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Als sich aber die Stahlhauben, Barette und Federn der Knappen, Schützen und Reisigen unter der Menge zu zeigen begannen, ließen diejenigen, welche jene auszeichnenden Merkmale des Kriegergewerbes trugen, Sitten blicken, welche minder fein waren, als die der friedlichen Bürger. Mehr als einmal, wenn einer von jenen, sei es zufällig oder im Bewußtsein eingebildeter höherer Würde, auf der Seite der Mauer sich an Simon vorüberdrängte, runzelte der junge Lehrling drohend die Stirn, als brenne er vor Begierde, seinen Diensteifer für seine Gebieterin an den Tag zu legen. So oft Conachar, dies war des Jünglings Name, also that, erhielt er von seinem Meister einen Verweis, der ihm merken ließ, daß er sich in dergleichen nicht mischen sollte, bevor man seine Vermittlung verlange. »Närrischer Bursche,« sagte er, »bist du nicht lange genug in meiner Werkstatt gewesen, um zu wissen, daß aus einem Schlag eine Schlägerei entsteht, und daß ein Dolch so schnell durch die Haut fährt, als eine Nadel durch's Leder? Weißt du nicht, daß ich den Frieden liebe, ob ich gleich den Krieg nie gefürchtet habe, und daß ich mich wenig darum kümmere, auf welcher Seite der Straße ich und meine Tochter gehen, wenn wir nur ruhig und friedlich wandeln können?« Conchar entschuldigte sich mit dem Eifer, die Ehre seiner Meisters zu schirmen, aber diese Antwort genügte dem alten Bürger von Perth nicht.– »Was haben wir mit der Ehre zu schaffen?« sagte Simon Glover; »willst du in meinem Dienst bleiben, so mußt du ehrbar gesinnt sein und die Ehre den prahlerischen Thoren lassen, die Sporen an den Stiefeln und Stahl auf den Schultern tragen. Willst du dich mit ähnlichem Zierrath schleppen, so magst du's thun, aber in meinem Hause und in meiner Gesellschaft wird es nimmer geschehen.«

Conachar schien durch diesen Vorwurf eher erbittert zu werden, als sich zu fügen. Aber ein Zeichen von Katharina, wofern die leichte Bewegung, die sie machte, indem sie den kleinen Finger aushob, wirklich ein solches war, machte auf den Jüngling mehr Eindruck, als die Vorwürfe seines erzürnten Meisters. Er legte die kriegerische Miene, die ihm natürlich anstand, bei Seite und wurde wieder der bescheidene Diener eines ruhigen Bürgers.

Inzwischen holte die kleine Gesellschaft ein junger, schlanker Mann ein, in einen Mantel gehüllt, welcher einen Theil seines Gesichts beschattete oder verhüllte, was die Liebesritter jener Zeit häufig im Gebrauch hatten, wenn sie auf Abenteuer ausgingen und nicht erkannt sein wollten. Kurz, er schien ein Mann, welcher zu aller Welt sagen mochte: »ich wünsche für jetzt nicht erkannt und nicht meinem Titel gemäß angeredet zu sein; wie ich aber, außer mir selber, Niemand von meinem Thun Rechenschaft zu geben habe, nehme ich das Incognito nur der Form wegen an und kümmere mich wenig d'rum, ob Ihr mich kennt oder nicht.« Er kam an die rechte Seite Katharinens, die am Arm ihres Vaters hing, und mäßigte seine Schritte, als wolle er sich zu ihr gesellen.

»Guten Abend, Vater!«

»Dasselbe wünsch' ich Euer Gnaden und dank' Euch.– Darf ich Euch bitten, voranzugehen? Unser Schritt ist zu langsam für Euer Gnaden– unsere Gesellschaft zu gering für die des Sohnes Eures Vaters.«

»Meines Vaters Sohn kann das am besten beurtheilen, Alter. Ich habe Geschäfte mit Euch zu besprechen, so wie mit meiner schönen St. Katharina hier, der lieblichsten und grausamsten Heiligen im Kalender.«

»Mit aller Ehrerbietung, Mylord,« sagte der alte Mann, »möcht' ich Euch erinnern, daß heut der heilige Abend zu St. Valentinstag ist und also keine Zeit zu Geschäften, und daß ich Euer Gnaden Befehle durch einen Diener erhalten kann, so früh es Euch gefällig ist, sie zu senden.«

»Es ist keine Zeit dazu, als die gegenwärtige,« sagte der beharrliche junge Mann, dessen Rang von der Art zu sein schien, daß er ihn aller Ceremonie überhob. »Ich wünsche zu wissen, ob das Koller von Büffelleder fertig ist, welches ich vor einiger Zeit bestellte; und Euch, schöne Katharina (hier sank seine Stimme zu einem Flüstern herab), bitte ich, mir zu sagen, ob Eure niedlichen Finger dabei geschäftig gewesen find, wie Ihr es verspracht? Doch ich darf Euch nicht befragen, denn mein armes Herz hat jeden Nadelstich empfunden, den Ihr dem Kleide, das es bedecken soll, gabt. Grausame, wie willst du die Qual des Herzens verantworten, das dich so innig liebt!«

»Laßt mich Euch dringend ersuchen, Mylord,« sagte Katharina, »solche Worte zu unterlassen– es ziemt Euch nicht, so zu sprechen, noch mir, es anzuhören. Wir sind von geringem Stande, aber ehrbaren Sitten, und die Gegenwart des Vaters sollte das Kind gegen solche Reden, selbst von Euer Gnaden, schützen.«

Dies sprach sie so leise, daß weder der Vater noch Conachar verstehen konnten, was sie sagte.

»Wohl, Grausame,« antwortete der beharrliche Ritter, »ich will Euch jetzt nicht länger quälen, wofern Ihr Euch mir morgen an Eurem Fenster zeigen wollt, sobald die Sonne den ersten Blick über die östlichen Berge wirft, und wofern Ihr mir das Recht gebt, das Jahr hindurch Euer Valentin zu sein.«

»Nicht doch, Mylord; mein Vater sagte mir so eben erst, daß sich keine Falken, geschweige denn Adler mit dem bescheidenen Hänfling paaren. Sucht Euch eine Hofdame, die Eure Begünstigung ehren wird;– mir– Eure Hoheit muß mir gestatten, die schlichte Wahrheit zu sagen– kann sie nur Unehre bringen.«

Als sie so sagte, langte die Gesellschaft an der Kirchthüre an. »Euer Gnaden erlauben uns hier hoffentlich, uns von Euch zu verabschieden?« sagte der Vater. »Ich weiß recht gut, daß die Ungelegenheiten und Beschwerden, die Euer Vergnügen uns verursacht, Euch das Letztere nicht aufzugeben nöthigen; aber aus der Menge von Dienern, die an der Thür stehen, könnt Ihr abnehmen, daß in der Kirche noch andere Personen sind, die auch Ansprüche auf Respect, und selbst von Seiten Eurer Gnaden, haben.«

»Ja– Respect; und wer hat denn vor mir Respect?« sagte der hochmüthige, junge Herr. »Ein erbärmlicher Handwerker und seine Tochter, nur zu sehr geehrt durch die Notiz, die ich nehme, haben die Unverschämtheit, mir zu sagen, daß meine Aufmerksamkeit sie entehrt. Gut, meine Prinzessin von Elennsleder und blauer Seide, ich will Euch das bereuen lassen.«

Während er so murmelte, betraten der Handschuhmacher und seine Tochter die Dominikanerkirche, und ihr Begleiter Conachar, der ihnen sofort folgen wollte, stieß, vielleicht nicht zufällig, an den jungen Herrn. Der Ritter, aus seinen unangenehmen Gedanken erweckt, faßte, weil er sich vorsätzlich beleidigt glaubte, den jungen Mann an der Brust, schlug ihn und warf ihn unsanft zurück. Conachar stolperte und hielt sich mit Mühe aufrecht; dann fuhr er mit der Hand an die Seite, als suchte er einen Degen oder Dolch an der üblichen Stelle, machte, als er keinen von beiden fand, eine Geberde der Wuth und Erbitterung und ging in die Kirche. Inzwischen blieb der junge Ritter, die Arme über die Brust gekreuzt, stehen, und lächelte mit Verachtung, als wolle er seiner drohenden Miene Hohn sprechen. Nachdem Conachar verschwunden war, zog sein Gegner den Mantel dichter zusammen, so daß er sein Gesicht noch mehr verhüllte, und gab, indem er einen seiner Handschuhe abzog, ein Zeichen. Sofort traten zwei Andere zu ihm, die, gleich ihm vermummt, in einiger Entfernung seines Befehls gewärtig gewesen. Sie begannen ein lebhaftes Gespräch, worauf der junge Edle sich nach der einen, seine Freunde oder Diener sich nach der andern Seite entfernten.

Simon Glover hatte, bevor er die Kirche betrat, einen Blick auf diese Gruppe geworfen, sodann aber seinen Platz unter der Gemeinde eingenommen, ehe sie sich getrennt hatten. Als er niederkniete, schien seine Miene anzudeuten, daß ihm eine schwere Last auf dem Herzen ruhe; als aber der Gottesdienst beendet war, erschien er frei von aller Sorge, als hätte er sich und seinen Kummer der Fügung des Himmels anheimgestellt. Das Hochamt wurde feierlich gehalten, und eine große Zahl Herren und Damen von hohem Rang war dabei anwesend. Man hatte zum Empfang des guten alten Königs selbst das Nöthige veranstaltet, allein ein Unwohlsein hatte Robert III. verhindert, der Messe beizuwohnen, wie er sonst pflegte. Als die Versammlung auseinander ging, blieb der Handschuhmacher mit seiner schönen Tochter noch eine Weile in der Kirche, um in einen Beichtstuhl zu treten. So war es Nacht geworden und die Straßen bereits einsam, als sie sich auf den Weg machten, um heimzukehren. Diejenigen, die sich noch jetzt in den Straßen umhertrieben, waren Nachtschwärmer, müßige, liederliche Diener stolzer Edelleute, welche häufig friedliche Vorübergehende zu beleidigen pflegten, weil sie auf Straflosigkeit rechneten, welche ihnen durch die Gunst, die ihre Herren bei Hofe genossen, gesichert sein konnte.