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»Ja, bei meinem Glauben!« sagte Damian, wobei er aufstand und seinen Fuß auf den Stuhl setzte, damit der Gefangenwärter desto leichter den letzten Ring, der ihn noch umgab, abstreifen konnte. »Ich habe von allen dergleichen Dingen gehört, – ich habe von Wesen gehört, – die mit scheinbarer Würde in Wort und äußerer Gebärde – mit gar seinen, künstlich den Schwächen der menschlichen Natur angemessenen Ratschlägen die Hütten verzweifelter Menschen heimsuchen und ihnen die lockendsten Versprechungen machen, den Pfad zur Seligkeit zu verlassen und ihre Nebenwege einzuschlagen. – Das sind des Satans teuerste Helfershelfer; auf solche Art ist der böse Feind selbst erschienen. – Im Namen Gottes, alter Mann, bist Du ein menschliches Wesen, so entferne Dich! – Ich will nicht Deine Worte, noch Deine Gegenwart! – Ich speie Deine Ratschläge an! – Und nimm Dich in acht!« setzte er in einer drohenden Bewegung hinzu, »gleich werde ich freie Hände haben!«

»Knabe,« erwiderte der Pilger und schlug verächtlich seine Arme in seinen Mantel, – »ich verachte Deine Drohungen – ich verlasse Dich nicht, bis wir einander besser kennen lernen.«

»Auch ich,« sagte Damian, »möchte wohl wissen, ob Du Mensch oder Teufel bist – und nun zur Probe!« – Während er sprach, fiel die letzte Schelle von seinen Füßen rasselnd auf den Boden, und zu gleicher Zeit sprang er auf den Pilger zu, faßte ihn um den Leib, und indem er dreimal verzweifelt versuchte, ihn in die Höhe zu heben und kopfüber auf die Erde zu schleudern, rief er aus: »Dies für die tückische Behandlung eines Edelmanns! Dies für den Zweifel an der Ehre eines Ritters! dies« – (mit dem äußersten Kraftaufwande) – »für die Beschimpfung einer Lady!«

Jede Anstrengung Damians schien kraftvoll genug, einen Baum zu entwurzeln, dennoch, obwohl er den alten Mann zum Wanken brachte, konnte er ihn doch nicht niederwerfen; und als Damian nach dem letzten stärksten Angriff noch keuchte, erwiderte dieser: »Und Du nimm dieses, da Du so grob umgehest mit Deines Vaters Bruder!«

Mit diesen Worten stürzte Damian, der beste jugendliche Ringer in Cheshire, nicht eben sanft auf den Boden des Kerkers. Langsam und erstaunend erhob er sich. Aber der Pilger hatte nun seinen Hut und das geistliche Gewand abgeworfen, und die Gesichtszüge, wiewohl sie Spuren des Alters und des Klimas trugen, waren die seines Oheims, des Connetables, der nun ruhig die Worte sprach: »Ich denke doch, Damian, Du bist stärker geworden und ich schwächer, seit meine Brust an die Deinige sich preßte in unsers Landes gern geübtem Spiele. Du hättest mich bei der letzten Wendung bald niedergestreckt, nur daß ich den alten Rückengriff der de Lacys noch ebensogut kenne wie Du. – Aber warum knien, Mensch!« Er hob ihn mit großer Freundlichkeit auf, küßte seine Wange und fuhr fort: »Denke nicht, mein teuerster Neffe, daß ich unter dieser Verkleidung Deine Treue auf die Probe stellen wollte, woran ich selbst nie zweifelte! Aber böse Jungen sind geschäftig gewesen, und das brachte mich doch auf diesen Versuch, dessen Erfolg, wie ich erwartete, so ehrenvoll für Dich gewesen ist. So wisse (denn diese Mauern haben zuweilen Ohren, auch im buchstäblichen Sinne) es gibt hier in nicht großer Entfernung Augen und Ohren, die alles gehört und gesehen haben. – Meiner Treu! ich wünschte, Deine letzte Umarmung wäre nicht so ernsthaft gemeint gewesen. – Meine Rippen fühlen noch den Druck Deiner Knöchel!«

»Teuerster, verehrter Oheim,« sagte Damian, »entschuldigt –«

»Hier ist nichts zu entschuldigen,« entgegnete sein Oheim, ihn unterbrechend, »Haben wir nicht schon manchesmal miteinander gerungen? – Doch noch eine Prüfung bleibt Dir zu bestehen. – Schleunigst begib Dich aus diesem Loche – lege Deinen besten Anzug an, mich in der Mittagsstunde zur Kirche zu begleiten, denn, Damian, Du mußt bei der Vermählung der Lady Eveline zugegen sein!«

Diese Aufforderung schlug mit einenmale den jungen Mann zu Boden. »Um des Himmels willen!« rief er aus, »darin entschuldigt mich, mein gütiger Oheim! Ich bin vor kurzem sehr schwer verwundet worden und bin noch sehr schwach.«

»Wie meine Knochen es bezeugen können,« sagte sein Oheim. »Wie, Mensch? Du hast die Stärke eines norwegischen Bären.«

»Leidenschaft,« entgegnete Damian, »mag mir für einen Augenblick Stärke gegeben haben; aber, teuerster Oheim, verlangt alles andre, nur nicht das. Ich sollte denken, wenn ich gefehlt habe, konnte irgend eine andere Strafe genügen.«

»Ich sage Dir,« erwiderte der Connetable, »Deine Gegenwart ist notwendig – unumgänglich notwendig. – Seltsame Gerüchte sind im Umlauf, die Deine Abwesenheit bei dieser Gelegenheit nur zu sehr bestätigen würden. Evelinens Ruf verlangt es.«

»Wenn dem so ist,« sagte Damian, »so wird keine Aufgabe für mich zu schwer sein. Aber ich hoffe, wenn die Zeremonie vorüber ist, werdet Ihr mir erlauben, das Kreuz zu nehmen, wenn Ihr es nicht vorzieht, daß ich mich den Truppen anschließe, die, wie ich höre, zur Eroberung von Irland bestimmt sind.«

»Nun, nun,« sagte der Connetable, »wenn Eveline Euch ihre Erlaubnis gibt, so will ich Euch die meinige nicht vorenthalten.«

»Oheim,« sagte Damian etwas unmutig, »Ihr kennt die Gefühle nicht, mit denen Ihr Euren Scherz treibt.«

»Nun,« sagte der Connetable, »ich zwinge Dich zu nichts. Doch wenn Du zur Kirche kommst und die Heirat Dir nicht recht ist, so magst Du, wenn Du willst, Einspruch tun – das Sakrament kann nicht ohne des Bräutigams Einwilligung vollzogen werden.«

»Ich verstehe Euch nicht, Oheim,« sagte Damian, »Ihr habt ja bereits eingewilligt.«

»Ja, Damian,« sagte er, »ich habe eingewilligt, meine Ansprüche zurückzunehmen und ihnen zu Deinen Gunsten zu entsagen. Denn wenn Eveline heute vermählt wird so – bist Du der Bräutigam. – Die Kirche hat ihre Bestätigung gegeben – der König seine Einwilligung – die Lady sagt nicht nein – und nur die Frage bleibt übrig, ob der Bräutigam Ja sagen will.«

Die Antwort läßt sich leicht erraten. Auch ist es nicht nötig, bei dem Glänze der Zeremonie zu verweilen, die, seine unverdiente Strenge gut zu machen, Heinrich mit seiner Gegenwart beehrte. Amelot und Rose wurden bald darauf verbunden, nachdem vorher der alte Flammock durch Verleihung eines Wappens zum Edelmanne erhoben worden war, damit das edle normännische Blut sich ohne Entweihung mit dem geringern Strome vermischen könnte, der der schönen Flamländerin Wangen rötete. In dem Benehmen des Connetables gegen seinen Neffen und dessen Braut zeigte sich nichts, was darauf hätte deuten können, daß ihm die großmütige Selbstverleugnung leid täte, die er zu Gunsten ihrer jugendlichen Liebe bewiesen hatte. Aber bald nachher übernahm er eine hohe Befehlshaberstelle bei den Truppen, die zum Angriff auf Irland bestimmt waren; und sein Name steht unter den ausgezeichnetsten in der Liste der ritterlichen Normannen verzeichnet, die zuerst die schöne Insel mit der englischen Krone vereinigten.

Eveline, in den Besitz ihres schönen Schlosses und ihres Eigentums eingesetzt, unterließ es nicht, ihren Beichtiger sowohl als ihre alten Kriegsleute, Diener und Beamten zu versorgen, indem sie ihnen ihre Verirrungen vergaß und nur ihrer Treue gedachte. Der Beichtiger kehrte zu den Fleischtöpfen Aegyptens zurück, die seiner Natur besser zusagten als die magere Kost eines Klosters. Selbst Gillian erhielt die Mittel zu ihrem Unterhalte, denn hätte man sie bestrafen wollen, wäre auch der treue alte Raoul betroffen worden. Sie zankten sich bei gutem Auskommen ebenso, wie sie sich vorher in der Armut gezankt hatten. Denn bissige Hunde knurren sich ebensogut über einem Braten an wie über einem Knochen. Der einzige verdrießliche Auftritt, den Lady Eveline nun noch erlebte, war der Besuch ihrer sächsischen Verwandten, der mit großer Feierlichkeit abgestattet wurde, aber unglücklicherweise zu derselben Zeit, die die Frau Aebtissin zu ihrem Besuche erwählt hatte. Der Zwist, der zwischen diesen beiden ehrenwerten Personen herrschte, hatte einen doppelten Ursprung: sie waren normannischen und sächsischen Stammes, sie wichen aber auch überdies von der Meinung voneinander ab, zu welcher Zeit Ostern gefeiert werden müßte. Jedoch war dies nur eine kleine Wolke, die über den heitern Himmel Evelinens hinflog; denn mit ihrer unverhofften Vermählung mit Damian endeten die Prüfungen und Leiden »der Verlobten«.