»Laßt mich sie Euch anlegen,« sagte der Schmied, noch näher an ihre Seite rückend. »Sie mögen anfangs ein wenig knapp scheinen und Ihr werdet einige Hilfe brauchen.«
»Ihr seid geschickt in Eurem Beistand,« guter Harry Gow,« sagte das Mädchen lächelnd, zu gleicher Zeit aber sich weiter von dem Liebhaber entfernend.
»Wahrhaftig, nein,« sagte Harry, den Kopf schüttelnd, »meine Erfahrung beschränkt sich darauf, geharnischten Rittern Blechhandschuhe anzuziehen, weniger aber, Jungfrauen gestickte Handschuhe anzupassen.«
»So will ich Euch nicht weiter bemühen und Dorothee soll mir helfen – obwohl keine Hilfe vonnöthen ist – meines Vaters Augen und Finger sind zuverlässig in seiner Kunst; welche Arbeit durch seine Hände geht, entspricht immer genau dem Maße.«
»Laßt mich davon überzeugt werden,« sagte der Schmied; »laßt mich sehen, daß diese niedlichen Handschuhe genau zu den Händen passen, für die sie gemacht sind.«
»Ein andermal, guter Heinrich,« antwortete das Mädchen. »Ich will die Handschuhe zu Ehren St. Valentins tragen und ebenso zu Ehren des Freundes, den er mir für das Jahr gesendet hat. Ich wünschte beim Himmel, ich könnte meinem Vater in wichtigern Angelegenheiten zu Willen sein – gegenwärtig vermehrt der Duft des Leders mir das Kopfweh, welches ich seit dem Morgen habe.«
»Kopfweh, theuerstes Mädchen?« wiederholte ihr Liebhaber.
»Wollt Ihr es Herzweh nennen, so werdet Ihr nicht Unrecht haben,« sagte Katharina mit einem Seufzer, und fuhr in einem sehr ernsten Tone zu sprechen fort. »Harry,« sagte sie, »vielleicht werde ich jetzt so kühn sein, als ich Euch diesen Morgen mich zu zeigen schien, denn ich beginne von einer Sache mit Euch zu reden, in der ich zuerst Euch hören und dann antworten sollte. Nach dem aber, was diesen Morgen geschehen ist, kann ich nicht umhin, mich zu erklären, wie ich gegen Euch gesinnt bin, ohne Gefahr zu laufen, daß Ihr mich mißverstehen möchtet. Nein, antwortet mir nicht, bis Ihr mich gehört habt. Ihr seid brav, Harry, mehr als die meisten Männer, ehrbar und zuverlässig, wie der Stahl, in dem Ihr arbeitet –«
»Haltet, haltet ein, Katharina, um des Himmels Willen! Ihr sagtet in Betreff meiner nie so viel Gutes, außer um einen bittern Tadel einzuleiten, dessen Herold Euer Lob war. Ich bin ehrlich u. s. w. wolltet Ihr sagen, aber ein hitzköpfiger Händelsucher, ein gemeiner Klopffechter und Raufbold.«
»Ich würde sowohl mich als Euch beleidigen, wollt' ich Euch so nennen. Nein, Harry, keinem gemeinen Raufbold, und trüg' er eine Feder auf der Mütze und goldene Sporen an den Fersen, würde Katharina Glover je die kleine Gunst erwiesen haben, die sie Euch heute freiwillig bot. Hab' ich auch manchmal ernstlich gerügt, daß Euer Sinn zum Zorn, Eure Hand zum Kampfe geneigt ist, so wollte ich damit im glücklichen Falle bewirken, daß Ihr die Sünden der Eitelkeit und leidenschaftlichen Hitze, deren Ihr Euch allzuleicht hingebt, hassen solltet. Ich sprach von diesem Gegenstande mehr, um Euer Gewissen anzuregen, als um meine Meinung auszusprechen. Ich weiß so gut als mein Vater, daß man in diesen unheilvollen, unruhigen Zeiten auf die Sitten unserer und selbst aller christlichen Völker sich berufen kann, um die Gewohnheit zu entschuldigen, von der unbedeutendsten Kleinigkeit Anlaß zu blutigem Streit zu nehmen, für die kleinste Kränkung sich furchtbar zu rächen, und sich der Ehre, oft der bloßen Ergötzlichkeit wegen einander den Hals zu brechen. Doch weiß ich auch, daß dies eben so viel Uebertretungen sind, wofür wir einst vor Gericht gezogen werden, und ich möchte Euch, mein tapferer, edler Freund, überzeugen, daß Ihr öfter dem Rathe Eures guten Herzens folgen und auf die Stärke und Gewandtheit Eures erbarmenlosen Armes minder stolz sein solltet.«
»Ich bin – ich bin überzeugt, Katharina,« rief Harry aus; »deine Worte sollen fortan Gesetz für mich sein. Ich habe genug gethan, nur allzuviel, in der That, um meine Körperstärke und meinen Muth zu bewähren. Von Euch allein jedoch, Katharina, kann ich lernen besser zu denken. Bedenkt, meine schönste Valentine, daß mein Ehrgeiz, mich durch Waffenthaten auszuzeichnen, und mein kampflustiger Sinn, wenn ich so sagen darf, gegen meine Vernunft und meinen sanfteren Charakter nicht mit gleichen Waffen streiten; sie werden durch Ursachen, die mir unbekannt sind, geweckt und ermuthigt. Entsteht ein Streit, und ich soll, wie Ihr rathet, mich nicht darein mengen, – glaubt Ihr dann, es stehe mir frei, zwischen Krieg und Frieden zu wählen? Nein, bei der heiligen Maria! hundert Stimmen erheben sich ringsum, mich anzufeuern. »Was, Schmied! ist deine Klinge rostig?« sagt der Eine. »Harry Gow will diesen Morgen nichts von Händeln hören,« fügt ein Zweiter hinzu. »Schlage dich für die Ehre Perths,« sagt Mylord, der Profoß. »Harry nimmt's mit Allen auf, und ich wette einen Rosenobel für ihn' sagt vielleicht Euer Vater selber. Was soll nun ein armer Schelm, wie ich, thun, Katharina, wenn ihm so alle Welt in des Teufels Namen zusetzt, und auf der andern Seite keine Seele ist, die ihm nur ein Wort entgegensetzte?«
»Nun, ich weiß, daß der Teufel Gehilfen genug hat, um seine Werke auszubreiten,« sagte Katharina; »aber es ist unsere Pflicht, seinen eiteln Gründen zu widerstehen, obwohl sie selbst von denjenigen vorgebracht werden mögen, denen wir Liebe und Ehrerbietung schuldig sind.«
»Dann gibt es Minstrels mit ihren Romanzen und Balladen, welche jedes Mannes Ruhm darein setzen, Schläge zu empfangen und auszutheilen. Ihr könnt Euch nicht denken, Katharina, wie viele meiner Sünden der blinde Harry, der Minstrel, zu verantworten hat. Theile ich einen gutgeführten Hieb aus, so geschieht es nicht (St. Johann sei mein Zeuge!) um Jemand zu kränken, sondern nur, um wie William Wallace zu schlagen.«
Des Minstrels Namensvetter sprach dies in einem Tone so reuevollen Ernstes, daß sich Katharina kaum eines Lächelns enthalten konnte; trotzdem aber versicherte sie ihn, daß die Gefährdung seines und des Lebens anderer Menschen keinen Augenblick für so unbedeutende Dinge in Betracht kommen dürfe.«
»Ja, aber,« erwiderte Harry, durch ihr Lächeln kühn gemacht, »mich dünkt nun, die gute Sache des Friedens könne nicht besser gedeihen, als durch einen Verfechter. Denkt Euch z. B., ich könnte, wenn man mich drängt und treibt zu den Waffen zu greifen, ich könnte mich da erinnern, zu Hause einen Schutzengel zu haben, dessen Bild mir ganz leise zuzuflüstern schiene: >Keine Gewalt, Harry, es ist meine Hand, die du mit Blut zu bedecken im Begriff bist. Begib dich in keine unnütze Gefahr, Harry; es ist meine Brust, die du ihr aussetzest.< Solche Gedanken würden mehr Wirkung bei mir thun, als wenn jeder Mönch in Perth mir zuriefe: »Halt' die Hand zurück, bei Strafe des Kirchenbannes.«
»Wenn eine Warnung der Art durch die Stimme schwesterlicher Freundschaft in dem Streite Gewicht haben kann,« sagte Katharina, »so denkt, daß Ihr im Streite diese Hand mit Blut färbt; daß, wenn Ihr Wunden empfangt, dies Herz verletzt wird.«
Den Schmied ermuthigte der wirklich zärtliche Ton, in welchem diese Worte gesprochen wurden.
»Und warum erstreckt Ihr Eure Theilnahme nicht um einen Grad über diese kalten Schranken hinaus? Warum, wenn Ihr so freundlich und großmüthig seid, zu bekennen, daß Ihr an dem armen unwissenden Sünder, der vor Euch steht, einigen Antheil nehmt, warum nehmt Ihr ihn dann nicht zugleich zu Eurem Schüler und Gatten an? Euer Vater wünscht es, die Stadt erwartet es; Handschuhmacher und Schmiede bereiten ihre Lustbarkeiten vor; und Ihr, blos Ihr, deren Worte so schön und freundlich sind, Ihr wollt Eure Zustimmung nicht geben!«
»Harry,« sagte Katharina mit leiser und zitternder Stimme, »glaubt mir, ich sollte es für Pflicht halten, meines Vaters Befehle zu befolgen, wären nicht unüberwindliche Hindernisse gegen das Bündniß, welches er beabsichtigt.«
»Aber erwägt – erwägt nur einen Augenblick. Ich habe wenig für mich selbst zu sagen im Vergleich zu Euch, die Ihr lesen und schreiben könnt. Aber dann wünschte ich lesen zu hören, und könnte Eurer süßen Stimme ewig lauschen. Ihr liebt die Musik, und ich lernte die Harfe spielen und singen, gleich andern Minstrels. Es macht Euch Vergnügen, mildthätig zu sein; ich habe die Mittel zu geben, ohne Gefahr mich zu entblößen; ich könnte täglich eben so viel Almosen geben, als ein Almosenpfleger gibt, ohne daß ich Etwas entbehrte. Euer Vater wird alt und kann nicht mehr arbeiten, wie seither; er könnte bei uns wohnen, denn ich betrachte ihn ganz als meinen Vater. Vor allen leichtsinnigen Händeln würd' ich mich ebenso hüten, wie davor, meine Hände in den Ofen zu stecken, und fiel es einem ein, uns anzugreifen, so würde er seine Waaren auf einen schlechtgewählten Markt bringen.«