Выбрать главу

»Sage das nicht,« erwiderte Ilderim; »habe ich mich nicht auf Deine Schilderung der Schönheiten, die den Hof des Melech Rik zieren, verkleidet dorthin gewagt, so daß mir einer der holdseligsten Anblicke wurde, die ich jemals genossen habe, die ich jemals genießen werde, bis die Herrlichkeiten des Paradieses meinen Augen entgegenstrahlen?« – »Ich verstehe Eure Worte nicht,« sagte Kenneth, die Farbe wechselnd. – »Du verstehst mich nicht?« rief der Emir. »Es kann Dir doch nicht verborgen geblieben sein, welcher Anblick mir in König Richards Zelt wurde? freilich war das Todesurteil damals über Dich gesprochen; aber mir könnte man schier den Kopf vom Rumpfe hauen, so würde doch mein letzter Blick auf dieser lieblichsten aller Houris ruhen, die das Auge eines Mannes sehen kann.« – »Sarazene!« sprach Ritter Kenneth ernst; »Du sprichst von der Gemahlin Richards von England! sprich nicht anders von ihr als von einer Königin!«

»Verzeiht mir!« sprach der Sarazene; »mir kam Eure abergläubische Verehrung des anderen Geschlechts, das Ihr betrachtet, als müsse es bloß bewundert und verehrt, doch nicht gefreit und besessen werden, auf einen Augenblick aus den Gedanken. Da Du mit so tiefer Ehrerbietung auf dieses zarte weibliche Wesen blickst, wirst Du der anderen, der mit den dunklen Locken und den edlen, sprechenden Augen, wohl nur Anbetung widmen? In ihrer edlen Haltung und edlen Miene liegt freilich ein Ausdruck, der auf Reinheit und Festigkeit hinweist, doch auch sie würde dem feurigen Liebhaber, dafür stehe ich, dankbarer sein, wenn er sie als eine Sterbliche und nicht als eine Gottheit behandelte.« – »Laßt den Respekt nicht aus den Augen vor der Base des Löwenherz!« sagte Kenneth im Tone unverhaltenen Verdrusses. – »Respekt?« wiederholte der Emir spöttisch. »Bei der Kaaba! Doch erst dann, wenn sie Saladins Braut ist!« – »Der ungläubige Sultan ist nicht würdig, den Fleck zu küssen, den der Fuß einer Edith Plantagenet betrat!« rief der Christ, von seinem Lager aufspringend. – »Ha! Was spricht der Giaur?« schrie der Emir, die Hand an den Griff seines Dolches legend, während sein Antlitz wie Kupfer glühte. – »Was ich gesagt habe,« erwiderte er, mit verschränkten Armen und furchtlosem Blick, »würde ich, wenn meine Hände frei wären, zu Fuß oder zu Roß gegen jeden Sterblichen behaupten.«

Der Sarazene faßte sich, nahm die Hand von der Waffe und sagte: »Freilich sind jetzt Deine Hände gebunden, aber durch Dein eigenes zartes Gefühl für Rechtlichkeit, und die Bande zu lösen, würde sich jetzt nicht in meinen Plan schicken. Wir haben einander Beweise von Mut und Kraft genug gegeben, und können uns im offenen Felde bald wieder treffen. Jetzt aber sind wir Freunde, und Dein Beistand ist mir erwünschter als harte Ausdrücke oder Trotz.« – »Ja, wir sind Freunde,« wiederholte der Ritter. In der Pause, die nun eintrat, schritt der feurige Sarazene im Zelt auf und ab, dem Löwen gleich, der sein wallendes Blut abkühlt, ehe er sich in seiner Höhle zur Ruhe niederstreckt. Der kältere Europäer hingegen veränderte weder Stellung noch Blick; doch schien auch er bemüht, zornige Regungen zu bezwingen.

»Laß uns ruhig über diese Sache sprechen,« sagte der Sarazene. »Du weißt, ich bin ein Arzt, und es steht geschrieben: Wer seine Wunden geheilt haben will, der darf nicht zucken, wenn der Arzt sie sondiert. Sieh, ich stehe im Begriff, Deine Wunde zu sondieren. Du liebst diese Base des Melech Rik!« – »Ich habe sie geliebt,« antwortete der Ritter nach einer Pause, »wie der Mensch die himmlische Gnade liebt, und ihre Gunst gesucht, wie man vom Himmel Verzeihung sucht.« – »Und liebst Du sie nicht mehr?« sagte der Sarazene. – »Ich bin ihrer nicht mehr wert,« erwiderte Ritter Kenneth; »endige, bitte, dies Gespräch! Deine Worte sind Dolche für mich.« – »Verzeih! Nur noch einen Augenblick!« fuhr Ilderim fort. »Erhofftest Du, als Du ihr im Stande eines armen Kriegers Deine Liebe weihtest, gar keinen Erfolg?« – »Liebe ohne Hoffnung ist keine Liebe,« erwiderte der Ritter; »aber, mir winkte so geringe Aussicht, wie dem Schiffer, der sein Leben durch Schwimmen zu retten sucht. Er sieht wohl Land in der Ferne; aber sein sinkendes Herz und seine erschöpften Glieder sagen ihm, daß er es nie erreichen wird.« – »Mich dünkt,« sagte der Sarazene, »wenn Dir nichts anderes fehlt, als was in solch entferntem, täuschendem Schimmer von Glück steht, so kann das Feuer Deines Leuchtturms wieder flammen, und Du selbst, wackrer Ritter, wirst wieder zu der Freude gelangen, Deine Liebe mit einer so substanzlosen Kost wie Mondschein zu nähren; und die, die Du liebst, wird darum nicht minder Fürstentochter sein, und Saladins erwählte Braut werden.«

»Sofern ich nicht – « rief der Ritter, brach aber plötzlich ab, wie jemand, der erschrickt, daß er sich etwas vornimmt unter Umständen, die es ihm verwehren. Der Sarazene lächelte.

»Du hattest im Sinne, den Sultan zum Zweikampf zu fordern?« fragte er; »mich dünkt nur, er möchte sich doch besinnen, die Hoffnung auf eine königliche Braut und den Erfolg eines Krieges aufs Spiel zu setzen!« – »Aber im Kampfe, in der Schlacht werde ich ihn treffen,« rief der Ritter, dessen Augen bei dem Gedanken funkelten, mit dem ihn seine Idee erfüllte. – »In der Schlacht,« entgegnete Ilderim, »ist er immer zu finden; aber von dem Sultan zu sprechen, lag nicht gerade in meinem Plane. Mit einem Wort, wenn Dir daran liegt, Deinen ritterlichen Ruf wiederherzustellen durch Entdeckung jenes Diebes, der sich an König Richards Banner vergriffen hat, so dürfte ich Dir einen Weg dazu zeigen können, vorausgesetzt, daß Du Dich leiten lassen willst,« – »Du bist weise, Ilderim,« sagte der Schotte, »obgleich ein Sarazene, und edelmütig, obgleich ein Ungläubiger. Leite mich also! und verlangst Du nichts von mir, was meiner Lehnpflicht und meinem Christenglauben widerspricht, so will ich Dir pünktlich Gehorsam leisten.« – »So höre,« sprach der Sarazene; »Dein edler Hund ist wieder gesund, und seine Spürkraft wird den, der ihn überfiel, entdecken.« – »Ha!« rief der Ritter, »ich verstehe! Wie war ich doch verblendet, daß mir das nicht einfiel!« – »Hast Du Leute im Lager, denen das Tier bekannt ist?« fragte der Emir. – »Meinen alten Waffenträger,« antwortete Ritter Kenneth, »Deinen Patienten, entließ ich mit einem Diener, der ihn pflegte, damals als die Todesstrafe meiner wartete, und gab ihm Briefe an Freunde in Schottland mit. Sonst kennt niemand den Hund. Aber, meine eigene Person ist ja bekannt genug, und meine Sprache wird mir zur Verräterin werden in einem Lager, wo ich monatelang keine unbedeutende Rolle gespielt habe.«! – »Ihr sollt beide gut verkleidet werden, so daß Dein leiblicher Bruder Dich nicht erkennen sollte; nur mußt Du meiner Leitung folgen. Bedingung hierbei ist, daß Du der Nichte des Melech Rik, deren Name für morgenländische Zungen so schwer auszusprechen, wie ihre Schönheit zu fassen ist, ein Schreiben Sultan Saladins überbringst.«

Der Ritter schwieg einen Augenblick, ehe er Antwort gab, und der Sarazene, ungeduldig über dieses Zaudern, fragte ihn, ob er sich vor solcher Botschaft fürchte... »Nein!« rief Kenneth. »Und wenn der Tod damit verbunden wäre! – Ich habe nur geschwiegen, weil ich mich fragte, ob es sich mit meiner Ehre vertrüge, vom Sultan ein Schreiben zu überbringen, oder mit der Ehre der Lady, einen Brief von einem heidnischen Fürsten entgegenzunehmen.« – »Bei Mohammed!« sagte der Emir, »der Brief ist in allen Ehren geschrieben.«

»Dann will ich des Sultans Brief so ehrlich besorgen, als wenn ich sein Leibvasall wäre.«

Dreiundzwanzigstes Kapitel

Der Leser kann nun schwerlich noch im Zweifel sein darüber, wer der nubische Mann war, zu welchem Zweck er König Richards Lager aufgesucht hatte, und weshalb er dicht zu der Person des Königs herantrat, als dieser, von seinen heldenmütigen Pairs von England und der Normandie umgeben, auf dem Gipfel des Georgenberges stand, neben dem Banner Englands, das der trefflichste Mann im Heere trug, sein eigner natürlicher Bruder, Wilhelm Longsword, der »Ritter mit dem langen Schwert«, der edle Graf von Salisbury, der Königssohn Heinrichs des Zweiten mit der berühmten Rosamunde von Woodstock.