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»Sprecht nicht von Trost zu einem Vater, dessen Söhne in Zwiespalt miteinander stehen, und nur im Ungehorsam gegen ihn eins sind.«

So sprach Heinrich II., der weiseste oder, allgemein genommen, glücklichste Monarch, der je auf dem Throne von England saß. Doch war sein Leben ein schlagender Beweis dafür, wie Uneinigkeit in der Familie das glänzendste Los verdüstern kann, das der Himmel je einem Sterblichen vergönnte, und wie befriedigter Ehrgeiz, ausgedehnte Macht und der höchste Ruhm in Krieg und Frieden doch nicht die Wunden zu heilen vermögen, die häuslicher Kummer schlägt.

Der plötzliche und feurige Angriff Richards, der an der Spitze von ein paar Dutzend aufs Geratewohl zusammengerafften Soldaten die Mauern erstürmte, hatte den vollen Erfolg eines Ueberfalls. Nachdem sie die Mauern mit ihren Leitern erstiegen hatten, sprengten sie die Tore und ließen Gloucester hinein, der ihnen eiligst mit einem starken Heerhaufen gefolgt war. Die Garnison in diesem Zustande der Ueberraschung, Verwirrung und Uneinigkeit leistete nur geringen Widerstand; sie hätten über die Klinge springen müssen, und der Ort wäre geplündert worden, wenn nicht Heinrich selbst eingezogen wäre und durch seine persönliche Gegenwart den Ausschweifungen der zügellosen Soldaten Einhalt getan hätte.

Der König selbst beobachtete, wenn man den Charakter der Zeit und seine gereizte Stimmung berücksichtigt, eine lobenswerte Mäßigung. Er begnügte sich damit, die gemeinen Soldaten zu entwaffnen und zu entlassen, und gab ihnen noch eine kleine Summe als Wegzehrung, damit Entbehrung sie nicht verleite, sich zu Räuberbanden zusammenzurotten. Strenger wurden die Offiziere behandelt, die größtenteils in den Kerker geworfen wurden, um hier den Spruch des Gesetzes abzuwarten. Vor allem war strenge Haft das Los Damians de Lacy, auf welchen Heinrich, da er den mannigfaltigen Klagen gegen ihn Glauben beimaß, so sehr erzürnt war, daß er beschloß, ihn zum warnenden Beispiel für alle falschen Ritter und pflichtvergessenen Untertanen zu machen. Der Lady Eveline Berenger wies er ihr eigenes Zimmer zum Gefängnis an, worin sie ehrenvoll von Rose und Alice bedient, doch aber mit der größten Strenge bewacht wurde. Man erzählte sich allgemein, ihr Gebiet würde als ein der Krone verfallenes Eigentum erklärt und wenigstens teilweise dem Randal de Lacy verliehen werden, der während der Belagerung so gute Dienste geleistet hatte. Sie selbst, glaubte man, sollte in einem fernen französischen Nonnenkloster eingeschlossen werden, um in voller Muße ihre Torheit und Uebereilung zu bereuen.

Pater Aldrovand wurde zur Bestrafung seinem Kloster übergeben, da Heinrich sehr nachdrücklich erfahren hatte, wie unklug es sei, die Gerechtsame der Kirche zu beeinträchtigen, wiewohl der König, als er ihn zuerst in dem über seinen geistlichen Rock geschnallten rostigen Panzer erblickte, nur mit Mühe den Wunsch unterdrücken konnte, ihn über den Zinnen aufhängen zu lassen, damit er dort den Raben predige.

Mit Wilkin Flammock hatte Heinrich manche Unterredung, besonders über Handel und Gewerbe, worüber der Flamländer mit seinem gesunden Kopf, wiewohl mit etwas derber Sprache, dem verständigen Monarchen recht gute Aufschlüsse zu geben wußte. »Es soll Dir nicht vergessen werden,« sagte er, »daß Du uns ins Schloß einlassen wolltest, obwohl die tollkühne Tapferkeit meines Sohnes Richard Dir zuvorgekommen ist, die manchem armen Schurken das Leben gekostet hat. – Richard ist nicht der Mann, ein Schwert ohne Blutflecken in die Scheide zu stecken. Aber Du und Deine Landsleute sollen dort zu ihren Mühlen zurückkehren, mit voller Vergebung aller ihrer Vergehungen, nur daß Ihr Euch künftig nicht mehr mit solchen verräterischen Dingen befaßt.«

»Und unsere Privilegien und Dienstpflichten, mein Fürst?« sagte Flammock. »Ew. Majestät weiß wohl, wir sind Vasallen, dem Herrn dieser Burg gehörig, und müssen ihm in den Krieg folgen.«

»So soll es nicht länger sein,« sagte Heinrich. »Ich will hier eine Gemeinde von Flamländern bilden, und Du, Flammock, sollst ihr Bürgermeister sein, damit Du Dich, wenn wieder mal jemand Verrat sinnt, nicht wieder mit Deiner Lehnspflicht entschuldigen kannst.«

»Verrat!« sagte Flammock, der sehnlich wünschte, aber es kaum wagte, ein Wort zu Gunsten der Lady Eveline einzulegen, an der er trotz der natürlichen Kälte seines Charakters wirklich Anteil nahm. – »Ich wünsche, Ew. Gnaden wüßten nur ganz richtig und genau, wieviel Fäden zu diesem Gewebe zusammenkamen.«

»Still, Bursche! – Bekümmert Euch um Euren Webstuhl!« sagte Heinrich, »lassen wir uns herab, mit Dir über Dein Handwerk zu sprechen, so halte das nicht für eine Erlaubnis, Dich weiter in unsere Vertraulichkeit einzudrängen.«

So zurückgestoßen, entfernte sich der Flamländer schweigend, und das Geschick der unglücklichen Gefangenen blieb in des Königs Brust verschlossen. Er selbst nahm Wohnsitz in der Burg von Garde Douloureuse, weil dieser Ort sehr dazu geeignet war, um Streifzüge gegen die rebellischen Bauern zu unternehmen und jeden Funken, der etwa noch unter der Asche glomm, auszulöschen. Randal de Lacy war aber bei diesen Gelegenheiten so tätig, daß er täglich in des Königs Gnade zu steigen schien und mit beträchtlichen Geschenken aus den Besitzungen der Berenger und Lacy belohnt wurde, welche der König schon als verfallenes Eigentum zu behandeln schien. Viele Leute betrachteten die wachsende Gunst Randals als ein schlimmes Vorzeichen sowohl für des jungen de Lacy Leben als für das Geschick der unglücklichen Eveline.

Vierzehntes Kapitel

Der Schluß des letzten Kapitels enthält die Nachrichten, die der Minstrel seinem unglücklichen Herrn, Hugo de Lacy, überbrachte. Zwar berichtete er nicht mit der Umständlichkeit, wie wir erzählt haben; aber doch enthielt sein Bericht die entsetzlichen Tatsachen, daß seine verlobte Braut und sein geliebter Verwandter, dem er so sehr vertraut hatte, sich zu seiner Schande miteinander verbunden und die Fahne der Rebellion gegen ihren rechtmäßigen Souverän erhoben hätten. Das verwegene Unternehmen sei fehlgeschlagen und dadurch das Leben wenigstens des einen in die drohendste Gefahr und das Haus de Lacy, wenn nicht augenblicklich Hilfe gefunden würde, an den Abgrund des Verderbens gebracht.

Vidal beobachtete das Angesicht seines Herrn, indem er sprach, mit der scharfen Aufmerksamkeit, mit der der Wundarzt das Fortschreiten seines schneidenden Messers verfolgt. Kummer war in des Connetables Zügen – aber ohne den Ausdruck der Niedergeschlagenheit und Entmutigung, die denselben gewöhnlich begleiten. – Zorn war es und Scham, aber beides von einem edlen Charakter, entstanden vielmehr durch den Treubruch und die Ehrlosigkeit seiner Braut und seines Neffen, als durch die Unannehmlichkeit und den Schaden, die er selbst durch ihr Verbrechen erlitt.

Der Minstrel war so sehr erstaunt über diese Veränderung seines Betragens gegen den unverhohlenen tödlichen Schmerz, den er beim Anfang seiner Erzählung bekundet hatte, daß er zwei Schritte zurücktrat und, den Connetable anstarrend, mit Bewunderung ausrief: »Wir haben viel in Palästina von Märtyrern gehört; aber dies übertrifft sie!«

»Wundre Dich nicht so sehr, guter Freund,« sagte der Connetable gelassen, »nur der erste Stoß der Lanze tut weh, nur der erste Schlag der Keule betäubt; die nachfolgenden fühlt man weniger.«

»Bedenkt Mylord,« sagte Vidaclass="underline" – »alles ist verloren – Liebe, Gebiet, hohe Ehrenstellen, glänzender Name – vor kurzem ein Haupt unter Edlen – jetzt ein armer Pilgrim.«

»Willst du meines Elendes spotten?« sagte Hugo finster. »Freilich, hinter meinem Rücken geschieht das ja doch, warum sollte ich es also nicht ertragen, wenn es mir ins Gesicht gesagt wird? – Wisse denn, Minstrel, und setze es in ein Lied, wenn Du Lust hast, daß Hugo de Lacy, nachdem er alles verloren hat, was er nach Palästina mitnahm, und alles, was er zu Hause ließ, noch immer Herr über sich selbst geblieben ist: und Unglück kann ihn nicht mehr erschüttern als der Wind, der von der Eiche das Laub streift, nicht aber ihren Stamm von der Wurzel abreißen kann.«