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»Schadet Alles nichts, Nachbar, Ihr müßt mit,« sagte Bailie Craigdallie. »Die Stadt hält mich bei meinen sechzig Jahren für einen Hitzkopf – Simon Glover ist die beleidigte Partei – wir Alle wissen, daß Harry Gow mit seinem Schwerte mehr Harnische zerhaut, als er mit seinem Hammer schmiedet – und unser Nachbar Proudfute, – der, wie er selber sagt, beim Anfang und Ende jedes Kampfes in Perth ist, – ist natürlich ein Mann der That. Wir müssen zum wenigsten Einen unter uns haben, der zu Frieden und Ruhe ermahnt, und du, Apotheker, mußt der Mann sein. Fort denn, Ihr Herren, die Stiefeln an und zu Pferde – fix und fertig! – beim östlichen Thor kommen wir zusammen – das heißt nämlich, wenn es Euch gefällt, Nachbarn, uns die Sache anzuvertrauen.«

»Besseres ließ sich nicht sagen, und wir Alle genehmigen es,« sagten die Bürger. »Wenn der Oberrichter unsere Partei nimmt, wie die Stadt mit Recht erwarten kann, so nehmen wir's mit dem Besten von ihnen auf.«

»Nun gut, Nachbarn,« sagte der Bailie. »Wie gesagt, so gethan. Ich habe übrigens auf diese Stunde den ganzen Rath der Stadt zusammenberufen, und ich zweifle nicht,« dabei sah er sich in der Gesellschaft rings um, »daß, da so viele Anwesende dafür sind, daß man sich mit dem Oberrichter berathe, der Rest denselben Beschluß fassen werde. Daher, Nachbarn und Bürger der guten Stadt Perth – zu Pferde, wie ich gesagt habe, und versammelt Euch am östlichen Thore.«

Ein allgemeines Beifallrufen schloß die Sitzung dieses geheimen Rathes, und sie gingen auseinander, die Abgeordneten, um sich zur Reise zu bereiten, und die Andern, um ihren ungeduldigen Weibern und Töchtern die Maßregeln zu berichten, die getroffen waren, um ihre Gemächer in Zukunft gegen das Eindringen von Liebhabern zu ungelegener Stunde sicher zu stellen.

Während man die Klepper sattelt und der Rath der Stadt bespricht oder vielmehr in gesetzlicher Form feststellt, was die leitenden Mitglieder bereits angenommen hatten, mag es zur Unterrichtung mancher Leser nothwendig sein, in bestimmteren Ausdrücken auseinander zu setzen, was im Laufe der frühern Erörterung nur oberflächlich angedeutet ward.

Es war die Sitte dieser Periode, als die Stärke der lehnsherrlichen Aristokratie die Rechte der königlichen Städte Schottlands und deren Privilegien häufig verhöhnte, daß sich diese Städte, wo es thunlich war, ihren Oberrichter, d. h. die höchste obrigkeitliche Person, nicht aus dem Stande der Kaufleute, Krämer und Bürger wählten, welche die Stadt selbst bewohnten und die gewöhnliche Obrigkeit bildeten, sondern aus den Edeln oder Baronen in der Umgegend der Stadt; man erwartete von dem, der auf diesen hohen Posten erhoben worden, daß er die Stadt bei Allem, was ihre Interessen anlangte, bei Hofe vertrat, ihre Truppen befehligte, mochten sie nun für die Krone ziehen, oder eine Privatfehde der Stadt auszufechten haben, und daß er jene mit seinen eigenen Vasallen verstärkte. Der auf solche Weise gewährte Schutz blieb nicht immer unbelohnt. Oefters benutzten die Oberrichter ihre Stellung auf eine unverantwortliche Weise, ließen sich Güter und Häuser, die der Gemeinde gehörten, abtreten, und machten sich oft für die geleisteten Dienste von den Bürgern auf Kosten des öffentlichen Eigenthums sehr theuer bezahlt. Andere begnügten sich mit dem Beistande der Bürger in ihren Privatfehden und mit den andern Zeichen der Achtung und Erkenntlichkeit, welche die untergebenen Städte ihnen gern zollten, um sich ihres thätigen Beistandes im Falle der Noth zu versichern. Dem Baron, der der gewöhnliche Beschützer einer Stadt war, wurden diese freiwilligen Opfer ohne Bedenken dargebracht, und er vergalt sie dadurch, daß er die Rechte der Stadt schirmte, im Rathe durch seine Beredtsamkeit und durch kühne Thaten im Felde.

Die Bürger der Stadt, oder, wie sie lieber sagten, der guten Stadt Perth, hatten seit mehreren Generationen einen Beschützer und Oberrichter solcher Art in dem edlen Hause der Charteris, Herren von Kinfauns, in der Nähe der Stadt gefunden. Kaum ein Jahrhundert (zur Zeit Roberts III.) war verschwunden, seit der Erste dieser ausgezeichneten Familie sich auf dem festen Schlosse niedergelassen hatte, das ihm damals gehörte, so wie das malerische und fruchtbare Gebiet ringsum. Aber die Geschichte dessen, der sich so angesiedelt hatte, an sich schon ritterlich und romantisch, war geeignet, die Niederlassung eines Fremden in dem Lande zu erleichtern, wohin das Schicksal ihn geführt hatte. Wir erzählen sie, wie sie eine alte Sage gibt, welche große Wahrscheinlichkeit hat und vielleicht begründet genug ist, um in ernsteren Geschichtsbüchern, als das vorliegende, eine Stelle zu finden.

Während der kurzen Laufbahn des berühmten Patrioten Sir William Wallace, und als seine Waffen für eine Zeit lang die englischen Eindringlinge aus seinem Vaterlande vertrieben hatten, soll er mit einigen vertrauten Freunden eine Fahrt nach Frankreich unternommen haben, um zu versuchen, ob seine persönliche Gegenwart (denn er war in allen Ländern seiner Tapferkeit wegen geachtet) den König von Frankreich bestimmen könnte, ein Corps Hülfstruppen nach Schottland zu schicken, oder einen andern Beistand, um den Schotten zu Wiedergewinnung ihrer Unabhängigkeit zu verhelfen.

Der schottische Held befand sich an Bord eines kleinen Fahrzeugs und steuerte nach dem Hafen von Dieppe, als in der Ferne ein Segel erschien, welches die Seefahrer anfangs mit Furcht und Besorgniß, und endlich mit Bestürzung und Schrecken betrachteten. Auf Wallace's Frage, woher ihre Bestürzung rühre, unterrichtete ihn der Kapitän, daß das große Schiff, welches in der Absicht, das ihrige zu entern, auf sie lossteure, einem berühmten Korsaren gehöre, der eben durch seinen Muth und seine körperliche Stärke, wie durch sein beständiges, sich immer gleich bleibendes Glück berüchtigt sei. Der Befehlshaber sei ein französischer Edelmann, genannt Thomas de Longueville, und gehöre zu den Piraten, die sich für Freunde des Meeres und für Feinde aller derer erklärt haben, die auf diesem Elemente segeln. Er greife die Schiffe aller Nationen an, plündere sie, gleich einem der nordischen Seekönige, wie man sie nannte, deren Herrschersitz auf den Wogengebirgen war. Der Schiffsherr fügte hinzu, kein Fahrzeug könne dem Räuber durch die Flucht entgehen, so schnell sei sein Schiff; und keine noch so kühne Bemannung könne hoffen, ihm zu widerstehen, wenn er, nach seiner gewohnten Weise zu fechten, sich an der Spitze seiner Leute an Bord stürze.

Wallace lächelte bitter, während der Herr des Schiffes mit Unruhe im Gesicht und Thränen in den Augen ihm die Gewißheit vorstellte, daß sie Gefangene des rothen Räubers sein würden, ein Name, den Longueville erhielt, weil er gewöhnlich eine blutrothe Flagge entfaltete, die er bereits aufgezogen hatte.

»Ich will den Kanal von diesem Räuber säubern,« sagte Wallace.

Dann rief er zehn oder zwölf seiner eigenen Gefährten zusammen, Boyd, Kerlie, Seton und Andere, denen der Kampf der verzweifelten Schlacht wahre Lebenslust dünkte, und befahl ihnen, sich zu waffnen und sich platt auf's Verdeck zu legen, daß man sie nicht sehen könnte. Desgleichen ließ er alle Seeleute unter's Verdeck gehen, außer diejenigen, die durchaus nöthig waren, um das Schiff zu lenken, und befahl dem Schiffsherrn bei Todesstrafe so zu steuern, daß es scheine, als flöhen sie, und daß der rothe Räuber leicht an's Fahrzeug kommen könne; damit legte er sich selbst auf's Verdeck, damit durchaus nichts verriethe, daß man Widerstand zu leisten gedenke. Nach einer Viertelstunde legte des Räubers Schiff an Wallace's Fahrzeug an und der rothe Räuber warf seine Enterhaken aus, um sich der Beute zu versichern, und sprang, vom Kopf bis zu den Füßen gewaffnet, an Bord; seine Leute folgten und erhoben, als wären sie des Sieges schon gewiß, ein furchtbares Geschrei. Aber die bewaffneten Schotten richteten sich plötzlich auf und der rothe Räuber fand unerwartet, daß er es mit Leuten zu thun hatte, die den Sieg als ausgemachte Sache betrachteten, wenn es jeder nur mit zwei oder drei Gegnern zu thun hatte. Wallace warf sich selber auf den Räuberkapitän, und nun begann zwischen den Beiden ein so fürchterlicher Kampf, daß die Uebrigen zu fechten aufhörten, um Jenen zuzusehen, indem sie, wie es schien, durch stillschweigende Uebereinkunft die Entscheidung des Ganzen den zwei tapfern Anführern überließen. Der Räuber focht so gut, als es nur einem Manne möglich war; aber Wallace besaß mehr als gewöhnliche Kraft; er schlug dem Piraten das Schwert aus der Hand und bedrängte ihn so sehr, daß dieser kein anderes Mittel wußte, dem Tode zu entgehen, als daß er sich auf seinen Gegner stürzte, um ihn vielleicht im Ringen niederzuwerfen. Jedoch auch dies mißlang. Mit den Armen einander umschlungen haltend, fielen Beide auf das Verdeck nieder; aber Wallace behielt die Oberhand, faßte den Ringkragen des Gegners und drückte ihn, obwohl er vom besten Stahle gefertigt, so stark zusammen, daß dem Räuber das Blut aus Augen, Mund und Nase strömte, und er nur durch Zeichen um sein Leben bitten konnte. Seine Leute warfen ihre Waffen weg und baten um Gnade, als sie ihren Führer so hart bedrängt sahen. Der Sieger schenkte ihnen allen das Leben, nahm aber ihr Fahrzeug in Besitz und behielt sie als Gefangene.