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»Stille, guter Bursch,« sagte der Connetable, »wir wollen nicht auf Deines Weibes Irrtümer zurücksehen, und Eure Treue soll belohnt werden. – Ihr aber, meine treuen Begleiter,« sagte er und wandte sich zu Guarine und Vidal, »wenn de Lacy wieder in seine Rechte eingesetzt ist, woran er nicht zweifelt, so soll sein erster Wunsch sein, Eure Treue zu belohnen.«

»Die meinige, so wie sie ist, war und wird ihre eigene Belohnung sein,« sagte Vidal. »Ich will von dem nicht Gunstbezeugungen im Glücke verlangen, der im Unglück mir seine Hand verweigerte. – Unsere Rechnung ist noch nicht abgeschlossen,«

»Geh nur, Du bist ein Narr! Aber Dein Gewerbe hat das Vorrecht, launenhaft zu sein,« sagte der Connetable, dessen von Sturm und Wetter mitgenommene, etwas harte Gesichtszüge fast schön werden konnten, wenn Dankbarkeit gegen den Himmel und Wohlwollen gegen die Menschen sie belebte. – »Wir wollen,« sagte er, »bei der Schlachtbrücke wieder zusammentreffen, eine Stunde vor Sonnenuntergang. – Ich muß bis dahin noch vieles verrichtet haben.«

»Die Zeit ist kurz,« sagte sein Knappe.

»Ich gewann eine Schlacht in kürzerer,« erwiderte der Connetable.

»Und in ebenso kurzer,« sagte der Minstrel, »fand mancher Mann, der sich des Lebens und des Sieges gewiß hielt, den Tod.«

»Ebenso soll mein gefährlicher Vetter Randal alle seine ehrgeizigen Plane vernichtet sehen,« antwortete der Connetable und ritt vorwärts, begleitet von Raoul und seiner Frau, die wieder ihren Klepper bestiegen hatten, während der Minstrel und der Squire Zu Fuß folgten.

Fünfzehntes Kapitel

Von ihrem Gebieter zurückgelassen, wanderten die beiden Diener Hugo de Lacys in mürrischem Stillschweigen weiter, wie Menschen, die sich nicht leiden können und einander mißtrauen, obgleich zu gemeinschaftlichen Dienst miteinander verbunden und daher von gleichen Hoffnungen und Befürchtungen erfüllt. Der Widerwille war in der Tat hauptsächlich auf Guarines Seite; denn dem Renault Vidal konnte nichts gleichgiltiger sein, als sein Gefährte, wenn er sich auch bewußt war, daß Philipp ihn nicht liebe und wahrscheinlich, soweit es in seiner Macht lag, einige Pläne, die ihm nahe am Herzen lagen, gern durchkreuzt hätte. Er kümmerte sich wenig um seinen Gefährten, sondern brummte so für sich, als wolle er sein Gedächtnis üben, einige Romanzen und Lieder her, wovon mehrere in einer Sprache verfaßt waren, die Guarine, der nur ein Ohr für sein Normännisches hatte, nicht verstand.

Auf diese verdrießliche Art waren sie fast zwei Stunden gewandert, als ihnen ein Reitknecht zu Pferde entgegenkam, der einen gesattelten Klepper am Zügel führte. »Pilger!« sagte der Mann, nachdem er sie aufmerksam betrachtet hatte, »wer von Euch heißt Philipp Guarine?«

»Ich, in Ermangelung eines bessern,« sagte der Squire.

»In diesem Falle empfiehlt sich Euch Euer Herr,« sagte der Reitknecht, »und schickt Euch dieses Zeichen, woran Ihr erkennen sollt, daß ich wirklich sein Bote bin,« damit zeigte er dem Squire einen Rosenkranz, welchen Guarine sogleich für den des Connetables erkannte.

»Ich erkenne das Zeichen,« sagte er, »sage mir meines Herrn Befehl.«

»Er gebot mir. Euch zu sagen, daß sein Unternehmen geglückt sei und er noch diesen Abend um Sonnenuntergang im Besitz seines Eigentums zu sein hofft. Er verlangt daher, Ihr sollt diesen Zelter besteigen und mit mir nach Garde Douloureuse kommen, weil Eure Gegenwart dort nötig ist.«

»Sehr wohl, und ich gehorche ihm,« sagte der Knappe, gar sehr über den Inhalt der Botschaft erfreut, und gar nicht unzufrieden, sich von seinem Reisegefährten trennen zu müssen.

»Und welchen Auftrag habt Ihr für mich?« fragte der Minstrel den Boten.

»Wenn Ihr, wie ich vermute, der Minstrel Renault Vidal seid, so sollt Ihr Euren Herrn bei der Schlachtbrücke erwarten, nach dem schon früher erteilten Befehl.«

»Ich werde dort mit ihm zusammentreffen, nach Pflicht und Schuldigkeit,« war Vidals Antwort. Aber er hatte es kaum ausgesagt, als schon die beiden Pferde ihm den Rücken zukehrten, davonsprengten und ihm bald aus dem Gesicht kamen.

Es war vier Uhr nachmittags. Schon sank die Sonne, doch blieben noch drei Stunden Zeit bis zur bestimmten Zusammenkunft, und die Brücke war jetzt nicht über vierhundert englische Meilen entfernt. Vidal begab sich daher, entweder um auszuruhen – oder seinen Gedanken nachzuhängen, von dem Wege in ein Gebüsch zur linken Hand, aus dem das Wasser eines Flüßchens hervorrieselte, das von einer Quelle zwischen den Bäumen gespeist wurde. Hier setzte sich der Reisende nieder, und scheinbar nicht wissend, was er tun sollte, beugte er sich über die kleine perlende Quelle länger als eine halbe Stunde, ohne die Stellung zu verändern, so daß er zur Zeit der Heiden wohl die Bildsäule eines Wassergottes hätte vorstellen können, der sich über sein Becken beugt und aufmerksam darauf achtet, daß ihm Wasser reichlich entströme. Endlich aber schien er aus diesem Zustande des tiefen Nachdenkens zu erwachen, richtete sich auf und nahm etwas grobe Nahrung aus seiner Pilgertasche, als ob er sich plötzlich erinnerte, daß Speise und Trank nötig seien, das Leben zu erhalten. Aber es lag ihm wahrscheinlich etwas auf dem Herzen, das ihm die Gurgel zuschnürte oder den Appetit nahm. Nach einem vergeblichen Versuch, einen Bissen herunterzuschlucken, warf er ihn mit Ekel von sich, und wandte sich lieber zu einer kleinen umflochtenen Flasche, die etwas Wein oder ein anderes geistiges Getränk enthielt. Aber auch diese schien ihm widerlich zu sein, denn er schleuderte beides, Tasche und Fläschchen, von sich, bückte sich zur Quelle tat einen tiefen Zug aus dem reinen Element, badete darin Hände und Gesicht, und dadurch scheinbar erfrischt, begab er sich wieder auf den Weg, sang im Gehen, aber in melancholischem Tone, wilde Bruchstücke aus einer alten Poesie in einer gleichfalls veralteten Sprache.

Auf diese trübe Weise seinen Weg fortsetzend, bekam er endlich die Schlachtbrücke zu Gesicht, neben der in stolzer, düsterer Kraft die berühmte Burg von Garde Douloureuse sich erhob. »Hier also,« sagte er, »hier also soll ich den stolzen de Lacy erwarten. Sei es so in Gottes Namen – er soll mich besser kennen lernen, ehe wir uns trennen!«

So sprach er, maß mit langen, entschlossenen Schritten die Brücke und bestieg eine Anhöhe, die in einiger Entfernung sich auf der andern Seite erhob. Er betrachtete eine Zeitlang das Schauspiel unter sich: der schöne Fluß, geschmückt mit den Farben des westlichen Himmels – die Bäume im herbstlich bunten Laube – und die finstern Mauern und Türme der Burg, von der zuweilen ein Schimmer herabblitzte, wie die Waffen einer Schildwache, vom Strahl der untergehenden Sonne getroffen.

Die Gesichtszüge des Minstrels, die bisher düster und unruhig gewesen waren, schienen durch die Ruhe seiner Umgebung besänftigt. Er warf sein Pilgergewand zurück, so daß die dunklen Falten desselben nur wie ein Mantel um ihn hingen, unter dem der Waffenrock des Minstrels sich zeigte. Er nahm die Laute von seiner Seite (eine kleine Art von Geige mit einem Rade), spielte erst eine und die andere welsche Weise und endlich ein Lied, von dem wir einige Bruchstücke, wörtlich aus der alten Sprache übersetzt, in der es gesungen wurde, mitteilen können.

»Ich fragte meine Harfe: Wer hat beschimpft deine Saiten?

Da sprach sie: Der Finger, der krumme, den ich verspottet im Ton.

Es krümmt sich die Klinge von Silber; die Klinge von Stahl aber dauert.

Liebe schwindet dahin; aber Rache hält aus.

Der süße Geschmack von Met entflieht den Lippen;

Aber lange zernagt sie der Saft des Wermuts.

Das Lamm, man bringt's zur Schlachtbank; der Wolf schweift auf dem Gebirge.

Liebe schwindet dahin; aber Rache hält aus.