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»Und Gefangene entsprungen,« unterbrach ihn Montserrat; »es gibt eben bloß einen sichern Kerker, und der ist das Grab.« – »Ist unser Mann frei, so beginnt er sein Spiel von neuem; denn diese Bluthunde verlieren die Spur ihrer Beute niemals.« – »Nichts mehr davon!« rief der Marquis. »Ich durchschaue Deine schändliche Politik; aber die Not ist ihre Mutter.« – »Ich unterrichte Dich nur davon, damit Du auf Deiner Hut bist, denn es wird einen wilden Aufruhr setzen, und ich weiß nicht, an wem die Engländer ihre Rache nicht ausüben würden. – Aber noch eine andere Gefahr ist zu erwähnen,« fuhr der Templer fort, »mein Page kennt die Geheimnisse dieses Charegiten, zudem ist er ein verdrießlicher, eigensinniger Tor, von dem ich mich gern befreite, denn er ist mir oft im Wege und sieht dort mit eigenen Augen, wo er nur mit den meinigen sehen sollte. Doch unser heiliger Orden gibt mir die Macht, dieser Unbequemlichkeit ein Ziel zu setzen. Der Sarazene braucht nur einen guten Dolch in seinem Zelte zu finden, und wird sich seiner, wenn er hervorbricht, bedienen, dafür stehe ich, und zwar, wenn der Page mit seiner Kost bei ihm eintritt.« – »Er gibt der Sache freilich einigen Anstrich,« meinte Konrad, »wenn aber – «

»Wenn und Aber,« entgegnete der Templer rasch, »sind Narrenworte. Der Weise kennt weder Bedenklichkeit noch Rücktritt, sondern beschließt und handelt.«

Neunzehntes Kapitel

König Richard, der von diesem gegen ihn im Werke befindlichen schwarzen Verrat nicht die geringste Ahnung hatte, hatte es zunächst erreicht, daß die Fürsten unter den Kreuzfahrern sich für die Weiterführung des Krieges erklärten. Was ihm nun zunächst am Herzen lag, war die Ermittelung der Umstände, die den Verlust seines Banners veranlaßt hatten und die Feststellung der zwischen seiner Frau und dem verbannten schottischen Abenteurer bestehenden Beziehungen.

Die Königin wurde durch einen Besuch Thomas von Vaux' in nicht geringen Schrecken gesetzt, zumal er Lady Caliste von Montgaillard, die erste Kammerfrau, augenblicklich zum König führen sollte.

»Was soll ich denn bloß sagen?« fragte Caliste zitternd die Königin. »Er bringt uns sicher alle um.« – »Habt keine Bange,« sagte Thomas von Vaux. »Der König hat dem schottischen Ritter das Leben gelassen, der ihn doch schwer beleidigt hatte; wie sollte er so strenge verfahren gegen ein weibliches Wesen, wenn es sich auch vergangen hat?« – »Erdenke Dir eine Mär, Caliste,« sagte Berengaria. »Mein Gemahl hat ja doch nicht Zeit, die Sache zu untersuchen.« – »Rede die Wahrheit,« mahnte Edith, »sonst tue ich's.« – »Mit gnädigster Erlaubnis,« sagte Thomas von Vaux, »dieser Rat ist gut; denn König Richard dürfte doch in diesem besonderen Fall sehr scharf erwägen und prüfen.« – »Lord Gilsland hat recht,« sagte Lady Caliste in großer Unruhe wegen des Verhörs, das ihr bevorstand, »und wenn ich auch Phantasie genug hätte, eine leidliche Mär zu ersinnen, würde es mir doch an Mut fehlen, sie zu erzählen.«

Lady Caliste wurde vom Ritter Vaux vor den König geführt. Ganz, wie sie sich vorgenommen hatte, gab sie eine genaue Schilderung, auf welche Weise es geschehen war, daß der unglückliche Leoparden-Ritter seinen Posten verlassen hatte. Lady Edith energisch in Schutz nehmend, wälzte sie die ganze Last auf die Königin, die ja auch die meiste Aussicht hatte, Verzeihung beim Könige zu finden, der viel zu verliebt war, seiner Gemahlin etwas abzuschlagen. Es war auch gar nicht seine Absicht, streng über Dinge zu richten, die sich nicht mehr ändern ließen, und Lady Caliste, von frühester Jugend mit Hofintriguen vertraut, wußte schnell, wie der König dachte, und flog schnell zur Königin zurück mit der Meldung, daß sie bald seinen Besuch zu erwarten habe.

»Kommt der Wind aus dieser Gegend, Caliste?« rief die Königin heiter. »Nun, aus dieser Sache als Sieger hervorzugehen, wird dem König nicht eben leicht sein.«

Berengaria machte aufs geschmackvollste Toilette und wartete nun auf Richards Erscheinen, das nicht lange auf sich warten ließ. Sie kannte die Macht ihrer Reize und die Größe von Richards Liebe. Statt den Vorwürfen, die ihr der König mit Recht machte, irgendwelches Gewicht beizulegen, nahm sie den ganzen Fall als Lappalie, redete ihm als losem Scherze obendrein das Wort und stellte durchaus nicht in Abrede, Nectabanus zu dem Ritter Kenneth auf den Georgsberg geschickt zu haben mit dem Befehle, ihn in ihr Zelt zu führen. Sie schluchzte und weinte, daß ein bloßer Scherz eine so ernste Wendung genommen habe, die sie ihr Leben lang unglücklich gemacht hätte, wenn sie sich als Urheberin solches Trauerspiels hätte ansehen müssen. König Richard nahm umsonst zu Vernunftgründen seine Zuflucht; die Eifersucht raubte der Königin alle Fähigkeit, darauf zu hören, und als er nun sagte, sie hätte zu Eifersucht ganz und gar keinen Grund, fing sie bitterlich zu weinen an. Vollständig aber verdarb er es bei ihr, als er sie erinnerte, daß sie gar keine Ursache habe, ihm böse zu sein, da Ritter Kenneth lebe und wohlbehalten dem berühmten arabischen Arzte übergeben worden, sei, denn es müsse sie, rief sie, doch kränken, daß ein Sarazene ein Geschenk habe erhalten können, um das sie ihren Gemahl knieend gebeten hätte, ohne ihn erweichen zu können. Damit fand die eheliche Zwietracht ihr Ende; König und Königin wälzten nun alle Schuld auf den Zwerg Nectabanus, dem mit seiner Gemahlin Genievra der Aufenthalt bei Hofe verboten wurde. König Richard beschloß außerdem, die beiden Zweige als Raritäten dem Sultan Saladin zum Geschenk zu machen, wenn demselben der Beschluß des Fürstenrats, den Krieg fortzusetzen, überbracht würde.

Es war nun der vierte Tag, seit Ritter Kenneth aus dem Lager entfernt worden war, als König Richard in seinem Zelte saß und sich an der kühlen Abendluft labte. Niemand war bei ihm. Thomas von Vaux war nach Askalon gesandt worden, die Kriegsmunition zu ergänzen. Sein übriges Gefolge war mit Maßregeln zur Heeresmusterung befaßt, die am nächsten Tage stattfinden sollte. Da meldete ein Stallmeister, daß draußen ein Abgesandter Saladins warte.

»Laß ihn augenblicklich herein, Just,« sagte der König. Der Stallmeister führte nun eine Person herein, die dem Anschein nach keinen höheren Rang bekleidete, als den eines nubischen Sklaven, dessen Aeußeres aber nichtsdestoweniger höchst interessant war. Sein Wuchs war prächtig, seine Gestalt edel, und die gebietenden Züge, wiewohl von gelblich schwarzer Farbe, verrieten keine Abkunft von Negern. Sein krauses, kohlschwarzes Haar schmückte ein milchweißer Turban, die Schultern bedeckte ein ebensolcher Mantel, der vorn und an den Aermeln offen war. Darunter saß ein Unterkleid aus gegerbten Leopardenfellen, das, eine Handarbeit, übers Knie reichte. Arme und Beine waren nackt, an den Füßen trug er Sandalen; auch schmückten ihn silbere Armspangen und ein silbernes Halsband. Bewaffnet war er mit einem breiten Schwert, das am Gürtel hing, einem kurzen Speer, den er in der Rechten hielt, und mit der linken Hand führte er an einer aus Seide und Gold gedrehten Leine einen großen, edlen Jagdhund.