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»Das ist ein weiser, aber kein frommer Rath,« sagte der Prior, sein Haupt schüttelnd; »ich kann's nicht auf mein Gewissen nehmen, ihn anzuempfehlen. Es ist Weisheit, aber es ist die Weisheit des Achitophel, schlau zugleich und grausam.«

»So sagt mir mein Herz,« – sagte der König, seine Hand auf die Brust legend; – »mein Herz sagt mir, daß an jenem furchtbaren Tage die Frage an mich gerichtet werden wird: ›Robert Stuart, wo sind die Unterthanen, die ich dir gab?‹ Es sagt mir, daß ich für Alle verantwortlich bin, Sachsen und Gälen, Niederland, Hochland und Grenzland; daß man mich nicht blos um die fragen wird, die Güter und Kenntnisse besitzen, sondern auch um die, welche stahlen, weil sie arm, und sich empörten, weil sie unwissend waren.«

»Eure Majestät spricht wie ein christlicher König,« sagte der Prior. »Aber Ihr führt das Schwert so gut wie das Scepter, und dies gegenwärtige Uebel ist von einer Art, daß es das Schwert heilen muß.«

»Hört, Mylords,« sagte der Prinz, aufblickend, als hätte er plötzlich einen glücklichen Gedanken, – »Gesetzt, wir gäben diesen wilden Bergbewohnern einen Unterricht in der Chevalerie? Es wäre nicht schwer, die beiden großen Führer, den des Clans Chattan und den Häuptling des nicht minder edeln Geschlechts Clan Quhele, dazu zu bringen, daß sie sich gegenseitig auf Leben und Tod herausforderten. Sie könnten sich hier in Perth schlagen; wir würden ihnen Waffen und Pferde leihen; so würde ihr Streit mit dem Tode des einen oder wahrscheinlich beider Schurken (denn beide, denk' ich, würden ihre Hälse beim ersten Angriff brechen,) erlöschen. Der fromme Wunsch meines Vaters, Blut zu schonen, wäre erfüllt und wir hätten das Vergnügen, dem Zweikampfe zweier wilden Ritter zuzusehen, die zum ersten Mal in ihrem Leben Hosen trügen und auf Rossen säßen, was seit König Arthurs Zeit nicht erhört ist.«

»Schämt Euch, David!« sagte der König. »Macht Ihr das Unglück Eurer Heimath und die Verlegenheit unsrer Räthe zum Gegenstande von Späßen?«

»Wenn Ihr verzeihen wollt, königlicher Bruder,« sagte Albany, »ich denke, obwohl mein Neffe diesen Gedanken in scherzhafter Weise ausgesprochen hat, so kann man doch daraus Etwas entnehmen, was bei dieser schlimmen Angelegenheit viel helfen würde.«

»Guter Bruder,« erwiderte der König, »es ist unfreundlich, Rothsay's Thorheit durch weitere Verfolgung seines unzeitigen Scherzes deutlicher darzustellen. Wir wissen, daß die Hochlandclans nicht unsere ritterlichen Bräuche haben, auch nicht die Kleidung oder Weise zu solchem Kampfe.«

»Wahr, Eure Majestät,« antwortete Albany; »aber ich rede nicht Spott, sondern vollen Ernst. Allerdings haben die Hochländer nicht unsere Form und Weise in den Schranken zu kämpfen, aber sie haben die, welche eben so wirksam zur Zerstörung menschlichen Lebens ist; und wird so das tödtliche Spiel gespielt und der Preis gewonnen und verloren, was liegt dann daran, ob diese Gälen mit Schwert und Lanze fechten, wie es Rittern ziemt, oder mit Sandsäcken, wie die englischen Bauern, oder ob sie sich mit Messern und Dolchen nach ihrer rohen Art die Gurgel abschneiden? Ihr Gebrauch, wie der unsere, vertraut jeden Streit und Rechtsfall der Entscheidung eines Kampfes. Sie sind so eitel als kühn, und der Gedanke, sich vor den Augen Eurer Majestät und des Hofes schlagen zu dürfen, wird sie gleich bestimmen, ihre Streitigkeit auf das Loos eines Kampfes auszusetzen, selbst wenn man ihnen, ihrer Sitte entgegen, die Gesetze auflegt oder die Zahl der Kämpfer bestimmt. Wir werden Sorge tragen, sie dem Hofe nicht anders als unbewaffnet und in zu kleiner Anzahl sich nähern zu lassen, als daß sie wagen könnten, uns zu beunruhigen. Und wenn wir auf unserer Hut sind, so wird, je größer die Anzahl der Kämpfer ist, um so bedeutender das Blutbad unter ihren tapfersten und wildesten Leuten wenden, und um so größer die Aussicht auf lange Ruhe der Hochlande.«

»Dies wär' eine blutige Politik, Bruder,« sagte der König; »und nochmals sag' ich, daß sich mein Gewissen nicht mit dem Blutbade jener rohen Leute befreunden kann, die wenig besser sind, als finstere Heiden.«

»Und ist ihr Leben kostbarer,« fragte Albany, »als das der Edeln und Ritter, die mit Eurer Majestät Zustimmung so häufig in den Schranken fechten dürfen, sei es, um Rechtsstreitigkeiten beizulegen, oder nur um Ruhm zu erwerben?«

Der so hart bedrängte König hatte wenig gegen eine Sitte zu sagen, so sehr geduldet nach den Gesetzen des Reichs und der Gewohnheit der Ritterschaft; und er erwiderte nur: Gott weiß, ich habe eine solche Erlaubniß, wie Ihr mir vorhaltet, immer nur mit größtem Widerstreben ertheilt; und nie sah ich Edelleute im Streite Blut vergießen, ohne daß ich wünschte, es mit meinem eignen zu sühnen.«

»Aber, mein gnädiger Herr,« sagte der Prior, »es scheint, wenn wir ein Verfahren, wie das des Lord Albany, nicht gutheißen, so müssen wir zu dem des Douglas unsere Zuflucht nehmen; wir müssen dann, auf Gefahr einer zweifelhaften Schlacht und mit der Gewißheit, viele treffliche Unterthanen zu verlieren, das mittelst der Niederlandsschwerter thun, was jene wilden Bergbewohner sonst mit ihrer eigenen Hand vollbringen. – Was sagt Mylord Douglas zu der Politik des Herzogs von Albany?«

»Douglas,« sagte der hochmüthige Lord, »rieth nie, daß Etwas durch Politik geschehe, was man mit offener Gewalt erlangen kann. Er bleibt bei seiner Meinung, und ist bereit, an der Spitze seiner eigenen Leute, nebst denen der Barone von Perthshire und von der Ebene in's Feld zu ziehen, um entweder diese Hochländer zur Vernunft oder Unterwerfung zu bringen, oder den Körper eines Douglas in ihren wilden Einöden zurückzulassen.«

»Es ist ritterlich gesprochen, Mylord von Douglas,« sagte Albany; »und wohl möchte sich der König auf Euer unerschrockenes Herz verlassen und auf den Muth Eurer entschlossenen Gefährten. Aber seht Ihr nicht, wie bald Ihr anderswohin gerufen werden könnt, wo Eure Dienste Eurem Könige und Schottland nützlicher sein werden? Habt Ihr nicht das finstere Gesicht gesehen, mit dem der ungestüme Graf March unsern Fürsten seiner Treue versicherte, so lange er Vasall der Krone Schottlands sei? und habt Ihr nicht selber gefürchtet, er möge beabsichtigen, sich England zu ergeben? Andere, minder mächtige und berühmte Herren können sich mit den Hochländern messen; aber wenn March die Percy's und ihre Engländer in's Reich führt, wer soll sie verjagen, wenn Douglas anderswo ist?«

»Mein Schwert,« antwortete Douglas, »ist stets zum Dienst Seiner Majestät, sei es an der Grenze oder in den tiefsten Schluchten der Hochlande. Ich habe die Rücken der stolzen Percy und Georgs von Dunbar schon gesehen und kann sie wohl wiedersehen. Und wenn es dem König gefällt, daß ich Maßregeln ergreife gegen den wahrscheinlichen Bund eines Fremden und eines Verräthers, so gesteh' ich, daß, eh' ich einer geringern oder schwächern Hand das wichtige Werk der Beruhigung der Hochlande anvertraue, ich mich lieber zu Gunsten der Politik des Herzogs von Albany ausspreche und zugebe, daß diese Wilden sich einander vernichten, ohne die Barone und Ritter mit der Mühe zu beladen, sie zu jagen.«

»Mylord von Douglas,« sagte der Prinz, der entschlossen schien, keine Gelegenheit vorbeizulassen, wo er seinen hochmüthigen Schwiegervater necken konnte, »will uns anderen armen Bewohnern der Ebene nicht einmal den Ruhm lassen, den wir auf Kosten der hochländischen Räuber erlangen könnten, während er schon in Gedanken eine Aernte von Siegen auf Kosten der Engländer sammelt; aber Percy hat den Rücken gewisser Leute so gut gesehen, als Douglas, und ich hörte sagen, daß oft die, welche nach Wolle ausgingen, selber geschoren zurückkämen.«

»Ein Sprichwort,« sagte Douglas, »welches wohl für einen Prinzen paßt, der mit dem Beutel einer wandernden Dirne an der Mütze, den er als Gunstzeichen erhalten, von Ehre spricht.«