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Denn Frieden, wie ihn Engel leihn,

Und Kindesunschuld waren dein,

Arme Louise!

Arme Louise! Hin ist dein Gut!

Weiß nicht, ob List es stahl, ob Gluth.

Gabst du es, nahm's des Räubers Wuth?

Doch nun ist Elend das ganze Gut

Der armen Louise!

Arme Louise! Nach Hilfe streckt

Sie die Hand nicht aus; von der Lust geweckt

Sei kein Fröhlicher, durch sie geschreckt –

Denn der Himmel tröstet, die Erde deckt

Die arme Louise.

Kaum war das Lied beendigt, als der König, besorgt, daß sich der Streit zwischen seinem Bruder und dem Grafen von March wieder entspinnen möchte, dem Letztern zurief: »Was haltet Ihr von der Musik, Mylord? – ich denk' es selber hier in der Ferne vernommen zu haben, es war ein lebendiges, angenehmes Lied.«

»Mein Urtheil ist nicht von Belang, Herr; aber die Sängerin kann meinen Beifall entbehren, da sie den seiner Hoheit, Rothsay's, des ersten Kenners in Schottland, erhalten zu haben scheint.«

»Wie!« sagte der König unruhig, »ist mein Sohn unten?«

»Er sitzt zu Pferde neben der Sängerin,« sagte March mit einem boshaften Lächeln, »offenbar eben so angezogen durch ihre Unterhaltung, wie durch ihre Musik.«

»Wie ist das, Vater Prior?« sagte der König. Aber der Prior zog sich vom Fenster zurück.

»Mein König, ich will Dinge nicht ansehen, deren Bericht mir schwer fallen würde.«

»Wie verhält sich das?« sagte der König, dessen Gesicht von Röthe bedeckt war, während er im Begriff schien, aufzustehen; doch besann er sich anders, vielleicht weil er nicht gern einen ungeziemenden Streich des wilden jungen Prinzen mit ansehen wollte, den mit nöthiger Strenge zu strafen er nicht über's Herz bringen konnte. Dem Grafen von March schien es Freude zu machen, ihm das zu melden, was er wahrscheinlich nicht gern wissen wollte.

»Mein König,« rief er, »es wird immer besser. Die Sängerin hat nicht nur das Ohr des Prinzen von Schottland eingenommen, wie das jedes Knechtes und Reiters im Hofe, sondern sie hat auch die Aufmerksamkeit des schwarzen Douglas gefesselt, den wir noch nicht als Bewunderer der fröhlichen Kunst kannten. Aber wahrlich, mich wundert seine Ueberraschung nicht, denn der Prinz hat die schöne Künstlerin von Laute und Gesang mit einem Beifallskusse belohnt.«

»Wie?« rief der König, »treibt David von Rothsay Possen mit einer Sängerin, und in Gegenwart des Vaters seines Weibes? – Geht, mein guter Vater Abt, ruft den Prinzen sogleich hierher. – Geht, mein theuerster Bruder« – und als Beide das Gemach verlassen hatten, fuhr der König fort: – »geht, guter Vetter von March – das wird Unheil geben, ich bin deß gewiß. Ich bitt' Euch, geht, Vetter, und unterstützt des Herrn Priors Bitten mit meinem Befehl.«

»Ihr vergeßt, mein König,« sagte March im Tone eines schwer beleidigten Mannes, »daß der Vater Elisabeths von Dunbar ein unpassender Vermittler zwischen Douglas und seinem königlichen Schwiegersohn wäre.«

»Ich bitt' Euch um Verzeihung, Vetter,« sagte der sanfte alte Mann; »ich gestehe, es ist Euch ein Unrecht geschehen – aber mein Rothsay wird ermordet werden – ich muß selber gehen.«

Als er sich aber hastig von seinem Stuhle erhob, that der arme König einen falschen Tritt, stolperte und fiel hart auf eine solche Weise auf den Boden, daß sein Haupt gegen die Ecke des Stuhles stieß, den er verlassen, und er ward eine Minute lang ohnmächtig. Der Anblick dieses Unfalles überwältigte sogleich March's Zorn und machte sein Herz weich. Er eilte zu dem gefallenen Monarchen, half ihm wieder auf seinen Sitz und wandte dabei auf die zarteste und ehrerbietigste Weise solche Mittel an, als ihm am passendsten schienen, sein Bewußtsein zurückzurufen. Robert öffnete seine Augen und starrte verstört umher.

»Was ist geschehen? – sind wir allein? – wer ist bei uns?«

»Euer ergebener Unterthan, March,« erwiderte der Graf.

»Allein mit dem Grafen von March!« wiederholte der König, während sein noch immer gestörter Geist mit einiger Unruhe den Namen eines mächtigen Vasallen vernahm, den er tödtlich beleidigt zu haben glauben mußte.

»Ja, mein gnädiger König, mit dem armen Georg von Dunbar, von dem Viele Ew. Majestät Uebles beibringen, obwohl er Eurer königlichen Person treuer erfunden werden wird, als Jene.«

»Fürwahr, Vetter, es ist Euch zu viel Unrecht geschehen; und glaubt mir, wir wollen auf Entschädigung denken –«

»Wenn Ew. Majestät darauf denkt, so kann es noch geschehen,« unterbrach ihn der Graf, die Hoffnung festhaltend, die ihm sein Ehrgeiz eingab, »der Prinz und Marjory Douglas sind nahe verwandt – die Dispensation von Rom ward nicht in gehöriger Form gewährt – Ihre Heirath kann nicht rechtmäßig sein – der Papst, der mehr für einen so guten Fürsten thun wird, kann dies unchristliche Bündniß aufheben, hinsichtlich des frühern Kontraktes. Bedenkt wohl, mein König,« fuhr der Graf fort, indem sich auf's Neue ehrgeizige Gedanken in ihm regten, welche die unerwartete Gelegenheit, seine Sache persönlich zu vertreten, in ihm erweckt hatte, – »bedenkt Eure Wahl zwischen Douglas und mir. Er ist roh und mächtig, das ist wahr; aber Georg von Dunbar trägt die Schlüssel Schottlands an seinem Gürtel und könnte eine Armee vor die Thore von Edinburg führen, ehe Douglas die Grenzen von Cairntable verließ, um ihr zu begegnen. Euer königlicher Sohn liebt meine arme verlassene Tochter und haßt die stolze Marjory von Douglas. Eure Majestät kann seine geringe Achtung für sie aus seinem Betragen gegen eine gemeine Sängerin in Gegenwart ihres Vaters ersehen.«

Der König hatte bisher der Rede des Grafen mit der verstörten Empfindung eines furchtsamen Reiters zugehört, den ein hartnäckig Pferd trägt, dessen Lauf er weder hemmen noch leiten kann. Aber die letzten Worte erweckten in seiner Erinnerung das Bewußtsein der unmittelbaren Gefahr des Sohnes.

»Ach ja, sehr wahr – mein Sohn – der Douglas – O, mein theuerster Vetter, verhütet Blutvergießen, und Alles soll nach Eurem Willen geschehen. – Horcht, da findet ein Getümmel statt – das war Schwerterklirren!«

»Bei meinem Ritterwort – das ist wahr!« sagte der Graf, aus dem Fenster auf den innern Klosterhof hinabschauend, der jetzt von bewaffneten Leuten und geschwungenen Schwertern angefüllt war und vom Klirren der Waffen widerhallte. Der hochgewölbte Eingang war gedrängt voll von Kriegern, und es schien, als würden Hiebe gewechselt zwischen Einigen, die sich bemühten, das Thor zu schließen, und Andern, die hineinzudringen suchten.

»Ich will sogleich gehen,« sagte der Graf von March, »und diesen plötzlichen Zwist bald dämpfen. Bescheidentlich bitt' ich Eure Majestät, an das zu denken, was ich vorzuschlagen die Kühnheit hatte.« –

»Ich will – ich will, lieber Vetter,« sagte der König, der kaum wußte, was er versprochen hatte. – »Aber verhütet Tumult und Blutvergießen!«

Elftes Kapitel

Schön ist das Mädchen, es umzieht

Ein sonnig Lächeln sie von Weitem;

Die Wolke trüber Sorge sieht

Man in der Näh' sich drüber breiten.

Lucinda, eine Ballade.

Wir müssen hier ein wenig bestimmter die Ereignisse verfolgen, die nicht recht genau vom Fenster des königlichen Saales gesehen und noch ungenauer von Denen berichtet wurden, die Zeugen derselben waren. Das bereits erwähnte Mädchen hatte sich an einen Ort gestellt, wo zwei breite Stufen, die den Zugang zu der großen Treppe bildeten, ihr den Vortheil darboten, anderthalb Schuh höher zu stehen, als die im Hofe, von denen sie gehört zu werden wünschte. Sie trug die Kleidung ihres Standes, welche, mehr prachtvoll als reich, die Gestalt mehr hervortreten ließ, als andere Frauenkleider jener Zeit. Neben ihr lag ihr Mantel und Körbchen, das ihre kleine Garderobe enthielt; ein kleiner französischer Hühnerhund saß als Wächter daneben. Ein azurblaues, silbergesticktes Jäckchen, vorn geöffnet, zog die Taille der Sängerin zusammen und ließ mehrere seidene Westchen von verschiedener Farbe blicken, deren Zuschnitt die Umrisse der Schultern und der Brust bezeichnete. Eine kleine silberne Kette um den Hals verlor sich darunter und erschien von Neuem, um eine Medaille vom nämlichen Metall zu zeigen, die den Hof oder die Sängergesellschaft ankündigte, wo das Mädchen ihre Grade in der »Fröhlichen Kunst« erhalten hatte. Ein kleiner Beutel hing an einem blauen Bande von der Schulter an der linken Seite herab.