Brown schritt inzwischen gen Norden über die Moorgegend, die als die wüste Heide von Cumberland bekannt ist. Der Weg führte ihn an einem einsamen Haus vorüber, wohin auch, nach den Fußstapfen des Rosses zu schließen, der Reiter sich begeben zu haben schien. Ein Stück weiter schien er wieder auf die Landstraße zurückgekehrt zu sein. »Mir wär' es schon recht,« dachte Brown, »der Pächter hätte hier auf mich gewartet, daß ich ihm einige Fragen über den Weg vorlegen könnte, der mit jedem Schritte wilder zu werden scheint.«
Wirklich hatte die Natur, gleich als hätte sie diesen Landstrich zum Grenzwall zwischen zwei feindlichen Völkern machen wollen, demselben einen wilden, öden Charakter gegeben. Die Hügel sind hier weder hoch noch felsig, sondern das Land besteht nur aus Heide und Sumpf; und Wohnstätten, ärmlich und elend, finden sich nur in weiten Zwischenräumen. In ihrer unmittelbaren Nähe zeigt sich im allgemeinen etwas Anbau; aber einige halbausgewachsene, an den Hinterfüßen zusammengebundene Füllen lassen erkennen, daß hier der Hauptnahrungszweig die Pferdezucht ist. Die Leute sind von roherm Schlage, als sonst in Cumberland, was zumeist wohl von ihrer Vermischung mit Landstreichern und Verbrechern herrühren mag, die in dieser wilden Gegend Zuflucht vor der Gerechtigkeit suchen. Brown hatte von ihrer Unsicherheit wohl mancherlei schon gehört, und sein Argwohn war nach dem Gespräche zwischen der Wirtin, Dinmont und der Zigeunerin durchaus nicht geschwunden; aber er war von Natur furchtlosen Gemüts, hatte nichts bei sich, was einen Räuber locken konnte, und hoffte zudem, noch vor Einbruch der Nacht durch die Heide zu kommen. Hierin aber sollte er sich getäuscht sehen. Der Weg zog sich über Erwarten in die Länge; und der Horizont begann sich zu verfinstern, gerade als Brown ein ausgedehntes Stück Moorland betrat. Der Weg führte nun auf einem Pfade hin, der bald zwischen zwei Wänden von lockerer Moorerde hinlief, bald durch schmale, aber tiefe Gräben gekreuzt wurde, die mit Schlamm und Wasser gefüllt waren; ebenso bildeten Haufen von Sand und Steinen, die von Quellen und Gießbächen, die von den muß den Burschen wiedersehen – und kann auch nach Ellangowan zurückgehen. Der Laird ist tot, wohlan! Tod begleicht Schulden – und einstens war er ja auch ein freundlicher Mann. – Der Sheriff ist versetzt; also kann ich mich wieder dort aufhalten – ohne zu riskieren, daß ich wieder eingesperrt werde. – Ja, das schöne Ellangowan muß ich noch einmal sehen, eh' ich sterbe.«
Brown schritt inzwischen gen Norden über die Moorgegend, die als die wüste Heide von Cumberland bekannt ist. Der Weg führte ihn an einem einsamen Haus vorüber, wohin auch, nach den Fußstapfen des Rosses zu schließen, der Reiter sich begeben zu haben schien. Ein Stück weiter schien er wieder auf die Landstraße zurückgekehrt zu sein. »Mir wär' es schon recht,« dachte Brown, »der Pächter hätte hier auf mich gewartet, daß ich ihm einige Fragen über den Weg vorlegen könnte, der mit jedem Schritte wilder zu werden scheint.«
Wirklich hatte die Natur, gleich als hätte sie diesen Landstrich zum Grenzwall zwischen zwei feindlichen Völkern machen wollen, demselben einen wilden, öden Charakter gegeben. Die Hügel sind hier weder hoch noch felsig, sondern das Land besteht nur aus Heide und Sumpf; und Wohnstätten, ärmlich und elend, finden sich nur in weiten Zwischenräumen. In ihrer unmittelbaren Nähe zeigt sich im allgemeinen etwas Anbau; aber einige halbausgewachsene, an den Hinterfüßen zusammengebundene Füllen lassen erkennen, daß hier der Hauptnahrungszweig die Pferdezucht ist. Die Leute sind von roherm Schlage, als sonst in Cumberland, was zumeist wohl von ihrer Vermischung mit Landstreichern und Verbrechern herrühren mag, die in dieser wilden Gegend Zuflucht vor der Gerechtigkeit suchen. Brown hatte von ihrer Unsicherheit wohl mancherlei schon gehört, und sein Argwohn war nach dem Gespräche zwischen der Wirtin, Dinmont und der Zigeunerin durchaus nicht geschwunden; aber er war von Natur furchtlosen Gemüts, hatte nichts bei sich, was einen Räuber locken konnte, und hoffte zudem, noch vor Einbruch der Nacht durch die Heide zu kommen. Hierin aber sollte er sich getäuscht sehen. Der Weg zog sich über Erwarten in die Länge; und der Horizont begann sich zu verfinstern, gerade als Brown ein ausgedehntes Stück Moorland betrat. Der Weg führte nun auf einem Pfade hin, der bald zwischen zwei Wänden von lockerer Moorerde hinlief, bald durch schmale, aber tiefe Gräben gekreuzt wurde, die mit Schlamm und Wasser gefüllt waren; ebenso bildeten Haufen von Sand und Steinen, die von Quellen und Gießbächen, die von den »Hoffentlich nicht gefährlich verwundet, Herr?«
»O, hat nicht viel auf sich – mein Kopf verträgt schon einen Puff – obwohl ich den Schuften nicht dafür danke, wohl aber Ihnen für Ihren Beistand. Doch nun, Landsmann, helfen Sie mir mein Pferd fangen: dann setzen Sie sich hinter mich, denn wir müssen flott darauf los reiten, wenn wir nicht die ganze Zigeunerbande auf den Hals bekommen wollen: weit wird die Sippschaft wohl nicht sein.«
Der Klepper ließ sich zum Glück leicht fangen; Brown suchte aber geltend zu machen, daß er die Last nicht tragen möchte.
»Hat gar nichts auf sich, Herr,« antwortete der Pächter, »Dumple könnte sechs Mann tragen, wäre sein Rücken nur lang genug – aber um des Himmels willen schnell aufgestiegen! denn ich sehe dort Volk über die Heide gerannt kommen, das wir besser nicht erst abwarten.«
Brown sah jetzt auch ein halbes Dutzend Kerle quer über das Moorland rennen, mit denen die anderen Gemeinschaft zu haben, schienen, und dieser Umstand mußte alle Rücksichten aufheben. Er stieg hinter Dinmont auf, und das kleine mutige Tier flog mit den beiden großen Männern auf dem Rücken einher, als wären es sechsjährige Kinder gewesen. Der Pächter, dem die Pfade dieser Wildnis genau bekannt schienen, suchte, unterstützt von dem Instinkte seines Kleppers, der nie verfehlte, die schwierigen Stellen immer genau an dem Flecke und auf die Weise zu überschreiten, wo und wie sie am sichersten zu passieren waren – mit scharfem Blick die sichersten Wege, konnte jedoch trotz aller Vorsicht nicht verhindern, daß sie manchmal die Richtung verloren ... »Wenn wir nun erst Withershins Bruch hinter uns haben,« sagte der unerschrockene Mann zu seinem Gefährten, »dann wird die Straße besser, und wir werden den Kerlen schnell aus dem Gesichte sein.«
Withershins Bruch war ein schmaler Kanal, in welchem Schlammwasser träge sickerte, das mit grünen Sumpfpflanzen überdeckt war. Dinmont lenkte sein Pferd nach einer Uebergangsstelle, wo das Wasser auf härterm Boden rascher zu fließen schien; aber Dumple stutzte, senkte den Kopf, wie wenn er den Sumpf genauer in Augenschein nähme, stemmte die Vorderfüße fest vor sich und stand so unbeweglich wie ein steinernes Bild.
»Täten wir nicht besser,« sagte Brown, »wenn wir abstiegen und das Pferd seinem Schicksal überließen? Zwingen wird es sich kaum lassen.«
»Nein, nein,« entgegnete der Landmann, »meinem Dumple zuwiderhandeln, das gibt's nicht – er hat bessern Verstand als mancher Christenmensch.« Dann wandte er sich zu dem Pferde:
»Nun, wohlan, Dumple, such' Dir den Weg selber aus – zeig uns, wo Du hinüber willst.« Dabei liebkoste er sein Tier mit dem Zügel ... .
Dumple trabte nun rasch nach einer andern Stelle des Sumpfes, die Brown viel ungünstiger vorkam: Scharfsinn oder Instinkt hatten das Tier aber sicher geführt; es stieg in den Bruch hinein und erreichte ohne Schwierigkeit die entgegengesetzte Uferseite. »Ich bin froh, daß wir aus dem Moorgrunde sind,« sagte Dinmont; »denn da gibt's mehr Ställe für Pferde als Absteigequartiere für Menschen – wir kommen nun auf den Jungfernweg, wo es besser gehen wird.« Schnell erreichten sie nun eine holprige Heerstraße, den letzten Rest einer alten römischen Straße, die diese Wildnis genau in nördlicher Richtung durchschneidet. Hier legten sie in einer Stunde über zwei Meilen zurück, denn Dumple verlangte keine andere Rast, als notwendig war, seinen Paß mit Trab zu vertauschen.