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»Ist das Euer Ernst, Marquis?« fragte der Oesterreicher, den der Wein schon stark erhitzt hatte ... »Glaubt Ihr, Richard von England mache Anspruch auf Vorrang unter den freien Fürsten, die ihm freiwillig gefolgt sind?« – »Ich urteile nur nach dem Augenschein,« versetzte Montserrat. »Sein Banner hängt allein mitten in unserm Lager, als ob er König und Oberfeldherr unseres christlichen Heeres sei.« – »Und das ertragt Ihr so geduldig?« versetzte Leopold. – »Gnädiger Herzog,« entgegnete Konrad, »nicht dem armen Montserrat kommt es zu, wider ein Unrecht sich aufzulehnen, dem sich mächtigere Fürsten wie Philipp von Frankreich und Leopold von Oesterreich lammfromm gefügt haben. Ein Schimpf, den Ihr vertragt, kann für mich keine Schmach sein!« – Leopold schlug mit der geballten Faust auf die Tafel ... »Ich habe es Philipp schon oft gesagt,« antwortete er, »daß es unsere Pflicht sei, die geringen Fürsten gegen die Anmaßung dieses Inselkönigs zu schützen, allein er rückt immer die Rücksichten ins Treffen, die er auf seine Lehnsherrschaft dem Vasallen gegenüber zu nehmen habe, und hält es für unpolitisch, es jetzt zu einem Bruche kommen zu lassen.« – »Die Welt kennt ja Philipps Weisheit,« erwiderte Konrad, »und wird seine Mäßigung für Politik halten, Eure Unterwerfung aber, gnädiger Herr, könnt Ihr nur allein rechtfertigen; ohne Zweifel habt Ihr gute Gründe dazu.«

»Ich soll Gründe haben, mich dem Könige von England zu unterwerfen?« rief Leopold empört. »Ich, als Erzherzog von Oesterreich, als wichtigstes Glied des heiligen Römischen Reiches – ich soll mich diesem Fürsten einer Halbinsel, diesem Enkel eines normannischen Bastards unterwerfen? Nein, bei allen Heiligen! Die ganze Christenheit soll es erleben, daß ich mir Recht zu verschaffen weiß, daß ich dem englischen Kettenhunde nicht einen Zollbreit Land einräume. Auf, meine Vasallen und Leute! Folgt mir! Ohne zu säumen, wollen wir Österreichs Doppel-Adler dorthin bringen, wo er als Wahrzeichen von König und Kaiser höher schweben soll, als jegliches andere!«

Von seinem Sessel aufspringend, unter dem Jauchzen seiner Diener, eilte er nach der Zelttür und griff nach seinem Banner.

»Nicht so, gnädiger Herr!« rief Konrad, wie wenn er bemüht sei, zu vermitteln; »beginnt Ihr zu solcher Zeit im Lager Zwist, so werdet Ihr Eurer Weisheit schaden; es ist vielleicht besser, sich der englischen Anmaßung noch eine Weile zu unterwerfen, statt – «

»Nicht einen Augenblick länger!« unterbrach ihn der Herzog und schritt mit dem Banner in der Hand, von seinen jauchzenden Gästen und Dienern begleitet, nach der Anhöhe, wo Englands Fahne flatterte. Er packte deren Stange, als ob er sie aus dem Boden reißen wolle.

»Gnädigster Herr!« rief Jonas Schwanker, dem Erzherzog in die Arme fallend, »Löwen haben Zähne.« – »Adler haben Fänge,« versetzte der Erzherzog, die Fahnenstange noch immer gepackt haltend, aber im Zweifel, ob er sie aus dem Boden ziehen sollte.

Der Spruchmeister aber hatte trotz seinem Amte, Unsinn zu schwatzen, doch recht gesunden Verstand, ließ seinen Stab laut erklingen und rief: »Der Adler ist König unter den Vögeln, der Löwe unter den Tieren. Jeder hat sein Gebiet, und beide sind soweit voneinander, wie England und Deutschland – tue dem Löwen keinen Schimpf an, edler Aar, laßt Eure Banner lieber friedlich nebeneinander flattern.«

Leopold zog die Hand von der Fahnenstange zurück und sah sich nach Konrad von Montserrat um, erblickte ihn aber nicht, denn dieser hatte sich, sobald er das Unheil angestiftet hatte, vorsichtig aus dem Gewühl entfernt, um unparteiischen Personen zu sagen, daß der Erzherzog die Zeit nach dem Mittagessen gewählt habe, eine Beleidigung zu rächen, die er von England erlitten haben wollte.

Indes war die entscheidende Stunde herangerückt, wo der kranke König, wie sein Arzt bestimmt hatte, aufgeweckt werden sollte. El Hakim hatte erklärt, daß das Fieber den König verlassen habe, und er werde bei der starken Konstitution desselben keine zweite Dosis Arznei anzuwenden brauchen. Richard schien gleicher Meinung zu sein, richtete sich in seinem Bett auf und fragte Thomas von Vaux, wie es mit seiner Kasse beschaffen sei. Der Baron konnte ihm keine richtige Auskunft geben ... »Gleichviel,« sagte Richard, »gebt, was drin ist, diesem gelehrten Arzte, der mich wieder gesund gemacht hat. Was an tausend Byzantinen fehlen sollte, ergänzt durch Juwelen.« – »Die Weisheit, die mir Allah verliehen hat, ist mir nicht verkäuflich,« erwiderte der arabische Arzt, »denn die göttliche Arzenei, die Du gebraucht hast, würde ihre Wirkung in meiner unwürdigen Hand verlieren, wenn ich sie mir bezahlen ließe.« – »Er schlägt eine Belohnung aus!« sprach Thomas von Vaux für sich, »das geht ja noch über sein hundertjähriges Alter.«

»Thomas von Vaux,« sprach Richard, »dieser Araber könnte denen, die sich für die Zierde der Ritterschaft ansehen, zum Beispiel dienen.«

Die Arme kreuzweise über die Brust schlagend, versetzte der arabische Arzt: »Es ist mir Lohn genug, daß ich einen großen König des Abendlandes also von seinem Diener sprechen höre; aber ich muß Euch jetzt ersuchen, Euch wieder niederzulegen, denn wenn ich auch meine, daß es entbehrlich sei, Euch den göttlichen Trank zum andern Male zu reichen, so möchte doch zu frühe Anstrengung Euch nachteilig sein.« – »Ich muß Dir gehorchen, El Hakim,« sagte der König, »allein glaube mir, meine Brust fühlt sich frei von dem verzehrenden Feuer, und ich könnte sie gleich der Lanze eines Tapferen bloßstellen ... Doch horch! Was hat dieses Jauchzen im Lager zu bedeuten? Geh, Thomas, erkundige Dich!« – »Der Herzog Leopold,« versetzte der Abgesandte, sogleich zurückkehrend, »hält mit seinen Zechbrüdern einen Umzug.« – »Der trunkene Tor!« rief Richard. »Kann er seine Unmäßigkeit nicht hinter seinem Zelte verbergen? muß er die Schande der ganzen Christenheit offenbaren? Was ist Euer Wunsch, Herr Marquis?« fügte er hinzu, als Konrad von Montserrat in das Zelt trat.

»Ich freue mich, Euer Majestät soweit hergestellt zu sehen,« erwiderte der Marquis, »und das sind der Worte schon genug für jemand, der Gast des Erzherzogs gewesen ist.« – »Wie? Ihr habt bei dem teutonischen Weinschlauch gespeist?« sagte Richard. »Was hat ihn denn zu diesem Aufzuge bewogen? Herr Konrad, ich habe Euch stets für einen fröhlichen Gesellschafter gehalten, drum wundre ich mich, daß Ihr das Gelage schon jetzt verlassen habt.«

Thomas von Vaux hatte sich hinter dem Könige zurückgezogen und suchte dem Marquis begreiflich zu machen, daß er dem Könige nichts von den letzten Vorgängen melden möchte, aber Konrad verstand oder beachtete die Weisung nicht... »Was der Erzherzog tut,« sagte er, »ist für niemand von Bedeutung, für ihn selbst aber am wenigsten, weil er wahrscheinlich nicht weiß, was er tut. Immerhin ist es ein Jux, an dem ich keinen Teil haben möchte. Er vermißt sich, Englands Banner vom St. Georgenberg zu reißen und sein eigenes dort aufzupflanzen.« – »Was sagst Du?« rief der König in einem Tone, der Tote hätte wecken können. – »Erregt Euch nicht über Narreteien!« sagte der Marquis.

»Kein Wort mehr!« rief Richard, sprang von seinem Lager auf und warf sich mit einer ans Wunderbare grenzenden Geschwindigkeit in seine Kleider; »kein Wort, Marquis, kein Wort, Thomas von Vaux, Hakim, schweig, ich befehle es Dir!« Dann nahm er das Schwert, das am Pfeiler des Zeltes hing, und stürzte, ohne andere Waffen oder Begleitung zu verlangen, hinaus. Konrad hielt die Hände erstaunt empor und wollte mit Thomas von Vaux ein Gespräch beginnen; dieser aber rannte an ihm vorbei und rief einen Stallmeister: »Eile nach Lord Salisburys Quartier! sage ihm, er solle seine Leute zusammenrufen, und dann folge mir zum St. Georgenberg.«

Der Stallmeister eilte mit seinen Leuten in die Zelte der benachbarten Edelleute; die Soldaten fuhren aus ihrer Mittagsruhe auf, an die sie sich in dem heißen Klima schnell gewöhnt hatten. Einige dachten, die Sarazenen seien im Lager, andere, des Königs Leben sei in Gefahr, noch andere, er sei in der Nacht am Fieber gestorben, der Herzog von Österreich habe ihn umgebracht, und dergleichen wilde Gerüchte nahmen ihren Weg durchs Lager.