohren mein Herz. – Johann, Deine Bitte sei Dir gewährt, was das Schloß anbetrifft; aber die unglückliche junge Lady wollen wir in unsere eigene Aufsicht nehmen. – Flamländer, wieviel Mann unternimmst Du, ins Schloß einzulassen?«

Ehe Flamock antworten konnte, näherte sich ein Squire dem Prinzen Richard und flüsterte ihm ins Ohr, doch so, daß es alle hören konnten: »Wir haben bemerkt, daß infolge einer inneren Zwistigkeit oder aus einer anderen unbekannten Ursache sich ein großer Teil der Wachen von der Burg entfernt hat, und daß ein plötzlicher Angriff vielleicht –«

»Hörst Du das, Johann?« rief Richard aus, »Leitern, Mann! – schaff Leitern herbei, und hin zur Mauer – O! wie ich mich freuen werde, dich auf der höchsten Staffel zu sehen, – Deine Kniee schlotternd – Deine Hände krampfhaft sich anklammernd, wie einer im Fieberschauer – nichts wie Luft um Dich, ein paar hölzerne Stäbe ausgenommen – der Graben unten – ein halbes Dutzend Piken an Deiner Kehle.«

»Ruhig, Richard, aus Scham, wenn nicht aus Barmherzigkeit!« sagte sein Vater in einem zornigen Tone, in welchen sich jedoch auch Gram mischte. – »Und Du, Johann, mache Dich fertig zum Angriff!«

»Sobald ich meine Rüstung angelegt habe,« antwortete der Prinz und ging mit bleichem Gesicht langsam hinaus.

Sein Bruder lachte, als er sich entfernte, und sagte darauf zu seinem Squire: »Es wäre kein schlechter Spaß, Alberick, wenn wir das Schloß erstürmten, ehe noch John sein seidenes Wams mit einem stählernen vertauscht.«

Mit diesen Worten eilte er schnell davon, und der König rief ihm mit väterlichem Schmerze nach: »Weg ist er! ach! er ist zu heiß, und sein Bruder zu kalt! doch ist sein Fehler der männlichere – Gloucester,« sagte er zu dem berühmten Grafen dieses Namens, »nehmt hinlängliche Mannschaft und folgt dem Prinzen Richard, ihn zu unterstützen. Vermag einer ihn zu zügeln, so kann es nur ein so berühmter Ritter sein wie Du. – Ach! ach! für welche Sünden verdiene ich den Schmerz, daß meine Söhne sich also befehden!«

»Tröstet Euch, mein Gebieter!« sagte der Kanzler, der ebenfalls gegenwärtig war.