»Und was,« murmelte der Waffenschmied, »soll ich für meinen Unterhalt thun, wenn ich der Kunst des Waffenschmiedens entsage, in welcher Harry vom Tay bis zur Themse bekannt ist?«
»Eure Kunst selber,« sagte Katharina, »kann unschuldige und löbliche Zwecke erstreben. Wenn Ihr keine Schwerter und Schilde mehr schmiedet, so könnt Ihr den nützlichen Spaten, die friedliche Pflugschar und die Geräthschaften fertigen, die des Lebens Unterhalt gewinnen oder seine Freuden erhöhen helfen. Ihr könnt Riegel und Schlösser schmieden, um das Eigenthum des Schwachen gegen die Uebermacht des Stärkern und gegen die Angriffe der Räuber zu schützen. Die Menschen werden sich noch an dich wenden und belohnt wird dein bescheidener Fleiß–«
Aber hier ward Katharina unterbrochen. Ihr Vater hatte die Reden gegen Krieg und Turniere mit einer Empfindung gehört, die, obwohl ihre Lehren neu für ihn waren, ihm sagte, daß sie trotzdem nicht ganz irrig sein möchten. Er wünschte sogar im Stillen, daß derjenige, der sein Schwiegersohn werden sollte, sich nicht aus freien Stücken den Gefahren aussetzen möchte, welchen sein unternehmender Geist und seine außerordentliche Stärke den Schmied bisher nur allzuleicht hatten entgegentreten lassen. So weit hätte er gewünscht, sollten Katharinens Worte auf das Gemüth ihres Verlobten wirken, der, wie er wußte, wo die Liebe im Spiele war, ebenso nachgiebig, als halsstarrig und unbeugsam blieb, wenn man ihn mit feindlichen Vorstellungen oder Drohungen angriff. Aber ihre Rede widersprach geradezu seinen Ansichten, als er sie darauf bestehen hörte, sein künftiger Schwiegersohn sollte ein Handwerk aufgeben, welches damals in Schottland das einträglichste war, und Harry von Perth mehr einbrachte, als jedem andern Waffenschmied des Königreichs. Er hatte eine undeutliche Vorstellung, daß es nicht schlimm gethan wäre, den Schmied von der Gewohnheit abzubringen, die Waffen allzuoft zu handhaben, ob es gleich auf der andern Seite seinem Stolze schmeichelte, mit einem Manne in näherer Verbindung zu stehen, der sie mit solcher Ueberlegenheit zu führen verstand, was in jener kriegerischen Zeit kein geringes Verdienst war. Als er aber hörte, wie seine Tochter ihrem Liebhaber als den kürzesten Weg, jene friedliche Stimmung des Gemüths zu gewinnen, den bezeichnete, daß er das einträgliche Handwerk aufgeben solle, worin es ihm Keiner gleichthat, und welches ihm bei den Fehden, die täglich stattfanden, und bei den häufigen Kriegen einen namhaften Gewinn sicherte, konnte er seinen Zorn nicht länger bemeistern. Kaum hatte Katharina ihrem Verlobten den Rath gegeben, Ackergeräthe zu fertigen, als ihr Vater, überzeugt, daß er recht habe, worüber er im Anfange der Rede seiner Tochter etwas zweifelhaft gewesen, sie mit den Worten unterbrach:
»Schlösser und Riegel! Pflugscharen und Eggenzähne!– warum nicht lieber Schaufeln und Feuerzangen? da braucht' er weiter nichts, als einen Esel, der seine Waaren von Dorf zu Dorf trüge, und du könntest einen zweiten an der Halfter nachführen. Ei, Katharina, Mädchen, hast du den Verstand ganz verloren, oder meinst du, in diesem eisernen Jahrhundert werde man viele Leute finden, die ihr Geld für etwas Anderes ausgeben mögen, als für dasjenige, wodurch sie sich in den Stand gesetzt sehen, ihren Feinden das Leben zu nehmen oder das ihrige zu vertheidigen? Was wir gegenwärtig nöthig haben, thörichtes Mädchen, ist ein Schwert, uns zu schützen, keine Pflugschar, um die Erde zu öffnen und ihr die Saat anzuvertrauen, die wir vielleicht nimmer reifen sehen. Das tägliche Brod nimmt sich der Stärkere und lebt, der Schwache geht leer aus und stirbt Hungers. Glücklich, wer wie mein würdiger Sohn im Stande ist, sich seinen Unterhalt auf andere Weise zu gewinnen, als mit dem Schwert in der Hand, das aus seiner Werkstätte hervorgeht. Predige ihm den Frieden, so lange du magst– dagegen werd' ich nie etwas einwenden; aber dich dem ersten Waffenschmied in Schottland rathen hören, er solle keine Schwerter, Streitäxte und Rüstungen mehr fertigen, das heißt die Geduld selbst erschöpfen. Gehe mir aus den Augen! und morgen früh, wenn du das Glück hast, Harry Schmied zu sehen, was mehr ist, als dein Betragen verdient, so erinnere dich, daß du einen Mann siehst, der in Führung des Schwertes und der Streitaxt in Schottland seines Gleichen nicht hat, und der im Jahre fünfhundert Mark erwerben kann, ohne einen Feiertag zu entweihen.«
Als die Tochter ihren Vater in so bestimmtem Tone sprechen hörte, verneigte sie sich ehrerbietig und zog sich ohne weitere Abschiedsworte nach ihrem Schlafgemach zurück.
Drittes Kapitel
Woher kommt Schmied, ob Lord, ob Knapp', ob Ritter,
Als von dem Schmied, der vor dem Amboß steht?
Verstegan.
Des Waffenschmieds Herz schwoll von verschiedenen widerstreitenden Empfindungen, so daß es den ledernen Koller sprengen zu wollen schien, unter welchem es verborgen lag. Er stand auf und streckte seine Hand dem Handschuhmacher entgegen, während er das Gesicht von ihm abkehrte, als wünsche er, daß man in seinen Mienen nicht seine Bewegung lesen möchte.
»Wahrlich, hängt mich auf, wenn ich Euch jetzt Lebewohl sage, Mensch,« sprach Simon, seine Hand auf jene legend, die ihm der Waffenschmied entgegenhielt. »Unter einer Stunde mindestens will ich Euch die Hand nicht zum Abschied schütteln. Wartet einen Augenblick, Mann, und ich will Euch das Alles erklären. Gewiß werden einige Tropfen Blut aus der aufgeritzten Haut und etliche thörichte Worte von eines thörichten Mädchens Lippen Vater und Sohn nicht scheiden, wenn sie einander so lange nicht gesehen hatten? Bleib also, Mann, wenn dir etwas am Segen eines Vaters und des heiligen Valentin liegt, dessen heiliger Festabend heute ist.«
Bald hörte man, wie der Handschuhmacher laut nach Dorothee rief, und nachdem dieselbe mit Schlüsseln geklimpert und Treppen auf- und abgelaufen, erschien sie mit drei großen Bechern von grünem Glas, was in jener Zeit für eine große und kostbare Seltenheit galt, und der Handschuhmacher folgte ihr mit einer großen Flasche, mindestens drei Quart unserer entarteten Zeit enthaltend. – »Da ist ein Glas Wein, Harry, mindestens die Hälfte älter, als ich selber; mein Vater erhielt ihn zum Geschenk vom alten wackern Crabbe, dem flämischen Ingenieur, der während der Minderjährigkeit David's II. Perth so tüchtig vertheidigte. Wir Handschuhmacher vermochten stets im Kriege etwas vor uns zu bringen, wenn dieser gleich nicht in so unmittelbarer Beziehung zu uns steht, wie zu Euch, die Ihr in Eisen und Stahl arbeitet. Mein Vater hatte sich die Gunst des alten Crabbe zu erwerben gewußt; ich will dir ein andermal sagen, bei welcher Gelegenheit und wie lange diese Flaschen eingegraben waren, um sie den englischen Plünderern zu entziehen. Ich will jetzt einen Becher auf das Wohl der Seele meines Vaters leeren – mögen ihm seine Sünden vergeben sein! Dorothee, du magst darauf Bescheid thun, dann kannst du in dein Schlafgemach gehen. Ich weiß, daß du die Ohren spitzest, Weib, aber ich habe zu sagen, was Niemand hören darf, außer Harry Schmied, mein angenommener Sohn.«
Dorothee wagte nicht zu widersprechen, sondern nahm ihr Glas, oder vielleicht ihren Humpen, guten Muthes und zog sich sodann, wie ihr Herr befohlen hatte, in ihr Schlafgemach zurück. Die beiden Freunde blieben allein.