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So schaff ich für Leid und Beschämung ihr Heil;

Leicht fühlt sie, von deinem Haus sich getrennt.

Wenn England sie grüßet als Gräfin Kent.

Ein Gemurmel des Beifalls durchlief die Versammlung. Der König überschüttete ihn mit Lob und machte ihm einen Ring von hohem Wert zum Geschenk. Die Königin überreichte ihm ein kostbares Armband.

»Hat unsere Base alles Interesse für Gesang und Harfenspielen verloren?« fragte Richard.

»Sie dankt dem Sänger für sein Lied,« entgegnete Edith; »aber doppelt dankt sie dem gütigen Oheim, der ihr so herrlichen Genuß verschaffte.« – »Du bist ärgerlich Base,« sagte der König; »weil Blondel von einem eigensinnigeren Weibe gesungen hat, als Du selbst bist. – Aber Du entschlüpfst mir nicht! Ich begleite Dich ein Stück zum Zelte der Königin; unterwegs müssen wir zusammen sprechen.«

Die Königin und ihr Gefolge brachen auf; die Gäste verließen das königliche Zelt; Fackelträger und Bogenschützen bildeten ihr Geleit. König Richard aber bot seiner Base den Arm .. »Was soll ich dem edlen Sultan antworten?« fragte er sie; »Könige und Fürsten fallen von mir ab, Edith! der neue Zwist hat sie mir noch mehr entfremdet. Ich täte gern etwas für das heilige Grab, wenn nicht durch Sieg, so durch Vergleich; aber leider ist mein Erfolg abhängig von den Launen eines eigensinnigen Mädchens, das ihrem eigenen Besten die Augen verschließt. Wie gesagt, Base, was soll ich Saladin antworten?« – »Daß sich die Aermste des Hauses Plantagenet lieber dem Unglück vermählen werde als dem Unglauben.«

»Willst Du nicht lieber noch das Wort Sklaverei hinzutun, Edith?« versetzte der König. »Es scheint mir doch Deinem Gedanken gleich am nächsten zu liegen?.« – »Körperliche Sklaverei,« erwiderte Edith, »ließe sich beklagen; aber seelische, o König, nur verachten! Schäme Dich, Richard, Du Herrscher des fröhlichen Englands! Du hast Körper und Geist eines Ritters in Knechtschaft gestürzt, der einst kaum weniger berühmt war, als Du.« – »Mußte ich nicht meiner Base wehren, Gift zu trinken, indem ich das gifthaltige Gefäß besudelte? bot sich denn ein anderes Mittel, ihr das Getränk zu verleiden?« antwortete der König. – »Du selbst willst aber mich nötigen, Gift zu trinken, das in goldenem Kelche geboten wird!« – »Edith,« sagte Richard, »erzwingen kann ich Deinen Entschluß nicht; doch hüte Dich, die Tür zu verschließen, die der Himmel öffnet! Der Eremit von Engaddi, den Päpste und Konzilien für einen Propheten halten, hat in den Sternen gelesen, daß Deine Vermählung mich mit einem mächtigen Feinde aussöhnen, daß Dein Gatte den christlichen Glauben annehmen werde. Bringe lieber ein Opfer, Edith, ehe Du so glückliche Aussichten verdunkelst.«

»Widder und Ziegen mögen die Menschen opfern,« sagte Edith, »aber nicht Ehre und Gewissen. Die Schmach einer christlichen Jungfrau hat, wie ich vernommen, die Sarazenen nach Spanien geführt; die Schande einer anderen dürfte kaum das passende Mittel sein, die Sarazenen aus Palästina zu vertreiben.« – »Nennst Du es Schmach, eine Kaiserin zu werden?« sagte der König. – »Ich nenne Schmach die Entweihung eines Sakraments, den Ehebund einer Christin mit einem Ungläubigen, der dadurch nicht gebunden werden kann; gemeinen Schimpf aber nenne ich es, daß ich als Tochter einer christlichen Fürstin das Haupt eines heidnischen Harems werden soll.« – »Wohlan, Base,« sagte her König, »ich will nicht länger mit Dir rechten, obgleich ich der Meinung bin, Deine Abhängigkeit sollte Dir größere Nachgiebigkeit empfehlen.«

»Mein König und Oheim,« versetzte Edith, »aller Reichtum, alle Würde und Herrschaft des Hauses Plantagenet ist kraft Rechtens auf Euch übergegangen. Vergönnt zum wenigsten Eurer armen Base Anteil am Stolze ihres Hauses!«

»Meiner Treu, Mädchen!« sagte der König, »mit diesem Worte hast Du mich aus dem Sattel geworfen. Gib mir einen Kuß und laß uns Freunde sein! Ich will sofort Saladin Deine Antwort senden... Aber wäre es nicht doch vielleicht besser, zu warten, bis Du ihn gesehen? es soll ein sehr schöner Mann sein!« – »Es wird sich keine Gelegenheit zu einer Zusammenkunft bieten,« meinte Edith. – »Beim heiligen Georg, die findet sich nächstens!« rief der König; »Saladin wird uns einen Platz anweisen, wo der Zweikampf stattfinden soll, der die Frage entscheiden wird, wer unser Banner beiseite geschafft hat. Er wird, wenn nicht alles trügt, dem Kampfe selbst beiwohnen. Berengaria und ihre Hofdamen werden auch nicht fehlen, und Du wohl am wenigsten, liebe Base! – Doch komm, wir haben das Zelt erreicht und müssen uns trennen, doch nicht im Verdruß!« Er umarmte sie zärtlich, doch hoheitsvoll, dann kehrte er, Blondelsche Weisen trällernd, nach seinem Zelte zurück, wo er das Schreiben ausfertigte, und dem Nubier übergab mit dem Befehle, sich bei Tagesanbruch zu dem Sultan zu begeben.

Sechsundzwanzigstes Kapitel

Am nächsten Morgen wurde Richard zum König Philipp von Frankreich gebeten, der ihm in äußerst höflichen, aber unverblümten Worten den Entschluß bekannt gab, nach Europa zurückzukehren, da er sich eines glücklichen Erfolges nicht länger mehr versehen könne. König Richards Vorstellungen blieben fruchtlos, und es überraschte ihn nicht, nach Beendigung der Unterredung den gleichen Entschluß auch vom Erzherzog Leopold von Oesterreich und andern Kreuzfahrern zu vernehmen, die sogar nicht verheimlichten, daß Richards Ehrgeiz und willkürliche Herrschaft ihren Abfall von der Sache des Kreuzes veranlaßten. Alle Hoffnungen, den Krieg mit Erfolg fortzusetzen, schwanden nun, und Richard geriet über diese Vereitlung seiner Hoffnungen außer sich. Ein Glück für ihn und seine Umgebung war es, daß bald nachher ein Bote des Sultans Saladin gemeldet wurde.

Sultan Saladin hatte als Platz für den Zweikampf, der zwischen den Rittern ausgefochten werden sollte, die unter dem Namen »Diamant der Wüste« bekannte Gegend bestimmt, weil sie von dem Lager der Christen und der Sarazenen ziemlich gleich weit entfernt lag. Konrad von Montserrat, als Angeklagter, sollte sich dort mit seinen Zeugen, dem Erzherzog von Österreich und dem Großmeister der Tempelherren, am Kampftage mit hundert Bewaffneten, Richard von England und sein Bruder Salisbury als Kläger, mit ebenso viel Mannen zum Schutze seines Kämpfers, der Sultan aber mit einer Leibwache von fünfhundert auserwählten Kriegern einfinden. Zuschauer sollten keine andern Waffen tragen als Schwerter. Die Einrichtung des Kampfplatzes und die Sorge für Bequemlichkeit und Erfrischungen übernahm der Sultan.

Am Tage vor dem Kampfe brachen Konrad und seine Freunde auf, kurz nach ihm auch König Richard, in Gesellschaft der Königin Berengaria und ihres Hofstaates, dem sich auch Lady Edith angeschlossen hatte. Am anderen Morgen stiegen sie über die niedrigen Sandhügel, die dem bezeichneten Platze vorgelagert waren, wo sich ein glänzendes Schauspiel vor ihnen zeigte.

Der »Diamant der Wüste«, bis vor kurzem eine einsame Quelle, war zum Mittelpunkt eines Lagers geworden, das in tausendfältigen Farben schimmerte, denn jede Nation hatte für ihre Zelte ihre besondere Farbe und die Spitzen der Zeltpfähle waren mit goldenen Granatäpfeln und seidenen Wimpeln geschmückt. Araber und Kurden, jeder mit seinem Pferd an der Hand, bildeten im Vordergrund eine dunkle, verworrene Masse. Kaum war König Richard ins Lager geritten, als ein gellender Pfiff den Lärm der arabischen und kurdischen Höllenmusik übertönte, worauf die dunkelfarbigen Reiter in den Sattel sprangen. Eine Staubwolke verbarg dem König und seiner Begleitung nicht allein das Lager, die Palmenbäume und die entfernte Bergkette, sondern auch die Truppen, deren plötzliche Bewegung diese Wolke erregt hatte. Ein abermaliger Pfiff, und die Reiterei rückte vor in vollem Galopp, so daß sie auf einmal an die Front, die Flanken und den Nachtrab von Richards kleiner Leibwache kamen, die auf diese Weise von beiden Seiten durch dichte Staubwolken eingehüllt wurde. Abwechselnd tauchten daraus die finsteren wilden Gesichter der Sarazenen hervor, um jedoch ebenso schnell zu verschwinden. Unter wildem Geschrei schwenkten sie ihre Lanzen, und rissen ihre Pferde oft erst in Speeresweite vor den Christen herum, wahrend ihr Nachtrab förmliche Pfeilwolken auf Christen und Sarazenen abschoß. Ein Pfeil traf die Sänfte der Königin, ein anderer den König vor die Stirn. »Ha! beim heiligen Georg!« rief er. »Gegen diesen Abschaum der Ungläubigen müssen wir Maßregeln treffen!«