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»So laß uns denn vollends unsere Flasche leeren,« sagte der alte Handschuhmacher; »denn ich höre vom Dominikanerthurm Mitternacht schlagen. Und nun hör' an, Sohn Harry: sei ganz früh an unserm Fenster, das gen Morgen sieht, und gib mir von deiner Ankunft ein Zeichen, indem du leise die Schmiedeweise pfeifst. Ich will dafür sorgen, daß Katharina zum Fenster heraussieht, und so erhältst du für den Rest des Jahres alle Vorrechte eines artigen Valentin; wenn du diese nicht zu deinem Vortheil nutzen kannst, so werde ich glauben müssen, daß, wenn du auch in die Löwenhaut gehüllt bist, dir die Natur doch die langen Ohren des Esels gelassen hat.«

»Amen, Vater,« sagte der Waffenschmied; »ich wünsch' Euch herzlich gute Nacht und Gottes Segen auf Euer Dach und diejenigen, die es deckt. Ihr sollt des Schmieds Signal mit dem Hahnenschrei hören; ich werde gewiß den Herrn ›Hellsänger‹ beschämen.«

So sprechend nahm er Abschied; und obwohl völlig furchtlos, ging er durch die verlassenen Straßen doch sehr vorsichtig nach seiner Behausung, welche im Mill Wind, am westlichen Ende von Perth, lag. </leer> Viertes Kapitel

Was all die Unruh' nun bedeuten mag? Nur eines armen, jungen Herzens Schlag. Dryden.

Der muntere Waffenschmied war, wie man glauben kann, keineswegs träge in Vollzug der Weisung, die ihm sein künftiger Schwiegervater gegeben hatte. Er wandte mehr als gewöhnliche Sorgfalt auf seinen Anzug, indem er diejenigen Stücke, die ein kriegerisches Ansehen hatten, möglichst in Schatten stellte. Er war zu bekannt, um in einer Stadt gänzlich unbewaffnet zu gehen , wo er zwar viele Freunde, aber auch, in Folge seiner früheren Thaten, viele Todfeinde hatte, von denen, wie ihm wohlbewußt war, wenig Schonung zu erwarten stand, wenn sie Anlaß fanden, ihn vortheilhaft anzugreifen. Er trug deshalb unter seiner Kleidung ein Panzerhemd, welches so leicht und fügsam war, daß es ihm in seinen Bewegungen ebenso wenig hinderlich war, als eine Weste der neueren Zeit, während er sich gleichwohl völlig sicher damit fühlen konnte, da er jeden Ring daran selber geschmiedet und an einander gefügt hatte. Ueber dieser Rüstung hatte er, gleich den andern Bürgern seines Alters, die Hosen und das Wams der Niederländer, die zu Ehren des Feiertags von feinstem englischem Tuche, lichtblau mit schwarzem Taffet aufgeschlitzt und mit einer Stickerei von schwarzer Seide ausgenähet waren. Seine Stiefel waren von Korduan und sein Mantel, von derbem, grauem, schottischem Tuche, diente dazu, ein kurzes, im Gürtel steckendes Schwert zu verbergen. Dies war seine einzige Waffe zum Angriff, denn in der Hand trug er nur eine Stechpalme. Seine schwarze Sammetmütze war mit Stahl ausgelegt und zwischen dem Metall und seinem Kopfe mit Wolle gefüttert, so daß sie ein Mittel der Vertheidigung gab, worauf er sich verlassen konnte. Im Ganzen zeigte Harry, wie es ihm wohl zukam, das Ansehen eines reichen und angesehenen Bürgers, der in seiner Kleidung so viel Pracht entfaltete, als er durfte, ohne sich über seinen Stand zu erheben und in den des Adels einzugreifen. Auch hatte sein freies und männliches Benehmen, obwohl es seinen gänzlichen Gleichmuth hinsichtlich der Gefahr anzeigte, doch nicht die geringste Aehnlichkeit mit dem der Raufbolde und Prahler jener Zeit, mit denen man Harry bisweilen, jedoch mit Unrecht, verwechselte, weil man seine häufigen Händel einem heftigen Charakter zuschrieb, dessen Quelle aus dem Bewußtsein seiner persönlichen Stärke und seiner Geschicklichkeit in Führung der Waffen entspringen sollte. Seine Züge trugen vielmehr nur den Ausdruck gutmüthiger Offenheit, die nicht daran dachte, Jemand zu kränken, während sie gleichwohl keinen Angriff fürchtete.

Nachdem er sich auf's Beste angekleidet, steckte der ehrsame Waffenschmied in den Busen, zunächst seinem Herzen (welches dabei heftig klopfte), ein kleines Geschenk, welches er lange schon für Katharina Glover angeschafft hatte, und das seine Eigenschaft als Valentin ihn bald berechtigen sollte ihr zu überreichen, so wie sie, es ohne Bedenken anzunehmen. Es war ein kleiner Rubin, in Form eines von einem goldnen Pfeil durchbohrten Herzens geschnitten, und in ein Kästchen aus Stahlringen von der feinsten Arbeit gefaßt, wie wenn es für einen König bestimmt gewesen wäre. – Rings um den Rand der Kapsel standen die Worte:

»Der Liebe Pfeil

Durchbohrt das Herz

Trotz Panzers Erz.«

Diese Devise hatte dem Waffenschmied einiges Nachdenken gekostet, und er war sehr zufrieden mit seiner Idee, weil sie anzudeuten schien, daß seine Kunst alle Herzen vertheidigen könne, außer sein eignes. Er hüllte sich in seinen Mantel und eilte durch die noch stillen Straßen, entschlossen, noch etwas vor dem Morgengrauen am bezeichneten Fenster zu erscheinen. In dieser Absicht ging er durch die Highstreet und wandte sich über den Platz, wo jetzt St. John's Kirche steht, um nach der Curfewstraße zu gehen; da schien es ihm, nach dem Ansehen des Himmels, als sei es mindestens um eine Stunde zu früh für seinen Zweck, und es sei besser, am Platze des Rendezvous nicht vor der bestimmten Zeit zu erscheinen. Andere Liebhaber mochten wahrscheinlich so gut als er beim Hause des schönen Mädchens von Perth auf der Lauer stehen, und er kannte seine Schwäche zu wohl, um nicht zu fühlen, daß er dann in Gefahr sei, mit ihnen Streit zu beginnen. »Ich habe den Vortheil,« dachte er, »daß Vater Simon mein Freund ist; und warum sollte ich meine Finger mit dem Blute armer Geschöpfe beflecken, die meiner Aufmerksamkeit nicht werth sind, weil sie minder glücklich sind, als ich? Nein, diesmal will ich klug sein und jede Versuchung zum Streite fern von mir halten. Ich will ihnen nur so viel Zeit gönnen, Händel mit mir zu suchen, als nöthig ist, das verabredete Zeichen zu geben, und von Vater Simon Antwort zu erhalten. Ich kann mir's nicht denken, wie er's angreifen wird, seine Tochter an's Fenster zu bringen. Ich fürchte, wenn sie seine Absicht wüßte, würde es Schwierigkeiten haben, sie zu erreichen.«

Während diese Gedanken, wie sie einem Liebhaber eigen, durch sein Hirn zogen, mäßigte der Waffenschmied seinen Schritt, oft die Augen gen Osten wendend und das Firmament beobachtend, wo noch kein leiser grauer Streif erschien, um die Nähe der Frühdämmerung zu verkündigen, obwohl sie nicht fern, so daß es der Ungeduld des rüstigen Waffenschmieds vorkam, als zögere die Morgenröthe diesmal länger als gewöhnlich. Langsam ging er an der Mauer der St. Annenkapelle vorüber (wobei er nicht verfehlte, ein Kreuz zu schlagen und ein Ave zu sprechen, während er den geweihten Boden betrat), als eine Stimme, die hinter einem der Kapellenpfeiler hervorzukommen schien, sagte: »Er schlendert, da ihm noth thäte zu laufen.« »Wer spricht?« sagte der Waffenschmied, sich umschauend und etwas überrascht über eine in Ton und Ausdruck so unerwartete Stimme.

»Thut nichts zur Sache, wer spricht,« antwortete dieselbe Stimme. »Beeile dich sehr, sonst wirst du kaum zur rechten Zeit kommen. Verschwende nicht Worte, sondern geh'.«

»Heiliger oder Bösewicht, Engel oder Teufel,« sagte Harry, sich bekreuzend, »dein Rath geht mich zu nahe an, um vernachlässigt zu werden. Heiliger Valentin, leih' mir Schnelligkeit!«

So sprechend, vertauschte er alsbald seinen langsamen Gang mit einem, dem wohl Wenige Schritt gehalten hätten, und im Augenblick befand er sich in der Curfewstraße. Er hatte noch keine drei Schritte gegen Simon Glover's Haus gethan, das in der Mitte der engen Straße lag, als zwei Männer, die sich zu beiden Seiten an der Mauer aufgestellt hatten, wie durch verabredete Bewegung auf ihn zukamen, um ihm den Weg zu vertreten; das unvollkommene Licht ließ ihn nur unterscheiden, daß sie das hochschottische Gewand trugen.