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»Entschuldigt, Mylord,« sagte Rothsay; «Leute, die unpassend heiratheten, werden gleichgiltig in der Wahl derjenigen, die sie par amours lieben. Der Hund an der Kette muß nach dem nächsten Knochen greifen.«

»Rothsay, mein unglücklicher Sohn!« rief der König. »Bist du rasend? oder willst du das volle Ungewitter des Mißfallens eines Königs und Vaters auf dich lenken?«

»Ich bin stumm,« erwiderte der Prinz, »auf Eurer Majestät Befehl.« »Nun wohl, Mylord von Albany,« sagte der König, »da Euer Rath so ist, und da schottisches Blut fließen muß, wie, ich bitt' Euch, sollen wir jene wilden Leute dahin bringen, daß sie ihren Zwist, wie Ihr vorschlagt, schlichten?«

»Das, mein König,« sagte Albany, »muß das Ergebniß reiferer Erwägung sein. Aber das Werk wird nicht schwierig sein. Gold wird nöthig sein, um einige der Barden, der vorzüglichen Räthe und Wortführer zu bestechen. Den Häuptlingen beider Bündnisse aber muß man andeuten, daß, wofern sie nicht auf diese freundliche Anordnung eingehen –«

»Freundliche, Bruder?« sagte der König mit Nachdruck.

»Ja, freundliche, mein König,« erwiderte sein Bruder, »da es besser wäre, das Land erlangte Frieden auf Kosten etlicher zwanzig Hochländer, als daß der Krieg fortdauerte, bis eben so viele Tausend Menschen durch Schwert, Feuer, Hunger und alle Uebel des Bürgerkrieges umgekommen sind. Um auf unsern Plan zurückzukommen, so denk' ich, die erste Partei, welcher der Vorschlag gemacht wird, nimmt ihn mit Freuden an, und die andere schämt sich dann der Weigerung, ihre Sache der Tapferkeit der muthigsten Krieger anzuvertrauen. Haß und Eitelkeit werden sie hindern, unsere Beweggründe zu errathen, und sie werden hitziger sein, sich in Stücke zu hauen, als wir, sie aufzumuntern. Bis ich jedoch meinen Zweck so weit erreicht habe, daß mein Rath von Nutzen sein kann, will ich mich zurückziehen.«

»Wartet noch einen Augenblick,« sagte der Prior, »denn ich habe Euch etwas Schlimmes mitzutheilen, von so düsterer und schrecklicher Art, daß Euer Gnaden frommes Herz seine Möglichkeit kaum begreifen wird; und ich entdecke es mit Schmerz, weil es so gewiß, als ich ein unwürdiger Diener des heiligen Dominikus bin, die Ursache von dem Zorn des Himmels gegen das unglückliche Land ist, einem Zorne, durch den unsere Siege in Niederlagen, unsere Freude in Trauer verwandelt, unser Rath durch Uneinigkeit gestört und unser Land vom Bürgerkrieg verzehrt wird.«

»Sprecht, ehrwürdiger Prior,« sagte der König; »sicherlich, wenn die Ursache solcher Uebel in mir oder in meinem Hause liegt, so will ich sogleich Sorge tragen, daß sie entfernt werde.«

Er sprach diese Worte mit schwankender Stimme und erwartete ängstlich des Priors Antwort, ohne Zweifel aus Furcht, daß er Rothsay einer neuen Thorheit oder eines neuen Fehlers beschuldigen werde. Seine Besorgnisse täuschten ihn vielleicht, wenn er glaubte, er sähe des Geistlichen Blick einen Augenblick auf dem Prinzen ruhen, bevor er mit feierlicher Stimme sagte: – »Ketzerei, mein edler und gnädiger König, Ketzerei ist unter uns. Sie reißt Seele um Seele von der Heerde, wie Wölfe aus den Hürden Lämmer stehlen.«

»Es sind genug Hirten, um die Heerde zu bewachen,« antwortete der Herzog von Rothsay. »Hier sind allein vier Klöster von Ordensgeistlichen bei der armen Heerde von Perth, ungerechnet die Weltgeistlichen. Mich dünkt, eine so wohl besetzte Stadt kann es mit einem Feinde aufnehmen.«

»Ein Verräther in einer Besatzung, Mylord,« antwortete der Prior, »kann viel thun, die Sicherheit einer Stadt zu vernichten, die von Legionen bewacht ist; und wenn der eine Verräther entweder aus Leichtsinn, oder Liebe zum Neuen, oder sonst einem Grunde von denen geschützt und gehegt wird, die ihn am eifrigsten aus der Festung jagen sollten, so wird seine Gelegenheit, Unheil zu stiften, unberechenbar vermehrt.«

»Eure Worte scheinen auf einen hier Anwesenden zu zielen, Vater Prior,« sagte Douglas; »wenn auf mich, so thun sie mir schnödes Unrecht. Ich weiß wohl, daß der Abt von Aberbrothock einige übelgemeinte Beschwerden geführt hat, weil ich sein Vieh nicht zu zahlreich für seine Heerden werden ließ, und nicht duldete, daß die Getreidehaufen die Klosterscheuern zerdrückten, während unsere Leute an Fleisch und ihre Pferde an Hafer Mangel hatten. Aber mich dünkt, diese fruchtbaren Weiden und Felder seien von meinen Vorfahren dem Kloster Aberbrothock nicht in der Absicht geschenkt worden, daß ihre Nachkommen mitten in diesem Ueberfluß Hungers sterben sollten. Das soll nicht geschehen, bei der heiligen Jungfrau! Aber was Ketzerei und falsche Lehre betrifft,« fügte er, mit der breiten Hand heftig auf die Tafel schlagend, hinzu, »wo ist der, welcher Douglas anzuklagen wagt? Es mißfällt mir, wenn man arme Leute wegen leichtsinniger Gedanken verbrennt; aber mein Arm und Schwert werden immer bereit sein, den christlichen Glauben zu schützen.«

»Mylord, ich zweifle nicht,« sagte der Prior; »das ist stets bei Eurem edlen Hause der Fall gewesen. Was des Abts Beschwerden betrifft, so verschieben wir die auf einen andern Tag. Was wir aber jetzt wünschen, ist, daß einem der ersten Großen des Staates eine Vollmacht gegeben werde, sich mit den Gliedern der heiligen Kirche zu dem Zwecke zu vereinigen, mit Gewalt, wenn es nöthig wäre, die Untersuchungen zu unterstützen, welche der ehrwürdige Offizial der Grenzen und andere Prälaten, unter denen auch ich Unwürdiger sein werde, über die neuen Lehren anzustellen beabsichtigen, welche die Reinheit des Glaubens verderben und die Einfältigen irre leiten, dem heiligen Vater und seinen ehrwürdigen Vorgängern zum Trotze.«

»Laßt den Grafen von Douglas königliche Vollmacht hierzu erhalten,« sagte Albany; »und laßt keine Ausnahme von seiner Gerichtsbarkeit stattfinden, außer was die königliche Person betrifft. Was mich selbst anlangt, obwohl ich gewiß bin, nie, weder in That, noch Gedanken, eine Lehre, welche die heilige Kirche nicht billigt, angenommen oder begünstigt zu haben, würde ich doch erröthen, eine Freiheit aus dem königlichen Blute von Schottland herzuleiten und in Anspruch zu nehmen, aus Furcht, den Schein auf mich zu werfen, als suchte ich Zuflucht wegen eines so schrecklichen Verbrechens.«

»Ich will damit nichts zu thun haben,« sagte Douglas; »gegen die Engländer und den Verräther March zu ziehen ist Beschäftigung genug für mich. Ueberdies bin ich ein ächter Schotte und will nicht, daß die schottische Kirche sich noch mehr unter Roms Joch beuge, und die Krone eines Barons sich vor der Bischofsmütze und Kapuze demüthige. Also, edler Herzog von Albany, setzt nur Euren Namen in die Vollmacht, und ich bitte Euer Gnaden, den Eifer der mit Euch verbundenen Glieder der heiligen Kirche zu mäßigen, daß man die Grenze nicht überschreitet; denn der Geruch eines Scheiterhaufens am Tay würde Douglas zurückführen von den Mauern von York.«

Der Herzog beeilte sich, den Grafen zu versichern, daß die Vollmacht mit Milde und Mäßigung vollzogen werden sollte.

»Ohne Frage,« sagte König Robert, »muß die Vollmacht umfassend sein; und vertrüge es sich mit der Würde der Krone, so wollten wir selbst uns ihrer Gerichtsbarkeit nicht entziehen. Wir hoffen jedoch, daß, während die Blitze der Kirche gegen die schnöden Urheber dieser abscheulichen Ketzereien gerichtet werden, Maßregeln der Milde und des Mitleidens hinsichtlich der unglücklichen Opfer ihrer Vorspiegelungen getroffen werden.«

»So hält es die heilige Kirche stets, Mylord,« sagte der Prior der Dominikaner.

»Nun, dann fertige man die Vollmacht mit gehöriger Sorgfalt aus im Namen unseres Bruders Albany und Anderer, die dazu passend sein werden,« sagte der König. – »Und nun laßt uns unsern Rath aufheben; Rothsay, komm' du mit mir und leih' mir deinen Arm, – ich habe mit dir allein zu sprechen.«

»Holla!« – rief hier der Prinz in dem Tone, in welchem er ein dressirtes Pferd angeredet haben würde.