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Der sarazenische Herrscher verließ das Zelt, und auch König Richard hüllte sich in seinen Mantel, um sich nach dem Zelt seiner Gemahlin zu begeben, das er von jenen unglücklichen Dienern bewacht fand, mit denen morgenländische Eifersucht den Harem der Großen zu umgeben pflegt. Vor dem Eingange wandelte Blondel auf und ab und griff von Zeit zu Zeit in die Saiten seiner Harfe, während die Schwarzen ihre Elfenbeinzähne blicken ließen, und mit seltsamen Gebärden und gellenden Stimmen seinen Gesang begleiteten. – »Was hast Du mit dieser schwarzen Herde, Blondel?« fragte der König; »warum gehst Du nicht ins Zelt?« – »Weil ich weder Kopf noch Finger für meinen Stand entbehren kann,« entgegnete Blondel; »die Kerle drohen mir aber, mir Glied für Glied abzuhauen, wenn ich einen Schritt weiter tue.« – »Komm,« sagte der König, »ich will Dich mit meiner Person decken.«

Die Schwarzen senkten vor König Richard Piken und Schwerter, und schlugen die Augen nieder. Im Zelte fanden sie Thomas von Vaux, der Königin aufwartend; während diese den Sänger willkommen hieß, sprach Richard mit seiner schönen Cousine.

»Nun, sind wir noch Feinde, holde Edith?« fragte er. – »Nein, König und Ohm,« sagte Edith; »Feindschaft hegen gegen König Richard kann niemand, wenn er sich so zeigt, wie er wirklich ist, großmütig und edel, tapfer und ehrliebend.«

Mit diesen Worten reichte sie ihm die Hand, die der König zum Zeichen der Versöhnung küßte. Dann fuhr er fort: »Du denkst, Edith, mein Zorn sei nur Verstellung gewesen? Da irrst Du! Die Strafe, die ich dem Ritter auferlegte, war gerecht, denn er hatte das ihm anvertraute Amt verraten! Weshalb, tritt hierbei nicht in Erwägung; aber ich freue mich vielleicht ebenso wie Du, daß er morgen Gelegenheit hat, den Flecken, der an ihm haftete, an dem wirklichen Dieb und Verräter zu tilgen! Aber wie, Edith? Wenn der Schotte den Sieg verlöre?« – »Was kann nicht sein!« rief Edith mit Festigkeit. »Mit meinen Augen sah ich, wie dieser Montserrat sich verfärbte... er ist der Schuldige!«

»Ich will offen sprechen, Edith,« sagte der König nach einer Weile, »und wie zu einer Freundin... was würde der Ritter Dir sein, wenn er als Sieger die Schranken verliehe?« – »Mir?« sagte Edith, tief errötend; »was kann er mir mehr sein als ein Ritter in Ehren?« – »Aber er hat viel für Dich getan und erlitten!« sagte der König. – »Ich habe seine Dienste mit Lob und seine Leiden mit Zähren vergolten,« entgegnete Edith. »Wär ihm um anderen Lohn zu tun gewesen, so hätte er sich in den Grenzen seines Standes halten müssen.«

Siebenundzwanzigstes Kapitel

Lange vor Tagesanbruch waren die Schranken, die für den Zweikampf errichtet worden waren, von einer größeren Menge Sarazenen umgeben, als König Richard am Abend zuvor gesehen hatte. Kaum stieg die Sonne über der Wüste auf, als vom Sultan selbst der Ruf: »Zum Gebet!« laut erhoben und von andern Edlen beantwortet wurde, die durch ihren Rang und Eifer berechtigt waren, als Muezzins zu dienen. Mit dem Gesicht nach Mekka gewandt, sanken sie plötzlich zur Erde nieder, als seien die vielen bloß ein einziges Wesen; ein wahrhaft ergreifendes Schauspiel!

Nun nahten die Bürgen der beiden Kämpfer, denen die Pflicht oblag, die Bewaffnung derselben zu prüfen. Der Erzherzog von Oesterreich zeigte keine sonderliche Eile, denn er hatte am Abend tüchtig gezecht. Dagegen stand der Großmeister der Tempelherren schon frühzeitig vor dem Zelte Konrads von Montserrat, denn ihm war am Ausgange des Kampfes mehr gelegen als den andern. Zu seinem Erstaunen versagten ihm die Wächter den Eintritt . . . »Kennt Ihr mich nicht, Schurken?« rief er entrüstet. – »Allerdings, würdiger Herr!« entgegnete Konrads Schildknappe. »Aber der Marquis beichtet soeben.« – »Beichtet?« rief der Templer voll Unruhe und Verachtung; »bei wem, bitte!« – »Mein Herr gebot Schweigen!« antwortete der Knappe; aber der Großmeister stieß ihn beiseite und drang ins Zelt.

Der Marquis von Montserrat kniete eben vor dem Einsiedler von Engaddi, um seine Beichte abzulegen. – »Was heißt das, Marquis?« rief der Großmeister; »stehe auf! wenn Du beichten mußt, bin ich da.« – »Ich habe Euch schon zu oft gebeichtet,« antwortete Konrad, bleich und mit zitternder Stimme. »Großmeister, laßt mich vor diesem heiligen Mann mein Gewissen erleichtern.« – »Inwiefern ist er heiliger als ich?« entgegnete der Großmeister. »Eremit, Prophet, Wahnsinniger, bekenne, wenn Du es wagst, worin Du mich übertriffst!« – »Kühner, böser Mann!« rief der Eremit; »so wisse, daß ich dem Gitterfenster gleiche, durch welches das göttliche Licht hindurchdringt, um anderen zu nützen; Du aber gleichst der eisernen Säule, die weder Licht empfängt noch abgibt.« – »Schwatze nicht, sondern entferne Dich aus diesem Zelt!« befahl der Großmeister. »Der Marquis soll heute morgen nicht beichten, außer bei mir; denn ich weiche nicht von seiner Seite.« – »Ist dies Euer Wunsch?« fragte der Einsiedler den Marquis; »denn daß ich diesem stolzen Manne gehorche, falls Ihr noch Beistand begehrt, dürft Ihr nicht meinen.« – »Ach!« sagte Konrad unentschlossen; »was soll ich tun? Lebt wohl einstweilen, frommer Mann! wir werden uns später sehen.« – »Seelenmörder!« donnerte ihm der Eremit zu; »Du begehrst Aufschub? Nun denn, so gehab Dich Wohl! bis wir beide einander wieder treffen werden – gleichviel wo – Du aber,« fügte er hinzu, sich an den Großmeister wendend, »Zittere!« – »Zittern?« wiederholte der Templer verächtlich. »Das könnte ich nicht, wenn ich auch wollte.«

Der Eremit hörte diese Worte nicht; denn er hatte bereits das Zelt verlassen.

»Wohlan, zur Sache,« sprach der Großmeister, »da Du nun einmal die Narretei mitmachen willst! Einzelheiten können wir übergehen, das möchte zu lange dauern, drum wollen wir. gleich mit der Absolution beginnen.« – »Nein!« erklärte Konrad; »lieber sterbe ich ohne Beichte.« – »Nicht so blöde, Marquis,« sagte der Templer; »in einer Stunde steht Ihr siegreich in den Schranken, oder beichtet in Eurem Helm wie ein wackrer Ritter!« – »Großmeister,« sagte Konrad, »alles weissagt mir Unglück, die seltsame Entdeckung durch den Instinkt eines Hundes – die Wiedererscheinung des schottischen Ritters, der wie ein Gespenst in den Schranken auftaucht ...« – »Possen!« rief der Templer; »denke Dir, Du seiest auf einem Turnier! Wer nimmt sich besser aus dort als Du? – »Herbei, Knappen und Reisige! rüstet Euern Herrn zum Kampfe!«

Die Diener traten ein, und unter tiefem Schweigen verrichteten sie ihre Arbeit.

Endlich schlug die entscheidende Stunde. Die Trompeten schmetterten, und die Ritter ritten gerüstet in die Schranken; mit geöffnetem Visir zeigten sie sich, dreimal um die Schranken reitend, den Zuschauern; in dem Gesicht des Schotten lag männliches Vertrauen: auf Konrads Stirn dagegen ruhte eine Wolke zweifelhafter Verzagtheit; selbst sein Roß schien nicht so aufzutreten, als der edle Araber des Schotten.

Unter der Galerie der Königin war bei dieser Gelegenheit ein Altar errichtet worden, vor welchem der Eremit in seiner Karmelitertracht stand. Dorthin wurden von den Kampfbürgen sowohl bei Ankläger als der Angeklagte geführt, und jeder beteuerte die Gerechtigkeit seiner Sache mit feierlichem Eide: der Ankläger mit fester, männlicher Stimme, und kühnem, heiterm Blicke. Dem Angeklagten aber drohte, so keck und dreist er war, die Stimme zu versagen; die Lippen, mit denen er den Himmel anrief um Sieg in seinem Streite, wurden bleich; da näherte sich ihm der Großmeister und flüsterte ihm zu: »Feigherziger Narr! nimm Deinen Mut zusammen und stehe Deinen Mann in diesem Kampf, sonst, beim Himmel! solltest Du ihm entgehen, mir entgehst Du nicht!« Der wilde Ton, worin der Templer die Worte flüsterte, machte den Marquis vollends bestürzt. Er stolperte, als er zu seinem Pferde ging, ermannte sich aber und schwang sich mit seiner gewöhnlichen Gewandtheit in den Sattel.