»Ihr konntet es auch nicht, wenn er nicht seinen Mann tödtete,« erwiderte der Schmied in demselben trockenen Tone.
»Trotzdem, wenn Ihr es wünscht, Harry, will ich alle anderen Rücksichten bei Seite setzen, und den Burschen morgen früh ein anderes Quartier suchen lassen.«
»Ach, Vater,« sagte der Schmied, »Ihr könnt glauben, daß dem Harry Gow nicht so viel an jener Bergkatze liegt, als an einer Kohle. Wahrlich, mich sollt' es nicht kümmern, seinen Clan das Schuhthor [eine Hauptstraße in Perth] herab mit dem Slogangeschrei und klingendem Spiele kommen zu sehen; ich wollte fünfzig Klingen und Schilde finden, um sie schneller zurückzusenden, als sie kamen. Aber die Wahrheit zu sagen, so närrisch es auch klingen mag – es will mir nicht gefallen, den hartnäckigen Burschen so oft um Katharina zu sehen. Bedenkt, Vater Glover, daß Euer Handwerk Eure Hände und Augen in Anspruch nimmt, und daß Ihr demselben Eure ganze Aufmerksamkeit widmen müßt, selbst wenn der Taugenichts mit arbeitet, was, wie Ihr ja wißt, selten geschieht.«
»Und das ist wahr,« sagte Simon; »er schneidet all' seine Handschuhe nur für die rechte Hand und konnte nie in seinem Leben ein Paar fertig machen.«
»Ohne Zweifel sind seine Meinungen vom Zuschneiden anderer Art,« sagte Harry. »Aber mit Eurer Erlaubniß, Vater, wollt' ich nur sagen, daß er, ob er nun arbeitet oder nichts thut, keine schiefen Augen hat; seine Hände sind weder durch heißes Eisen verbrannt, noch durch Arbeit mit dem Hammer hart geworden; sein Haar ist nicht durch Rauch geschwärzt, noch am Ofen verbrannt, daß es einem Dachsfell ähnlicher sieht, als dem Haupthaar eines ehrlichen Christen. Mag nun Katharina eine noch so gute Tochter sein – und ich behaupte, sie ist die beste in ganz Perth – so muß sie doch sehen und wissen, daß dies Alles zwischen dem einen und dem andern Mann einen Unterschied machen muß, und daß der Vergleich nicht zu meinen Gunsten ausfällt.«
»Hier deine Gesundheit von ganzem Herzen, Sohn Harry!« sagte der alte Mann, seinem Gefährten einen Becher und einen zweiten für sich selber füllend; »ich sehe, daß du, ein so guter Schmied du auch bist, doch das Metall nicht kennst, woraus Weiber gemacht sind. Du must dreister sein, Harry, und dich nicht benehmen, als gingest du zum Galgen, sondern als ein munterer Gesell, der weiß, was er werth ist, und sich von der besten der Töchter Eva's nicht überzeugen läßt. Katharina ist ganz wie ihre Mutter, und du irrst dich gewaltig, wenn du meinst, daß alle Weiber sich nur durch's Auge einnehmen lassen. Man muß auch ihr Ohr unterhalten, Mann. Eine Frau muß wissen, daß der, dem sie den Vorzug gibt, dreist und entschlossen ist, und die Gunst von zwanzig Andern gewinnen könnte, ob er sich gleich nur um die ihrige bewirbt. Glaube das einem Alten; die Weiber lassen sich öfter durch die Meinung Anderer bestimmen, als durch ihre eigne. Wenn Katharina fragt, wer der entschlossenste Mann in Perth sei, was wird sie zur Antwort erhalten? Harry, der Schmied. Wer der beste Waffenschmied, der je eine Wehr auf dem Ambos gehabt? Harry Schmied. Der gewandteste Tänzer? Der lustige Waffenschmied. Wer die besten Lieder singt? Harry Gow. Der beste Kämpfer, der mit Schwert und Schild am tüchtigsten umzugehen, ein Pferd zu bändigen und einen wilden Hochländer zurechtzuweisen versteht? Das bist du ebenfalls – immer wieder du – Keiner sonst als du. Und dir sollte sie den winzigen Hochländerknaben vorziehen? pfui, da könnte sie ebenso gut einen Blechhandschuh mit einem Rehfell überziehen! Ich sage dir, Conachar ist ihr gar nichts werth, höchstens, daß sie ihn aus den Krallen des Satans retten möchte, welcher meint, er sei ihm, wie die andern Hochschotten, verfallen. Der Himmel segne sie, das arme Geschöpf! sie möchte die ganze Menschheit auf bessere Gedanken bringen, wenn sie könnte.«
»Was ihr ganz gewiß fehlschlagen wird« – sagte der Schmied, der, wie der Leser gemerkt haben kann, dem Geschlechte der Hochländer nicht gewogen war. »Ich möchte hier für den Satan wetten, von dem ich was verstehen muß, weil er ein Arbeiter im nämlichen Elemente wie ich ist, gegen Katharina – der Teufel wird den Tartan holen, das ist so gut wie gewiß.«
»Ja, aber Katharina,« erwiderte der Handschuhmacher, »hat einen Beistand, von dem du wenig verstehst – Pater Clemens hat sich des jungen Burschen angenommen, und der fürchtet hundert Teufel so wenig, als ich eine Heerde Gänse.«
»Pater Clemens?« sagte der Schmied; »Ihr macht immer einen neuen Heiligen in dieser guten Stadt St. Johnston. Bitt' Euch, wer mag der Teufelsbändiger sein? Einer Eurer Einsiedler, der sich zum heiligen Werke vorbereitet, wie ein Ringer zum Kampfe, und sich durch Fasten und Buße dazu geschickt macht – nicht so?«
»Nein, das ist das Wunderbare bei der Sache,« sagte Simon; »Vater Clemens ißt, trinkt und lebt ganz wie die anderen Leute – trotzdem beobachtet er streng alle Regeln der Kirche.«
»O, ich begreife! ein lustiger Priester, der lieber fröhlich als heilig lebt, – der am Abend vor Aschermittwoch eine Kanne leert, um sich für die Fasten zu stärken – ein Lebemann, der die artigsten Weiber der Stadt zur Beichte hört?«
»Ihr seid immer noch im Irrthum, Schmied. Ich sag' Euch, meine Tochter und ich können weder einen Fastenden, noch einen vollen Heuchler ausstehen. Aber Pater Clemens ist weder der eine noch der andere.«
»Aber was ist er denn, in des Himmels Namen?«
»Einer, der entweder viel besser ist, als die Hälfte seiner Brüder von St. Johnston zusammengenommen, oder so vielmal schlimmer, als der Schlimmste von ihnen, daß es eine Sünde und Schande wäre, ihn im Lande zu dulden.«
»Mich dünkt, es wäre leicht zu sagen, ob er der eine oder der andre ist,« sagte der Schmied.
»Begnügt Euch, mein Freund,« sagte Simon, »zu wissen, daß, wenn Ihr Pater Clemens nach dem beurtheilt, was Ihr ihn thun sehet und sprechen hört, er Euch als der beste und wohlthätigste Mensch von der Welt erscheinen muß; denn er ist der Trost der Traurigen und der Rath der Dürftigen, der sicherste Führer des Reichen und des Armen bester Freund. Aber hört Ihr auf das, was die Dominikaner von ihm sagen, so ist er – benedicite! (hier bekreuzte sich der Handschuhmacher auf Stirn und Brust) ein schnöder Ketzer, der mittels irdischer Flammen zu denen geschickt werden sollte, welche ewig brennen.«
Der Schmied bekreuzte sich gleichfalls und rief aus: – »Heilige Maria! Vater Simon, und Ihr, der Ihr so viel Einsicht und Verstand habt, daß man Euch den weisen Handschuhmacher von Perth nennt, Ihr duldet, daß Eure Tochter einen Menschen zum Beichtvater hat, der – alle Heiligen schützen uns! – mit dem bösen Feinde selber im Bunde stehen soll? Wie? ist es nicht der Priester, der im Meal-Vennel den Teufel beschwor, als Hodge Jackson's Haus von einem Sturmwind eingerissen wurde? Und erschien nicht der Teufel mitten im Tay mit einem Skapulier und grunzte im Wasser wie ein Meerschwein, an dem Morgen, als unsre schöne Brücke fortgerissen wurde?«
»Ich kann nicht sagen, ob er's that oder nicht,« sagte der Handschuhmacher; »ich weiß nur, daß ich ihn nicht sah. Was Katharina betrifft, so kann man nicht sagen, daß Pater Clemens ihr Beichtvater sei, da dies der alte Pater Francis, der Dominikaner, ist, der ihr heute die Absolution ertheilt hat. Aber die Weiber sind bisweilen eigenwillig, und gewiß ist, daß sie öfter, als ich wünschte, mit Pater Clemens Verathung hält. Und doch ist er mir selber, so oft ich ihn gesprochen habe, so tugendhaft und fromm erschienen, daß ich ihm gern das Heil meiner Seele anvertrauen würde. Es sind schlimme Gerüchte über ihn bei den Dominikanern im Umlauf, das ist wahr; aber was geht das uns Laien an, mein Sohn? Leisten wir unsrer heiligen Mutter Kirche, was ihr gebührt, geben Almosen, beichten, thun die Buße, die uns auferlegt wird, und die Heiligen werden mit uns sein.«
»Ja, sicherlich; und sie werden ein Einsehen haben,« sagte der Schmied, »wegen eines raschen und unglücklichen Schlages, den ein Mann in einem Kampfe austheilt, wenn er sich zu vertheidigen hat; und das ist das einzige Glaubensbekenntniß, mit dem ein Mann in Schottland leben kann, Eure Tochter mag darüber denken, wie sie will. Wahrlich, ein Mann muß zu fechten verstehen, oder sein Leben ist nur auf kurze Frist geliehen in einem Lande, wo Schläge so reichlich fallen. Fünf Rosenobel haben mir für den besten Mann, mit dem ich ein Unglück hatte, Sühne bei unserem Altar verschafft.«