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Der Templer warf ihm einen giftigen Blick zu, antwortete jedoch ruhig und gelassen: »Bei welchem Tempel ich auch schwören mag, Marquis, so halte Dich überzeugt, daß mein Eid mir heilig ist. Ich möchte wohl wissen, wie ich Dich durch einen Eid von gleicher Kraft binden könnte.«

»Ich will die Wahrheit schwören,« sagte der Marquis lachend, »bei meiner kleinen Krone, die ich vor Ausgang dieses Krieges in etwas Besseres zu verwandeln hoffe. Ein Herzogshut böte ihr wärmeren Schutz gegen die Nachtluft, noch besser freilich wäre eine Königskrone, mit Hermelin und Sammet abgefüttert. Mit einem Worte, wir sind durch unser Interesse aneinander geknüpft, denn wähne nicht, Großmeister, daß diese verbündeten Fürsten, falls sie Jerusalem wieder erobern und einen König aus eigener Wahl einsetzen sollten, Deinem Orden oder meinem armen Marquisat die Unabhängigkeit ließen, deren sich beide jetzt erfreuen. Nein! Bei der heiligen Jungfrau! Dann müssen die stolzen Johanniterritter wieder in den Hospitälern Pflaster streichen, und Ihr hochmächtigen und ehrwürdigen Templer müßt wieder stramme Krieger werden, zu dritt auf einer Streu schlafen und zu zweit auf einem Pferde reiten, wie es noch jetzt auf Eurem Siegel zu lesen steht.« – »Rang, Vorrechte und Schätze unseres Ordens würden solcher Erniedrigung vorbeugen,« entgegnete der Templer stolz. – »Das ist eben Euer Verderben!« sagte Konrad von Montserrat! »Ihr wißt so gut wie ich, daß die erste Maßregel der christlichen Herrscher in Palästina, wenn es ihnen gut hier ginge, die Verkümmerung Eurer Ordensrechte wäre!« – »Es mag richtig sein, was Ihr sagt,« versetzte der Templer mit düsterem Lächeln. »Aber wie stände es mit unsern Hoffnungen, wenn die Verbündeten ihre Truppen zurückzögen und Palästina in der Gewalt Saladins zurückließen?« – »Der Sultan,« antwortete der Marquis, »würde große Provinzen hergeben, um eine geübte Schar fränkischer Lanzenträger in seinen Diensten zu halten. In Aegypten, in Persien würden Hunderte solcher Truppen zusammen mit seiner eigenen leichten Reiterei eine unüberwindliche Macht darstellen. Allerdings würde dieses Abhängigkeitsverhältnis nur eine gewisse Zeit dauern, vielleicht nur so lange, wie dieser Sultan lebte... aber im Orient wachsen Reiche wie Pilze. Seinen Tod angenommen, was dürften wir nicht, bei dem ständigen Nachwuchse kühner Geister in Europa, zu erreichen hoffen, wenn wir diese Macht von Fürsten nicht über uns hatten?«

»Diesen Worten, Herr Marquis,« sagte der Großmeister, »stimme ich von Herzen bei. Aber wir müssen auf unserer Hut sein, denn Philipp von Frankreich ist ebenso klug als tapfer.« – »Allerdings, aber um so leichter wird man ihn von einem Feldzuge ablenken, zu dem er sich in momentaner Begeisterung vorschnell verpflichtet hat. Er ist eifersüchtig auf König Richard, seinen natürlichen Feind, und sehnt sich wieder zurück nach Paris, das ihm für seine ehrgeizigen Plane weit näher liegt als Palästina. Er wird jeden Vorwand ergreifen, sich von einem Schauplatz zu entfernen, wo er nur die Kräfte seines Reiches vergeudet.« – »Und der Herzog von Oesterreich?« sagte der Templer. – »O, der gelangt durch seine Torheit und Selbsttäuschung zu denselben Schlüssen und sieht wohl lange schon ein, daß er undankbar behandelt wird. Keiner wohl fürchtet und haßt König Richard wie er, und keiner träte wohl mit Saladin in Friedensverhandlungen so gern wie er.«

»Ich gestehe« erwiderte der Templer, »man müßte blind sein, wenn man dies nicht bei ihren neulichen Beratungen gesehen hätte. Aber lüfte nun Deine Maske noch um einen Zoll höher und sage mir, weshalb Du jenen Schotten, oder was der Ritter vom Leoparden sonst sein mag, der Ratsversammlung zum Ueberbringer ihrer Vorschläge aufgedrungen hast?«

»Ich meinte,« antwortete der Italiener, »des Mannes Charakter als Brite müßte Saladin, der doch wußte, daß er zu Richards Truppen gehörte, genehm sein, während sein Charakter als Schotte es unwahrscheinlich machte, daß er bei seiner Rückkehr mit Richard in Berührung kam, denn Richard mochte von seiner Gegenwart nie viel wissen.« – »Eine fein gesponnene Politik!« entgegnete der Großmeister. »Doch laß Dir sagen, daß sich dieser ungeschorene Simson der britischen Insel nie durch italienische Spinnweben umgarnen lassen wird! Seht Ihr denn nicht, daß uns der so behutsam erwählte Gesandte in diesem Arzte das Medium gebracht hat, den löwenherzigen Engländer wiederherzustellen? und ist er erst wieder imstande, aufzubrechen, wer von diesen Fürsten soll ihn zurückhalten?« – »Beruhige Dich,« versetzte Konrad von Montserrat. »Ehe dieser Arzt Richards Kur vollendet, wird zwischen Frankreich oder wenigstens Österreich und seinen englischen Verbündeten der Bruch da sein, und zwar ein Bruch, bei dem von Versöhnung keine Rede sein kann! Richard wird, und wenn er zehnmal gesund wird, nie wieder das ganze Heer der Kreuzfahrer befehligen.« – »Du bist ein geschickter Bogenschütze,« sagte der Templer, »aber Dein Bogen ist zu schlaff, daß Dein Pfeil sein Ziel erreichen sollte.«

Hier brach er ab und warf einen argwöhnischen Blick umher, ob ihn jemand belausche. Dann nahm er die Hand des Marquis, drückte sie heftig, sah dem Italiener tief in die Augen und flüsterte: »Richard wieder gesund werden, sagst Du? Das darf nie sein, Konrad!« – Der Marquis stutzte. »Wie?« rief er, »sprecht Ihr von Richard von England? Von Richard Löwenherz, dem Helden der Christenheit?«

Seine Wange ward bleich, seine Knie zitterten, als er sprach; der Templer sah ihn an und verzog sein starres Gesicht zu einem höhnischen Lächeln . . . »Weißt Du, wem Du diesen Augenblick ähnelst, Konrad?« sagte er. »Nicht dem weltklugen, tapferen Marquis von Montserrat, der den Rat der Fürsten leiten, das Schicksal der Reiche bestimmen wollte, nein! einem Lehrbuben, der im Buche seines Meisters wider alles Erwarten eine Beschwörungsformel gefunden hat und sich vor Angst nicht zu raten weiß, als er nun den Teufel vor Augen hat.«

»Ich gebe zu,« versetzte Konrad, der seine Fassung wiederzufinden anfing, »daß Du, wenn nicht auf den sichersten, doch auf den Weg hingedeutet hast, der am geradesten zum Ziele führt. Aber, heilige Maria! wir werden den Fluch von ganz Europa auf uns laden, vom Papst auf seinem heiligen Stuhl an bis zum Bettler an der Kirchentür.« – »Nimmst Du es so,« sagte der Großmeister mit der Ruhe, die ihn wahrend dieses ganzen Gesprächs auszeichnete, »so laß uns tun, als wäre nichts zwischen uns vorgefallen, als hätten wir nur im Schlafe gesprochen, wären erwacht, und das Traumgesicht wäre verschwunden.« – »Es kann doch nicht verschwinden,« entgegnete Konrad. – »Bilder von Herzogskronen und Diademen behaupten sich allerdings in der Einbildungkraft mit einiger Hartnäckigkeit,« versetzte der Großmeister. – »Wohlan,« entgegnete Konrad, »laß mich nur erst versuchen, den Frieden zwischen Oesterreich und England zu brechen.«

Sie trennten sich. Konrad blieb noch auf dem Platze stehen und sah dem wallenden weißen Mantel des Templers nach, bis er in dem schnell herabsinkenden Dunkel der orientalischen Nacht verschwand. »Ich habe, weiß Gott! den Teufel in Person herbeigerufen,« sagte er. »Wer hätte gedacht, daß dieser finstere, asketische Großmeister, dessen ganzes Sein mit seinem Orden verwachsen ist, bereit wäre, diesen wilden Kreuzzug zu hemmen? an die schnelle Art, die dieser Priester vorschlägt, habe ich freilich nie gedacht; und doch ist es der sicherste, vielleicht auch der gefahrloseste Weg.« Aus diesen Betrachtungen wurde der Marquis durch eine Stimme gerissen, die in geringer Entfernung von ihm im Heroldstone rief: »Gedenke des heiligen Grabes!«