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»Ich gehorche, Mylord,« sagte Douglas, leicht mit dem Haupte, das sich selten beugte, nickend. »Ich ging von meiner Wohnung im Karthäuserkloster durch die Highstreet von Perth mit Einigen von meinem gewöhnlichen Gefolge, als ich Einige von der schlechtern Bürgerklasse sich um das Kreuz drängen sah, an welches dieser Anschlag und was sich dabei befand, angenagelt war.«

Er zog aus einer Tasche im Busen seines Büffelwamses eine menschliche Hand und ein Stück Pergament. Der König war erschrocken und unruhig.

»Leset,« sagte er, »guter Vater Prior und laßt den häßlichen Anblick entfernen.«

Der Prior las eine Bekanntmachung folgenden Inhalts: –

»In Betracht, daß das Haus eines Bürgers von Perth in letzter Nacht, dem Abend vor St. Valentin, durch eine Schaar liederlicher Nachtschwärmer vom Gefolge eines der Fremden, die jetzt in dieser guten Stadt wohnen, angegriffen ward, wobei man einem der gesetzwidrigen Ruhestörer in dem erfolgten Kampfe diese Hand abhieb: so haben Oberrichter und Magistrat verordnet, daß diese Hand zur Schmach und Schande derer, die solchen Streit veranlaßten, an dieses Kreuz genagelt werde. Und sollte einer von ritterlicher Abkunft behaupten, daß dieses unser Verfahren unrecht sei, so will ich Patrick Charteris von Kinfauns, Ritter, dies Blatt mit ritterlichen Waffen in den Schranken rechtfertigen; oder wenn Einer von geringerer Herkunft läugnen sollte, was hier gejagt ist, so soll er einen Bürger der guten Stadt Perth, seinem Stande gemäß, zur Entgegnung bereit finden. Und so schütze Gott und St. John die gute Stadt!«

»Ihr werdet Euch nicht wundern, Mylord,« begann Douglas wieder, »daß, als mein Almosenier mir den Inhalt eines so unverschämten Blattes vorgelesen hatte, ich durch einen meiner Knappen eine für die Ritterschaft und den Adel Schottlands so schmachvolle Trophäe abreißen ließ. Darauf nahmen sich, wie es scheint, einige jener rohen Bürger die Freiheit, die Hintersten meines Zuges zu beschimpfen und zu höhnen; diese griffen sie zu Pferde an und würden den Streit bald beendigt haben, hätt' ich ihnen nicht bestimmt befohlen, sie sollten mir so ruhig folgen, als der schuftige Pöbel gestatten würde. Und so langten sie hier scheinbar als fliehende Leute an, während sie, hätt' ich befohlen, Gewalt mit Gewalt zu vertreiben, die elende Stadt an vier Ecken angezündet und die unverschämten Bursche, gleich jungen Füchsen in einem brennenden Dickicht, erstickt haben würden.«

Es herrschte Stille, nachdem Douglas gesprochen hatte, bis der Herzog von Rothsay, seinen Vater anredend, antwortete: –

»Da der Graf von Douglas die Macht besitzt, die Stadt anzuzünden, wo Eure Majestät ihren Hof hält, sobald nur der Oberrichter und er wegen eines nächtlichen Tumults oder wegen der Ausdrücke eines Anschlags uneins sind, so sollten wir ihm wohl Alle recht dankbar sein, daß er nicht auch den Willen hat, also zu thun.«

»Der Herzog von Rothsay,« sagte Douglas, der entschlossen schien, sich zu mäßigen, »mag Grund haben, dem Himmel in einem ernsteren Tone zu danken, als er's jetzt thut, daß der Douglas eben so treu als mächtig ist. Dies ist eine Zeit, wo sich die Unterthanen in allen Ländern gegen das Gesetz auflehnen; wir hörten von den Insurgenten der Jacquerie in Frankreich; von Jack Straw, Hob Miller und Pfarrer Ball bei den Engländern; und wir können überzeugt sein, daß Brennstoff genug da ist, um solches Feuer zu fangen, wenn es sich zu unsern Grenzen erstreckte. Wenn ich sehe, wie Bauern Edelleute fordern und Hände des Adels an ihr Stadtkreuz nageln, so will ich nicht sagen, ich fürchte Meuterei – das würde unwahr sein – aber ich sehe sie kommen und will ihr wohlbereitet entgegen treten.«

»Und warum sagt Mylord Douglas,« antwortete der Graf von March, »diese Ausforderung rühre von den Bauern her? Ich sehe Sir Patricks Namen darauf, und er ist, denk' ich, nicht aus gemeinem Blute. Douglas selbst könnte, da er die Sache mit so viel Wärme behandelt, Sir Patricks Handschuh aufheben, ohne seine Ehre zu bestecken.«

»Mylord von March,« erwiderte Douglas, »sollte nur von dem sprechen, was er versteht. Ich bin nicht ungerecht gegen den Nachkommen des rothen Räubers, wenn ich sage, er wiegt zu leicht gegen den Douglas. Der Erbe Thomas Randolphs dürfte bessere Ansprüche auf seine Anwort haben.«

»Und, bei meiner Ehre, ich werde nicht unterlassen, um die Gnade zu bitten,« sagte der Graf von March, seinen Handschuh abziehend.

»Halt, Mylord,« sagte der König. »Thut uns nicht so grobes Unrecht an. Euch hier zu tödtlicher Fehde herauszufordern; bietet vielmehr Eure bloße Hand in Freundschaft dem edlen Grafen, und umarmt Euch zum Zeichen beiderseitiger Treue für die Krone Schottlands.«

»Nicht so, mein König,« antwortete March; »Eure Majestät kann mir gebieten, den Handschuh zurückzunehmen, denn dieser und die ganze Rüstung steht zu Eurem Befehl, so lang' ich meine Grafschaft von der Krone Schottland zu Lehen trage – aber wenn ich Douglas umarme, so muß es mit gepanzerter Hand geschehen. Lebt wohl, mein König. Mein Rath frommt hier nichts, ja, er wird so ungünstig aufgenommen, daß ferneres Weilen vielleicht meiner Sicherheit nicht förderlich wäre. Möge Gott Eure Hoheit vor offenen Feinden und verräterischen Freunden bewahren! – Ich gehe nach meinem Schlosse Dunbar, von wo Ihr, denk' ich, bald Nachrichten erhalten werdet. Auch Ihr lebt wohl, Mylords von Albany und Douglas; Ihr spielt ein hohes Spiel, seht zu, daß es gut abläuft. – Lebt wohl, armer, leichtsinniger Prinz, der Ihr wie ein Reh im Bereich eines Tigers scherzt! – Lebt Alle wohl – Georg von Dunbar sieht das Uebel, das er nicht heilen kann. – Adieu Euch Allen.«

Der König würde gesprochen haben, aber die Laute erstarben ihm auf der Zunge, als er von Albany einen Blick erhielt, der ihn zum Schweigen ermahnte. Der Graf von March verließ das Gemach, die stummen Grüße der Glieder des Rathes empfangend, die er einzeln angeredet hatte, außer von Douglas, der sein Lebewohl mit einem Blicke verachtenden Trotzes erwiderte.

»Der Elende geht, um uns den Engländern zu verrathen,« sagte er; »sein Stolz beruht auf dem Besitz der vom Meere ausgewaschenen Burg, die unsere Feinde in Lothian einführen kann. – Nein, seid nicht besorgt mein König, ich werde halten, was ich sage – indeß ist es noch Zeit. Sprecht nur das Wort, mein König – sagt nur ›Verhaftet ihn‹, und March soll auf seiner verrätherischen Reise nicht bis über den Earn kommen.«

»Nein, tapferer Graf,« sagte Albany, der mehr wünschte, daß die beiden mächtigen Lords einander das Gegengewicht halten möchten, als daß Einer eine entschiedene Uebermacht erlangen sollte; »das hieße zu unbedacht verfahren. Der Graf von March kam hierher unter des Königs sicherem Geleit, und dies zu brechen dürfte sich nicht mit meines königlichen Bruders Ehre vertragen. Wenn jedoch Eure Herrlichkeit einen einzelnen Beweis geben könnte –«

Hier wurden sie durch Trompetenschall unterbrochen.

»Seine Hoheit von Albany ist heut ungewöhnlich bedenklich,« sagte Douglas; »aber es nützt nichts, Worte zu verschwenden – die Zeit ist vorbei – dies sind March's Trompeten, und ich glaube, sobald er das südliche Thor hinter sich hat, wird er im Fluge reiten. Wir werden bald von ihm hören; und wenn es ist, wie ich vermuthe, so werden wir ihn nur mit ganz England im Gefolge wiedersehen.«

»Nein, laßt uns Besseres von dem edlen Grafen hoffen,« sagte der König, keineswegs unzufrieden, daß der Streit zwischen March und Douglas scheinbar die Spuren des Zwistes zwischen Rothsay und seinem Schwiegervater verwischt hatte; »er hat ein feuriges, aber kein böses Gemüth. – In einigen Punkten ist er – ich will nicht sagen gekränkt – aber getäuscht worden – und Etwas muß man dem Zorne des edlen Blutes, welches große Macht besitzt, nachsehen. Aber, Dank dem Himmel, Alle von uns, die zurückblieben, sind von einer Gesinnung, und ich darf sagen von einer Familie; so kann nun wenigstens unser Rath nicht durch Uneinigkeit beeinträchtigt werden. – Vater Prior, ich bitt' Euch, nehmt Euer Schreibmaterial, denn Ihr müßt, wie gewöhnlich, der Geheimschreiber unsers Rathes sein. – Und nun an's Werk, Mylords – zuerst wollen wir den hochländischen Streit in Erwägung ziehen.«