»Zwischen dem Clan Chattan und dem Clan Quhele,« sagte der Prior. »Derselbe ist, wie uns die letzten Nachrichten von unsern Brüdern zu Dunkeld melden, im Begriff, in eine furchtbarere Fehde auszubrechen, als je zwischen diesen Belialskindern stattfand, die von nichts sprechen, als von gegenseitiger gänzlicher Vernichtung. Ihre Schaaren sammeln sich auf beiden Seiten, und jeder Verwandte bis zum zehnten Grade muß sich beim Brattach [Fahne] seines Stammes stellen, oder er verfällt der Strafe von Feuer und Schwert. Das feurige Kreuz hat in jeder Richtung wie ein Meteor geleuchtet, und fremde und unbekannte Stämme jenseit des fernen Murray Frith erweckt – mög' uns der Himmel und St. Dominikus schützen! Aber wenn Eure Herrlichkeiten kein Mittel gegen das Uebel finden können, so wird es sich weit und breit erstrecken und das Erbtheil der Kirche muß allenthalben der Wuth dieser Amalekiter ausgesetzt sein, bei denen so wenig Ehrfurcht vor dem Himmel ist, als Erbarmen oder Liebe für ihre Nachbarn. – Behüt' uns unsre liebe Frau! – Wir hören, einige von ihnen sind vollkommene Heiden und beten Mahound und Termagaunt an.
»Mylords und Vettern,« sagte Robert, »Ihr habt gehört, wie dringend der Fall ist, und mögt wohl meine Meinung zu kennen wünschen, bevor Ihr berathet, was Eure eigene Klugheit andeuten wird. Und fürwahr, mir fällt kein besseres Mittel bei, als zwei Abgeordnete zu senden, mit Vollmacht von uns, ihre Streitigkeiten zu schlichten, und zu gleicher Zeit ihnen zu gebieten, im Namen des Gesetzes die Waffen niederzulegen und alle Gewaltstreiche gegen einander zu unterlassen.«
»Ich pflichte Eurer Majestät Vorschlag bei,« sagte Rothsay; »und ich hoffe, der gute Prior wird sich nicht weigern, bei diesem Friedenswerk das ehrwürdige Amt eines Gesandten zu übernehmen. Und sein würdiger Bruder, der Abt des Karthäuserklosters, wird sich um eine Ehre streiten, die gewiß der großen Armee der Märtyrer zwei vorzügliche Rekruten zuführen wird, da die Hochländer wenig den Unterschied zwischen Geistlichen und Laien bei den Abgesandten, die Ihr ihnen schickt, beachten werden.«
»Mein königlicher Herr von Rothsay,« sagte der Prior, »wenn mir die gepriesene Krone des Märtyrerthums bestimmt ist, so werd' ich ohne Zweifel den Weg geführt werden, auf dem ich sie erlangen soll. Inzwischen mag Euch, wenn Ihr im Scherz redet, der Himmel verzeihen und Euch erleuchten, um zu begreifen, daß es Euch besser anstehen würde, mit Euren Waffen die Besitzthümer der Kirche zu schützen, die in so großer Gefahr sind, als Euren Witz im Scherz gegen ihre Diener zu erproben.«
»Ich scherze gar nicht,« sagte der junge Mann gähnend; »auch hab' ich keine Abneigung, die Waffen zu ergreifen, nur daß sie eine etwas beschwerliche Tracht sind, und im Februar ein Pelzmantel besser gegen das Wetter schützt, als ein Stahlharnisch. Und es ist mir so unangenehm, in diesem rauhen Wetter eine kalte Rüstung anzulegen, daß ich wollte, die Kirche sendete eine Kompagnie ihrer Heiligen (auch gibt es ja einige Hochländische, die in jener Gegend wohl bekannt und sicher an's Klima gewöhnt sind), um ihre eigenen Schlachten zu kämpfen, gleich dem lustigen St. Georg von England. Aber ich weiß nicht, wie es zugeht, wir hören von ihren Wundern, wenn man sie anredet, von ihrer Rache, wenn man das Gebiet der Kirche verletzt, Alles nur, um uns zur Freigebigkeit anzureden, und gleichwohl, wenn nur eine Schaar von zwanzig Hochländern kommt, sind Glocken, Bücher und Kerzen zu nichts nutze, und der geharnischte Baron ist genöthigt, die Kirche im Besitz der Ländereien zu erhalten, die er ihr gegeben hat, gleich als ob er noch die Früchte von ihnen ärntete.«
»Sohn David,« sagte der König, »du gestattest deiner Zunge eine ungebührliche Freiheit.«
»Ei, Sir, ich bin stumm,« erwiderte der Prinz. »Ich wollte Eure Hoheit gar nicht stören, auch dem Vater Prior nichts Unangenehmes sagen, der, mit so viel Wundern zu seiner Verfügung, wie es scheint, einer Handvoll hochländischer Räuber nicht entgegentreten will.«
»Wir wissen,« sagte der Prior mit unterdrücktem Unwillen, »aus welcher Quelle diese schnöden Grundsätze geflossen find, die wir mit Entsetzen aus dem Munde hören, der sie jetzt ausspricht. Wenn Prinzen mit Ketzern verkehren, so wird ihr Gemüth wie ihre Sitten verdorben. Sie zeigen sich auf den Straßen als die Gefährten von Masken und schlechten Dirnen, und im Rathe als Spötter gegen die Kirche und heilige Gegenstände.«
»Ruhig, guter Vater!« sagte der König. »Rothsay soll Buße thun für seine eiteln Reden. Ach! laßt uns Rath pflegen auf freundliche Art, und nicht wie ein meuterischer Haufe Schiffsvolk in einem sinkenden Fahrzeuge, wenn Jeder mehr mit seinen Nachbarn zu hadern strebt, als den Bemühungen des verlassenen Schiffsherrn, der das Schiff erhalten will, beizustehen. – Mylord von Douglas, Euer Haus hat selten gefehlt, wenn die Krone von Schottland weisen Rath oder männliche Hilfe forderte; ich hoffe, Ihr werdet uns in dieser Verlegenheit Hilfe leihen?«
»Ich kann mich nur wundern, daß diese Verlegenheit vorhanden sein soll,« antwortete der stolze Douglas. »Als mir die Statthalterschaft des Königreichs anvertraut ward, kamen einige der wilden Clans von den Grampischen Bergen herab. Ich bemühte den Rath nicht wegen der Sache, sondern ließ den Sheriff, Lord Ruthven, mit der Macht der Ebene zu Pferde steigen – mit den Hay's, den Lindsay's, den Ogilvie's und andern Edelleuten. Beim heiligen Zaum! wenn die Stahlkleider dem Mantel begegneten, da wußten die Räuber, wozu Lanzen gut waren und ob Schwerter Schneiden hatten oder nicht. Dreihundert ihrer besten Köpfe blieben, außer dem ihres Häuptlings, Donald Cormac, auf dem Moor von Thorn und im Rochinroywalde; eine gleiche Anzahl ward aufgehängt am Galgen, der noch den Namen von dem Henker hat, der das Werk dort verrichtete. Auf solche Weise muß man in meiner Heimath mit Dieben umgehen; und wenn sanftere Mittel bei solchen Schurken bessern Erfolg haben, so tadelt Douglas nicht, daß er seine Meinung sagte. – Ihr lächelt, Mylord von Rothsay. Darf ich fragen, ob Ihr ein zweites Mal Euren Scherz mit mir treiben wollt, bevor ich Euch für das erste Mal geantwortet habe?«
»Ei, seid nicht böse, mein guter Lord von Douglas,« erwiderte der Prinz, »ich lächelte nur bei dem Gedanken, wie Euer fürstliches Gefolge zusammenschrumpfen würde, wenn es jedem Diebe ginge, wie den armen Hochländern.«
Der König mischte sich wieder ein, um eine zornige Antwort des Grafen zu verhüten. »Eure Herrlichkeit,« sagte er zu Douglas, »räth weise, daß wir den Waffen vertrauen sollen, wenn jene Leute gegen unsere Unterthanen auf die schöne glatte Ebene kommen; aber die Schwierigkeit ist, ihren Unordnungen Einhalt zu thun, so lange sie hinter ihren Bergen stecken. Ich brauche Euch nicht zu sagen, daß der Clan Chattan und Clan Quhele große Verbindungen sind, jeder aus mannigfachen Stämmen bestehend, die sich vereinigt haben, im allgemeinen Kriege zu den Waffen zu greifen; noch jüngst haben ihre Zwistigkeiten allenthalben Blut vergossen, wo sie einander einzeln oder in Masse trafen. Das ganze Land ist durch ihre rastlosen Fehden in Stücke gerissen.«
»Ich kann das Schlimme davon nicht sehen,« sagte Douglas; »die Schufte werden einander vernichten, und das Wild der Hochlande wird sich mehren, wie sich die Menschen vermindern. Wir werden als Jäger die Uebung gewinnen, die wir als Krieger verlieren.«
»Sagt vielmehr, die Wölfe werden sich mehren, wie sich die Menschen vermindern,« erwiderte der König.
»Nun meinetwegen,« sagte Douglas; »besser wilde Wölfe, als wilde Räuber. Unterhaltet starke Truppen längs der Earischen Grenze, um das ruhige von dem unruhigen Lande zu trennen. Beschränkt das Feuer des Bürgerkriegs auf die Hochlande; laßt seine unbezähmbare Wuth sich austoben und es wird bald aus Mangel an Material ausbrennen. Die Ueberlebenden werden gedemüthigt sein und einem Flüstern Eurer Majestät mehr gehorchen, als ihre Väter oder die jetzt lebenden Schurken Euren strengsten Befehlen.«