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Die Person begann die Unterhaltung, indem sie in einem Tone, so schlimm wie der Blick, rief: »Der Teufel führt Euch Kuckuck her; warum reitet Ihr über den Moor, um meine Jagd zu stören?«

»Würdiger Fremdling,« sagte unser Freund im Tone friedlicher Vorstellung, »ich bin Oliver Proudfute, ein Bürger von Perth, und ein Mann von Ansehen; und dort ist der würdige Adam Craigdallie, der älteste Bailie der Stadt, mit dem tapferen Waffenschmied Harry Gow und einigen andern bewaffneten Männern, die wissen möchten, wie Ihr heißt und wie es kommt, daß Ihr auf dem Stadtgebiete jagt. Indeß kann ich Euch versichern, daß sie durchaus nicht im Sinne haben, mit einem Edelmanne oder Fremden wegen dieses zufälligen Eingriffs Streit anzufangen. Nur sind sie nicht gewohnt, diese Erlaubniß zu geben, wenn man sie nicht geziemend darum ersucht; und – und – darum wünsch' ich Euren Namen zu wissen, werther Herr.«

Die trotzige und verächtliche Miene, womit der Falkner während dieser Rede Oliver Proudfute betrachtet hatte, entmuthigte Letztern sehr, und änderte den Ton der Frage gänzlich, die, war Harry Gow bei ihm, wahrscheinlich ganz anders geklungen hätte.

Der Fremde erwiderte sie, da sie gelind war, mit einer höchst verdächtigen Miene, wodurch ihn die Narben seines Gesichtes noch wilder erscheinen ließen. »Ihr wollt meinen Namen wissen? – mein Name ist der Teufels-Dick von Hellgarth, wohlbekannt in Annandale als ein edler Johnstone. Ich begleite den tapfern Laird von Wamphray, der mit seinem Vetter, dem muthigen Lord von Johnstone, reitet, welcher mit dem mannhaften Grafen von Douglas zieht; und der Graf und der Lord und der Laird und ich, der Knappe, lassen unsere Falken fliegen, wo wir unsere Beute finden, und fragen Niemand, über dessen Feld wir reiten.«

»Ich will Eure Botschaft ausrichten, Sir,« erwiderte Oliver Proudfute ziemlich sanft; denn er fing an, sich das Unternehmen eifrigst vom Halse zu wünschen, welches er so vorschnell unternommen, und er war im Begriff, sein Pferd umzuwenden, als der Mann von Annandale hinzufügte:

»Und das nehmt noch mit, damit Ihr Euch merkt, Ihr seid dem Teufels-Dick begegnet, und damit Ihr Euch ein andermal zu hüten wißt, die Jagd eines Mannes zu stören, der den geflügelten Sporn auf der Schulter trägt.«

Mit diesen Worten gab er einige harte Schläge mit seiner Reitgerte dem unglücklichen Strumpfwirker auf Kopf und Leib. Einige von ihnen trafen Jesabel, die, sich rasch umwendend, ihren Reiter auf den Moor legte und zur Gesellschaft der Bürger zurückkehrte.

Der so niedergeworfene Proudfute begann in nicht sehr männlichem Tone um Hülfe zu rufen und fast im nämlichen Athem um Gnade zu bitten; denn sein Gegner war, sobald er ihn am Boden sah, abgestiegen und hielt ihm die Spitze eines kleinen Jagdmessers an die Kehle, während er die Tasche des unglücklichen Bürgers plünderte und sogar seine Jagdtasche untersuchte, die er trug, und schwur, er wolle sich mit ihrem Inhalte dafür entschädigen, daß seine Jagd gestört worden. Er riß heftig an dem Gürtel, den unterlegenen Strumpfwirker noch mehr durch sein gewaltthätiges Verfahren erschreckend, da er sich nicht die Mühe nahm, die Schnalle zu lösen, sondern zerrte, bis der Riemen riß. Offenbar aber enthielt sie nichts nach seinem Geschmack. Er warf sie verächtlich weg und ließ zugleich den abgesetzten Reiter aufstehen, während er selbst seinen Klepper bestieg und nach Olivers Gefährten sah, die sich jetzt näherten.

Als sie ihren Abgeordneten fallen sahen, hatten sie gelacht; so sehr hatte die Prahlerei des Strumpfwirkers seine Freunde zum Scherze geneigt gemacht, als sie, wie sich Harry Schmied ausdrückte, ihren Oliver einem Roland begegnen sahen. Als man aber sah, wie des Strumpfwirkers Gegner über jenen herfiel und ihn in der beschriebenen Weise behandelte, konnte sich der Waffenschmied nicht länger halten. »Mit Erlaubniß, guter Meister Bailie, ich kann's nicht mit ansehen, daß unser Mitbürger geschlagen und geplündert wird, und vielleicht vor unsern Augen ermordet. Das betrifft unsere gute Stadt; und wenn es des Nachbars Proudfute Unglück ist, so ist's unsere Schande. Ich muß ihm zu Hilfe.«

»Wir alle wollen ihm zu Hilfe kommen,« antwortete Bailie Craigdallie; »aber schlage Keiner zu ohne mein Geheiß. Wir haben mehr Fehden vor uns, wie zu fürchten steht, als Kraft, sie zu gutem Ende zu bringen. Und daher befehl' ich euch Allen und besonders Euch, Harry vom Wynd, im Namen der guten Stadt, daß Ihr keinen Hieb außer zur Nothwehr thut.« Sonach rückten Alle miteinander vor, und das Erscheinen einer solchen Anzahl vertrieb den Räuber von seiner Beute. Er stand indeß, um sie zu betrachten, in einiger Entfernung, gleich dem Wolf, der, obwohl er sich vor den Hunden zurückzieht, nicht zu unbedingter Flucht gebracht werden kann. Als Harry diesen Stand der Dinge sah, spornte er sein Pferd und eilte den Uebrigen weit voraus, nach dem Schauplatze von Oliver Proudfute's Mißgeschick. Das Erste, was er that, war, daß er Jesabel am Zügel ergriff, das Zweite, daß er sie ihrem Herrn wieder zuführte, der die Kleider ganz mit Koth überzogen und Thränen in den Augen, die ihm Schmerz und Verdruß entlockt hatten, auf ihn zukam. Der Anblick, den er darbot, war von seiner sonstigen wichtigen und anmaßenden Miene so verschieden, daß der ehrliche Schmied nicht umhin konnte, einiges Mitleid mit dem kleinen Mann zu fühlen und sich Vorwürfe zu machen, daß er ihn solchem Unfall ausgesetzt hatte. Es gibt wohl Niemand, glaub' ich, den ein übel abgelaufener Scherz nicht ergötzt. Der Unterschied ist nur, daß ihn der Boshafte ohne unangenehme Nebenempfindung genießt, während der Wohlwollende bald die lächerliche Seite der Sache vergißt und nur Mitgefühl für den Schmerz des Leidenden behält.

»Laßt mich Euch wieder auf Euren Sattel helfen, Nachbar,« sagte der Schmied, während er zugleich abstieg und Oliver auf seinen Kriegssattel klettern half, wie es ein Affe etwa gethan hätte.

»Gott mag Euch verzeihen, Nachbar Schmied, daß Ihr nicht hinter mir kamet! Ich würde es nicht geglaubt haben und hätten mir's hundert glaubwürdige Zeugen zugeschworen.«

Dies waren die ersten Worte, gesprochen mehr im Schmerz als Zorn, womit der gemißhandelte Oliver seinen Gefühlen Luft machte.

»Der Bailie hielt mein Roß beim Zaume; und überdies,« fuhr Harry mit einem Lächeln fort, welches selbst sein Mitleid nicht unterdrücken konnte, »dachte ich, Ihr hättet mir die Beeinträchtigung Eures Ruhmes vorgeworfen, wenn ich Euch gegen einen einzelnen Mann zu Hilfe gekommen wäre! Der Schuft gewann den Vortheil über Euch, weil Euer Pferd nicht pariren wollte.«

»Das ist wahr – das ist wahr,« sagte Oliver, der die Entschuldigung eifrig aufgriff.

»Und dort steht der Schurke und freut sich über das gestiftete Unheil und triumphirt über Eure Niederlage, wie der König in der Romanze, der die Geige spielte, während eine Stadt brannte. Komm' du mit mir und du sollst sehen, wie wir mit ihm umspringen – wahrlich, fürchte nicht, daß ich dich diesmal im Stiche lasse.«

So sprechend ergriff er Jesabel am Zügel und während er ihr zur Seite galoppirte, ohne Oliver Zeit zu einer Weigerung zu lassen, eilte er auf Teufels-Dick zu, welcher auf dem Gipfel einer Anhöhe in einiger Entfernung Halt gemacht hatte. Indessen klatschte der edle Johnstone, sei es, daß er sah, der Kampf würde ungleich werden, oder daß er für einen Tag genug gethan zu haben meinte, in die Hände, streckte, als wollte er seinem Gegner Trotz bieten, die Arme aus, und lenkte dann sein Pferd in das nahe Moor, worin er sich instinktmäßig, wie eine wilde Ente, zu bewegen schien, wobei er sein Federspiel um seinen Kopf schwang und seinem Falken pfiff, während jedes andere Pferd und jeder andere Reiter sogleich bis an den Sattelgurt versunken wäre.

»Das ist ein vollkommener Moorreiter,« sagte der Schmied. »Dieser Kerl wird fechten oder fliehen, wie es ihm behagt, und ihn zu verfolgen nützt nicht mehr, als eine wilde Gans zu jagen. Wahrscheinlich hat er Euren Beutel genommen, denn sie gehen selten fort, ohne die Hände voll zu haben.«