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Wieder ein freudiger Blick, wieder ein Kniefall . . . Nach einer Pause aber legte der König die Hand auf seine Schulter. »In einer Hinsicht,« fuhr er fort, »muß ich Dich warnen, mein schwarzer Abgesandter ... Sobald Du fühlen solltest, ihr gütiger Einfluß wolle die Bande Deiner Zunge lösen, dann hüte Dich vor jedem Wort in ihrem Beisein! denn Du darfst Dich verlassen darauf, daß ich Dir in solchem Falle die Zunge herausreißen ließe, und alle Deine Zähne dazu... Darum sei klug und verschwiegen.«

Der Nubier legte zum Zeichen des Gehorsams die Hand auf die Lippen. Richard aber legte ihm wieder die Hand, doch sanfter, auf die Achsel und fügte hinzu: »Wärst Du ein Ritter und Edelmann, so forderten wir Deine Ehre als Unterpfand Deiner Verschwiegenheit und nichts weiter, statt daß wir Dir als Sklaven in solcher Weise gebieten.« Dann rief er seinen Kämmerer... »Neville,« sagte er, »begib Dich mit diesem Sklaven ins Zelt unserer königlichen Gemahlin und sage, es sei unser Wunsch, daß ihm eine Audienz bei unserer Base Edith bewilligt werde, da er ihr einen Auftrag zu bestellen habe. Du kannst ihm auch den Weg zeigen, wenn er Deine Begleitung wünscht; doch wirst Du vielleicht schon mit Verwunderung bemerkt haben, wie genau er den Umkreis unseres Lagers kennt; – Und Du, Freund Aethiopier, was Du tust, das tue schnell, in einer halben Stunde erwarte ich Dich wieder hier.«

»Ich bin entdeckt,« dachte der angebliche Nubier, als er mit zu Boden gesenktem Blick Neville folgte; »gleichwohl kann ich mir nicht denken, daß er noch erzürnt auf mich wäre. Versteh ich seine Worte, und es ist ja schier unmöglich, sie falsch zu deuten, so gibt er mir eine edle Gelegenheit, meine Ehre an dem Helmbusch dieses falschen Marquis zu rächen, dessen Schuld ich in seinem feigen Blick und auf seiner bebenden Lippe las, ehe noch die Anklage gegen ihn vorgebracht wurde. – Roswal! Du hast deinem Herrn treu gedient, und die dir widerfahrene Schmach soll schwer gerächt werden! – Aber was soll die Erlaubnis bedeuten, sie zu sehen, da ich doch immer daran zweifelte? Wie kann der königliche Plantagenet zugeben, daß ich Edith sehe, ob nun als Bote des heidnischen Saladins oder als der schuldige Verbannte, den er erst vor kurzem aus seinem Lager vertrieb? Aber Richard, wenn ihn nicht Leidenschaft bewegt, ist freisinnig, großmütig und edel, und darum will ich ihm gehorchen in allem, was er mir befiehlt... hat er mir doch eine so herrliche Gelegenheit gegeben, meine befleckte Ehre zu rächen! O, er kennt mich nur wenig; ich bin ihm Dank schuldig hierfür, und werde meinen Dank ihm wahrlich nicht schuldig bleiben!«

Sie wurden von den Wachen gleich eingelassen, und Neville ließ den Nubier in einem Vorraume zurück, der diesem nur zu gut bekannt war, und trat in den Raum, der als Audienzgemach von der Königin benützt wurde.

»Und wer ist der nubische Sklave, der mit solchem Auftrage vom Sultan kommt?« fragte die Königin, hell auflachend; »ein Neger, nicht wahr, Neville? mit schwarzer Haut, Krauskopf, plumper Nase und wulstigen Lippen?«

»Vergessen Majestät doch die Schienbeine nicht,« sagte eine andere Stimme, »auswärts gebogen, wie die Klinge eines Sarazenen-Säbels!« – »Oder wie Cupidos Bogen,« meinte die Königin; »da er mit einer Liebesbotschaft kommt, klingt das doch besser... lieber Neville, Du bist immer bereit, uns armen Frauen ein Vergnügen zu schaffen. Komm, wir müssen diesen Liebesboten sehen. Türken und Mohren habe ich ja gesehen, aber noch keine Neger.« – »Gnädige Königin,« meinte Lady Caliste, »laßt doch den schwarzen Kerl gleich zu Lady Edith führen, lautet doch sein Beglaubigungsschreiben an sie! wir sind ja doch erst mit genauer Not den schlimmen Folgen eines ähnlichen Spaßes entgangen!«

»Eines ähnlichen Spaßes?« wiederholte die Königin verächtlich. »Aber Du kannst recht haben, Caliste. Laß den Nubier, wie Du ihn nennst, erst mit seinem Auftrage zu unserer Muhme. Er ist ja doch stumm, nicht?« – »Allerdings, meine Königin,« versetzte der Ritter.

Lord Neville kehrte zu dem Aethiopier zurück und winkte ihm zu folgen. Er führte ihn zu einem Zelt, abseits von dem der Königin. Ein koptisches Mädchen nahm Nevilles Auftrag entgegen, und nach einigen Minuten wurde der Nubier zu der Prinzessin geführt, während Neville draußen vor dem Zelte blieb.

Als Edith sich dem knienden Sklaven bis auf einen Schritt genähert hatte, sah sie ihm scharf, ein paar Sekunden lang ins Gesicht. Dann wandte sie sich weg und sagte ruhig, doch im Tone tiefster Trauer: »Seid Ihr es! – wirklich, tapferer Ritter vom Leoparden, edler Kenneth von Schottland? – Seid Ihr es wirklich, als Sklave verkleidet, umringt von tausend Gefahren?«

Als der Ritter die Stimme seiner Dame vernahm, die ihn so unerwartet anredete, in einem Tone halb Mitleid, halb Zärtlichkeit, da drängte sich ihm eine Antwort auf die Lippen, und Richards Befehle sowie sein eigenes Versprechen waren kaum imstande, sie zu bannen. Wie gern hätte er ihr gesagt, daß der Anblick, den er genieße, die Stimme, die er höre, alle Sklaverei, alle Gefahren ihm reichlich lohnten . . und doch hielt er an sich, und ein tiefer, leidenschaftlicher Seufzer war die einzige Antwort auf Ediths Frage.

»Ich sehe, daß ich richtig vermutet habe,« fuhr sie fort. »Ich bemerkte Euch gleich bei Eurem ersten Erscheinen auf der Plattform, wo ich mit der Königin stand. Auch Euren wackeren Jagdhund habe ich erkannt. Sprich daher ohne Furcht zu Edith Plantagenet, denn sie hat den guten Ritter im Unglück nicht vergessen, der, als das Glück ihm hold war, ihr ehrenvoll diente. – Noch immer still? aus Furcht oder Scham? Furcht sollst Du nicht kennen, und die Scham überlasse denen, die Dich gekränkt haben!«

In Verzweiflung darüber, daß er den Stummen spielen mußte, konnte er nur durch Seufzer seinen Schmerz ausdrücken.

»Wie?« sagte Edith halb unmutig, »der Stumme wie im Aeußeren, so auch im Tun? Das hätt' ich nicht gedacht. Oder solltest Du vielleicht meiner spotten, weil ich so kühn gestand, Deine mir bewiesene Huldigung bemerkt zu haben? Denke deshalb nicht unwürdig von Edith! Doch warum schlägst Du die Hände zusammen und ringst sie so leidenschaftlich? Sollten sie Dich,« rief sie, vor dem Gedanken zurückschreckend, »grausam der Sprache beraubt haben? – Du schüttelst den Kopf? Nun, mag es Zauber oder Trotz sein; ich frage Dich nicht weiter. Richte, was Du auszurichten hast, auf Deine Weise aus ... auch ich kann stumm sein.«

Der verkleidete Ritter überreichte ihr stumm Saladins Schreiben. Edith nahm es, warf einen flüchtigen Blick darauf, legte es beiseite und sagte, wieder zu dem Ritter gewendet, leise: »Auch kein Wort an mich als Geleit Deines Auftrages?«

Der Ritter preßte beide Hände gegen die Stirn, als Ausdruck des Schmerzes darüber, daß er ihr nicht gehorchen könne. Da wandte sie sich entrüstet von ihm. »Geh!« sprach sie, die Hand über die Augen legend, »ich habe genug, habe zu viel gesprochen für einen, der nicht ein einziges Wort an mich verschwenden will.«

Der Ritter wollte sich ihr nähern; aber sie wies ihn durch einen Wink zurück.

»Geh! sage ich, denn der Himmel hat Deine Seele für Deinen neuen Posten gewandelt... Was säumt Ihr? Geht!«

Fast unwillkürlich blickte der Ritter auf das Schreiben. Edith nahm es. . »Ich hatte ganz vergessen,« sagte sie, halb spöttisch, halb verächtlich, »der untertänige Sklave wartet auf Antwort ... Was ist das? vom Sultan?« Kaum hatte sie gelesen, so lachte sie in bitterem Aerger ...

»Nun, das geht über den Horizont!« rief sie. »Er mag Zechinen in Maravedis wandeln können; aber einen tapferen Ritter in den Sklaven eines heidnischen Sultans verwandeln? der seine übermütigen Anträge an eine christliche Jungfrau bringt, der Gesetze des Rittertums wie der Religion vergessen? Nein! das geht über den Horizont! Doch was hilft alles Reden mit dem Sklaven eines heidnischen Hundes? Sag Deinem Herrn, wenn er Dir Deine Zunge wiedergegeben hat, was Du mich hier tun siehst.«