Выбрать главу

Die arme Louise würde widersprochen haben, aber ihr Athem war zu erschöpft, als daß sie hätte sprechen können; sie gestattete daher ihrem gutmüthigen Beschützer, den kleinen Korb zu nehmen; als dies der Hund sah, lief er vor Harry hin, richtete sich auf, schüttelte die Vorderpfoten und winselte leise, als wollte er auch getragen sein.

»Ei nun, so muß ich dich wohl auch schleppen,« sagte der Schmied, welcher sah, wie ermüdet das Thier war.

»Pfui, Charlot!« sagte Louise; »du weißt, daß ich selber dich tragen werde.«

Sie bemühte sich, den kleinen Hund zu fangen, aber er entkam ihr, und indem er an die andere Seite des Schmieds ging, erneuerte er seine Bitten um Aufnahme.

»Charlot hat Recht,« sagte der Schmied; »er weiß am besten, wer ihn tragen kann. Dies thut mir kund, mein artig Kind, daß Ihr nicht immer der Träger Eurer Sachen selber wart. Charlot weiß was zu erzählen.«

Eine solche Todesblässe überzog der armen Sängerin Gesicht, während Harry sprach, daß er genöthigt war, sie zu unterstützen, damit sie nicht zu Boden fiel. Sie erholte sich indeß nach wenig Augenblicken wieder, und mit matter Stimme bat sie ihren Führer, weiter zu gehen.

»Nun, nun,« sagte Harry, als sie ihren Weg fortsetzten, »haltet Euch an meinem Mantel oder an meinem Arm, wenn Euch das besser forthilft. Wir geben einen schönen Anblick; und hätt' ich noch eine Fiedel oder Guitarre auf dem Rücken, wir glichen dem lustigsten Paar Landstreicher, das je vor einem Schloßthor anklopfte. – Bei allen Nägeln,« so dachte er bei sich selbst, »wenn mir ein Nachbar mit diesem Pack Lumpen auf dem Rücken begegnete, einen Hund unterm Arm, und solch ein Mädchen am Mantel hängend, er dächte nicht anders, als ich sei Komödiant geworden. Nicht um den besten Harnisch, woran ich je den Hammer legte, möcht' ich, daß mir einer unserer zungenfertigen Nachbarn in diesem Aufzug begegnete; das wär' ein Spaß, der von St. Valentin bis Lichtmeß währte.«

Beunruhigt durch diese Gedanken, schlug der Schmied, obwohl auf Gefahr einen weit längern Weg, als er wünschte, durchlaufen zu müssen, den entlegensten Pfad ein, den er finden konnte, um die Hauptstraßen zu vermeiden, die noch immer von Menschen angefüllt waren wegen des letzten Tumultes. Aber zum Unglück half ihm seine Vorsicht nichts. Denn als er aus einer Gasse herausging, begegnete er einem in einen Mantel gehüllten Manne, der auch nicht erkannt sein zu wollen schien, obwohl die hagere, dünne Gestalt, die Spindelbeine, die sich unter dem Mantel zeigten, und die kleinen trüben Augen, die oben über dieses Kleid hervorblinzelten, den Apotheker so deutlich ankündigten, als hätte er seinen Namen auf der Mütze getragen. Diese unerwartete und unangenehme Begegnung setzte den Schmied in Verwirrung. Die Flucht schickte sich nicht für seinen kühnen, entschlossenen Charakter. Er wußte, daß dieser Mann so verleumderisch als neugierig, und besonders, daß er ihm sehr abgeneigt war. Es blieb also nur ein Mittel, aus der Verlegenheit zu kommen, und Harry hoffte, der Apotheker werde ihm eine Gelegenheit geben, ihm den Hals umzudrehen, damit er seiner Verschwiegenheit sicher wäre.

Aber weit entfernt, Etwas zu thun oder zu sagen, was so zum Aeußersten führen konnte, schien der Apotheker, als er seinem starken Nachbar sich so nahe gegenüber sah, daß Erkennung unvermeidlich blieb, diese so kurz als möglich zu machen. Ohne daß er des Schmieds Begleiterin große Aufmerksamkeit zu schenken schien, ließ er im Vorbeigehen die Worte fallen, während er nach dem ersten Moment der Begegnung keinen Blick weiter schenkte: – »Einen recht lustigen Feiertag für Euch, Schmied! Wie, du führst dein Mühmchen, die hübsche Mistreß Joan Letham, mit ihrem Bündel vom Wasser herauf – gewiß erst von Dundee, nicht wahr? Ich hörte, daß man sie bei dem alten Schuster erwartete.«

Während er so sprach, sah er weder rechts noch links, dankte noch für ein »Gott grüß' Euch!« das ihm der Schmied mehr zugemurmelt als gerufen, und verschwand auf seinem Wege, wie ein Schatten.

»Hole mich der Satan, wenn ich diese Pille verschlucken kann,« sagte Harry Schmied, »wie schön sie auch immer vergoldet sein mag. Der Schuft hat ein scharfes Auge, wenn es Weiber betrifft, und kann eine wilde Ente von einer zahmen unterscheiden, so gut als irgend einer in Perth. – Er wäre der letzte in der guten Stadt, um saure Pflaumen für Birken zu nehmen, oder meine dicke Muhme Joan für dies phantastische Stück Eitelkeit. Mir ist, als hätt' ich ihn sagen hören: Ich will nicht sehen, was Ihr mir verbergen wollt – und er thut recht daran, da er sich leicht einen gebrochenen Schädel kaufen könnte, wenn er sich in meine Angelegenheit mischte – und daher wird er seinetwegen stumm sein. Aber wer kommt nun wieder? – Bei St. Dunstan! der schwatzhafte, prahlerische, feige Schuft, Oliver Proudfute!« Es war in der That der kühne Strumpfwirker, dem sie zunächst begegneten, und der, die Mütze auf einer Seite und die Weise des Liedchens,

»Du bleibst zu lang' beim Krug, Tom, Tom,«

summend, deutlich anzeigte, daß er sein Mahl nicht trocken gehalten hatte.

»He, mein wackerer Schmied!« sagte er, »fang' ich dich auf die Weise? – Wie kann sich ächter Stahl biegen? – Kenn Vulkan, wie der Minnesänger spricht, Venus mit ihrer eigenen Münze zahlen? – Wahrlich, du wirst das Jahr ein hübscher Valentin sein, da du den Festtag so lustig anfängst.«

»Hört, Oliver,« sagte der mißvergnügte Schmied, »schließt Eure Augen und geht Eures Wegs, Alter. Und merkt wohl, rührt Eure Zunge nicht um das, was Euch nichts angeht, wenn Euch eine ganze Reihe Zähne in Eurem Kopfe lieb sind.«

»Ich aus der Schule schwatzen? – Ich plaudern, und noch dazu gegen meinen Kampfgefährten? – Ich veracht' es – ich würd' es nicht einmal meinem hölzernen Sultan sagen. – Ei, ich kann auf einem Winkel ein so lustiger Bruder sein, als du, Freund, – und da ich gerade daran denke, ich will mit gehen, wir wollen eins mit einander trinken und deine Delila soll uns dazu ein Lied singen. Ha! ist's Euch nicht recht so?«

»Trefflich,« sagte Harry, der sich die ganze Zeit über sehnte, seinen Kampfgefährten niederzuschlagen, aber klüglich einen friedlichern Weg wählte, um seine lästige Gegenwart loszuwerden. – »Ja vortrefflich! – Ich kann deinen Beistand brauchen – denn hier sind fünf oder sechs vom Douglas vor uns – sie werden gewiß versuchen, einem armen Bürger wie mir die Dirne abzunehmen, daher freut mich's, den Beistand eines so tapfern Mannes wie du zu haben.«

»Dank' Euch – dank' Euch,« antwortete der Strumpfwirker; »aber wär's nicht besser, ich liefe, ließe die Gemeindeglocke läuten und holte mein großes Schwert?«

»Ja, ja – geht heim so schnell Ihr könnt, und sagt nichts von dem, was Ihr gesehen habt.«

»Wer, ich? – nein, fürchtet mich nicht. Pah! ich hasse das Plaudern.«

»Also fort mit Euch, – ich höre Waffen klirren.«

Dies belebte und bewegte die Fersen des Strumpfwirkers, welcher, der vermeinten Gefahr den Rücken kehrend, einen Schritt annahm, daß der Schmied nicht zweifeln konnte, er werde bald zu Hause sein.

»Wieder eine schwatzhafte Elster,« dachte der Waffenschmied; »aber auch ihn hab' ich im Garne. Die Minstrels haben eine Fabel von einem Vogel, der sich mit eines andern Federn schmückte, – nun, Oliver ist derselbe Vogel, und, bei St. Dunstan! wenn sich seine Schwätzerzunge auf meine Kosten erlustigt, so will ich ihn rupfen, wie nur je ein Falke das Rebhuhn. Und das weiß er.«

Während sich ihm solche Gedanken aufdrängten, hatte er fast das Ziel seiner Wanderung erreicht; und während die Sängerin noch an seinem Mantel hing, erschöpft, theils aus Furcht, theils vor Müdigkeit, langte er endlich auf der Mitte des Wynd an, den seine eigene Wohnung zierte, und von dem er, der Unsicherheit zufolge, die damals in Anwendung von Familiennamen herrschte, seinen eigenen Zunamen ableitete. Hier brannte an Werkeltagen ein Ofen, und vier halbnackte Bursche betäubten die Nachbarschaft durch den Lärm des Hammers und Amboßes. Aber am St. Valentinstag war kein Handwerker bei der Arbeit, und jetzt waren diese Leute auswärts auf ihren eigenen Wegen der Andacht oder des Vergnügens. Das Haus neben der Schmiede gehörte Harry eigenthümlich, und obwohl es klein war und in einer engen Straße lag, war doch ein großer Garten mit Obstbäumen dahinter, und es bot im Ganzen eine angenehme Wohnung. Der Schmied, statt zu klopfen oder zu rufen, was die Nachbarn an Thür und Fenster gezogen haben würde, zog einen Hauptschlüssel von seiner eigenen Arbeit hervor, damals eine große und beneidete Merkwürdigkeit, und öffnete die Thür seines Hauses, worauf er die Gefährtin in die Wohnung führte.