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»Ja – ja – ja,« sagte Proudfute in traurigem Tone; »er hat mir den Beutel genommen – aber daran liegt wenig, da er mir die Jagdtasche gelassen hat.«

»Ei wahrlich, die Jagdtasche wäre ein Siegeszeichen für ihn gewesen, gewiß – eine Trophäe, wie es die Minstrels nennen.« »Es liegt noch mehr daran, als das, Freund,« sagte Oliver bedeutsam.

»Nun, das ist gut, Nachbar; mir ist's lieb, daß ich Euch wieder in Eurem würdevollen Tone reden höre. Munter! Ihr habt des Burschen Rücken gesehen und die Trophäen wiedergewonnen, die Ihr verlort, als er im Vortheil gegen Euch war.«

»Ach, Harry Gow – Harry Gow!« sagte der Strumpfwirker und hielt mit einem tiefen Seufzer inne, der fast wie ein Schluchzen klang.

»Was gibt's denn?« fragte sein Freund. »Womit quält Ihr Euch nun selber?«

»Ich habe einigen Verdacht, mein theuerster Freund Harry Schmied, daß der Bursche floh aus Furcht vor Euch und nicht vor mir.«

»Denkt das nicht,« antwortete der Waffenschmied; »er sah zwei Männer und floh, und wer kann sagen, ob er wegen des einen oder des andern floh? Ueberdies kennt er aus Erfahrung Eure Stärke und Gewandtheit; wir Alle sahen, wie Ihr stießt und kämpftet, als Ihr am Boden laget.«

»That ich das?« sagte der arme Proudfute; »ich erinnere mich nicht – aber ich weiß, daß das meine starke Seite ist – ich bin stark, wenn's darauf ankommt. Aber sahen es auch Alle?«

»Alle so gut wie ich,« sagte der Schmied, die Neigung zum Lachen unterdrückend.

»Aber du wirst sie daran erinnern?«

»Ganz gewiß,« antwortete der Schmied; »und auch an dein letztes verzweifeltes Nachsetzen. Merkt, was ich dem Bailie Craigdallie sagen werde, und macht's Euch zu nutze.«

»'s ist nicht darum, daß ich ein Zeugniß zu meinen Gunsten brauchte, denn ich bin von Natur so tapfer, wie die meisten Männer in Perth – sondern nur« – hier hielt der Mann des Muthes inne. »Aber was denn?« fragte der muthige Waffenschmied.

»Nur, daß ich mich vor dem Todtgeschlagenwerden fürchte. Mein artiges Weib und meine jungen Kinder zu verlassen, Ihr seht wohl, das wäre ein trauriger Wechsel, Schmied. Ihr werdet dies erfahren, wenn Ihr selber in dem Falle seid, und Euer Muth wird dann schwächer werden.«

»Das kann wohl sein,« sagte der Waffenschmied nachsinnend.

»Dann bin ich so gewöhnt an den Gebrauch der Waffen und habe so guten Athem, daß Wenige es mit mir aufnehmen. Seht hier,« sagte der kleine Mann, indem er seine Brust wie die eines Huhns am Bratspieß ausdehnte und die Hände darauf legte, »hier ist Raum genug für die Luft.«

»Ich darf wohl sagen, Ihr seid langathmig – zum wenigsten beweisen's Eure Reden –«

»Meine Reden? – Ihr seid ein Spaßvogel – aber ich habe die Schilderei von einem Dromond den Fluß herauf von Dundee geschafft.«

»Die Schilderei von einem Dromond!« rief der Waffenschmied. »Nun, Freund, das wird Euch mit dem ganzen Clan in Fehde verwickeln – der meines Wissens nicht der am wenigsten rachsüchtige im Lande ist.«

»Heiliger Andreas, Mann, Ihr mißversteht mich! – Ich meine einen Dromond, d. h. ein großes Schiff. Ich habe diese Schilderei in meinem Hofe befestigt und gemalt und ausgebessert, daß das Ding wie ein Sultan oder Saracene aussieht, und daran üb' ich meinen Athem und brauche mein zweihändig Schwert auf Hieb und Stoß stundenlang dagegen.«

»Das muß Euch mit dem Gebrauch Eurer Waffen vertraut machen,« sagte der Schmied.

»Ja freilich thut es das – und manchmal setz' ich eine Mütze (versteht sich eine alte) auf meines Sultans Haupt und spalte sie mit einem so gewaltigen Hieb, daß der Ungläubige wahrlich bald nur noch die Hirnschale übrig haben wird.«

»Das ist nicht gut, denn Ihr werdet Eure Uebung verlieren,« sagte Harry. – »Aber was sagt Ihr, Strumpfwirker? Ich will einmal meine Pickelhaube und meinen Harnisch anlegen, und Ihr sollt auf mich hauen, wenn Ihr mir erlaubt, mit einem großen Schwert zu pariren und die Hiebe zurückzugeben. Was meint Ihr dazu?«

»Das geht auf keinen Fall, mein lieber Freund. Ich würde Euch zu viel Schaden thun; – überdies fecht' ich, die Wahrheit zu gestehen, viel freier gegen einen Helm oder Mütze, wenn sie auf meinem hölzernen Sultan sitzt – denn da bin ich gewiß, sie 'runter zu hauen. Seh' ich aber eine Feder darauf schwanken, zwei feurige Augen unter dem Visir hervorblitzen und die ganze Gestalt hier und dorthin tanzen, da ist allerdings meine Hand weniger fest.«

»Also, wenn die Leute still hielten, wie Euer Sultan, so würdet Ihr den Tyrannen mit ihnen spielen, Meister Proudfute?«

»Mit der Zeit und durch Uebung könnt' ich es wohl,« antwortete Oliver. – »Aber hier kommen wir zu den Andern; Bailie Craigdallie sieht böse aus – aber seine Art zornig zu sein, schreckt mich nicht.«

Der freundliche Leser muß sich erinnern, daß, sobald der Bailie und seine Gefährten sahen, wie der Schmied zum besiegten Strumpfwirker kam und der Fremde sich zurückzog, sie nicht weiter für nöthig hielten, Oliver zu Hilfe zu eilen, in der Hoffnung, die Gegenwart des gefürchteten Harry Gow werde Jenen hinreichend sicherstellen. Sie schlugen daher wieder den geraden Weg nach Kinfauns ein, weil sie sich ihres Auftrages möglichst bald entledigen wollten. Da eine geraume Zeit verflossen war, bis der Strumpfwirker und der Schmied wieder zu ihnen stießen, fragte der Bailie, sich vorzüglich an Harry wendend, warum sie die kostbare Zeit mit Verfolgung des Falkners verschwendet hätten?

»Alle Heiligen, meine Schuld war's nicht, Meister Bailie,« erwiderte der Schmied. »Wenn Ihr einen gemeinen niederländischen Windhund mit einer hochländischen Wolfsdogge paart, so dürft Ihr jenen nicht schelten, wenn er beiher läuft, wohin diese ihn zieht. Ganz so ist mir's mit meinem Nachbar Oliver Proudfute gegangen. Kaum war er wieder aufgestanden, so warf er sich wie der Blitz auf sein Pferd, und ergrimmt über die Feigheit, womit der Räuber seinen Sturz benutzt hatte, eilte er ihm nach wie ein Dromedar. Ich mußte ihm wohl folgen, theils um einen zweiten Fall zu verhüten, theils um unsern Beschützer, unsern tapfern Freund zu vertheidigen, wenn ihm dort oben auf der Anhöhe ein Hinterhalt gelegt worden wäre. Aber der Schurke, der im Gefolge eines Lords von den Marches ist und einen geflügelten Sporn auf der Schulter trägt, floh vor unserm Nachbar, wie die Funken vom Feuersteine.«

Der Senior Bailie von Perth lauschte mit Staunen der Sage, welche Harry Gow zu verbreiten beliebte; denn obwohl ihm wenig an der Sache lag, hatte er doch immer an der Wahrheit der romantischen Thaten des Strumpfwirkers gezweifelt, die er nun doch in gewissem Grade für richtig halten mußte. Der schlaue alte Glower durchschaute die Sache besser.

»Ihr werdet den alten Strumpfwirker toll machen,« flüsterte er Harry zu; »er wird mit seiner Klapper lärmen, als wär's eine Stadtglocke an einem Freudenfeste, während er der Ordnung und des Anstandes wegen ganz still sein sollte.«

»O, bei unserer lieben Frau, Vater,« erwiderte der Schmied, »ich liebe den armen kleinen Prahlhans, und mag nicht daran denken, ihn reuig und schweigend beim Oberrichter zu sehen, während alle Uebrigen, und besonders der giftige Apotheker, ihre Meinung sagten.« »Du bist ein allzuguter Bursche, Harry,« antwortete Simon. »Merk' aber den Unterschied zwischen diesen beiden Männern. Der harmlose kleine Strumpfwirker nimmt die Miene eines Drachen an, um seine natürliche Feigheit zu verstecken, während der arglistige Apotheker sich bemüht, schüchtern, muthlos und bescheiden zu scheinen, um seine gefährliche Gemüthsart zu bergen. Die Natter ist nicht minder tödtlich, weil sie unter einen Stein kriecht. Ich sage dir, Sohn Harry, daß, bei all' seinen kriechenden Blicken und schüchternen Worten, dies elende Gerippe Unheil mehr liebt, als es Gefahr fürchtet. – Aber hier stehen wir vor des Oberrichters Schloß. Und Kinfauns ist ein stattlicher Ort, und es gereicht der Stadt zum Vortheil, den Eigner eines so tüchtigen Schlosses zur obersten Magistratsperson zu haben.«