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Ein Dritter, der einige Minuten lang mit der Fackel auf den Boden geleuchtet hatte, blickte jetzt empor und sprach ebenfalls. Er war ein munterer, rascher, ziemlich korpulenter, kleiner Mann, genannt Oliver Proudfute, wohlhabend und von Geltung in seiner Zunft, welches die der Strumpfwirker war; daher sprach er als ein Mann von Gewicht. – Kannst du uns sagen, lustiger Schmied,« – denn sie erkannten einander bei den Fackeln, die in die Straßen gebracht wurden, – »welcher Art die Schelme waren, die den Aufruhr in unserer Stadt machten?«

»Die zwei, die ich zuerst sah,« antwortete der Waffenschmied, »schienen mir, soviel ich unterscheiden konnte, hochländische Plaids zu tragen.«

»Ganz wahrscheinlich,« antwortete ein anderer Bürger, den Kopf schüttelnd. »Es ist eine Schande, daß die Lücken in unseren Mauern nicht ausgebessert sind, und daß diese landstreicherischen Hochländerschufte ehrliche Männer und Frauen in jeder hinreichend finstern Nacht aus ihren Betten scheuchen können.«

»Aber seht hier, Nachbarn,« sagte Oliver Proudfute, eine blutige Hand zeigend, die er vom Boden aufgehoben hatte; »wann gehörte eine Hand wie diese einem Hochländer? Sie ist groß, das ist wahr, und starkknochig, aber zart wie eine Frauenhand, mit einem Ringe, der wie eine brennende Kerze funkelt. Simon Glover hat wohl schon Handschuhe für diese Hand gemacht, wenn ich mich nicht sehr irre, denn er arbeitet für alle Hofleute.« Die Zuschauer begannen hier mit verschiedenen Bemerkungen das blutige Pfand zu betrachten.

»Wenn das der Fall ist,« sagte einer, »so wird für Harry Schmied das Beste sein, ein paar flinke Fersen zu zeigen, da der Richter den Schutz eines Bürgerhauses schwerlich als Entschuldigung für das Abhauen einer Edelmannshand gelten lassen wird. Die Gesetze über Verstümmelung sind hart.«

»Pfui über Euch, daß Ihr so sagen könnt, Michael Wabster,« antwortete der Strumpfwirker; »sind wir nicht Stellvertreter und Nachkommen der wackern, alten Römer, welche Perth so ähnlich als möglich ihrer eigenen Stadt erbauten? Haben wir nicht Urkunden von all' unsern erlauchten Königen, die uns für ihre getreuen Unterthanen erklärten ? Wolltet Ihr zusehen, daß wir unsern Rechten, Gerechtsamen, Freiheiten, unserer hohen, mittlern und niedern Gerichtsbarkeit und unserm Rechte entsagten, Geldbußen, Verpfändungen und selbst Todesstrafe zu verhängen, falls einer auf frischer That ertappt wird? Dürfen wir dulden, daß das Haus eines ehrbaren Bürgers angegriffen wird, ohne daß er dafür Genugthuung erhält? Nein, wackere Genossen, Mitbrüder und Bürger, der Tag soll eher nach Dunkeld zurückfließen, ehe wir uns solcher Ungerechtigkeit unterwerfen!«

»Und wie können wir uns helfen?« sagte ein würdiger, alter Mann, der auf sein zweihändiges Schwert gelehnt stand – »was können wir thun?«

»Wahrlich, Bailie Craigdallie, mich wundert, daß Ihr unter Allen die Frage thut. Ich wollte, wir gingen von hier Alle mit einander als brave Leute vor den König, selbst auf die Gefahr, seine Ruhe zu stören, stellten ihm vor, wie mißlich es für uns sei, zu gegenwärtiger Jahreszeit das Bett verlassen zu müssen, beinahe ohne alle andere Bedeckung, als das Hemd, zeigten ihm diese blutige Hand und bäten ihn, mit seinem königlichen Munde zu entscheiden, ob es recht und billig sei, daß seine getreuen Unterthanen durch die Ritter und Edeln seines ausschweifenden Hofes derartig behandelt werden. Und das hieße ich unsere Sache frisch verfechten.«

»Frisch, sagst du?« erwiderte der alte Bürger; »ei, so frisch und warm, daß wir Alle vor Kälte sterben würden, Freund, ehe der Thürsteher den Schlüssel im Schloß umgedreht hätte, uns vor den König zu lassen. – Kommt, Freunde, die Nacht ist bitter. – Wir haben unsere Wache als Männer gehalten und unser wackerer

Schmied hat zwei von denen, die uns eine Unbill anthun wollten, eine Lehre gegeben, die mehr fruchten wird, als zwanzig Bescheide des Königs. Morgen ist wieder ein Tag, da wollen wir wieder hier zusammenkommen, um über die Maßregeln Rath zu halten, die ergriffen werden müssen, um die Schurken zu entdecken und zu verfolgen. Und daher laßt uns jetzt gehen, bevor uns das Blut in den Adern erstarrt.«

»Bravo, bravo, Nachbar Craigdallie – St. Johnston lebe hoch!«

Oliver Proudfute hätte gern noch gesprochen, denn er war einer jener erbarmungslosen Redner, welche meinen, daß ihre Beredsamkeit alle Unbequemlichkeiten der Zeit, des Orts und der Umstände aufwiegt. Aber Keiner wollte mehr hören, und die Bürger zerstreuten sich nach ihren Häusern beim Lichte der Frühdämmerung, welche den Horizont zu färben begann.«

Sie waren kaum gegangen, als sich die Thüre von Glovers Hause öffnete und der alte Mann, den Schmied bei der Hand nehmend, diesen hineinzog.

»Wo ist der Gefangene?« fragte der Waffenschmied.

» Er ist fort – entflohen – entkommen – was weiß ich von ihm?« sagte der Handschuhmacher. »Er entkam durch die Hinterthür und so durch den kleinen Garten. – Denkt seiner nicht, sondern kommt und seht die Valentine, deren Ehre und Leben Ihr diesen Morgen gerettet habt.«

»Laßt mich nur die Waffe in die Scheide stecken,« sagte der Schmied – »laßt mich nur meine Hände waschen.«

»Da ist kein Augenblick zu verlieren, sie ist auf und fast angekleidet. – Herein, Freund. Sie soll dich sehen mit deiner guten Wehr in der Hand und mit Schurkenblut an deinen Fingern, damit sie erkennt, was eines ächten Mannes Dienst werth ist. Sie hat mir den Mund nur zu lange mit ihrer Sprödigkeit und ihrer Bedenklichkeit geschlossen. Ich will, daß sie wisse, was eines braven Mannes Liebe gilt und eines kühnen Bürgers obendrein.«

Fünftes Kapitel

Auf, schöne Dame, kämm' dein Haar,

Komm in den Morgen frisch und klar;

Auf, flieh' das Bett, die Stunden floh'n.

Die Kräh'n umschrien den Thurm längst schon.

                                          Joanna Baillie

Durch den lärmenden Auftritt aus ihrer Ruhe emporgeschreckt, hatte das schöne Mädchen von Perth in athemloser Angst den Tönen der Gewaltthat und dem Geschrei gelauscht, welches sich auf der Straße erhob. Sie war im Gebet um Hilfe auf ihre Kniee gesunken, und als sie die Stimmen der Nachbarn und Freunde unterschied, die sich zu ihrem Schutze versammelten, blieb sie in derselben Stellung, um dem Himmel zu danken. Sie kniete noch, als der Vater ihren Kämpen, Harry Schmied, fast in das Zimmer stieß; der schüchterne Liebhaber blieb anfangs unter der Thür stehen, als fürchtete er zu beleidigen, und dann, als er ihre Lage bemerkte, aus Ehrfurcht vor ihrer Andacht.

»Vater,« sagte der Waffenschmied, »sie betet – ich wage so wenig, sie anzureden, als einen Bischof, wenn er die Messe liest.«

»Nun, wie du denkst, tapferer und muthiger Thor,« sagte der Vater; »und dann fügte er, seine Tochter anredend, hinzu: »man dankt dem Himmel am besten, meine Tochter, durch Dankbarkeit, die wir gegen unsre Mitmenschen an den Tag legen. Hier kommt das Werkzeug, durch welches dich Gott vom Tode oder vielleicht vor Entehrung, schlimmer als der Tod, errettete. Nimm ihn auf, Katharina, als deinen redlichen Valentin, und als den, in welchem ich meinen lieben Sohn zu sehen wünsche.«

»Nicht so – Vater,« antwortete Katharina. »Ich kann jetzt Niemand sehen oder sprechen. Ich bin nicht undankbar – vielleicht bin ich dem Werkzeuge meiner Rettung nur zu dankbar; aber laßt mich dem Schutzheiligen danken, der mir zur rechten Zeit Hilfe sandte, und gebt mir nur einen Augenblick, meinen Anzug zu vollenden.«

»Nun, bei Gott, Mädchen, es wäre hart, dir die Zeit zum Ankleiden zu versagen, denn seit zehn Tagen ist das die einige weibliche Rede, die du hast hören lassen. Wahrhaftig, Sohn Harry, ich wollte, meine Tochter erlebte die Zeit, um eine ganze Heilige zu werden, wo man sie als die heilige Katharina die Zweite kanonisiren wird.«