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»Kein übler Rath, mein Sohn,« sagte der ehrliche Glover; »aber was werdet Ihr thun? willst du mir zur Seite liegen, oder Conachars Bett theilen.«

»Keines von beiden,« antwortete Harry Gow; »ich würde Eure Ruhe nur stören; und mir ist dieser bequeme Stuhl ein Dunenbett werth, und wie eine Schildwache will ich schlafen, mit den Waffen an der Seite.«

Bei diesen Worten legte er die Hand an's Schwert.

»Ach, der Himmel gebe, daß wir keine Waffen mehr brauchen. – Gute Nacht, oder vielmehr guten Morgen, bis der Tag uns weckt – wer zuerst erwacht, mag den Andern rufen.«

So schieden die beiden Bürger. Der Handschuhmacher ging in sein Bett, und, wie sich vermuthen läßt, zur Ruhe. Der Liebhaber war nicht so glücklich. Sein starker Körper ertrug leicht die Anstrengung, die er im Laufe der Nacht erduldet hatte, aber sein Geist war minder abgehärtet. In einer Beziehung war er nur der muthige Bürger seiner Zeit; stolz darauf, in der Kunst, die Waffen zu handhaben, sich ebenso auszuzeichnen, wie in der, sie zu fertigen, hatte seine Eifersucht gegen Handwerksgenossen, seine persönliche Stärke und Gewandtheit im Fechten ihn in viele Händel verwickelt, die ihn allgemein gefürchtet machten und ihm selbst viele Feinde zugezogen hatten. Er verband jedoch mit diesen Eigenschaften die Güte und Treuherzigkeit eines Kindes, und zugleich eine hohe Einbildungskraft und Begeisterung, die mit seinen Arbeiten am Herde oder seinen Kämpfen wenig im Einklang zu stehen schienen. Das Feuer und Ungestüm, welches er aus alten Balladen geschöpft hatte, oder aus Romanzen, der einzigen Quelle von Allem, was er wußte, hatten ihn vielleicht zum Theil zu manchen seiner Thaten begeistert, die für ihn häufig das Ansehen des Ritterthums hatten. Zum mindesten war er überzeugt, daß seine Liebe zu der schönen Katharina eine Zartheit hatte, wie sie dem niederen Knappen geziemt hätte, der, wenn man der Ballade glauben will, mit dem Lächeln der ungarischen Königstochter geehrt wurde. Seine Gefühle für sie waren eben so schwärmerisch, als hätten sie einen wahren Engel zum Gegenstande gehabt; und daher glaubte der alte Simon und Alle, die ihn beobachteten, seine Leidenschaft sei zu erhabener Art, als daß er sein Glück bei einem Mädchen machen könnte, das aus demselben Stoffe wie andere Sterbliche gemacht wäre. Sie irrten sich jedoch. So bescheiden und zurückhaltend Katharina war, besaß sie doch ein Herz, welches die Beschaffenheit und die Tiefe der Leidenschaft des Waffenschmieds fühlen und verstehen konnte; und ob sie nun diese erwiderte oder nicht, jedenfalls war sie doch auf die Anhänglichkeit des gefürchteten Harry Gow im Stillen eben so stolz, als es die Heldin eines Romans auf die Gesellschaft eines zahmen Löwen sein könnte, der ihr zu Schutz und Vertheidigung folgt. Mit Empfindungen der aufrichtigsten Dankbarkeit erinnerte sie sich, als sie am Morgen erwachte, der Dienste Harry's im Lauf der ereignißvollen Nacht, und ihr erster Gedanke war, wie sie ihm diese Empfindungen deutlich machen möchte.

Hastig vom Lager aufstehend und fast über ihren Vorsatz erröthend, sagte sie zu sich selbst: »Ich bin kalt gegen ihn gewesen und vielleicht ungerecht; ich will nicht undankbar sein, obwohl ich seinen Wünschen nicht entsprechen kann; ich will nicht warten, bis mich mein Vater antreibt, ihn als meinen Valentin für das Jahr zu empfangen; ich will ihn aufsuchen und ihn selbst wählen. Ich habe andere Mädchen für kühn gehalten, wenn sie so etwas thaten; aber ich werde so meinen Vater am besten erfreuen und nur gegen den guten St. Valentin den schuldigen Brauch erfüllen, wenn ich mich diesem tapfern Manne dankbar bezeige.«

Eilig warf sie ihre Kleider um, welche indeß nicht ganz in der gewohnten Weise geordnet waren, lief die Treppe hinab und öffnete die Thür des Zimmers, worin, wie sie vermuthete, ihr Liebhaber die Stunden nach dem Gefecht zugebracht hatte. Katharina hielt an der Thür inne und trug fast Bedenken, ihren Vorsatz auszuführen, der nicht nur erlaubte, sondern sogar erforderte, daß die Valentine des Jahres ihre Verbindung mit einem zärtlichen Kusse beginnen mußte. Man betrachtete es als eine besonders günstige Vorbedeutung, wenn der eine Theil den andern schlafend finden konnte, um ihn durch jene interessante Ceremonie zu erwecken.

Nie bot sich eine schönere Gelegenheit, dieß geheimnißvolle Band zu knüpfen, als die, welche jetzt Katharina fand. Nach vielen und mannigfachen Gedanken war der muthige Waffenschmied endlich in dem Lehnstuhle, wo er sich niedergelassen, vom Schlaf überwältigt worden. Seine Züge hatten im Schlummer einen festern und männlichern Anstrich, als Katharina geglaubt hatte, die ihn bis jetzt immer nur sah, wie er zwischen Schüchternheit und Furcht, ihr zu mißfallen, schwankte, und daher gewohnt war, keinen besonders geistreichen Ausdruck in seinen Zügen zu entdecken.

»Er sieht sehr ernst aus,« sagte sie; »wenn er unwillig werden sollte – und wenn er dann erwacht – wir sind allein – ob ich wohl Dorothee rufe – oder meinen Vater wecke – aber nein, es ist ein hergebrachter Brauch, und wird in aller jungfräulichen und schwesterlichen Liebe und Ehre geübt. Ich will nicht glauben, daß Harry es mißdeuten könne und kindische Schüchternheit soll meine Dankbarkeit nicht in Schlaf bringen.«

So sagend, ging sie leichten, obwohl zögernden Schrittes durch das Zimmer, während sich bei ihrem Vorhaben ihre Wange dunkelroth färbte; und zu dem Stuhle des Schläfers schlüpfend, drückte sie einen Kuß auf seine Lippen, so leicht, als wäre ein Rosenblatt darauf gefallen. Der Schlummer mußte leicht gewesen sein, den eine solche Berührung unterbrechen konnte, und die Träume des Schläfers mußten mit der Ursache der Unterbrechung im Zusammenhange stehen, da Harry, sogleich sich erhebend, das Mädchen mit den Armen umfing und entzückt die Liebkosung zu erwidern suchte, welche seine Ruhe unterbrochen hatte. Aber Katharina widerstand seiner Umarmung, und da ihr Widerstreben mehr aus besorglicher Züchtigkeit, als aus falscher Scham zu entspringen schien, so ließ sie der schüchterne Liebhaber seiner Umarmung sich entwinden, aus der sie sonst, und wäre sie zehn Mal stärker gewesen, sich nicht hätte befreien können.

»Nein, seid nicht böse, guter Harry,« sagte Katharina in dem freundlichsten Tone zu ihrem überraschten Liebhaber. »Ich habe St. Valentin sein Recht gethan, um zu zeigen, wie sehr ich den Freund schätze, den er mir für das Jahr gesendet hat. Laßt aber meinen Vater erst gegenwärtig sein, und ich will Euch nicht hindern, die Rache zu nehmen, zu welcher Ihr für den gestörten Schlaf berechtigt seid.«

»Laßt dies kein Hinderniß sein,« sagte der alte Glover, entzückt in's Gemach eilend. – »Hin zu ihr, Schmied, hin zu ihr, und lehrt sie, was es heißt, einen Hund im Schlafe zu stören.«

So ermuthigt umfaßte Harry, obwohl vielleicht mit minder beunruhigender Lebhaftigkeit, das erröthende Mädchen wieder mit seinen Armen, welche mit ziemlicher Huld gestattete, daß ihr Kuß erwidert und ein Dutzend Mal wiederholt ward, welches mit einer Energie geschah, sehr verschieden von der Art, durch welche eine so strenge Vergeltung verursacht war. Endlich wand sie sich wieder aus ihres Liebhabers Armen, und, als wäre sie erschrocken und reuevoll über das, was sie gethan, warf sie sich auf einen Stuhl und bedeckte ihr Gesicht mit den Händen.

»Blick' auf, du thörichtes Mädchen.« sagte ihr Vater, »und schäme dich nicht, daß du die zwei glücklichsten Männer in Perth gemacht hast, da dein alter Vater einer von ihnen ist. Nie war ein Kuß so gut angebracht, und es war billig, daß er gehörig zurückgegeben wurde. »Blick' auf, mein Liebling, blick' auf, und laß mich nur ein Lächeln von dir sehen. Auf mein Ehrenwort, die Sonne, die jetzt über unsere schöne Stadt emporsteigt, kann mir nichts zeigen, was mich glücklicher machte. Wie,« fuhr er in scherzendem Tone fort, »glaubtest du Jamie Keddie's, des Schneiders, Ring zu besitzen und unsichtbar zu sein? Aber nein, meine Morgenfee: gerade als ich aufstehen wollte, hörte ich deine Kammerthür aufgehen und beobachtete dich, wie du die Treppe hinabstiegst – nicht um dich gegen diesen schlaftrunkenen Harry zu schützen, sondern mit eigenen erfreuten Blicken zu sehen, wie mein liebes Mädchen das that, was ihr Vater besonders wünschte. – Nun, herab mit den thörichten Händen, und wenn du auch ein Bischen erröthest, so schickt es sich nur desto besser zum St. Valentinsmorgen, denn da steht einer Mädchenwange das Roth vorzüglich.«