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In diesem Augenblicke ward Geräusch im äußeren Gemache laut, und der König, schnell wieder seine gewöhnliche Weise annehmend, sagte: »Genug davon. Eilt zu Thomas von Vaux und schickt ihn her mit dem arabischen Arzte. Ich stehe mit meinem Leben für des Sultans Redlichkeit. Wollte er nur seinen falschen Glauben abschwören, so hülfe ich ihm mit meinem Schwerte diesen Abschaum von Franzosen und Österreichern aus seinem Gebiete vertreiben.«

Der Ritter vom Leoparden entfernte sich, und gleich darauf wurden durch die Kämmerer Abgesandte der Ratsversammlung angemeldet, die dem Könige ihre Aufwartung machen wollten.

»Gut, daß sie wenigstens meinen, ich sei noch am Leben,« war seine Antwort. »Wer sind die Abgesandten?« – »Der Großmeister des Templerordens und der Marquis von Montserrat.«. – »Unser Bruder von Frankreich liebt keine Krankenbetten,« sagte Richard; »und gleichwohl, wäre Philipp krank gewesen, ich hätte schon längst an seinem Lager gestanden. – Jocelyn, bring das Bett in Ordnung; es ist zusammengeschüttelt, wie von stürmischer See. Kämme mir auch Haar und Bart, die einer Löwenmähne tatsächlich ähnlicher sehen als Christenlocken. Gib mir auch Wasser!« – »Majestät,« sagte der Kämmerling zitternd, »die Aerzte sagen, kaltes Wasser sei gefährlich.« – »Hol sie der Teufel, diese Aerzte!« entgegnete Richard. »Wenn sie mich nicht kurieren können, will ich mich auch nicht von ihnen schinden lassen. So!« fuhr er fort, nachdem er sich gewaschen hatte, »jetzt laß die würdigen Gesandten herein!«

Der Großmeister der Tempelherren war ein langer, hagerer Mann mit müdem, doch durchdringendem Auge, und einer Stirn, der tausend schwarze Intriguen ihren Stempel aufgeprägt hatten. Er stand an der Spitze jenes seltsamen Ordens, dem die Körperschaft alles, das Individuum aber nichts galt. Er trug das lange, weiße Feiertagsgewand und den Abacus, jenen geheimnisvollen Amtsstab, dessen eigentümliche Form zu dem Argwohne führte, daß diese Brüderschaft christlicher Ritter sich unter den ärgsten Symbolen des Heidentums verbunden habe.

Konrad von Montserrat dagegen zeigte ein viel gefälligeres Aeußere als jener finstere, geistliche Krieger, der sich in seiner Begleitung befand. Er war ein schöner Mann im mittleren Alter, kühn in der Schlacht, einsichtsvoll im Rat, fröhlich bei Festlichkeiten: doch zeihte man ihn einer veränderlichen Sinnesart, der Engherzigkeit, Selbstsucht und Ehrsucht.

Nach den üblichen gegenseitigen Begrüßungen erging sich der Marquis in der Auseinandersetzung der Gründe ihres Besuches.. »Erkundigung einzuziehen über das Befinden ihres hohen Bundesgenossen, des tapferen Königs von England,« sagte er, »ist der Hauptzweck, der die hohen Fürsten vom Rate der Kreuzfahrer bestimmte, uns zu entsenden...« – »Wir wissen, welchen Wert die Fürsten auf unsere Gesundheit legen,« erwiderte der König; »aber wäre es Euch gefällig, Ihr Herren, Euch in das anstoßende Zelt zu verfügen? Ihr sollt dort auf der Stelle sehen, wie wir das Wohlwollen und die Fürsorge unserer fürstlichen Bundesgenossen zu schätzen wissen.«

Kaum standen sie in dem Außenzelte, als El Hakim, der morgenländische Arzt, in Begleitung des Barons von Gilsland und Kenneths eintrat. Der Arzt verneigte sich vor dem Marquis und dem Großmeister nach orientalischer Sitte. Der Großmeister erwiderte seinen Gruß mit Kälte, der Marquis dagegen mit freundlicher Höflichkeit. Es entstand eine Pause, in welcher der Großmeister den Muselman fragte: »Ungläubiger, Du hast den Mut, Deine Kunst an der Person eines gesalbten Fürsten der Christenheit zu versuchen?« – »Die Sonne Allahs,« antwortete der Weise, »leuchtet für den Nazarener wie für den wahrhaft Gläubigen, und sein Diener macht keinen Unterschied zwischen ihnen, wenn er zur Ausübung seiner Heilkunde gerufen wird.« – »Irrgläubiger Hakim,« sagte der Großmeister, »weißt Du, daß Du von wilden Pferden zerrissen wirst, wenn König Richard unter Deiner Behandlung stirbt?« – »Das wäre harte Rechtspflege,« antwortete der Arzt, »insofern ich nur menschliche Mittel gebrauchen kann, und der Ausgang im Buche des Lichts geschrieben steht.« – »Ehrwürdiger Großmeister,« sagte der Marquis von Montserrat, »bedenkt, daß dieser gelehrte Mann nicht bekannt ist mit unserer christlichen Vorschrift, die in der Furcht Gottes und zum Heil seines Gesalbten dekretiert wurde. Wisse denn, ehrwürdiger Arzt, daß Du am besten tust, Dich vor den hohen Rat unseres heiligen Bundes zu stellen, und in Gegenwart christlicher Gelehrten Rechenschaft zu legen über die Mittel, die Du zur Kur solches erlauchten Kranken anzuwenden gedenkst. Auf diese Art entgehst Du aller Gefahr, durch zu rasche Bereitwilligkeit Dich in schwere Verantwortung zu stürzen.«

»Ihr Herren,« erwiderte El Hakim, »ich verstehe Euch wohl. Aber Sultan Saladin, mein gnädiger Fürst, hat mir befohlen, diesen Nazarener-König zu heilen, und mit dem Segen des Propheten werde ich diesem Befehle gehorchen. Gelingt mir es nicht, so biete ich meinen Leib Euren Schwertern dar. Aber Gespräche führen mit Ungläubigen über die Heilkraft von Arzneien, die ich durch die Gnade des Propheten kennen lernte, werde ich nun und nimmer. Darum haltet mich nicht länger auf.« – »Wer spricht von dergleichen?« sagte Thomas von Vaux, der jetzt ins Zelt eintrat. »Wir wurden schon zu lange aufgehalten. Ich grüße Euch, Marquis und Euch, Herr Großmeister; aber ich muß mich auf der Stelle mit diesem Arzte zum König verfügen.«