»Nicht, so lange Douglas kraftvoll und im Besitze seiner Macht ist,« sagte Albany. »Aber, edler Graf, kommt mit mir, und ich will Euch zeigen, wie Ihr im Nachtheil seid.«
Douglas stieg ab und folgte seinem schlauen Gefährten schweigend. In einem untern Saale sahen sie die Reihen der Brandanen unter Waffen, wohlgerüstet mit Pickelhauben und Panzerhemden. Ihr Hauptmann, der Albany achtungsvoll grüßte, schien ein Gespräch mit ihm zu wünschen.
»Wie steht's, Mac Louis?« sagte der Herzog.
»Man sagt uns, der Herzog von Rothsay sei beleidigt worden, und ich kann die Brandanen kaum hier zurückhalten.«
»Tapferer Mac Louis,« sagte Albany, »und Ihr, meine wackern Brandanen, der Herzog von Rothsay, mein Neffe, befindet sich so wohl, als ein Ritter nur sein kann. Ein kleiner Streit war, aber Alles ist beigelegt.« Er fuhr fort, den Grafen von Douglas weiter zu führen. »Ihr seht, Mylord,« sagte er ihm leise, »daß, wenn das Wort Verhaftung einmal ausgesprochen würde, man leicht gehorchen möchte, und Ihr wißt, daß Eurer Gefährten zu wenig zum Widerstande sind.«
Douglas schien sich für diesmal aus Nothwendigkeit in Geduld zu fügen. »Wenn meine Zähne,« sagte er, »auch die Lippen durchbeißen sollten, ich will schweigen, bis die Stunde zum Sprechen kommt.«
Georg von March hatte inzwischen das leichtere Geschäft, den Prinzen zu beruhigen. »Mylord von Rothsay,« sagte er, sich mit ernster Würde nähernd, »ich brauche Euch nicht zu sagen, daß Ihr mir einige Ehrerstattung schuldig seid, obwohl ich Euch nicht persönlich für den Bruch des Contrakts anklage, der den Frieden meiner Familie störte. Laßt mich Euch bei der Achtung beschwören, die Eure Hoheit einem gekränkten Manne schuldig ist, für jetzt diesen ärgerlichen Streit zu vergessen.«
»Mylord, ich schulde Euch viel,« erwiderte Rothsay; »aber dieser übermüthige und herrschsüchtige Lord hat meine Ehre verletzt.«
»Mylord, ich kann nur hinzufügen, Euer königlicher Vater ist unwohl – ist vor Furcht wegen Eurer Hoheit Sicherheit ohnmächtig geworden.«
»Unwohl!« erwiderte der Prinz – »der freundliche, gute alte Mann – ohnmächtig, sagt Ihr, Mylord von March? – ich werde im Augenblick bei ihm sein.«
Der Herzog von Rothsay sprang aus dem Sattel auf den Boden und eilte wie ein Windspiel in den Palast, als eine schwache Hand seinen Mantel faßte und die zarte Stimme einer knieenden Frau ausrief: »Schutz, mein edler Prinz! – Schutz für eine hilflose Fremde!« »Weg mit der Hand, Landstreicherin!« sagte der Graf von March, die stehende Sängerin bei Seite drängend.
Aber der sanftere Prinz blieb stehen. »Es ist wahr,« sagte er, »ich habe die Rache eines unbarmherzigen Teufels auf dies arme Wesen gelenkt. O Himmel! Welch' ein Leben führ' ich, verhängnißvoll für Alle, die sich mir nahen! – Was ist in der Eile zu thun? – Sie darf nicht nach meinen Gemächern gehen – und all' meine Leute sind geborne Schufte. – Ha! du neben mir, wackerer Harry Schmied? Was machst du hier?
»Es ist so eine Art von Gefecht gewesen, Mylord,« antwortete unser Bekannter, der Schmied, »zwischen den Bürgern und den südländischen Burschen, die mit dem Douglas reiten; und wir haben sie bis zum Thore der Abtei gejagt.«
»Das freut mich – das freut mich. Und Ihr klopftet die Schufte hübsch aus?«
»Hübsch? fragt Eure Hoheit?« sagte Harry. »Ei ja! wir waren allerdings stärker an Zahl; aber keine Reiter sind besser bewaffnet, als die dem blutigen Herzen folgen. Und daher haben wir sie in einer Hinsicht hübsch geklopft; denn wie Eure Hoheit weiß, ist es der Schmied, der Kriegsleute macht, und Männer mit guten Waffen wiegen ganze Schaaren auf.«
Während sie so schwatzten, kehrte der Graf von March, der mit Einem in der Nähe des Palastthores gesprochen hatte, in ängstlicher Eile zurück. »Mylord Herzog! – Mylord Herzog! – Euer Vater hat sich erholt, und wenn Ihr nicht sehr eilt, so wird Mylord von Albany und der Douglas sein Ohr in Besitz nehmen.«
»Und wenn sich mein königlicher Vater erholt hat,« sagte der leichtsinnige Prinz, »und hält, oder will Rath halten mit meinem gnädigen Oheim und dem Grafen Douglas, so schickt es sich weder für Eure Herrlichkeit noch für mich, uns einzudrängen, bevor wir gerufen werden. Daher hab' ich Zeit, meine kleinen Geschäfte mit meinem wackern Waffenschmied hier zu besprechen.«
»Betrachtet es Eure Hoheit so?« sagte der Graf, dessen sanguinische Hoffnungen auf Hofgunst zu schnell erweckt waren und ebenso rasch gedämpft wurden, – »dann gebt nur Georg von Dunbar auf.«
Er eilte mit düsterer mißvergnügter Miene hinweg; und so machte sich, zu einer Zeit, wo die Aristokratie den Thron so sehr beschränkte, der Erbe desselben die zwei mächtigsten Edelleute Schottlands zu Feinden, indem er den Einen durch verachtenden Trotz, den Andern durch fehlerhaften Leichtsinn beleidigte. Indeß bemerkte er kaum des Grafen von March Abschied oder fühlte sich vielmehr erleichtert von seiner Zudringlichkeit.
Der Prinz ließ sich in ein müssiges Gespräch mit dem Waffenschmied ein, dessen Geschick in seiner Kunst ihn mit vielen der vornehmsten Lords bei Hofe persönlich bekannt gemacht hatte.
»Ich hatte dir Etwas zu sagen, Schmied – kannst du einen gebrochenen Ring in meinem Mailänder Panzer wieder einsetzen?«
»So gut, mit Eurer Hoheit Erlaubniß, als meine Mutter eine Masche in einem Netz wieder aufnehmen konnte – der Mailänder wird mein Werk von seinem eigenen nicht unterscheiden.«
»Gut, aber das war's nicht, was ich dir jetzt sagen wollte,« sagte der Prinz, sich besinnend. »Diese arme Sängerin, guter Schmied, muß in Sicherheit gebracht werden. Du bist Mann genug, um für jede Frau ein Ritter zu sein, und du mußt sie zu einem sichern Orte geleiten.«
Harry Schmied war, wie wir gesehen haben, rasch und kühn genug, wo es Waffen zu führen galt; aber er hatte auch den Stolz eines ehrbaren Bürgers und wollte sich nicht gern in Dinge einlassen, die bei dem anständigen Theile seiner Mitbürger für zweideutig gelten konnten.
»Mit Eurer Hoheit Erlaubniß,« sagte er, »ich bin nur ein armer Handwerker. Aber obwohl mein Arm und Schwert dem König zu Befehl stehen, sowie auch Eurer Hoheit, so bin ich doch, verzeiht mir, kein Knappe für Damen. Eure Hoheit wird unter Eurem eigenen Gefolge Ritter und Herren finden, die recht gern den Sir Pandarus von Troja spielen werden – es ist eine zu ritterliche Rolle für den armen Harry vom Wynd.«
»Hm – ha!« sagte der Prinz. »Meine Börse, Edgar« – (sein Diener flüsterte ihm Etwas zu) – »freilich, freilich, ich gab sie der armen Dirne. – Ich weiß genug von Eurem Gewerbe, Sir Schmied, und von Gewerbsleuten im Allgemeinen, um überzeugt zu sein, daß man keine Falken mit leeren Händen lockt; aber ich denke, mein Wort mag für den Werth einer guten Rüstung gelten, und soviel will ich dir, mit Dank obendrein, für den kleinen Dienst zahlen.«
»Eure Hoheit mag andere Handwerker kennen,« sagte der Schmied; »aber mit Erlaubniß, sie kennt Harry Gow nicht. Er gehorcht Euch, wenn es eine Waffe zu machen oder auszubessern gilt, aber er versteht nichts von diesem Schürzendienst.«
»Höre, du Maulthier von Perth,« sagte der Prinz, jedoch während er sprach, über das Zartgefühl des ehrsamen Bürgers lächelnd, – »die Dirne geht mich so wenig an, wie dich. Aber in einem müssigen Augenblicke, wie Euch die Umstehenden erzählen können, wenn Ihr's nicht selber saht, gab ich ihr im Vorbeigehen einen Kuß, was der armen Unglücklichen wahrscheinlich das Leben kosten wird. Hier ist nicht Einer, dem ich ihren Schutz anvertrauen kann gegen die Gürtelriemen und Bogenstränge, womit die Gränzbestien, die Douglas folgen, sie zu Tode schlagen werden, da es sein Wille so ist.«
»Wenn die Sache so ist, Herr, so hat sie Anspruch auf jedes ehrlichen Mannes Schutz; und da sie einen ordentlichen Rock trägt – obwohl ich wollte, er wäre länger und von minder phantastischem Schnitt – so will ich für ihre Sicherheit stehen, so gut dies ein einzelner Mann kann. Aber wohin soll ich sie bringen?«