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Das ungebundene und ungebührliche Benehmen des Herzogs von Rothsay war in der öffentlichen Meinung um so tadelnswerther, als er ein verheiratheter Mann war; obwohl Manche, auf die seine Jugend, Heiterkeit, Huld und Gutmüthigkeit Einfluß hatten, der Meinung waren, daß gerade die Verhältnisse seiner Ehe seinen Ausschweifungen zur Entschuldigung dienen könnten. Sie erinnerten sich, daß seine Vermählung ganz das Werk seines Oheims, des Herzogs von Albany, gewesen war, durch den sich der schwache, blödsinnige König meist leiten ließ, und der, wie man allgemein glaubte, dem Geiste seines Bruders eine den Interessen und Hoffnungen des künftigen Thronerben schädliche Richtung zu geben suchte. Durch die Intriguen Albany's wurde die Hand des Prinzen gleichsam an den Meistbietenden verkauft, denn er gab öffentlich zu verstehen, derjenige schottische Große, dessen Tochter die bedeutendste Mitgift erhielte, dürfe hoffen, der Schwiegervater des Herzogs von Rothsay zu werden.

Bei dem erfolgten Streite um den Vorrang wurde Georg, Graf von Dunbar und March, der für sich oder durch seine Vasallen einen großen Theil der östlichen Grenzen besaß, den andern Bewerbern vorgezogen, und seine Tochter wurde mit wechselseitiger Zustimmung des jungen Paares dem Herzog von Rothsay verlobt.

Aber eine dritte Partei mußte noch befragt werden, und das war kein Anderer, als der furchtbare Archibald, Graf von Douglas, zu fürchten wegen der Ausdehnung seiner Besitzungen, wegen seiner zahlreichen Aemter und Gerichtsbarkeiten und wegen seiner Weisheit und seines Muthes, vereint mit unbändigem Stolze und einer ungewöhnlichen Rachlust. Auch war der Graf dem Throne nahe verwandt, indem ihm die älteste Tochter des regierenden Königs vermählt war.

Nach der Verlobung des Herzogs von Rothsay mit des Grafen von March Tochter trat Douglas auf, als ob er gezögert hätte, an der Verhandlung Theil zu nehmen, um zu zeigen, daß sie ohne ihn nicht abgeschlossen werden könne, um den Contrakt ungiltig zu machen. Er bot seine Tochter Marjory mit einer noch bedeutenderen Mitgift an, als der Graf von March versprochen hatte, und Albany, durch seine Habsucht und die Furcht vor Douglas beherrscht, machte seinen Einfluß auf den blödsinnigen Monarchen geltend und bestimmte ihn, dem Grafen von March das Wort zu brechen und seinem Sohne Marjory Douglas zu geben, eine Frau, die dieser nicht lieben konnte. Die einzige Entschuldigung, die man gegen den Grafen von March vorbrachte, war, daß die Verlobung des Prinzen mit Elisabeth von Dunbar die Zustimmung des Parlaments nicht erhalten habe, und so lange diese Bestätigung fehle, Verträge der Art nicht bindend seien. Der Graf war sehr erbittert über den ihm und seiner Tochter angethanen Schimpf, und man glaubte allgemein, er sinne auf Rache, wozu ihm das Ansehen, in dem er an der englischen Grenze stand, leicht die Mittel leihen zu müssen schien.

Inzwischen machte der Herzog von Rothsay, aufgebracht, daß man seine Hand und seine Neigungen dieser Staatsintrigue geopfert habe, seinem Mißvergnügen Luft, indem er seine Gemahlin vernachlässigte, seinen furchtbaren und gefährlichen Schwiegervater verachtete und selbst dem Ansehen des Königs wenig Achtung bezeigte, auch gar keine der Vorstellungen seines Oheims Albany anhörte, den er als erklärten Feind betrachtete.

Unter diesen Familienmißhelligkeiten, die sich auch auf seine Räthe und die Verwaltung erstreckten, so daß sich überall die schlimmen Folgen der Uneinigkeit und des Zwiespalts zeigten, ließ sich der schwache König eine Zeitlang durch den Rath seiner Gemahlin, der Königin Annabella, einer Tochter des edlen Hauses von Drummond, leiten. Mit hohem Scharfsinn und Festigkeit des Charakters ausgestattet, steckte sie dem Leichtsinn eines Sohnes, der sie achtete, einigermaßen Schranken, und hielt nicht selten den wankenden Sinn ihres königlichen Gemahls aufrecht. Aber nach ihrem Tode glich der Fürst einem Schiffe, das die Anker verloren hat und von entgegengesetzten Strömungen hin- und hergeworfen wird. Man konnte sagen, daß Robert seinen Sohn leidenschaftlich liebte, daß er eine furchtsame Achtung gegen den Charakter seines Bruders Albany hegte, der freilich viel fester war, als sein eigener; daß Douglas ihm eine fast instinktmäßige Furcht einflößte, und daß er an der Treue des kühnen, aber unbeständigen Grafen von March zweifelte. Die Empfindungen, die er gegen diese verschiedenen Personen hegte, verflossen so in einander, daß sie von Zeit zu Zeit ganz anders erschienen, als sie wirklich waren. Der letzten Gewalt, die über sein lenksames Gemüth ausgeübt worden war, nachgebend, wurde der König, nachdem er ein nachsichtiger Vater gewesen, streng und selbst grausam, sein Vertrauen auf seinen Bruder verwandelte sich in Mißtrauen, und der sonst so sanfte, gütige Monarch zeigte sich als eifersüchtigen, eigennützigen Tyrannen. Wie das Kamäleon trug sein schwaches Gemüth die Farbe des stärkern Geistes, von dem er sich für den Augenblick lenken ließ. Wenn er dem Rathe eines Gliedes seiner Familie nicht mehr folgte, um sein Ohr dem eines Andern zu erschließen, so war es nicht ungewöhnlich, eine gänzliche Aenderung der Verwaltung eintreten zu sehen: ein Wechsel, eben so unehrenvoll für den Charakter des Königs, als gefährlich für das Wohl des Staates.

Eine natürliche Folge war, daß die Geistlichkeit der katholischen Kirche Einfluß auf einen Mann erlangte, der die besten Absichten hatte, aber dabei einen gänzlichen Mangel an festen Entschlüssen. Es quälte Robert nicht nur das peinliche Bewußtsein der Fehler, die er wirklich begangen hatte, sondern auch die Furcht, die ein abergläubisches Gemüth immer mit Bangigkeit erfüllt. Wir brauchen daher kaum noch hinzuzusetzen, daß die Geistlichen der verschiedenen Orden keinen geringen Einfluß auf einen so schwachen Fürsten ausübten, obwohl dies ein Einfluß war, dem in jener Zeit Wenige entgingen, so fest und entschlossen sie sich auch in ihren weltlichen Angelegenheiten zeigen mochten. – Wir kehren nun von dieser langen Abschweifung zurück, ohne welche unsere Erzählung nicht recht verständlich werden konnte.

Der König hatte sich mühsam und ungraziös zu dem Polsterstuhle bewegt, der unter einem Thronhimmel für ihn bereit stand, und auf welchen er sich behaglich niederließ, gleich einem bequemen Manne, der eine Zeitlang in einer gezwungenen Stellung verharrt hatte. Als er saß, drückten die ehrwürdigen Züge und die sanfte Miene des Greises nichts als wohlwollende Güte aus. Der Prior, in einer Stellung tiefer Ehrerbietung, die sein von Natur stolzes Ansehen barg, vor dem Sessel des Königs stehend, war ein Mann zwischen vierzig und fünfzig Jahren, aber noch keines seiner Haare hatte die natürliche schwarze Farbe verloren. Verständige Züge und ein lebhafter Blick verriethen die Talente, durch die sich der ehrwürdige Prior auf den hohen Posten gehoben hatte, den er bei seinem Orden, und man kann hinzusetzen, im Staatsrathe bekleidete, wo er nicht selten von ihnen Gebrauch machte. Die Hauptzwecke, welche Erziehung und Gewohnheit ihn verfolgen lehrten, waren Vermehrung der Güter und Reichthümer der Kirche und Unterdrückung der Ketzerei, ein Ziel, zu dessen Erreichung er alle Mittel anwandte, die ihm seine Stellung an die Hand gab; aber durch die Aufrichtigkeit seines Glaubens und treue Befolgung der Vorschriften der Sittlichkeit, die ihn im gewöhnlichen Leben leiteten, machte er seiner Religion Ehre. Die Fehler, welche Prior Anselm zu unseligen Irrthümern und selbst zur Grausamkeit verleiteten, müssen vielleicht dem Geiste seiner Zeit und seines Standes zugeschrieben werden – seine Tugenden waren sein eigen.

»Nachdem dies geschehen,« sagte der König, »und die erwähnten Ländereien durch meine Schenkung diesem Kloster gesichert sind, seid Ihr dann der Meinung, Vater, daß ich hinreichend in der Gunst unserer heiligen Mutter Kirche stehe, um mich ihren gehorsamen Sohn zu nennen?«