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»In der That eine hübsche Burg,« sagte der Schmied, auf den breitfluthenden Tay blickend, der unter der Höhe hinfloß, worauf das Schloß stand, gleich seinem modernen Nachfolger, und wie die Königin des Thales erschien, obschon auf der andern Seite des Flusses die starke Mauer von Elcho ihr den Vorrang streitig machen zu wollen schien. Indeß war Elcho um diese Zeit ein friedliches Kloster, und hinter den Mauern, die es umschlossen, lebten keusche Jungfrauen, die der Welt und ihren Genüssen entsagt hatten. »Ein tüchtiges Schloß,« sagte der Waffenschmied, wieder auf die Thürme von Kinfauns blickend, »es ist Brustwehr und Panzer des schönen Gebietes des Tay; es müßte manche gute Klinge schartig werden, ehe man ihm beikommen könnte.«

»Der Pförtner von Kinfauns, der aus der Ferne die Personen und den Stand der Nahenden erkannte, hatte bereits das Hofthor zu ihrem Eintritt geöffnet, nachdem er Sir Patrick Charteris hatte melden lassen, daß der älteste Bailie von Perth mit mehreren anderen Bürgern dieser Stadt sich dem Schlosse nähere. Der Ritter, der gerade auf die Falkenjagd gehen wollte, empfing diese Nachricht etwa auf die Weise, wie ein Gutsherr in unserer Zeit, wenn ein ungelegener Besuch gemeldet wird, d. h. er wünschte im Stillen die Gäste zu allen Teufeln, während er laut befahl, sie mit gebührendem Anstand und aller Höflichkeit zu empfangen. Den Dienern befahl er, Wildpret und kaltes Fleisch im großen Saale aufzustellen, und seinem Kellermeister, einige Tonnen anzuzapfen, und seine Pflicht zu thun; denn wenn die gute Stadt dann und wann seinen Keller füllte, so waren die Bürger stets ebenso bereit, seine Flaschen leeren zu helfen.

Die guten Bürger wurden ehrerbietig in den Saal geführt, wo der Ritter, in einem Reitkleide und Stiefeln bis in die Mitte der Schenkel, sie mit einem Gemisch von Höflichkeit und oberherrlicher Herablassung empfing; er wünschte sie dabei in den Grund des Tay, weil sie ihn in einem Vergnügen störten, dem er den Morgen hatte widmen wollen. Er ging ihnen bis in die Mitte des Saales mit entblößtem Haupte und den Hut in der Hand entgegen, und begrüßte sie ungefähr so: – »Ah, Meister Bailie Craigdallie, ehrenwerther Simon Glover, Väter der guten Stadt – und Ihr, mein gelehrter Apotheker – und Ihr, tapferer Schmied, – und auch Ihr, mein muthiger Strumpfwirker, der mehr Köpfe spaltet, als er Mützen verfertigt, – was schafft mir das Vergnügen, so viel Freunde zu so gelegener Stunde bei mir zu sehen? Ich wollte auf die Falkenjagd, und eure Gesellschaft wird den Genuß noch erhöhen – (bei Seite: ich hoffe zu unsrer lieben Frau, daß sie die Hälse brechen!) – das heißt, wenn die Stadt keinen Auftrag für mich hat – Gilbert, du Schelm, spute dich mit dem Wein. – Aber ich hoffe, euer Geschäft ist nicht ernsterer Art, als zu versuchen, ob der Malvasier hier seinen Wohlgeschmack behalten hat?«

Die Abgeordneten der Stadt erwiderten ihres Oberrichters Höflichkeiten durch Verbeugungen und Kratzfüße, die mehr oder minder charakteristisch waren. Die Verbeugung des Apothekers war die tiefste, und die des Schmieds die ungezwungenste. Wahrscheinlich kannte er seinen eignen Werth als Mann des Schwertes. Der Bailie antwortete im Namen der Andern.

»Sir Patrick Charteris und unser edler Lord Oberrichter,« sagte Craigdallie würdevoll, »wäre unsere Absicht nur, Gebrauch von der Gastlichkeit zu machen, mit der Ihr uns schon oft empfangen habt, so hätte uns das Gefühl des Schicklichen gelehrt, wie sonst auf eine Einladung zu warten. Was die Falkenjagd anlangt, so haben wir deren für einen Morgen schon genug gehabt, denn wir stießen unterwegs auf einen Burschen, der im Stadtgebiet jagte und der unsern Freund Oliver oder Proudfute, wie er genannt wird, aus dem Sattel geworfen und gemißhandelt hat, einzig darum, weil er ihn in Eurem und der Stadt Namen fragte, wer oder was er sei, daß er sich so viel herausnehme.«

»Und was sagte er von sich?« fragte der Oberrichter. »Bei St. John! ich will ihn meine Jagd achten lehren!«

»Mit Eurer Gnaden Erlaubniß,« sagte der Strumpfwirker, »er nahm seinen Vortheil über mich wahr. Aber ich stieg hernach wieder auf und setzte ihm muthig nach. Er nennt sich Richard der Teufel.«

»Wie, mein Freund? Auf den die Lieder und Romanzen gemacht sind?« sagte der Oberrichter. »Ich dachte, dieses Burschen Namen wäre Robert.«

»Ich denke, das sind verschiedene Leute, Mylord; ich nannte den Kerl blos beim vollen Namen, denn eigentlich nannte er sich den Teufels-Dick und sagte, er sei ein Johnstone und im Gefolge des Lords gleichen Namens. Aber ich hetzte ihn tüchtig und jagte ihm meine Jagdtasche wieder ab, die er mir bei meinem Unfall abgenommen.«

Sir Patrick schwieg einen Augenblick. »Wir haben,« sagte er dann, »vom Lord von Johnstone und seinen Begleitern gehört. Es kommt wenig dabei heraus, wenn man sich mit ihnen einläßt. – Schmied, sagt mir, habt Ihr das ruhig angesehen?« »Ja, freilich wohl, Sir Patrick; meine Vorgesetzten befahlen mir, nicht zu Hilfe zu kommen.«

»Nun, wenn du ruhig geblieben bist,« sagte der Oberrichter, »so seh' ich nicht ein, warum wir unruhig werden sollten; besonders da Meister Oliver Proudfute, obwohl anfangs im Nachtheil, wie er sagt, seine Ehre und die der Stadt rettete. Aber hier kommt endlich der Wein. Schenkt meinen guten Freunden und Gästen ein, bis es überläuft. Auf das Wohl von St. Johnston und ein fröhlicher Willkommen euch Allen, meine wackern Freunde! Und nun setzt euch und eßt einen Bissen, denn die Sonne steht hoch und ihr muntern Leute werdet lange nichts genossen haben.«

»Bevor wir essen, Mylord Oberrichter,« sagte der Bailie, »laßt uns den dringenden Grund unseres Kommens berichten, welchen wir noch nicht berührt haben.«

»Nein, ich bitte, Bailie,« sagte der Oberrichter, »laßt das, bis ihr gegessen habt. Eine Beschwerde gegen die übermüthigen Jackmen und Diener der Edeln, die in den Straßen der Stadt Ball spielten, oder sonst so eine hübsche Sache?«

»Nein, Mylord,« sagte Craigdallie ernst und fest. »Die Herren der Jackmen sind's, über die wir klagen, weil sie Ball mit der Ehre unserer Familien spielten, und so wenig Umstände mit unserer Töchter Schlafkammern machen, als wären sie in einem Bordell zu Paris. Eine Schaar Nachtschwärmer, – Hofleute und Männer von Rang, wie nur zu viel Grund zu glauben ist, – versuchten in letzter Nacht die Fenster in Simon Glovers Hause zu ersteigen; sie standen mit gezogenen Wehren zu ihrer Verteidigung, als sie durch Harry Schmied gestört wurden, und sie kämpften, bis sie von den erwachten Bürgern vertrieben wurden.«

»Wie?« sagte Sir Patrick, den Becher niedersetzend, den er eben erheben wollte. »Teufel, beweist mir das, und bei der Seele Thomas von Longueville's, mit meiner besten Macht will ich euch beistehen und sollt' es mir Leben und Land kosten. – Wer bezeugt das? – Simon Glover, man kennt Euch als ehrlichen und behutsamen Mann – nehmt Ihr die Wahrheit dieser Beschuldigung auf Euer Gewissen?« »Mylord,« sagte Simon, »versteht wohl, daß ich nicht freiwillig in dieser wichtigen Sache als Kläger auftrete. Nur die Ruhestörer selbst haben dabei den Schaden gehabt. Ich fürchte, nicht blos große Macht konnte sie zu solcher ungesetzlichen Tollkühnheit ermuthigen; und ich möchte nicht gern Anlaß geben, daß sich zwischen meiner Vaterstadt und einem mächtigen Edlen eine gefährliche Fehde erhöbe. Aber man hat angedeutet, wenn ich mich lässig zeigte, hierin zu klagen, so gäb' ich gleichsam zu erkennen, daß meine Tochter einen solchen Besuch erwartete, was völlig unwahr ist. Daher, Mylord, will ich Ew. Gnaden den ganzen Hergang der Sache nach Wissen und Gewissen erzählen und Eurer Weisheit die Entscheidung, was zu thun sei, überlassen.« Dann erzählte er, Punkt für Punkt, Alles, was er von dem Ueberfalle gesehen hatte.

Sir Patrick Charteris, mit vieler Aufmerksamkeit zuhörend, schien besonders verwundert über das Entkommen des Mannes, der gefangen worden war. »Seltsam,« sagte er, »daß Ihr ihn nicht festhieltet, als Ihr ihn hattet. Saht Ihr ihn nicht genau genug an, um ihn wieder zu erkennen?«