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Simon, der sich aufgefordert sah, seine Geschichte zu erzählen, that dies mit sichtbarer Verlegenheit, die er einem Widerstreben zuschrieb, daß die Stadt seinetwegen in tödtliche Fehde mit Jemand gerathen könne. Es war, so sagte er, ein Maskenstreich von Seiten der jungen Ritter am Hofe, und das Schlimmste, was dabei herauskommen möchte, sei, daß er Eisenstangen an seiner Tochter Fenster setzen werde, um ein ähnliches Possenspiel zu hindern.

»Nun, wenn dies eine bloße Mummerei war,« sagte Craigdallie, »hat unser Mitbürger, Harry vom Wynd, sehr unrecht gethan, eines Edelmanns Hand wegen so harmlosen Scherzes abzuhauen, und die Stadt kann schwerer Buße dafür verfallen, wenn wir den Verstümmler nicht in Gewahrsam nehmen.«

»Unsere liebe Frau verhüte das!« sagte der Handschuhmacher. »Wüßtet ihr, was ich weiß, so würdet ihr euch so sehr scheuen, euch in diese Sache zu mengen, als wär's glühend Eisen. Aber da ihr die Finger durchaus in's Feuer stecken wollt, so mag die Wahrheit gesagt werden. Und komme, was da wolle, so muß ich sagen, daß die Sache für mich und die Meinigen hätte sehr schlimm ablaufen können, wäre Harry Gow, der Waffenschmied, den ihr Alle kennt, nicht mit gelegener Hilfe gekommen.«

»Und meine fehlte auch nicht,« sagte Oliver Proudfute, »obwohl ich gestehe, daß ich kein so ganz ausnehmender Fechter bin, wie unser Nachbar Harry Gow. – Ihr saht mich, Nachbar Glover, beim Anfang des Lärmes?«

»Ich sah Euch nach dem Ende desselben, Nachbar,« antwortete der Handschuhmacher trocken.

»Freilich, freilich; ich vergaß, daß Ihr in Eurem Hause wart, als die Hiebe begannen, und Ihr konntet nicht sehen, wer sie austheilte.«

»Still, Nachbar Proudfute; ich bitt' Euch, still,« sagte Craigdallie, den das ewige Geschrei des würdigen Zunftmeisters sichtbar ermüdete.

»Es ist etwas Geheimnißvolles dabei,« sagte der Bailie; »aber mich dünkt, ich komme dahinter. Unser Freund Simon ist, wie euch Allen bekannt, ein friedlicher Mann, einer, der sich lieber ein Unrecht anthun läßt, eh' er einen Freund oder eine ganze Nachbarschaft in Gefahr bringt, ihn zu rächen. Du, Harry, der du nie fehlst, wo die Stadt einen Vertheidiger braucht, sag' uns, was du von der Sache weißt.«

Unser Schmied erzählte seine Geschichte auf dieselbe Weise, wie wir sie bereits kennen; und der geschäftige Strumpfwirker setzte wie vorher hinzu: »Und du sahst mich dabei, ehrlicher Schmied, nicht wahr?«

»Ich wahrhaftig nicht, Nachbar,« antwortete Harry; »aber Ihr seid ein kleiner Mann, wie Ihr wißt, und ich kann Euch übersehen haben.«

Diese Antwort erregte ein Gelächter auf Oliver's Kosten, welcher mit den Andern lachte, aber mürrisch hinzufügte: »Ich war bei alledem einer der Ersten, die zu Hilfe kamen.«

»Ei, wo warst du denn alsdann, Nachbar?« sagte der Schmied; »denn ich sah dich nicht, und ich hätte den Werth der besten Waffenrüstung, die ich je machte, darum gegeben, einen so tapferen Burschen, wie dich, an meiner Seite zu haben.«

»Ich war aber nicht weit davon, ehrlicher Schmied; und während du Schläge wie auf einen Ambos austheiltest, parirte ich die, welche die übrigen Schurken hinter deinem Rücken gegen dich führten; und aus dem Grunde sahst du mich nicht.«

»Ich habe von Schmieden in alter Zeit gehört, die nur ein Auge hatten,« sagte Harry. »Ich habe zwei, aber sie sitzen mir beide vorn unter der Stirn, und daher konnt' ich nicht hinterrücks sehen, Nachbar.«

»Die Wahrheit ist aber,« beharrte Meister Oliver, »daß ich dabei war, und ich will Meister Bailie meinen Bericht von der Sache geben; denn der Schmied und ich waren die ersten bei dem Lärm.«

»Genug für jetzt,« sagte der Bailie, mit einer zum Schweigen mahnenden Geberde gegen Proudfute. »Die Erklärung Simon Glover's und Harry Gow's würden auch bei einer weniger glaublichen Sache hinreichen. Jetzt, ihr Meister, fragt sich, was wir thun sollen. All' unsere Rechte als Bürger sind verhöhnt und verletzt, und, wie ihr denken könnt, durch einen Mächtigen, denn ein Anderer hätte das nicht gewagt. Es ist hart für Fleisch und Blut, ihr Meister, wenn man sich solche Schmach gefallen lassen muß. Die Gesetze haben uns einen geringern Rang als den Fürsten und Edeln angewiesen; aber es ist gegen die Vernunft zu glauben, wir werden leiden, daß man unsere Häuser stürmt und die Ehre unserer Weiber und Töchter angreift, ohne daß wir Genugthuung suchen.«

»Es läßt sich nicht ertragen!« antworteten die Bürger einmüthig.

Hier legte sich Simon Glover mit sehr besorgter und unheilverkündender Miene in's Mittel. »Ich hoffe noch, es war Alles nicht so böse gemeint, als es uns scheint, meine würdigen Nachbarn; und was mich betrifft, so wollt' ich herzlich gern die Unruhe und Störung verzeihen, die meinem armen Hause widerfahren, wofern sich die schöne Stadt meinetwegen keine Unannehmlichkeit bereitet. Ich bitt' Euch, zu erwägen, welches die Ritter sind, die darüber entscheiden werden. Ich rede unter Nachbarn, Freunden, und also zu offenen Herzen. Der König, Gott segne ihn! ist so geschwächt an Körper und Geist, daß er uns an einen seiner Räthe weisen wird, zu einem großen Herrn, der gerade in Gunst bei ihm steht. – Er schickt uns vielleicht an seinen Bruder, den Herzog von Albany, der unser Gesuch um Schlichtung des Unrechts zum Vorwand nehmen wird, uns Geld abzupressen.«

»Wir wollen keinen Albany zu unserm Richter!« antwortete die Versammlung ebenso einmüthig wie vorher.

»Oder vielleicht,« setzte Simon hinzu, »wird er den Herzog von Rothsay die Sache übernehmen heißen; und der wilde junge Prinz wird die Ungebühr als etwas für seine lustigen Gefährten Passendes und als Stoff für seine Minstrels ansehen.«

»Weg mit Rothsay! er ist zu fröhlich, um unser Richter zu sein,« riefen die Bürger wieder.

Simon, ermuthigt, als er sah, daß er zu dem erwünschten Ziele gelangte, fügte, den gefürchteten Namen jedoch nur halblaut verkündend hinzu: »Würde euch der schwarze Douglas besser zusagen?«

Eine Minute lang erfolgte keine Antwort. Sie sahen einander mit niedergeschlagener Miene und bleichen Lippen an. Harry Schmied aber sprach kühn und mit entschiedenem Tone die Gedanken aus, welche Alle hegten, obwohl ihnen sonst Keiner Worte zu geben wagte: –

»Den schwarzen Douglas als Richter zwischen einem Bürger und einem Herrn, ja, einem Edelmann? ei wahrhaftig! – lieber den schwarzen Teufel aus der Hölle! Ihr seid wahnsinnig, Vater Simon, daß Ihr nur einen so tollen Vorschlag thun könnt.«

Wieder trat eine Stille der Furcht und Ungewißheit ein, welche endlich Bailie Craigdallie unterbrach, der, den Sprecher sehr bedeutsam anblickend, erwiderte: »Ihr verlaßt Euch auf ein tüchtig Unterwams, Nachbar Schmied, sonst würdet Ihr nicht so kühn sprechen.«

»Ich vertraue auf ein gutes Herz unter meinem Wams, wie ich's habe, Bailie,« antwortete der muthige Harry; »und obwohl ich nur wenig spreche, so soll mein Mund doch nimmer von irgend einem Euer Edeln verschlossen werden.«

»Tragt ein dickes Wams, guter Harry, oder sprecht nicht so laut,« wiederholte der Bailie, im nämlichen bedeutsamen Tone. »Es gibt Grenzleute in der Stadt, die das blutige Herz [das wohlbekannte Kennzeichen des Hauses Douglas] auf der Schulter tragen. – Aber Alles dies fruchtet nichts. Was sollen wir thun?«

»Kurze Rede, gute Rede,« sagte der Schmid. »Gehen wir zu unserm Profoß, Hilfe und Beistand von ihm zu fordern.«

Ein Beifallsgemurmel lief durch die Versammlung und Oliver Proudfute rief: »Das hab' ich seit einer halben Stunde gesagt, und Keiner von euch wollte mich hören. Laßt uns zu unserm Profoß gehen, sagt' ich. Er ist selber ein Edler und muß in allen Dingen zwischen Stadt und Adel entscheiden.«