»Gewiß, mein König,« sagte der Prior; »wollte Gott, daß all' ihre Kinder zum Sakrament der Beichte ein eben so lebendiges Bewußtsein ihrer Fehler brächten, und eben so viel guten Willen, sie abzubüßen. Aber ich spreche diese tröstlichen Worte, Sir, nicht zu Robert, dem König von Schottland, sondern nur zu meinem demüthigen und andächtigen Beichtkinde, Robert Stuart von Carrick.«
»Ihr überrascht mich, Vater,« antwortete der König. »Mein Gewissen macht mir wenig Vorwürfe für das, was ich in meinem königlichen Berufe gethan, denn ich pflege dabei weniger meiner eigenen Meinung, als der Stimme der weisesten Räthe zu folgen.«
»Eben darin liegt die Gefahr, mein König,« erwiderte der Prior. »Der heilige Vater erkennt in jedem Worte, jedem Gedanken, jeder Handlung bei Euch den gehorsamen Diener der heiligen Kirche. Aber es gibt schlimme Räthe, die der Eingebung ihrer schlechten Herzen folgen, während sie die Güte und Lenksamkeit ihres Monarchen mißbrauchen, und unter dem Scheine, seinen zeitlichen Interessen zu dienen, Schritte thun, die seinem ewigen Wohle nicht förderlich sein können.« König Robert erhob sich in seinem Stuhle und nahm eine gebietendere Miene an, die er, obwohl sie ihm zukam, selten zu zeigen pflegte.
»Prior Anselm,« sagte er, »wenn Ihr in meinem Benehmen Etwas entdeckt habt, sei es in meinem königlichen oder in meinem Stande als Privatmann, was solchen Tadel nach sich ziehen kann, wie Eure Worte andeuten, so ist es Eure Pflicht, offen zu sprechen, und ich befehle Euch, so zu thun.«
»Mein König, es soll Euch gehorcht werden,« antwortete der Prior mit leichter Verbeugung. Dann erhob er sich, und indem er die Würde seines kirchlichen Ranges annahm, sagte er: »Hört von mir die Worte unsers heiligen Vaters, des Papstes, des Nachfolgers St. Peters, dem die Schlüssel gegeben sind, beides, zu binden und zu lösen: Warum, Robert von Schottland, hast du nicht gesetzt auf den Stuhl des heiligen Andreas, Henry von Warstlaw, den der Papst empfahl, um jenen Sitz einzunehmen? Warum thust du Bekenntniß mit deinen Lippen, als gehorsamer Diener der Kirche, wenn deine Handlungen die Verstocktheit und den Ungehorsam deines Innern kund thun? Gehorsam ist besser denn Opfer.«
»Sir Prior,« sagte der Monarch, in einem Tone, der seinem hohen Range zukam, »wir können uns wohl erlassen, Euch über diesen Gegenstand zu antworten, da die Sache uns und die Staaten unsers Reichs betrifft, nicht aber unser persönliches Gewissen angeht.«
»Ach!« sagte der Prior, »und wessen Gewissen wird sie am jüngsten Tage angehen? Wer von Euren kühnen Lords oder reichen Bürgern wird sich dann zwischen den König und die Strafe stellen, die er verwirkt hat, indem er ihrer weltlichen Politik in geistlichen Angelegenheiten folgte? Wisse, mächtiger König, daß, wäre auch die ganze Ritterschaft deines Reiches aufgestellt, um dich vor dem Donnerkeil zu schirmen, daß sie doch verzehrt werden würde, wie trockenes Pergament von der Gluth eines Ofens.«
»Guter Vater Prior,« sagte der König, auf dessen schüchternes Gewissen eine solche Sprache selten verfehlte großen Eindruck zu machen, »Ihr redet sicherlich zu streng in dieser Sache. Es war während meiner letzten Unpäßlichkeit, als der Graf von Douglas als Statthalter die königliche Gewalt in Schottland ausübte, daß sich das Hinderniß gegen die Aufnahme des Primaten unglücklicherweise erhob. Tadelt mich daher nicht um dessen willen, was sich ereignete, als ich die Angelegenheiten des Reichs nicht leiten konnte, und meine Macht einem Andern anvertrauen mußte.«
»Eurem Unterthan, Sire, habt Ihr genug gesagt,« erwiderte der Prior. »Aber wenn sich das Hinderniß während der Statthalterschaft des Grafen Douglas erhob, so wird der Legat Seiner Heiligkeit Euch fragen, warum es nicht sofort verschwand, als der König die Zügel der Gewalt wieder in seine Hand nahm? Der schwarze Douglas kann viel thun, mehr als ein Unterthan in seines Herrn Reiche sollte thun können; aber er kann sich nicht zwischen Ew. Majestät und Euer Gewissen stellen, oder Euch von den Pflichten gegen die heilige Kirche entbinden, die Euch Euer Stand als König auferlegt.«
»Vater,« sagte Robert mit einiger Ungeduld, »Ihr seid zu streng in dieser Sache und solltet zum wenigsten eine gelegene Zeit erwarten, bis wir Frist zur Erwägung einer Abhilfe haben. Solche Streitfälle sind häufig unter der Regierung unserer Vorfahren vorgekommen, und unser königlicher und seliger Vorfahr, der heilige David, entsagte seinen Vorrechten als Monarch nicht, ohne sie vertheidigt zu haben, obwohl er sich dadurch mit dem heiligen Vater selbst in Streit verwickelte.«
»Und darin war dieser große und gute König weder fromm noch heilig,« sagte der Prior; »und daher ward er in die Macht seiner Feinde gegeben, als er sein Schwert gegen die Banner St. Peters, St. Pauls und St. Johannes von Beverley erhob, in dem Kriege, der noch der Standartenkrieg heißt. Gut war es für ihn, daß, gleich seinem Namensvetter, dem Sohn Isai's, seine Sünde auf Erden bestraft ward, um nicht gegen ihn zu zeugen am schrecklichen Tage des jüngsten Gerichts.«
»Wohl, guter Prior – wohl – genug davon für diesmal. Der heilige Stuhl soll, Gott geb' es, nicht Ursache haben, sich über mich zu beklagen. Ich nehme unsere Liebe Frau zum Zeugen, daß ich nicht um die Krone, die ich trage, die Bürde auf mich nehmen möchte, unsere Mutter Kirche zu beleidigen. Wir fürchteten immer, daß der Graf von Douglas seine Blicke zu sehr auf den Ruhm und die zeitlichen Güter dieses vergänglichen und flüchtigen Lebens richte, um überhaupt die Ansprüche zu kennen, welche die künftige Welt an uns hat.«
»Es ist nicht lange her,« sagte der Prior, »daß er sich mit einer Schaar von tausend Gefährten im Kloster von Aberbrothock Quartier erzwang, und der Abt ist genöthigt, ihn mit Allem für Roß und Mann zu versorgen, der Graf nennt dies eine Uebung der Gastfreiheit, die er mit Recht von einer Stiftung erwarte, zu welcher seine Vorfahren beigetragen hätten. Gewiß besser wäre es, dem Douglas seine Ländereien zurückzugeben, als solche Erpressung zu dulden, welche mehr der unbändigen Zügellosigkeit eines hochländischen Räubers gleicht, als dem Benehmen eines christlichen Barons.«
»Die schwarzen Douglase,« sagte der König mit einem Seufzer, »sind ein Geschlecht, welches keinen Widerspruch hören mag. Aber, Vater Prior, ich bin vielleicht selbst so ein Zudringlicher; denn ich bin schon lange bei Euch gewesen, und meine Gefährten, obwohl nicht so zahlreich, wie jene des Douglas, sind trotzdem ihrer genug, um Euch mit ihrem täglichen Unterhalt zu belästigen. Und obwohl unser Befehl ist, Euren Aufwand so viel als möglich zu erleichtern, so wäre es doch, wenn wir Euch belästigen, gerathen, uns endlich zu entfernen.«
»Nun, das verhüte unsre liebe Frau!« sagte der Prior, der, wenn auch begierig nach Macht, doch nichts Niedriges und Habsüchtiges in seinem Charakter hatte, sondern sogar eine vorzügliche Großmuth und Freundlichkeit besaß; »sicherlich kann das Dominikanerkloster seinem Fürsten die Gastfreiheit gewähren, die das Haus jedem Wanderer, weß Standes er auch sei, bietet, den die armen Diener unsers Schutzheiligen bewirthen. Nein, mein königlicher Herr, kommt mit einem zehn Mal größern Gefolge, als jetzt, und es soll kein Körnchen Hafer, kein Bund Stroh, kein Stück Brod und kein Pfund Fleisch mangeln. Ein Anderes ist's, die Einkünfte der Kirche, die ansehnlicher sind, als die Mönche wünschen dürfen oder nöthig haben, dazu zu verwenden, mit geziemender Achtung Ew. Majestät zu empfangen, ein Anderes, sie sich von rohen, gewaltthätigen Menschen entrissen zu sehen, deren Liebe zum Raub keine andern Schranken kennt, als den Umfang ihrer Gewalt.«
»Nun wohl, guter Prior,« sagte der König; »lenken wir nun unsere Gedanken einen Augenblick von Staatsangelegenheiten ab; – könnt Ihr, ehrwürdiger Herr, uns berichten, wie die guten Bürger von Perth ihren Valentinstag begonnen haben? Verliebt und fröhlich, und hoffentlich friedlich?«