»Ja wahrhaftig, das kann ich nicht sagen,« antwortete der Prinz. »Bringt sie nach Sir John Ramorny's Wohnung – aber, nein, nein – er ist krank, und überhaupt sind da Gründe – bring' sie zum Teufel, wenn du willst, aber nur in Sicherheit, und du verbindest David von Rothsay.«
»Mein edler Prinz,« sagte der Schmied, »ich denke – mit allem Respekt, daß ich ein schutzloses Weib der Fürsorge des Teufels immer eher als Sir John Ramorny anvertrauen könnte. Aber obwohl der Teufel ein Feuerarbeiter ist, wie ich, so kenn' ich doch seinen Aufenthalt nicht, und hoffe ihn mit Hilfe der heiligen Kirche in gebührender Entfernung von mir zu halten. Und wie kann ich sie überhaupt durch dies Gedränge oder durch die Straßen in einem solchen Narrenkleide führen? Das ist die große Frage.«
»Was das Verlassen des Klosters anlangt,« sagte der Prinz, »so wird dieser gute Mönch« (dabei ergriff er den Nächsten bei der Kapuze), »Vater Niclas oder Bonifacius –«
»Der arme Bruder Cyprian, zu Eurer Hoheit Befehl,« sagte der Pater.
»Ja richtig, Bruder Cyprian,« fuhr der Prinz fort, »ja, Bruder Cyprian wird Euch durch den geheimen Gang lassen, den er kennt, und ich werd' ihn wieder sehen, um eines Prinzen Dank dafür zu zahlen.«
Der Geistliche neigte sich einwilligend, und die arme Louise, die während des Streites von einem Sprecher auf den andern geblickt hatte, sagte hastig: »Ich will diesem guten Manne mit meinem thörichten Anzug kein Aergerniß geben – ich habe einen Mantel, den ich gewöhnlich trage.«
»Nun also, Schmied, du hast eines Mönchs Kapuze und einen Weibermantel, um dich d'runter zu bergen. Ich wollte, all' meine Schwachheiten wären so gut verhüllt! Lebe wohl, wackerer Bursche; ich werde dir später danken.«
Damit, als fürchtete er einen neuen Einwand von Seiten des Schmieds, eilte er in den Palast.
Harry Gow blieb erstaunt über das Geschehene stehen, da er sich ein Geschäft auferlegt sah, das nicht nur sehr gefährlich war, sondern auch Anstoß erregen konnte, was Beides, verbunden mit dem großen Antheil, den er nach gewohnter Raschheit am Gefechte genommen, ihm nicht geringen Schaden bei Verfolgung des eifrig erstrebten Zieles bringen konnte. Gleichwohl ein schutzloses Wesen der Mißhandlung barbarischer Galwegier und zügelloser Gefährten des Douglas zu überlassen, war ein Gedanke, den sein männliches Herz keinen Augenblick hegen konnte.
Aus dieser Betrachtung ward er durch die Stimme des Mönchs erweckt, der, seine Worte mit der Gleichgültigkeit äußernd, welche die heiligen Väter gegen alle weltlichen Angelegenheiten hatten oder heuchelten, ihm zu folgen bat. Der Schmied setzte sich mit einem Seufzer, der mehr einem Schluchzen glich, in Bewegung, und offenbar wenig auf des Mönchs Bewegungen achtend, folgte er diesem in einen Gang und durch eine Hinterthür, die der Priester, sich noch ein Mal umschauend, offen ließ. Ihnen folgte Louise nach, die eilend ihr kleines Bündel ergriffen und ihren kleinen vierbeinigen Gefährten gerufen hatte. Hastig folgte sie auf dem Pfade, der sie einem Orte entgehen ließ, wo ihr kurz zuvor eine große und unvermeidliche Gefahr zu drohen schien.
Zwölftes Kapitel
Es sprach die alte Wirthin nun,
Die mürrisch g'nug erschien:
»Mocht' Euer Vater je dies thun,
So war es schlimm für ihn.«
Lucky Trumbull.
Die Gesellschaft war jetzt durch einen geheimen Gang in die Klosterkirche gelangt, deren äußere Thüren, gewöhnlich offen stehend, in Folge des letzten Tumultes für Jedermann verschlossen waren, da die Aufrührer beider Parteien sich bemüht hatten, aus anderen Gründen, als denen der Andacht, hineinzudringen.
Sie gingen durch die düstern Gänge, deren Gewölbe von dem schweren Tritte des Waffenschmieds widerhallten, aber stumm blieben durch den Sandalentritt des Mönchs und den leichten Schritt der armen Louise, die vor Furcht wie vor Kälte außerordentlich zitterte. Sie sah, daß weder ihr geistlicher, noch ihr weltlicher Führer freundlich auf sie blickten. Der Erstere war ein strenger Mann, dessen Miene zeigte, er betrachte den unglücklichen Wanderer mit Verachtung und Abscheu; während der Letztere, obwohl, wie wir sahen, einer der gutmüthigsten Menschen von der Welt, gegenwärtig doch ernst bis zur Härte war, und nicht wenig mißvergnügt, daß er eine Rolle zu spielen genöthigt war, ohne, wie er wohl einsah, sie ablehnen zu können.
Sein Mißfallen an diesem Geschäfte erstreckte sich sogar auf seinen unschuldigen Schützling, und er sagte im Stillen zu sich, während er sie verächtlich betrachtete: – »Eine hübsche Bettlerkönigin, um mit ihr durch die Straßen von Perth zu wandern, ich, ein ehrsamer Bürger! Diese phantastische Schöne muß einen so saubern Ruf haben, als ihre ganze Brüderschaft, und ich bin gut daran, wenn meine Chevalerie zu ihrem Besten zu Katharina's Ohr gelangt! Eher dürft' ich einen Mann erschlagen haben, und wär' er der Beste von Perth; und, bei Hammer und Nägeln! ich wollt' es auf erfolgte Beleidigung lieber gethan haben, als diese Bagage durch die Stadt führen.«
Vielleicht ahnte Louise den Grund der Unruhe ihres Begleiters, denn sie sagte, furchtsam und zögernd: »Werther Herr, wär' es nicht besser, ich blieb' einen Augenblick in der Kapelle und nähme meinen Mantel um?«
»Hm, Liebchen, das ist nicht übel,« sagte der Waffenschmied; aber der Mönch sprach dagegen, indem er zugleich den Finger verbietend erhob.
»Die Kapelle des heiligen Madox ist kein Ankleidezimmer für Gaukler und Landstreicher, um sich dort zu putzen. Ich will dir gleich einen Ort zeigen, der besser für deinen Stand paßt.«
Das arme junge Weib senkte ihr gedemüthigtes Haupt und kehrte von der Kapellenthür, der sie sich genähert hatte, mit dem tiefen Gefühle der Erniedrigung zurück. Ihr kleiner Hund schien aus seiner Herrin Blick und Benehmen zu ahnen, daß sie auf diesem heiligen Boden unberechtigte Eindringlinge waren, denn er senkte die Ohren und fegte den Boden mit dem Schwanze, während er leise und dicht hinter Louisens Füßen hinlief.
Der Mönch ging ohne Aufenthalt vorwärts. Sie stiegen eine breite Treppe hinab und gingen durch ein Labyrinth unterirdischer, matt erhellter Gänge. Als sie durch ein niedrig gewölbtes Thor kamen, wandte sich der Mönch um und sagte, in demselben strengen Tone wie vorher, zu Louisen: – »Dort, Tochter der Thorheit, ist ein Ankleidezimmer, wo viele vor Euch ihre Kleider abgelegt haben!«
Dem geringsten Zeichen mit rascher und furchtsamer Bereitwilligkeit folgend, eilte sie durch die offene Thür, kehrte aber sogleich entsetzt zurück. Es war ein Beinhaus, halb angefüllt mit alten Schädeln und Knochen.
»Ich fürchte mich, dort mein Kleid zu wechseln, und allein – aber wenn Ihr, Vater, es befehlt, so möge es geschehen.«
»Ei, du Kind der Eitelkeit, die Reste, die du siehst, sind nur der irdische Theil derer, die in ihrer Zeit zu weltlicher Lust anführten oder ihr folgten. Und so wirst auch du sein, wegen all' deines Leichtsinns und Wanderns, deines Singens und Klimperns; du, und alle solche Diener leichtfertiger und weltlicher Lust, müßt diesen armseligen Gebeinen gleich werden, die deine eitle Weichlichkeit fürchtet und anzusehen scheut.«
»Sprecht nicht von eitler Weichlichkeit, ehrwürdiger Vater,« antwortete die Sängerin, »denn der Himmel weiß, ich beneide die Ruhe dieser armen gebleichten Reste; und wenn ich, meinen Leib darauf legend, ohne Sünde meinen Zustand dem ihrigen gleich machen könnte, so würde ich den Beinhaufen zu meiner Ruhestatt wählen vor dem sanftesten und schönsten Kissen in Schottland.«
»Sei geduldig und komm',« sagte der Mönch in milderem Tone; »der Schnitter darf die Arbeit nicht verlassen, bis Sonnenuntergang das Zeichen gibt, daß das Tagewerk vorüber ist.«