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»Ei, scherzt nicht, Vater; denn ich will schwören, sie hat mindestens schon einen aufrichtigen Verehrer, der sich ihrem Willen geweiht hat, so gut es ein sündiger Mensch vermag. – Lebe denn wohl für den Augenblick, schönes Mädchen,« schloß er, seine Stimme erhebend, »und der Himmel sende dir Träume, so friedlich als deine Gedanken im Wachen. Ich gehe, um deinen Schlummer zu behüten, und wehe dem, der ihn stören sollte!«

»Ach, guter und tapferer Harry, dessen warmes Herz so im Widerspruch mit deiner rauhen Hand steht, laß dich selbst nicht wieder in nächtliche Händel ein; nimm aber den freundlichsten Dank, und zugleich versuche die friedlichen Gedanken zu gewinnen, die du mir zuschreibst. Am Morgen werden wir uns sehen, damit ich Euch meiner Dankbarkeit versichern kann; – lebt wohl!«

»Und lebt wohl, Gebieterin und Licht meines Herzens!« sagte der Waffenschmied, und die Treppe niedersteigend, die nach Katharinens Gemach führte, war er im Begriff, auf die Straße zu eilen, als der Handschuhmacher ihn am Arm ergriff.

»Der Kampf von heute Nacht,« sagte er, »wird mir das Waffenklirren angenehmer machen, als ich je dachte, wenn es meine Tochter zu Verstande bringt, Harry, und sie lehrt, was du werth bist. Bei St. Macgrider! Ich liebe sogar jene Nachtschwärmer, und mich dauert der arme Liebhaber, dessen Linke nie wieder einen Schild tragen wird. Ja, er hat das verloren, was er Zeit seines Lebens vermissen wird, vorzüglich so oft er seine Handschuhe anziehen will, – ja, er wird künftig meinem Handwerke nur halbe Gebühren zahlen. – Wahrlich, keinen Schritt aus diesem Hause heut' Nacht,« – fuhr er fort. »Ich sage dir, du sollst uns nicht verlassen, mein Sohn.«

»Das gedenk' ich nicht. Aber mit Eurer Erlaubniß will ich auf der Straße Wache halten. Der Angriff könnte erneuert werden.«

»Und wenn auch,« sagte Simon, »so wirst du hier besser im Stande sein, sie abzutreiben, wenn du die vortheilhafte Stellung im Hause hast. Diese Weise zu fechten schickt sich für uns Bürger am besten – die nämlich, hinter steinernen Mauern Widerstand zu leisten. Unsere Pflicht, zu wachen für Sicherheit, lehrt uns diesen Kunstgriff; überdieß sind genug wach und munter, um uns bis zum Morgen Frieden und Ruhe zu sichern. So komm denn herein.«

Mit diesen Worten zog er Harry, der nicht ungern folgte, in dasselbe Gemach, wo sie zu Abend gespeist hatten, und wo die alte Frau, die munter war, weil sie gleich Andern der nächtliche Lärm gestört hatte, bald Feuer anmachte.

»Und nun, mein tapfrer Sohn,« sagte der Handschuhmacher, »sprich, welch' Getränk du willst, die Gesundheit deines Vaters zu trinken?«

Harry Schmied hatte sich mechanisch auf einen alten, schwarzen Stuhl von Eichenholz niedersinken lassen, und starrte nun auf das Feuer, welches seine mannhaften Züge mit rother Gluth bestrahlte; halblaut murmelte er zu sich selber: – »Guter Harry – braver Harry – ach! hätte sie nur gesagt; lieber Harry!«

»Was sind das für Getränke?« sagte der alte Glover lachend. »Mein Keller weiß nichts von dergleichen; aber wenn ich mit Sekt, Rheinwein oder Gascogner dienen kann, ei, so sagt es nur, und die Flasche soll schäumen – das ist Alles.«

»Den freundlichsten Dank,« sagte der Waffenschmied, noch immer sinnend, – »das ist mehr, als sie je vorher zu mir sagte – den freundlichsten Dank – wozu kann das führen?«

»Gewiß zum Besten, Freund,« sagte der Handschuhmacher, »wenn du nur mit dir reden läßt und sagst, was du zum Morgentrunk haben willst.«

»Was du willst, Vater,« antwortete der Waffenschmied gleichgiltig und verfiel wieder in die Betrachtung der Rede Katharinens. »Sie sprach von meinem warmen Herzen; aber sie sprach auch von meiner rauhen Hand. Was auf der Welt kann ich thun, um diese Fechterlaune los zu werden? Gewiß hieb' ich am besten meine Rechte ab und nagelte sie an eine Kirchthür, damit sie mich nie mehr Vorwürfen aussetzte.«

»Ihr habt für eine Nacht Hände genug abgehauen,« sagte sein Freund, eine Flasche Wein auf den Tisch setzend. »Was quälst du dich selber, mein Sohn? Sie würde dich schon doppelt lieben, sähe sie nicht, wie du in sie verliebt bist. Aber es wird nun ernsthaft. Ich mag nicht Gefahr laufen, meine Werkstätte zerstört und mein Haus geplündert zu sehen von den wilden Dienern der Edelleute, weil man sie das schöne Mädchen von Perth zu nennen beliebt. Nein, sie soll wissen, daß ich ihr Vater bin, und ich will den Gehorsam haben, wozu mich Gesetz und Evangelium berechtigen. Ich will, sie soll dein Weib werden, Harry, mein Goldsohn – dein Weib, mein Bester, und das, ehe viele Wochen vergehen. Wohlan, das gilt deiner fröhlichen Hochzeit, wackrer Schmid!«

Der Vater leerte einen großen Becher und füllte ihn dann für den Sohn seiner Wahl, der ihn langsam zum Munde erhob; dann, eh' er ihn an die Lippen gebracht hatte, stellte er ihn plötzlich wieder auf den Tisch und schüttelte das Haupt.

»Nun, wenn du mir nicht bei solcher Gesundheit Bescheid thun willst, so weiß ich keine bessere,« sagte Simon. »Was magst du im Sinn haben, närrischer Bursche? Hier ist ein Fall vorgekommen, der sie gewissermaßen in deine Macht gibt, da von einem Ende der Stadt bis zum andern Jedermann sie verachten würde, wenn sie Nein spräche. Hier bin ich ihr Vater, der nicht nur seine Einwilligung zu der Heirath gibt, sondern Euch auch gern so fest verbunden sehen will, als je eine Nadel Bocksleder zusammenfügte. Und während so Glück, Vater und Alles auf deiner Seite ist, siehst du wie ein trauriger Liebhaber in einer Ballade aus, ähnlicher Einem, der sich in den Tay stürzen will, als Einem, der um ein Mädchen zu werben gedenkt, das du ohne Mühe haben kannst, wenn du nur den glücklichen Augenblick wählst.«

»Ach, aber dieser glückliche Augenblick, Vater! Es scheint mir sehr die Frage, ob Katharina je einen solchen Moment in diesem Leben haben wird, um einen groben, unwissenden Mann, wie mich, anzuhören. Ich kann nicht sagen, wie es ist, Vater; anderswo kann ich mein Haupt kühn tragen, wie ein anderer Mann, aber bei Eurer frommen Tochter verliere ich Herz und Muth, und ich kann nicht umhin, zu denken, daß es eben so gut wäre, wie Tempelraub, wenn ich mir ihre Zuneigung erschliche. Ihre Gedanken sind zu sehr auf den Himmel gerichtet, um für einen Meinesgleichen verschwendet zu werden.«

»Ganz wie es Euch beliebt, Harry,« sagte der Handschuhmacher. »Meine Tochter drängt sich auch so wenig auf, als ich – ein hübscher Antrag ist keine Ursache zum Krieg; – nur wenn Ihr meint, ich werde ihren närrischen Gedanken an ein Kloster nachgeben, so verlaßt Euch darauf, daß ich denselben nie Gehör geben werde. Ich liebe und ehre die Kirche,« sagte er, sich bekreuzend. »Ich entrichte gern und gehörig ihre Gebühren, Zehnten und Almosen; Wein und Wachs entricht' ich, wie ich sage, so genau, als irgend ein Mann von meinen Mitteln in Perth; aber ich kann der Kirche mein alleiniges und einziges Lämmchen, das ich habe, nicht geben. Ihre Mutter war mir auf Erden lieb und ist nun ein Engel im Himmel, Katharina ist Alles, was ich habe, um mich an den Verlust Jener zu erinnern; und geht sie in's Kloster, so wird es geschehen, wenn sich diese alten Augen auf ewig geschlossen haben, aber eher nicht. Was jedoch Euch betrifft, Freund Gow, so bitt' ich Euch, daß Ihr so thut, wie es Euch selber am besten gefällt. Ich will Euch wahrlich kein Weib aufzwingen.«

»Ach, da schmiedet Ihr nun das Eisen zwei Mal,« sagte Harry. »So endigen wir immer, Vater; Ihr werdet auf mich böse, weil ich nicht thue, was mich zum glücklichsten Menschen machen würde, wenn ich es vermöchte. Wenn in meinem Herzen ein einziger Tropfen Blutes fließt, der nicht mehr Eurer Tochter als mir selber angehörte, so soll im Augenblick der schärfste Stahl, den ich jemals schmiedete, dasselbe durchbohren. Aber was fordert Ihr? Kann ich weniger Achtung vor ihr haben, als sie verdient, oder mich höher stellen, als ich bin? Was Euch leicht und einfach dünkt, ist für mich eben so schwierig, als ein Panzerhemd aus Hanf zu machen. – Aber dieß gilt Euer Wohl, Vater,« fügte er in heiterem Tone hinzu; »und hier das Wohl meiner schönen Heiligen und meiner Valentine, was hoffentlich für dieß Jahr Eure Tochter sein wird. Ich will Euch nicht länger abhalten, Euer Haupt auf's Kissen zu legen; dann führt mich an's Gemach Eurer Tochter, bittet sie für mich um Erlaubniß, eintreten und ihr einen guten Morgen wünschen zu dürfen, und der Heiterste will ich sein, den die Sonne in der Stadt und meilenweit ringsum begrüßen wird!«