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»Ja, aber Randal Lacy hat noch viel unglaublichere Dinge zustande gebracht. Seht nur er hat es dem König geschworen, er habe sichere Nachrichten vom Tode des Connetable. Ja, seid unbesorgt, er wird die Nachricht schon wahr machen, wenn ihm der Connetable einmal in die Hände fällt.«

»Wirklich?« sagte der Connetable. »Doch Ihr schmiedet da Lügen über einen Edelmann. Kommt, Frau, kommt, Ihr sagt das, weil Ihr Randal de Lacy nicht leiden könnt.«

»Ihn nicht leiden! Und was habe ich nur für Ursache, ihn zu leiden, frage ich? – Darum, weil er meine Einfalt verführt hat, ihm Eingang ins Schloß von Garde Douloureuse zu verschaffen – ein, zweimal, ja noch öfter – wenn er als Krämer verkleidet kam und ich ihm alle Geheimnisse der Familie erzählte, und wie der Knabe Damian und das Mädchen Eveline aus Liebe zueinander stürben, aber nicht den Mut hätten, ein Wort davon fallen zu lassen, aus Furcht vor dem Connetable, wiewohl er tausend Meilen entfernt war? – Ihr scheint Euch nicht wohl zu befinden, würdiger Herr. – Kann ich Ew. Hochwürden einen kleinen Schluck aus meiner Flasche anbieten; es ist ein Universalmittel gegen Herzzittern und Kopfkrämpfe?«

»Nein, nein!« rief de Lacy. »Es war nur der Schmerz einer alten Wunde. Aber Frau, ich kann's mir wohl denken, dieser Damian und Eveline, wie Ihr sie nennt, wurden mit der Zeit vertrautere Freunde?«

»Die – nein, die wahrhaftig nicht, die armen einfältigen Seelen. – Es fehlte ihnen an einem klugen Ratgeber, der zwischen sie trat und ihnen Anweisungen gab. Denn seht nur, Herr, wenn der alte Hugo tot ist, was wohl der Fall sein wird, So wäre es doch natürlicher, daß seine Braut und sein Neffe seine Besitzungen erbten, als eben jener Randal, der nur ein entfernter Verwandter und ein meineidiger Schuft obendrein ist. Könnt Ihr es Euch denken, ehrwürdiger Pilger, nach den Bergen von Gold, die er mir versprochen hat – als die Burg eingenommen war, und er sah, daß ich ihm nichts weiter nützen könnte, da nannte er mich eine alte Hexe und drohte mir mit dem Büttel und dem Tauchschemel. Ja, ehrwürdiger Herr, Büttel und Tauchschemel, das waren seine schönsten Worte, als er sah, daß ich niemand mehr hatte, der sich meiner annahm, als der alte Raoul, der sich seiner selbst nicht annehmen kann. Aber wenn der grimmige alte Hugo noch sein altes Gerippe aus Palästina zurückbringt und nur halb den Teufel in sich hat, wie früher, als er Narr genug war, davon zu gehen, heilige Maria! da will ich seinem Verwandten einen guten Dienst tun!«

Eine Pause erfolgte, nachdem sie gesprochen hatte.

»Du sagst,« rief endlich der Connetable aus, »daß Damian de Lacy und Eveline einander lieben, aber sich keiner Schuld bewußt sind, keiner Falschheit oder Undankbarkeit gegen mich – ich wollte sagen gegen ihren Verwandten in Palästina?«

»Lieben, Sir – in Wahrheit, so ist es – sie lieben einander,« sagte Gillian, »aber wie die Engel oder wie die Lämmer – oder wie die Narren, wenn Ihr wollt! Denn sie würden selbst nicht ein einzigesmal miteinander gesprochen haben, wäre es nicht durch einen Schelmenstreich eben des Randal de Lacy geschehen.«

»Wie,« fragte der Connetable, »durch einen Schelmenstreich Randals? Und was für einen Grund hatte er, beide zusammenzubringen?«

»Ei, ihre Zusammenkunft war ganz und gar nicht seine Absicht. Er hatte den Plan gehabt, Lady Eveline selbst zu entführen; denn er war ein wilder Wüstling, dieser Randal, und so kam er verkleidet als Falkenjäger – und schleppte meinen alten, stupiden Raoul und Lady Eveline und uns alle hinaus zu einer Reiherbeize. Aber er hatte eine Rotte welscher Habichte in Bereitschaft, auf uns zu stoßen; und hätte sich nicht Damian plötzlich aufgemacht, uns zu befreien, so läßt's sich nicht beschreiben, was aus uns geworden wäre; und da Damian bei dem Angriff schwer verwundet wurde, so mußte er wohl oder übel nach Garde Douloureuse gebracht werden; und wäre es nicht geschehen, um sein Leben zu retten, so ist es mein fester Glaube, Mylady hätte ihn nie ersucht, über die Zugbrücke zu kommen, selbst wenn er sich dazu angeboten hätte.«

»Weib!« sagte der Connetable, »besinne Dich, was Du sagst. Wenn Du selbst zuvor in dieser Sache Böses angestiftet hast, wie ich aus Deiner eigenen Erzählung entnehme, so denke nicht, es durch neue Lügen wieder gut zu machen, bloß aus Aerger, daß Dir der Lohn entgangen ist.«

»Pilger,« sagte Raoul, mit seiner klanglosen Stimme, »ich bin gewohnt, das Geschäft der Zeitungsträgerei meiner Frau Gillian zu überlassen, die mit jedem Zankmaul in der Christenheit um die Wette schwatzen kann. Aber Du sprichst wie einer, der großen Anteil an diesen Geschichten nimmt, und so will ich Dir ganz offen sagen, daß dieses Weib ihre eigene Schande offenbart, indem sie ihr Einverständnis mit Randal de Lacy gesteht. Aber was sie gesagt hat, ist wahr, wie das Evangelium! und wäre es mein letztes Wort, so wollte ich's sagen, daß Damian und Lady Eveline unschuldig an allem Verrat und aller Schandbarkeit sind, wie neugeborene Kinder. – Aber was hilft's, was unseresgleichen davon sagt, wir, die wir hinausgetrieben sind – und unsere Notdurft erbetteln müssen, nachdem wir in einem so guten Hause gelebt haben und in eines so guten Herrn Diensten standen? – Gottes Segen sei mit ihm!«

»Aber sagt mir,« fuhr der Connetable fort, »sind nicht andere alter Diener des Hauses zurückgeblieben, die alles das eben so gut aussagen können wie Ihr?«

»Hem!« antwortete der Jäger, »die Menschen sind nicht sehr willig zu plaudern, wenn Randal de Lacy seine Peitsche über ihren Kopf knallen läßt. – Viele sind erschlagen worden oder verhungert – einige abgeschafft – einige verschwunden. – Aber da ist der Weber Flammock und seine Tochter Rose, die eben so viel wie wir von dem Handel wissen.«

»Wie? Wilkin Flammock? der wackere Niederländer?« sagte der, Connetable, »er und seine etwas vorlaute, doch treue Tochter Rose? – Ich gebe mein Leben für ihre Wahrhaftigkeit! – Wo halten sie sich auf? – Was ist unter all diesen Vorgängen ihr Schicksal gewesen?«

»Und um Gottes willen, wer seid Ihr, der diese Fragen tut?« sagte Dame Gillian. »Mann, Mann – wir sind zu frei gewesen. Es ist etwas in diesem Blick und diesem Tone, dessen ich mich erinnern sollte!«

»Ja, seht mich noch schärfer an!« sagte der Connetable, und warf den Hut ab, der bisher sein Gesicht verdunkelt hatte. »Auf Eure Knie, auf Eure Knie, Raoul,« rief Gillian aus, und sank zugleich auf die ihrigen. – »Es ist der Connetable selbst, und er hat gehört, daß ich ihn den alten Hugo genannt habe!«

»Es ist wenigstens alles, was von dem Connetable übrig geblieben ist,« erwiderte de Lacy, »und gerne verzeiht der alte Hugo Eure Dreistigkeit, Eurer guten Nachrichten wegen. – Wo befinden sich Flammock und seine Tochter?«

»Rose ist bei Lady Eveline,« sagte Dame Gillian. »Ihre Herrlichkeit wählten sie statt meiner zur Kammerfrau, obwohl Rose nie imstande war, auch nur eine holländische Puppe anzuziehen.«

»Das treue Mädchen!« rief der Connetable, »und wo ist Flammock?«

»O, was den anbetrifft, der hat Verzeihung und Gnade gefunden,« sagte Raoul, »er ist mit seinen Webern in seinem eigenen Hause, nahe der Schlachtbrücke, wie man jetzt den Ort nennt, wo Eure Herrlichkeit die Walliser schlugen.«

»So will ich denn dahin!« sagte der Connetable, »und dann wollen wir sehen, was für einen Willkommen König Heinrich von Anjou für einen alten Diener hat. – Ihr beide müßt mich begleiten.«

»Mylord,« sagte Gillian mit Stottern, »Ihr wißt, arme Leute haben schlechten Dank davon, wenn sie sich in großer Herren Sachen mischen. Ich bin überzeugt, Ew. Herrlichkeit sind imstande, uns zu schützen, wenn wir die Wahrheit gesagt haben, und werden auch mir verzeihen, was ich getan habe, da es durchaus nicht in böser Absicht geschah.«

»Stille, Frau! und schämt Euch!« sagte Raoul. »Wollt Ihr an Euren eigenen alten sündigen Leichnam denken, wenn Ihr Eure süße junge Gebieterin von Schande und Unterdrückung retten sollt? – Und was Deine böse Zunge betrifft und Deine schlechten Streiche, so weiß Sr. Herrlichkeit, daß sie Dir angewachsen sind.«