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»Still, Nachbarn, still; bedenkt, was ihr sagt oder thut,« sagte ein dünner, magerer Mann, dessen kleine Person an Gestalt noch kleiner und einem Schatten ähnlicher zu werden schien durch sein Bemühen, eine außerordentliche Beschaffenheit anzunehmen und sich selbst, in Uebereinstimmung mit seinen Reden, noch unbedeutender und unansehnlicher, als er von Natur war, zu machen schien.

»Verzeiht mir,« sagte er, »ich bin ein armer Apotheker. Trotzdem bin ich in Paris erzogen und habe meine Humaniora und meinen cursus medendi so gut studirt, wie Manche, die sich gelehrte Aerzte nennen. Mich dünkt, ich kann diese Wunde untersuchen, und sie mit Erweichungen behandeln. Hier unser Freund Simon ist, wie Euch Allen bewußt, ein ehrenwerther Mann. Glaubt Ihr, er würde bei einer Sache, welche die Ehre seines Hauses so nahe betrifft, nicht am eifrigsten unter uns Allen auf strenge Maßregeln dringen? Da ihm aber, wie es scheint, nichts daran liegt, eine Klage gegen die Nachtschwärmer zu erheben, so erwägt, ob es nicht möglich sei, daß er seine besondern Gründe habe, die er nicht nennen mag, die Sache auf sich beruhen zu lassen? Mir kommt's nicht zu, Hand an die Wunde zu legen – aber, ach! wir wissen Alle, daß junge Mädchen das sind, was ich flüchtige Essenzen nenne. Gesetzt nun, ein ehrbares Mädchen läßt, versteht sich in aller Unschuld, am St. Valentinsmorgen ihr Fenster halb offen, auf daß ein liebender Kavalier, natürlich in allen Ehren, ihr Valentin werden könne; – gesetzt ferner, der Liebhaber werde entdeckt, – kann sie nicht einen Schrei thun, als hätte sie diesen Besuch nicht erwartet, und – und – stoßt Alles dies in einem Mörser und dann erwägt, ob es ein Stoff sein wird, um die Stadt in Allarm zu bringen?«

Der Apotheker sprach seine Meinung auf die einschmeichelndste Weise aus; aber er schien noch unter sein natürliches Maß einzuschrumpfen, als er das Blut in die Wangen des alten Simon Glover steigen und das Gesicht des unerschrockenen Waffenschmieds vor Zorn stammen sah. Der Letztere trat vor, warf einen strengen Blick auf den erschrockenen Apotheker und brach in die Worte aus: »du wanderndes Gerippe! du schwindsüchtige Medicinalflasche! du Giftmischer von Handwerk! wenn ich glaubte, daß der Pesthauch deiner schändlichen Worte dem unbefleckten Rufe Katharina Glovers nur einen Augenblick schaden könnte, so würd' ich dich in deinem eigenen Mörser zu Pulver stoßen, elender Quacksalber! und deinen schlechten Leichnam mit Schwefelblume zersetzen, der einzigen reinen Medicin in deinem Laden, um eine Salbe für räudige Hunde daraus zu machen!«

»Halt, mein Sohn Harry, halt!« rief der Handschuhmacher im Gefühle seiner Geltung; – »kein Mensch hat ein Recht, über diesen Punkt zu reden, außer ich. – Ehrenwerther Bailie Craigdallie, da man meine Geduld auf solche Weise auslegt, bin ich gezwungen, der Sache auf den Grund zu gehen, und mag auch der Erfolg lehren, daß wir besser gethan hätten, ruhig zu bleiben, so wird man wenigstens sehen, daß meine Tochter weder durch Thorheit, noch durch Leichtsinn Anlaß zu diesem großen Aergerniß gab.«

Auch der Bailie legte sich in's Mittel. »Nachbar Harry,« sagte er, »wir kamen hieher, zu berathen, nicht um zu streiten. Als einer der Väter dieser guten Stadt befehl' ich Euch, jede übelwollende Gesinnung, die Ihr gegen Meister Apotheker Dwining hegen mögt, zu vergessen.«

»Er ist ein zu armes Geschöpf, Bailie,« sagte Harry Gow, »als daß ich mit ihm kämpfen könnte – ich, der ich ihn und seinen Laden mit einem Schlage meines Hammers zertrümmern könnte «

»Also still und hört mich,« sagte der Beamte. »Wir Alle glauben so fest an die Ehre des schönen Mädchens von Perth, wie an die unserer lieben Frau.« Hier bekreuzte er sich andächtig. »Was aber die Berufung auf unsern Oberrichter betrifft, seid Ihr Alle der Meinung, Nachbarn, daß man eine derartige Sache in seine Hände lege, während unser Gegner, wie zu fürchten, ein mächtiger Edler ist?«

»Da der Oberrichter selber ein Edelmann ist« – quäkte der Apotheker, der sich einigermaßen von seinem Schrecken durch die Einmischung des Bailie erholt: – »Gott weiß es, ich bin nicht gesinnt, das Mindeste wider einen Herrn einzuwenden, dessen Vorfahren das Amt hatten, welches er seit vielen Jahren verwaltet – «

»Durch freie Wahl der Bürger von Perth,« sagte der Schmied, den Sprecher mit seiner tiefen und entschiedenen Stimme unterbrechend.

»Ja, gewißlich,« erwiderte der erschreckte Redner. »Durch die Stimme der Bürger. Wie sonst? – Ich bitt' Euch, Freund Schmied, unterbrecht mich nicht. Ich rede zu unserm ehrenwerthen Aeltesten, Bailie Craigdallie, wie mein bescheidener Verstand mir's eingibt. Ich sage, mag kommen was will, Sir Patrick Charteris ist doch immer ein Edelmann, und eine Krähe hackt der andern kein Auge aus. Er mag uns wohl in einer Fehde mit den Hochländern vertreten und Partei gegen sie nehmen, als unser Führer und Oberrichter; aber eine andere Frage ist, ob er, der sich in Seide trägt, Lust haben wird, gegen Herren in gestickten goldverbrämten Kleidern unsere Sache zu verfechten, wie er's gegen den Tartan und irischen Fries gethan hat. Nehmt eines Thoren Rath. Wir haben unser Mädchen gerettet, der meine Worte nimmer eine Schmach anthun sollten, so wahr ich nichts Schmachvolles weiß. Sie haben mindestens eines Mannes Hand verloren, Dank Harry Schmied –«

»Und mir« – fügte der kleine, wichtige Strumpfwirker hinzu.

»Und Oliver Proudfute, wie er uns sagt,« fuhr der Apotheker fort, welcher keines Mannes Anspruch auf Ruhm betritt, wenn er nur selber die gefahrvollen Pfade, die zu selbigem führten, nicht wandeln mußte. »Ich sage, Nachbarn, daß, da sie uns eine Hand als Pfand gelassen haben, nie mehr in die Curfewstreet kommen zu wollen, so wär' es, meiner schlichten Ansicht nach, das Beste, wenn wir unserm tapfern Mitbürger dankten und, da die Stadt die Ehre, jene Schurken aber den Verlust haben, über die Sache schwiegen, und nichts mehr darüber sagten.«

Dieser friedliche Rath that bei einigen Bürgern Wirkung, welche begannen zu nicken und ausnehmend weise den Advokaten des Friedens betrachteten, mit welchem, trotz der letzten Beleidigung, Simon Glover ebenfalls übereinzustimmen schien. Nicht so jedoch Harry Schmied, welcher, bemerkend, daß Niemand das Wort führte, in seiner gewohnten freien Weise wieder zu sprechen begann.

»Ich bin weder der Aelteste noch der Reichste unter Euch, Nachbarn, und darum gräme ich mich nicht. Die Jahre werden kommen, wenn man's erlebt, und ich kann erwerben und meinen Pfennig wie ein Anderer geben beim Feuer des Ofens und dem Blasen meiner Bälge. Aber Niemand sah mich je träge, wenn unserer guten Stadt durch Wort oder That Unrecht geschah und in der Macht der Zunge und des Armes eines Mannes stand, dafür Recht zu schaffen. Daher werd' ich eine solche Schmach nicht ruhig ansehen, wenn ich was Besseres vermag. Ich werde selbst den Oberrichter aufsuchen und wenn ich allein hingehen müßte. Er ist allerdings ein Ritter und ein Edelmann, wie Jeder weiß, von Vater auf Sohn, seit der Zeit Wallace's, der den Urgroßvater des Sir Patrick in dieses Land eingeführt hat. Wär' er aber auch der stolzeste Edle im Lande, er ist Oberrichter in Perth und muß für Erhaltung der Rechte und Freiheiten der Stadt wachen. Ja, und ich bin überzeugt, er wird es thun; ich hab' ihm einen Stahlpanzer gemacht, und weiß so ziemlich, welcher Art das Herz ist, das er decken soll.«

»Allerdings,« sagte der Bailie Craigdallie, »bei Hofe würden wir ohne den Sir Patrick Charteris zu nichts kommen; die schnelle Antwort würde sein: Geht zu Eurem Oberrichter, Ihr grobes Volk! Wenn Ihr daher, Nachbarn und Mitbürger, mir zur Seite stehen wollt, so will ich und unser Apotheker Dwining, nebst Simon Glover, dem wackern Schmied und dem tapfern Oliver Proudfute als Zeugen des Unfugs, sogleich nach Kinfauns gehen und mit Sir Patrick im Namen der guten Stadt reden.«

»Nein,« sagte der friedliche Mann der Medicin, »laßt mich daheim, ich bitt' Euch; mir fehlt die Kühnheit, vor einem Ritter zu sprechen.«