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Darauf zogen die beiden Ritter sich zurück. Am Eingang zur Hütte blieben sie stehen, und Lord Gilsland verabschiedete sich mit dem Versprechen, zur Vesperzeit zurückzukehren, um dann mit dem maurischen Arzte zu sprechen, zuvor sich aber Instruktionen vom König Richard einzuholen.

Achtes Kapitel

»Eine seltsame Geschichte, Ritter Thomas,« sagte der kranke Monarch, als er den treuen Lord von Gilsland angehört hatte. »Glaubt Ihr, daß dieser Schotte ein aufrichtiger Mann ist?« – »Darüber kann ich nichts sagen,« entgegnete der eifersüchtige Grenzer; »ich habe die Schotten als Nachbarn bald redlich, bald falsch gefunden. Allein dieser Schotte benimmt sich wie ein ehrlicher Mann, das kann ich mit gutem Gewissen sagen.« – »Und sein Verhalten als Ritter, was sagt Ihr dazu?« fragte der König. – »Man hat zu seinen Gunsten gesprochen,« erwiderte Lord Gilsland ausweichend. – »Und mit Recht, Thomas,« sagte der König. »Wir sind wiederholt Zeuge seines ritterlichen Verhaltens gewesen und er hätte sich unserer Huld schon längst zu versehen gehabt, wenn wir nicht auch seinen Dünkel und seine Anmaßung bemerkt hätten. Aber Du sagtest doch, der Schotte habe jenen gelehrten Heiden in der Wüste getroffen?« – »Nicht doch, mein Lehnsherr. Wie der Schotte sagt, ist er zu dem alten Einsiedler von Engaddi, von dem die Leute soviel sprechen, gesandt worden.« – »Tod und Hölle!« unterbrach ihn Richard. »Von wem und weshalb? Wer hat es gewagt, jemand dorthin zu schicken, da unsere Gemahlin sich in dem Kloster von Engaddi befand, auf ihrer Wallfahrt für unsere Genesung?« – »Er ist von der Ratsversammlung des Kreuzzuges abgesandt worden,« antwortete Thomas von Vaux; »hat sich aber geweigert, mir mitzuteilen, zu welchem Zwecke. Ich glaube, es ist kaum bekannt im Lager, daß Eure königliche Gemahlin auf einer Wallfahrt begriffen ist. Ich zum wenigsten wußte es nicht, und selbst die Prinzen mögen es auch nicht wissen, denn die Königin wurde auf Euren Befehl aller Gesellschaft fern gehalten, um sie gegen Ansteckung zu schützen.« – »Wohlan, die Sache soll untersucht werden. In der Grotte von Engaddi also hat dieser schottische Gesandte einen fahrenden Arzt getroffen? War es nicht so?«

– Nein, mein Lehnsherr. Aber er traf, dünkt mich, in der Nähe des Ortes einen Sarazenen-Emir, mit dem er, nach Rittersitte, einen Zweikampf ausfocht; und als er ihn des Umgangs tapferer Männer würdig fand, zogen sie miteinander, wie es fahrende Ritter zu tun pflegen, nach der Grotte von Engaddi.«

Hier hielt Thomas von Vaux inne; denn er gehörte nicht zu denen, die eine lange Geschichte in einem Atem erzählen können. – »Trafen sie dort den Arzt?« fragte Richard ungeduldig. – »Nein, mein Lehnsherr,« erwiderte Thomas von Vaux. »Als der Sarazene die schwere Krankheit Ew. Majestät erfuhr, versprach er, daß Saladin seinen Leibarzt zu Euch senden werde, dessen große Geschicklichkeit er rühmte. Daraufhin kam der Arzt zur Grotte, wo der schottische Ritter über einen Tag auf ihn gewartet hatte. Er hat ein fürstliches Gefolge von Dienern zu Pferde und zu Fuß, mit Trommeln und Atabalen, und bringt Saladins Beglaubigungsschreiben mit.« – »Ist es von Giacomo Loredani untersucht worden?« fragte der König. – »Ich zeigte es dem Dolmetscher, ehe ich herkam, ich bringe Euch die Uebertragung in englischer Sprache.«

Richard nahm das Pergament und las: »Der Segen Allahs und seines Propheten Mohammed...« – »Hinaus mit dem Hunde!« rief Richard, verächtlich ausspuckend – »Saladin, König der Könige, Sultan von Aegypten und Syrien, das Licht und die Zuflucht der Erde, entbeut dem großen Richard von England seinen Gruß. – Da uns berichtet worden, daß die Hand der Krankheit schwer auf Dir, unserem königlichen Bruder, ruht, und daß Du nur Nazarener und jüdische Aerzte bei Dir hast, die ohne den Segen Allahs und unseres heiligen Propheten wirken« – »Verderben über sein Haupt!« murmelte abermals der englische Monarch – »so haben wir zu Deiner einstweiligen Wartung und Pflege unseren eignen Leibarzt El Hakim zu Dir gesandt, vor dessen Antlitz der Engel Asrael seine Flügel ausbreitet und aus dem Krankenzimmer weicht. Indem wir dies tun, bitten wir Dich herzlich, seine Geschicklichkeit zu ehren und davon Gebrauch zu machen, und zwar nicht nur, damit wir Deinem Werte uns dienstlich erweisen und Deiner Tapferkeit, die allen Nationen Frangistans zum Ruhme gereicht, sondern damit der Streit, der jetzt zwischen uns obwaltet, beendigt werde, sei es durch schickliches Uebereinkommen oder durch Kampf im offenen Felde; denn wir fühlen, daß es weder Deinem Range und Deinem Mute geziemt, den Tod eines Sklaven zu sterben, noch daß es unserem Ruhme förderlich ist, daß ein tapferer Gegner durch eine solche Krankheit unseren Waffen entzogen werde. Und möge daher der heilige – «

»Genug! genug!« rief Richard. »Ich will nichts mehr hören von diesem Hunde von Propheten! Es kränkt mich, wenn ich denke, daß der tapfere, ehrenwerte Sultan an einen toten Hund glaubt! – Aber ich will seinen Arzt sehen. Ich will mich diesem Hakim anvertrauen. Ich will dem edlen Sultan seine Großmut vergelten und ihm entgegengehen im Felde, wie er so rechtlich vorschlägt, und er soll keine Ursache haben, Richard von England undankbar zu nennen. – Eile, Thomas von Vaux! Warum zögerst Du bei einem so willkommenen Beschlusse? Hole den Hakim her!« – »Bedenkt,« sagte der Lord, in diesem Uebermaße von Zuversicht eine Wirkung des Fiebers befürchtend; »bedenkt, daß der Sultan ein Heide ist und daß Ihr sein furchtbarster Feind seid;« – »Umsomehr ist er genötigt, mir solchen Dienst zu leisten, damit nicht ein armseliges Fieber den Streit zwischen zwei Fürsten beendige. Ich sage Dir, er liebt mich, wie ich ihn liebe, wie edle Feinde stets einander lieben. Bei meiner Ehre! – Es wäre Sünde, Zweifel in seine Aufrichtigkeit zu setzen.« – »Nichtsdestoweniger wäre es gut, erst die Wirkung dieser Arzeneien auf den schottischen Knappen abzuwarten,« entgegnete Thomas von Vaux. »Mein eigenes Leben hängt daran; denn ich wäre wert, wie ein Hund zu sterben, verführe ich zu rasch in dieser Sache.«

»So gehe denn, Du argwöhnischer Mensch, und beobachte die Wirkung dieser Arznei. Fast möchte ich wünschen, sie brächte mir, wenn nicht Gesundheit, den Tod. Denn ich habe es satt, wie ein an Klauenseuche verreckender Stier hier zu liegen, indes draußen Trommeln wirbeln, Rosse stampfen und Trompeten erklingen.«

Der Lord eilte fort, aber mit dem Vorbehalt, seinen Auftrag zuvor einem Geistlichen mitzuteilen, weil sein Gewissen ihm Vorwürfe machte, daß sein Gebieter sich von einem Ungläubigen behandeln lassen wollte.

Der Erzbischof von Tyrus war der erste, an den er sich wandte, weil er wußte, daß dieser einsichtsvolle Prälat viel bei Richard galt. »Aerzte,« sagte der Bischof zu Thomas von Vaux, »stiften, gleich den Arzneien, die sie verordnen, oft heilsamen Nutzen, und die Menschen mögen in ihrer Not auch zu dem Beistande von Heiden und Ungläubigen ihre Zuflucht nehmen. Aber ich kann meinen Verdacht gegen den listigen Sarazenen nicht unterdrücken, denn sein Volk ist geschickt in der Kunst, Gifte zu mischen; sie können Tuch und Leder, ja selbst Papier und Pergament mit dem feinsten Gifte sättigen – Heilige Maria, vergib mir! warum hielt ich, da ich dies Volk so gut kenne, dies Kreditiv so nahe an mein Gesicht? Thomas, nehmt es geschwind!«

Hier reichte er es mit weit ausgestreckten Armen hastig dem Baron. »Kommt,« sagte er, »wenden wir uns nach dem Zelte des kranken Knappen, um zu sehen, ob der Hakim wirklich die Kenntnisse in der Heilkunde besitzt, deren er sich rühmt, und laßt uns dann erwägen, ob er sie an König Richard von England ausüben soll.«

Als sie vor der armseligen Hütte stillstanden, in welcher Kenneth mit seinem Knappen hauste, sagte der Bischof: »Das muß man diesen schottischen Rittern lassen: sie sorgen schlechter für ihre Knappen, als wir für unsere Hunde.« – »Ein Herr handelt gegen seinen Diener gut genug, wenn er ihn nicht schlechter als sich selbst beherbergt,« versetzte Thomas und ging in die Hütte.