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»Mögt Ihr all das häusliche Glück erfahren, welches Ihr Euch vorstellen könnt, Harry, – aber mit einer Glücklichern, als ich bin.«

So sagte, oder vielmehr so schluchzte das schöne Mädchen von Perth, die zu ersticken schien in dem Versuche, ihre Thränen zurückzuhalten.

»Ihr haßt mich also?« sagte der Liebhaber nach einer Pause.

»Der Himmel sei mein Zeuge, nein!«

»Oder liebt Ihr einen Andern, Bessern?«

»Es ist grausam, zu fragen, was zu wissen Euch nicht nützen kann. Ihr seid aber ganz im Irrthum.«

»Jene wilde Katze, Conachar, vielleicht?« sagte Harry. »Ich habe seine Blicke beobachtet.«

»Ihr bedient Euch dieser peinlichen Lage, mich zu höhnen, Harry, obwohl ich es wenig verdient habe. Conachar gilt mir nichts mehr, als der Versuch, sein wildes Gemüth durch Unterweisung zu zähmen, mich veranlassen konnte, einigen Antheil an einer Seele zu nehmen, welche voll von Vorurtheilen und Leidenschaften war, und darin, Harry, Eurer eigenen glich.«

»Dann muß es einer von den glänzenden Seidenwürmern vom Hofe sein,« sagte der Waffenschmied, dessen natürliche Gemüthshitze Täuschung und Ungewißheit entzündete; »einer von denen, welche glauben, sie müssen mit ihren langen Federn und glänzenden goldenen Sporen Alles gewinnen. Ich möchte ihn wohl kennen, der seine gewöhnlichen Genossinnen, die geschminkten, duftenden Hofdamen verläßt und schlichten Bürgermädchen nachläuft. Ich möchte seinen Namen und Beinamen wissen.«

»Harry Schmied,« sagte Katharina, die Schwäche bezwingend, die sie für einen Augenblick zu überwältigen drohte, »dies ist die Sprache eines undankbaren Thoren, oder vielmehr eines Rasenden. Ich sagte Euch schon beim Beginn unseres Gesprächs, daß ich von Niemand eine höhere Meinung habe, als von dem, der nur mit jedem Worte, das er im Tone ungerechten Verdachts und grundlosen Zornes ausspricht, in meiner Achtung verliert. Ihr hattet nicht einmal das Recht, das zu erfahren, was ich Euch sagte, und ich bitt' Euch zu beachten, daß meine Gespräche Euch zu der Meinung kein Recht geben dürfen, daß ich Euch vor Andern bevorzuge, obwohl ich gestehe, daß ich keinen über Euch stelle. Es genüge Euch zu wissen, daß Euren Wünschen ein unbezwingliches Hinderniß im Wege steht, wie wenn ein Zauberer mein Schicksal gebunden hätte.«

»Zauber wird gebrochen durch tüchtige Männer,« sagte der Schmied. »Ich wollte, es käme darauf an. Thorbiorn, der dänische Waffenschmied, sprach von einem Zauber, den er bei Fertigung von Brustharnischen anwende, indem er ein gewisses Lied singe, während das Eisen glüht. Ich sagte ihm, diese Runenverse wären kein Schutz gegen die Waffen, die man bei Loncarty führte – was weiter dabei vorkam, ist unnütz zu sagen; – aber der Harnisch und sein Träger, und der Arzt, der ihm die Wunde heilte, wissen, ob Harry Gow Zauber brechen kann oder nicht.«

Katharina sah ihn an, als wollte sie zur Antwort eine kleine Mißbilligung der That, die er gewagt, geben, indem der tapfere Schmied sich nicht erinnert hatte, daß er sich damit immer ihren Tadel zuzog. Aber ehe sie ihren Gedanken Worte leihen konnte, steckte ihr Vater seinen Kopf durch die Thür.

»Harry,« sagte er, »ich muß Eure angenehmen Angelegenheiten unterbrechen und Euch bitten, eilig in mein Arbeitszimmer zu kommen, um Euch über gewisse Dinge zu Rathe zu ziehen, die das Wohl der Stadt sehr nahe angehen.«

Harry verließ, sich von Katharina verabschiedend, auf ihres Vaters Ruf das Gemach. Gewiß war es für ihr künftiges freundschafliches Verhältniß günstig, daß sie jetzt schieden, bei einer Wendung, welche das Gespräch wahrscheinlich hätte nehmen müssen. Denn wie der Werber begonnen hatte, die Weigerung des Mädchens für launenhaft und unerklärlich zu halten nach jener Ermuthigung, die sie, wie er glaubte, gewährt hatte, so betrachtete Katharina ihrerseits ihn vielmehr als Einen, der die bewiesene Gunst mißbrauche, denn als einen Mann, dessen Zartgefühl ihn solcher Gunst würdig mache.

Aber es lebte in Beider Busen eine wechselseitige Zuneigung, welche am Schlusse des Streites gewiß wieder erwachen und das Mädchen veranlassen mußte, die Verletzung ihres Zartgefühls, so wie den Liebhaber, seine verschmähte Wärme der Leidenschaft zu vergessen.

Siebentes Kapitel

Der Streit läßt künftig einmal Blut vergießen.

                          Heinrich IV., erster Theil.

Das Conclave der Bürger, die sich versammeln wollten, um den Anlauf der vorigen Nacht zu erforschen, war nun beisammen. Das Arbeitszimmer Simon Glovers war gedrängt gefüllt von Personen bedeutenden Ansehens, deren einige schwarze Sammtkleider und goldene Ketten am Halse trugen. Sie waren allerdings die Väter der Stadt, und es befanden sich Bailie's und Stadtvögte in ihrer Mitte. Es lagerte eine erzürnte, beleidigte und gewichtige Miene auf jeder Stirn, während sie sich flüsternd, theils laut, oder paarweise besprachen. Der Geschäftigste unter den Geschäftigen, der kleine bedeutende Helfer in voriger Nacht, Oliver Proudfute mit Namen und Strumpfwirker seines Gewerbes, fuhr unter der Menge hin und her, ganz nach der Weise einer Seemöve, die am meisten flattert und schreit beim Beginn des Sturmes, obwohl sich kaum begreifen läßt, was der Vogel Besseres zu thun haben könnte, als in sein Nest zu fliegen und ruhig zu bleiben, bis der Sturm vorbei ist.

Sei dem wie ihm wolle, Meister Proudfute befand sich mitten unter der Versammlung, seine Finger an eines Jeden Rockknopf und seinen Mund an Jedermanns Ohr, indem er die umfaßte, die von gleicher Größe mit ihm waren, um seine Gedanken vertraulicher und geheimnißvoller zu äußern; dann stand er wieder auf den Zehen und bediente sich des Mantelkragens langer Leute, um ihnen ebenfalls seine Mittheilungen auf diese Art zufließen zu lassen. Er fühlte sich selber als einen Helden in der Angelegenheit voll Bewußtsein der Würde höherer Kenntniß der Sache, weil er Augenzeuge gewesen, und so war er sehr geneigt, den Antheil, den er dabei gehabt, über die Grenzen der Bescheidenheit und Wahrheit etwas auszudehnen. Man kann nicht sagen, daß seine Mittheilungen von Wichtigkeit und Werth gewesen wären, indem sie hauptsächlich aus Versicherungen bestanden, wie folgende:

»Es ist Alles wahr, bei St. John. Ich war dabei und sah es selber – war der Erste, der auf den Lärm herbeieilte; und wär' ich und ein zweiter wackerer Bursche nicht gewesen, der zugleich anlangte, so hätten sie Simon Glover die Hausthür eingerannt, ihm die Kehle abgeschnitten und seine Tochter in die Gebirge fortgeschleppt. Es ist ein zu arges Verfahren – kann nicht geduldet werden, Nachbar Crookschank, – nicht ertragen, Nachbar Glas – ist nicht auszuhalten, Nachbar Balneaves, Rollock und Chrysteson. Es war ein Glück, daß ich und der tapfere Mensch dazu kam – nicht wahr, Nachbar und würdiger Bailie Craigdallie?«

Diese Reden wurden von dem geschäftigen Strumpfwirker in verschiedene Ohren gestreut. Bailie Craigdallie, ein gewichtiger Zunftgenosse, derselbe, der gerathen hatte, die Berathung über den Vorfall in der Nacht auf diese Zeit und diesen Ort zu verschieben, ein großer, dicker, freundlicher Mann, befreite sich von der Hand des Zunftmeisters, der sich an seinem Mantelkragen festgekrallt hatte, fast auf gleiche Weise, wie ein muthiges Pferd die quälende Bremse abschüttelt, die es zehn Minuten plagte, und rief aus: »Stille, ihr guten Bürger; hier kommt Simon Glover, in welchem kein Mensch jemals Falschheit entdeckte. Wir werden die Unbilde aus seinem eigenen Munde erfahren.«