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»Ich sollte meine Schmach im Lager ungläubiger Heiden verbergen,« sagte Kenneth ironisch, »wohl gar einer der ihrigen zu werden?« – »Lästere nicht, Nazarener!« rief der Arzt ernst. »Saladin bekehrt niemand zu dem Gesetz des Propheten, außer solchen, die sich von seinen Lehren überzeugen. Oeffne Deine Augen dem Licht! der große Sultan, dessen Freigebigkeit so unbegrenzt ist wie seine Macht, kann Dir ein Königreich schenken.« – »Eher wünschte ich,« versetzte der Ritter, »mein abgehärmtes Antlitz würde schwarz, wie es abends, beim Untergange der Sonne, zu werden scheint.« – »Du handelst nicht weise,« fuhr El Hakim fort, »dies Anerbieten auszuschlagen, denn ich habe Einfluß auf Saladin und kann Dich hoch erheben in seiner Gunst. Mein Sohn, der Kreuzzug, wie Ihr Euer tolles Unternehmen nennt, gleich einem Schiffe, das in den Wogen zerschellt. Du selbst hast die Punkte des Waffenstillstandes Eurer Fürsten dem mächtigen Sultan überbracht, und kennst wohl kaum den vollen Inhalt Deiner Botschaft?« – »Ich kenne ihn nicht und kümmere mich nicht darum,« antwortete der Ritter, »denn, was nützt es mir, unlängst ein Abgesandter von Fürsten gewesen zu sein, wenn ich noch vor Einbruch der Nacht, ein beschimpfter Leichnam, am Galgen hänge?« – »Das wird nicht geschehen,« versetzte der Arzt. »Saladin wird von allen Seiten umschmeichelt; die Fürsten des gegen ihn errichteten Bundes haben ihm Friedensvorschläge unterbreitet, auf die er unter anderen Umständen eingehen müßte. Andere sind ihm auf eigne Rechnung mit Angeboten genaht, daß sie nicht bloß ihre Streitkräfte aus dem Lager der Kreuzfahrer entfernen, sondern sogar die Fahne des Propheten verteidigen wollen. Aber Saladin will aus derlei verräterischem Abfall keinen Vorteil ziehen; der König der Könige will nur mit dem Löwenkönig unterhandeln, nur mit ihm Vergleich schließen oder mit ihm fechten, wie mit einem Helden. Solche Bedingungen wird er dem König aus freien Stücken zubilligen ... auch wird er die Wallfahrt nach Jerusalem und allen Orten, die den Nazarenern heilig sind, freigeben, will sogar in den sechs festesten Städten Palästinas und in Jerusalem christliche Besatzungen zulassen unter dem Vorbehalt, daß sie unter dem unmittelbaren Befehle Richards stehen. König Richard soll den Titel eines königlichen Schirmvogts von Jerusalem führen, und so unglaublich es Euch vorkommen mag, Saladin will auf diesen Bund zwischen den tapfersten und edelsten Männern von Frangistan und Asien ein heiliges Siegel drücken, indem er eine christliche Prinzessin, König Richards Blutsverwandte, Lady Edith von Plantagenet, zu seiner königlichen Gemahlin erhebt.«

»Ha! Was sagst Du?« rief Kenneth, »welcher Christ würde solch unnatürliche Verbindung einer Christin mit einem Sarazenen billigen?«

»Du bist ein unwissender Nazarener!« rief Hakim. »Weißt Du nicht, daß sich mohammedanische Fürsten täglich mit edlen Nazarenerinnen in Spanien vermählen, ohne daß Mauren oder Christen daran Anstoß nehmen? Und Saladin, der edle Sultan, will der englischen Dame die freie Ausübung ihrer Religion gestatten; auch soll sie im Rang so hoch über allen Frauen seines Harems stehen, daß sie in jeder Hinsicht als die einzige und unumschränkte Königin gelten kann.« – »Wie?« rief Ritter Kenneth, »Du glaubst, Muselmann, daß Richard seine Blutsverwandte, eine edelgeborene, tugendsame Prinzessin, in den Harem eines Ungläubigen liefern werde? Der gemeinste Christ wiese solch glänzende Schande mit Verachtung von sich.« – »Du irrst!« sagte Hakim. »Philipp von Frankreich, Heinrich von Champagne und andere von Richards ersten Bundesgenossen haben versprochen, alles zu tun, was in ihren Kräften steht, einen Bund zu fördern, der diesen verheerenden Kriegen ein Ziel setzen kann. Der weise Erzbischof von Tyrus hat es übernommen, dem Könige Richard diesen Vorschlag zu eröffnen, und zweifelt nicht an der glücklichen Ausführung des Planes... Auf, Herr Ritter! zu Rosse! Nicht meinen mußt Du, daß Du Vaterland und Religion aufgibst! Du wirst Dir Saladin zu Dank verpflichten durch allerhand Rat; darum noch einmaclass="underline" auf! zu Rosse! Du hast gebahnten Weg vor Dir!«

»Hakim,« sagte der schottische Ritter, »Du bist ein Mann des Friedens, hast Richard von England das Leben gerettet, hast meinem Waffenträger das Leben gerettet. Aber ich rate Dir, sage dem Sarazenen, der Richard solche Verbindung vorschlagen will, er möge sich durch einen Helm das Haupt sichern, der einen Hieb mit der Streitaxt aushalten könne wie den, womit das Tor von Acre zerschmettert wurde.« – »Du bist also hartnäckig entschlossen, Dich nicht ins Sarazenenheer zu flüchten?« fragte Hakim. »Bedenke, daß Du einem gewissen Tode entgegengehst! Und Deine wie unsere Gesetzbücher verbieten dem Menschen, die Hand selbst an sich zu legen!« – »Gott behüte mich davor!« erwiderte der Schotte, sich bekreuzend. »Es ist aber auch untersagt, der Strafe auszuweichen, die unsere Verbrechen verdienen. Hakim, mir tuts jetzt leid, daß ich Dir meinen treuen Hund geschenkt habe: denn sollte er am Leben bleiben, so bekommt er einen Herrn, der seinen Wert nicht kennt.« – Ein Geschenk, das einem leid wird, gilt als widerrufen,« sagte El Hakim. »Wir Aerzte aber müssen schwören, keinen Patienten ungeheilt zu entlassen. Kommt der Hund davon, so ist er wieder Dein.«

Fünfzehntes Kapitel

Es war um die Stunde des Sonnenunterganges, als vor dem Zelte des Königs der langsame Schritt eines Panzerritters laut wurde. Thomas von Vaux, der neben seinem Herrn ruhte, und einen so leisen Schlaf hatte, wie ein getreuer Haushund, hatte kaum Zeit, aufzustehen und »Wer da?« zu rufen, als auch schon der Ritter vom Leoparden ins Zelt trat, einen Zug tiefer, aufrichtiger Trauer in seinem männlichen Gesicht.

»Was bestimmt Euch, Herr Ritter, zu so kühnem Eintritt?« sagte Thomas von Vaux ernst, aber leise, mit einem Wink auf den schlummernden König.

»Halt, Thomas von Vaux!« rief Richard erwachend. »Ritter Kenneth will Rechenschaft als wackerer Krieger von seiner Wache ablegen. Solche Männer haben im Zelte des Oberfeldherrn stets Zutritt.« Auf seinen Ellbogen gestützt, richtete er das große, funkelnde Auge auf den Ritter. – »Eure günstige Meinung, Majestät, wird sich rasch ändern,« sagte Ritter Kenneth. »Meine Wache war nicht ehrenvoll, denn Englands Banner ist fort!« – »Und Du lebst, mir das zu künden?« rief Richard im Tone spöttischen Unglaubens. »Nicht doch! Es kann nicht sein! Es ist ja nicht eine einzige Schramme in Deinem Gesicht. Warum verstummst Du? Sprich die Wahrheit! mit einem König scherzen ist eine schlimme Sache, doch ich verzeihe Dir, wenn Du gelogen hast.«

»Gelogen, Majestät?« rief der unglückliche Ritter in wilder Erregung, und ein Feuerblick schoß aus seinem Auge, verschwand aber schnell wie der Blitz, der aus hartem Kieselsteine sprüht. »Doch auch dies muß ich tragen, ich habe die Wahrheit gesprochen!« – »Beim heiligen Georg,« rief der König in heftiger Wut, mäßigte sich aber im Nu. »Thomas von Vaux, begib Dich zum Georgberg; das Fieber hat ihm sein Gehirn zerrüttet, es kann nicht sein, denn der Mut des Ritters hat sich bewährt. Es kann nicht sein!«

In diesem Augenblick trat atemlos Sir Henry Neville ein und brachte die Nachricht, das Banner sei fort und der Ritter, der die Wache gehabt, müsse überwältigt, wenn nicht erschlagen worden sein, denn es zeige sich eine Blutlache, wo man den Fahnenstab zertrümmert finde. – »Aber, wen sehe ich hier?« rief Neville, als seine Blicke plötzlich auf Ritter Kenneth fielen. – »Einen Verräter!« entgegnete der König und griff nach seiner stets am Bett hängenden Streitaxt. »Einen Verräter, den Du, wie es ihm gebührt, sterben sehen sollst!«